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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-05-20 · Heft 21 (20.5.1892) · p. Seite 243

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 21 (20.5.1892)
Date
1892-05-20
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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243 Duzende it§? : es vm, als von Dieser 1 Gleichaus, die es. jüdischer, or Jahrclei Recht LVtf, sa»k- Freiheü rte einen igyptischc elbe über belehren, stberalis- » Atheismn den Stigma der Lus! ben nicht eine von sin noch ans sich nden ein jren und iert, und mit dem Tag Hot der Jude )er Jude sein Lied nan die n immer nen man Leben in nd helle>r lies, was;t. Kam Blüthen, kleideten: ift nichts erfreuen t Wachsth Nach- : gelernt, rurch die tott beim Natur- »eim Geand auch für das Brod, das er aß, und jeden Trunk, mit dem er den Durst löschte, hatte er seinen Segen. Er dankte Gott für die Errettung o»s einer Lebensgefahr und pries den Aügütigen, wenn er von eigenem und fremdem Glücke Nachricht erhielt, wie er auch beim Unglück Anderer demüthig Antheil nahm. Mit einem Dankspruch an Gott begrüßte er den von einer Krankheit genesenden Freund, auch dm nach längerer Trennung wiedergesehenen Freund. Der Jude war, wie es menschlich ist, begierig, hochstehende Männer zu sehen, berühmte Gelehrte, Fürsten und ihr glänzendes Gefolge — und da pries er Gott, der von seiner Weisheit oder von seiner Majestät dem Sterblichen nütgetheilt hat. Der Jude, unter so unsäglichen Leiden doch lebensfroh und verz und Mund und Hand des Dankes voll — war er anspruchslos mäßig und nüchtern? War er keusch und bescheiden? O, gewiß; oder er war sich besten gar nicht bewußt; er hat sich seiner Mäßigteit, Keuschheit und Bescheidenheit nicht gerühmt. Das waren ja altes selbstverständliche Sachen; es waren die unbewußten Folgen icincs tief innerlichen Gottesbewußtseins: sein Leben sollte sein und war ein unnnterbrocheuer Gottesdienst, Die Thora war ihm Leben iiiiö Quell des Lebens — wie sollte er sich nicht des Lebens freuen! 'lim! ja, ich weiß: nicht jeder Jude war so und dachte und fühlte so, u'iö machte seine .1212 in solcher Erregung. Nun denn! Wir aoer, wir Alle, ohne Ausnahme, wollen die Berocho so wirkungsvoll 'brechen. Etwas Anderes ist das individuelle, gelegentliche, und etwas!inöere§ das öffentliche Gemeindegebet. In den bisher erwähnten Scgenssprüchen (alle in möglicher Kürze) giebt sich unsere Beziehung;n Gott nur nach den vereinzelten Zufällen des Lebens kund. Bachtiger ist die Erkenntniß aller dauernden und allgemeinen Be-;icyungen des Menschen zu Gott, die Erkenntniß des menschlichen ars Gott stammenden und zu Gott sich wendende» Wesens. Diese bäkenntniß spricht sich in den öffentlichen Gebeten der Gemeinde aus. Unsere Gemeindegebete sind tägliche, d. h. au jedem Tage des Wahres dieselben — natürlich; denn unser Verhültniß zu Gott ist im Allgemeinen Tag für Tag dasselbe. Ja, wir beten täglich zweimal oder sogar dreimal, Morgens und Abends, und beide Mal im B'esentlichen dasselbe Gebet, Diese Bemerkung erleidet bekanntlich die Beschränkung, daß an Sabbathen und Festtagen die Bitten um da Lebensbedürfnisse schweigen müssen, und dafür der Dank eintritt die Wohlthat Gottes, an welche uns das Fest erinnert. Woher hemmt (nun dieses tägliche Gebet? Unser Gebetbuch, siddur genannt oder tefillo, ist nicht das Gzeugniß einer Person, noch eines Kollegiums, noch eines Zeitalters; es ist, dürfen wir sagen, im Laufe eines Jahrtausends entstanden — entstanden, sage ich, nicht gemacht. Alle Völker, soweit wir sie kenne», haben ein Bewußtsein von der Gottheit — mehr oder weniger rein und hoch — und alle haben nncn Gottesdienst und alle haben auch Gebet. Folglich kann auch hin Zweifel darüber sein, daß das Volk Israel zu allen Zeiten gebetet hat. Nicht nur haben die Männer, von denen uns die Bibel erzählt, in mancher Stunde ihres Lebens gebetet, wie Jakob und dieses, auch Simson und Samuel lt. s. w., sondern auch das Volk iiai bei den Opfern zugleich gebetet. Aus der Zeit des ersten Tempels wissen wir