Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1892)
- Date
- 1892-05-06
- Page
- Seite 226 (sequence 10)
- Language
- German
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226 thätige Glaubensgenossen nahmen sich des früh verwaisten Simon an und trugen so dazu bei, das; derselbe sich, der drückendsten Sorgen entledigt, dem Studium widmen konnte. Simon hatte auf der Universität zu Berlin seine Studien beendet, und mit der höchsten akademischen Würde, dem Doktorgrad geschmückt, war er nach mehrjähriger Abwesenheit nach Hamburg zu der Mutter zurückgekehrt, um hier, seine Studien weiter verfolgend, die Zeit abzuwarten, die ihm Gelegenheit gab, dieselben praktisch zu verwerthen. Ta trat ein Ereignis; ein, das für den jungen, lebensfrohen Mann von verhängnißvoller Bedeutung werden sollte. Die Liebe hatte es ihm angethan. Er liebte und wurde wieder geliebt. Mit der ganzen Gluth seines feurigen Herzen gab er sich dieser süßen, beseligenden Empfindung hin, und dennoch, schnell genug erbebte er, wenn er an Marie, die Engelsgestalt, dachte, die ihm innig zugethan war, an deren Seite er sich die Zukunft mit den: Neiz der wundervollsten Poesie geschmückt ausmalte, denn Marie, ob sie auch seine Betheuerungen erwiederte, ob sie auch ihm von ganzem Herzen ergeben, in ihm das Ideal ihres Herzens anbetete. Marie war ja nicht von seinem Glauben, sie war Christin. Wilder Schmerz durchtobte das Herz des Jünglings in dem Gedanken, das; er entsagen sollte, entsagen mußte. Wilder, verzehrender Schmerz durchtobte auch das Herz der Geliebten, als sie den Abgrund erkannte, der sie von ihrem Himmel auf Erden trennte. Und so siechten denn Beide dahin, mußten sie doch ängstlich das Geheimniß vor aller Welt verbergen. Ter Vater Mariens, in den frommen Grundsätzen seiner Kirche erzogen, er hätte nimmermehr darein gewilligt, seine Tochter einem Juden zum Weibe zu geben. Er hätte sie verflucht, jede Spur von Liebe zu ihr verleugnet, sie von sich gestoßen, würde sie gewagt haben, aus Liebe zu einem Juden ihren christlichen Glauben zu verleugnen! Und Simon? s)l\d)t um alle Schätze der Welt, auch nicht um seiner Liebe willen, die ihm das irdische Paradies verhieß, hätte er es vermocht, dem Glauben seiner Väter abtrünnig zu werden! O, es war damals noch eine schöne, eine herrliche Zeit! Nicht um Reichthümer, mit Titel und Würden, opferten Israels Söhne und Töchter ihren heiligen Glauben, um frech, ja gewissermaßen mit Stolz das Brandmal des Renegatenthums zur Schau zu tragen. So krankten denn die beiden Liebenden an jenen; Weh, das alle Dichter aller Zeiten besungen haben, und das fortbesteheu wird, so lange es Menschen mit fühlenden Herzen hienieden giebt. Nur heinllich sähe;; Beide einander, und dann, wenn sie in süßem Flüsterton von ihren wehmüthigen, schaurigen und dennoch so beseligenden Gefühlen sprachen, da war es wohl, als ob das dräuende Gespenst vorübergehend von ihnen wich, da fühlten sie nur die Stimme ihrer Herzen, da lasen sie nur aus ihren Augen jene verständnißinnige Sprache, die weil eben ein Ausfluß der seelischen Empfindungen, keinen Glaubensunterschied kennt. Und dennoch, die Rosen auf den Wangen Mariens begannen mehr und mehr zu bleichen, der jugendfrohe Sinn Simons, wie er ihn von der Hochschule heimgebracht hatte, er umdüsterte sich mehr und mehr. Ach, und wie konnte der Mutter auf die Dauer der Kummer verborgen bleiben, der den einzigen geliebten Sohn, die Hoffnung ihrer alten Tage, beschlich. Und Simon? Konnte er auf die Tauer den Bitten der besorgten Mutter widerstehen? War es denn nicht zu natiirlich, daß er Alles, was er empfand, der geliebten Mutter mittheilte, der Einzigen hienieden, die seinem Seelenschmerz Verständnis; und Mitgefühl entgegenbrachte? O, es war für die wackere Frau eine bange Zeit, die mit dem Bekenntniß des Sohnes über sie hereinbrach. Auf das stille, neidlose Glück, dessen sie sich bisher erfreute, wenn sie an die Zukunft des Sohnes dachte, war plötzlich ein Schatten gefallen, ein eisiger Frost. „Ich will ja vergessen," erwiederte Simon seufzend, „doch ich vermag es nicht. Mutter, glaube mir, wie oft habe ich mich in schlaflosen Nächten abgemüht, gewaltsam ihr süßes Bild aus meinem Herzen zu reißen, doch immer wieder zieht es mich dahin zurück, wie es den Dürstenden in der Wüste zur Quelle zieht, wie es die Blume treibt, sich in dem Sonnenstrahl zu baden, nicht fürchtend, daß die zehrende Gluth sie versengt, sie sterben macht!" „Um Gotteswitten, Simon, mein Sohn, was sprichst Du? Ist doch nie daran zu denken, daß ihr Vater jemals seine