zwar wenig von dm Gebetsformeln des Volkes; aber im 5. M. 20, 15 wird uns '"Hgetheilt, was der Israelit sprach, wenn er im Tempel die Erstlinge doe Feldfrucht oder die Zehnten darbrachte: „Blicke herab vom ^innnel und segne Dein Volk und den Boden, den Du uns gegeben Ni;" und wir haben Grund anzunchmeu, daß, da beim Schuldopfer ein Bekenntniß abgelegt werden mußte, dies in der Formel geschah: j« 122 IpaS VWB Mim MKB1 „ich habe gesündigt, gefehlt, gefrevelt, o Gott, verzeih", wie auch der Hohepriester während des zweiten Tempels am Versöhnungstage sprach. Indessen lesen wir nicht das Mindeste von regelmäßigen, täglichen Gebeten des israelitischen Hausvaters und namentlich nichts von solchen Gebeten desselben ohne Opfer. Es gab Gemeindeversammlungen zu praktischen Zwecken, d. h. zu Gericht und Berathungeu; solche Versammlungen fanden an einem dazu bestimmten Orte statt und, wenigstens in der Hauptstadt Jerusalem, in einem bedeckten Raume.'» An solchen Plätzen und in solchen Hallen wurden gewiß auch die Zusammenkünfte zu religiösen Zwecken, z. B. zum Gebet bei allgemeinem Unglück, nbgehalten, aber auch an jedem Sabbath, Neumond und Festtage; dieselben wurden von den Priestern einberufen und hießen 115£tf oder xipö oder ijlö. In solchen Versammungen wird auch der Prophet mit seinen ermähnenden Worten, seiner Predigt aufgetreten sein. — Insofern gab cs auch während des ersten Tempels schon in jeder Stadt eine Synagoge: zu dieser Annahme berechtigen uns Andeutungen genug. Aber das ist doch noch fern von einem ständigen täglichen Gottesdienst der Gemeinden und des Einzelnen. Im babylonischen Exil ward Alles anders. Der Abfall zum Heidenthum hörte zwar nicht sogleich auf; der Prophet hatte noch immer dagegen zu eifern — aber nun eiferte er mit Erfolg. Frei williger Götzendienst des Volkes Israel trat seit der Rückkehr unter Cyrus niemals wieder ein. — Außerdem aber trat im Exil uothweudig die höhere Bedeutung des Gebetes losgelöst vom Opfer, ' immer sicherer hervor; und zugleich war das Gebet das einzige Binde-; mittel für die Gemeinde der Israeliten. Es war ja kein Unglück i auf dem heiligen Boden so groß wie die Verbannung; und wo I Trost suchen, wenn nicht im Gebet mit der Gemeinde vereint! Nach der Aufrichtung des zweiten Tempels, zumal aber nach den Einrichtungen Esras, konnte sich das nu Exil envachte Bedürf- : niß nach Gebet und dessen Selbstständigkeit gegenüber dem Opfer nur eher noch verstärken als schwäche», und jede Stadt Judas hatte ihre Synagoge, in welche auch das umwohnende Landvolk wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, an diesen Tagen des Gerichts und des Wochenmarkts, cinzog, um, wenn es Recht suchte oder Gewinn erstrebte, auch vor Allein sich zu Gott zu erheben. Ganz Judäa war in 24 Bezirke getheilt, und jeder Bezirk schickte wöchentlich abwechselnd eine Deputation in den Tempel von Jerusalem, um das gesammte Volk beim Opfer zu vertreten. Der Priester vollzog das Opfer, aber das Volk war es, welches das Opfer brachte. Daher sollte es bei der heilige» Handlung gegenwärtig sein — wenigstens in Vertretung. Diese Vertreter des Volkes Juda, mlBPB' beteten mit den Priester». Um wie viel besser gestellt waren sie als ihre Väter während des ersten Tempels! Freilich war Salomos Bau prächtiger; aber er war auch die einzige Verkörperung der Religion. Daneben gab es Propheten und Dichter, welche sie reden und singen hörten. Ihre Söhne aber seit Esra, sic besaßen Mose und die Propheten und die Psalmen niedergeschrieben und konnten sie jederzeit lese» und durchforschen. Die Einrichtung des täglichen, dreimaligen Gebetes ist älter als! die Zeit der Makkabäer, und selbst die bestimmte Anordnung der j Gebete im Zusammenhang mit dem Opfer wird sich spätestens damals j vollzogen haben, als Juda nach Abschütteluug des syrischen Joches! 0 Leopold Lmv, der ehemalige Rabbiner zu Szegedin, S'jj'i hat in j dem Verse Jer. 39, 8 in dem Ausdruck 221 IM das Raths- oder Stadt-! Haus entdeckt, eMouatsschrifl von Grätz und Frankl, >884, S. tvnss.l

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