Einwilligung gebni wird, das; seine Tochter einem Juden folgt!" „Und wenn Marie selbst Jüdin würde?" fragte Simon, während es aus seinen dunklen Augen in inniger Hoffnungsfreudigkeit strahlte. „Simon, dann würde der Vater des Mädchens sie verfluche i. sie verstoßen, und, mein Sohn, könntest Du Dir ein Glück denlli, an der Seite einer Frau, die den Fluch des Vaters mit durchs Seb* u schleppt! Simon, thu Deiner Mutter die Liebe und laß ab von dieser krank haften Idee, die Dich ja nur unglücklich machen muß! Sieh Dich do.h um in Hamburg! Du bist jung. Du bist schön, unberufen, ja, ich a ö Mutter darf es ja sagen, Du hast. Gottlob, etwas gelernt, nimmst eine Stellung in der Gesellschaft ein, die Dich berechtigt, überall anzufragei, ohne befürchten zu müssen, abgewiesen zu werden! Giebt es denn nie ir auch unter den Jüdinnen hübsche, liebliche Jungfrauen? O, Simon glaube mir, ich selbst könnte Dir mehrere vornehme Familien nennen, d e den Doktor Simon Lesser mit Freuden aufnehmen wiirden." „Ich weiß es, Mutter, aber könnte Dein Simon, könnte der Doktr Simon Lesser mit einem braven Mädchen unter die Chuppe gehen, während er doch im Herzen weiß, daß er an der, die sich ihm vertrauensvoll hingiebt, zum ehrlosen Betrüger wird? Nein, Mutter, einen solchen Betrug könnte ich nicht ausführen, und wenn man iu v alle Schätze der Welt böte! Ich müßte mir ja Vorkommen wie en Mörder, der kaltblütig ein Menschenleben opfert, um sich zu bereichern" „Was aber willst Du thun, mein Sohn, um der ewigen Qual e u Ende zu bereiten?" „Mutter," erwiederte der junge Mann in gehobenem Ton, „Di selbst hast vor Kurzem mein Lob in allen Varianten verkündet, u; d wenn auch die Mutterliebe sicher etwas zu stark aufgetragen hat, nu.i, etwas will ich ja als wahr hinnehmen. Wohlan, ich will versuchen, -'b nicht die Liebe seines einzigen Kindes zu dem Juden in Verbindung damit, daß dieser Jude eine gesellschaftliche Stellung einnimmt, die ibrn bei redlichem Streben eine ehrenvolle Karriere sichert, dennoch sein Hei; weicher stimmt, ihn nachsichtig macht gegen die Wünsche der Tochllr. Richter ist arm, er kann seiner Tochter einst nichts hinterlassen. Solle es ihm da nicht lieb sein, Marie versorgt zu wissen?" „Gewiß, Simon, dürfte ihm das lieb sein, wie ja jeder Vater fe-u Kind gern versorgt sieht, doch nimmermehr würde er sie einem Jud;i geben, und wenn Du gar die Absicht hast, um das Mädchen bei ihren Vater anzuhalten, thu mir's zu Liebe, gieb diesen Gedanken au, Simon. Ich möchte meinem Sohn gern eine kränkende Beschämung ersparen!" Sie nahm bei diesen Worten den Kopf des jungen Mannes zän lich zwischen ihre schmalen weißen Hände und drückte, während Thrän n in ihren Augen schimmerten, einen langen Kuß auf seine hohe, geistvolle Stirn. „Noch einmal, Herr Doktor, merken Sie, ich bedaure, daß Sie ul, die Mühe machten, mich aufzusuchen! Sie hätten sich und mir viel u sparen können! Sich die Kränkung, abgewiesen zu werden, mir aber r e Beschämung, daß ein Mann Ihres Stammes es wagt, um die Ha: d meines einzigen Kindes anzuhalten!" „Vater, ums Himmelswillen, habe Mitleid mit mir, und beleidi e nicht einen Mann seiner Abstammung halber, den ich über Alles lie! e, von dem mich keine Macht der Erde trennen kann, und der es an Ed.1muth wahrlich mit jedem Christen aufnimmt!" Es war etwa vierzehn Tage nach dem vorher Erzählten, als uli diese Scene in der Wohnung des Malers Richter abspielte. Simon hatte kein Wort der Erwiedernng, denn was er hier hör u ob es auch den schönsten Traum seines Lebens gewaltsam zertrümine » mochte, es war ihm begreiflich. Das durch bald zwei Jahrtausei' v künstlich genährte Vorurtheil gegen die Juden brach sich Bahn, kam zum Ausdruck derart, daß der durch Sinwn vermeintlich schwer gekränUe Vater auch die gewöhnlichsten Regeln des Anstandes vergaß. Und wie der Vater Mariens, der Vater seiner über Alles Geliebten, eine hohe, Ehrfurcht gebietende Gestalt, mit grauem Scheitel, seinen Empfindungen in verletzenden Worten Ausdruck verlieh, konnte ibm Simon nicht zürnen. Er mußte sich im Stillen fragen: Würde denn nicht Dein Vater, würde denn nicht Deine Mutter ebenso gesprochen haben? Sk gleich liegend, für den doch er unausst Ni unwillk gleichen „3 dem Ge Da Vo von Ge W; wenngb „A aus der lich tief Ne dann a! säst feie „A lange i daß ich Himmel wenn e Ne schmale ihren b und Se vom F gebettet Er Sturml ihn am erschöpf die Str Läuten halb cti Er blickte? G. Gasse, des Fe ichäftia sicher! verheer raubt, gegen < S Mutte; einpfoh 'ich rn vflanzt S werke burger eines l weit h wuther zeigten