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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-05-06 · Heft 19 (6.5.1892) · p. Seite 225

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 19 (6.5.1892)
Date
1892-05-06
Page
Seite 225 (sequence 9)
Language
German
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‘225 lind den iefer saß , seinem öührend hte und n, setzte Üag für läher zu >es entater der könnte ffinden! i nuszu- »i Fälle i aukgect nachder Art Suchen, ,ufangen en. Zn rd Kind sah sich : anderet gefnnicn ih>n inte ihn, )n schau daß er sprochc» >e nicht n Dorfe h Hause daß sie jetzt ein, eschehen, rger ist, i wußte res war t nillßte Ute auf wdllldk» 'lich dow etroffen tte, fain konnten rufe beit) wenn er doch aren zu so war, gang zn is ihnen itte bieo len, bas; , seinem de, um :l selber dagewesen, ja, da er sich durch das, was er im Dorfe vernahm, ihre Anwesenheit erst erklären konnte, und fiir ihr anfsälligeS, zerstreutei J'iefen erst den richtigen Schlüssel fand, so mußte er selbstverstäudtich voraussetzen, daß die Schwester sicher alles Dasjenige berichten w.'rde, was den Eltern zu tvissen nvthig, um den Schritt des Sohnes nicht zur Ausführung gelangen zu lassen. Machet Dorfgeher ging daher die ganze Woche über ruhig leinen Geschäften nach und war nicht im Geringsten darüber im weifet, daß daheim in der „Gasse" ein jedes Kind von den Borlallen ans dem Dorfe bereits hinlänglich unterrichtet sei, Wie mußte er daher iiberrascht sein, als er am Freitag Nachmittag zu Hause anuiiit und erfahren mußte, daß man in der „Gasse" von Jossef's Borhaben nicht die mindeste Kenntnis; habe, ja, daß dessen eigene D'ltern in Bezug auf ihn in der größten Ungewißheit schwebten, und von der Furcht gepeinigt wurden, er habe selber Hand an ml) gelegt. Was soll das heißen? — fragte er sich — ist Finkel wahnsinnig -der verrückt? Hat sie denn nicht gesagt, wie es draußen steht? Beiß man denn hiernach nicht, daß sich Jossef Jittcschens wird umfen lassen? Machel Dorfgeher konnte der guten Finkel allerdings nicht ins oerz hinein sehen, er wäre sonst mit seinen Vorwürfen gegen das Rädchen minder streng gewesen; aber mehr bedurfte es nicht, als -er im Zorn von ihm ausgestoßenen Frage und die Nachricht, daß l'vssef Jitteschens sich werde taufen lassen, lief durch die ganze Gasse" wie ein Lauffeuer ohne Aufenthalt. Reb Wolf Ochsenhündler machte seiner Tochter, da er die niederichmetternde Nachricht vernahm, keine Vorwürfe, auch die Mutter ihat es nicht; die guten Eltern begriffen es wohl, ivarnm das Nädchen den Mund verschlossen gehalten. Die Mutter aber sagte;u der Tochter ruhig und gefaßt: Geh zum Rabbi und erzähl' ihm, ums vorgeht, und frag' ihn, ob ich am Sabbath fahren darf! Finkel lief und kam bald wieder zurück. Der Rabbi hielt unter uen oblvaltenden Umständen die Fahrt am Sabbath für erlaubt, und s machte in der Gasse nicht geringes Aufsehen, als man die fromme attesch, die sonst an einem Sabbath um keine» Preis über die ertaubte Grenze, über den „Techmn" hinansgegangen wäre, am Frciag Abend vor der Zeit des Anziiudens der Sabbathlichter den Bogen befleißen sah, um den verlorenen Sohn auszusuchen. (Fortsetzung folgt.) O Wer nur den lieben Gott laßt uralten. Erzählung von N. I. Anders. Es war an einem Freitag Abend des Monat April 1842. In der Elbstraße zu Hamburg, jenem Stadttheil, der damals noch stark an das Ghetto erinnerte, nicht etwa, weil irgend welche gesetzliche Verordnungen die jüdischen Einwohner Hamburgs zwangen, daselbst zu wohnen, sondern nielmehr aus dein Grunde, daß fast ausnahmslos und mit Vorliebe die jubelt dort ihr Quartier aufgeschlagen hatten, standen zahlreiche Gruppen non Männern plaudernd bei einander. Der Gottesdienst in der Synagoge war beendet, Chasan und -Niger hatten vortrefflich gefallen und gaben für Viele noch lange bat Gesprächsstoff ab. Außerdem lud aber auch der selten schöne Frühlingsabend zunt Aufenthalt im Freien eilt, so daß es die Männer nicht allzu eilig mit dem Heimweg hatten und ihren Frauen gern noch etwas ooit ließen, den Schabbestisch zum Kiddusch herzurichten. Der reiche Börsenmakler Levy schritt neben dem lahmen Schmul durch die Elbgasse; dem lahmen Schmul, der Jahr aus, Jahr ein, vom -onntag Morgen bis zum Freitag Mittag auf dem Jungfernstieg mit seinem Karren stand, mit seinen Kuddel-Muddel an den Mann zu bringen, lnmt zusammengeivürfelten Trödelkram, bestehend aus alten Kleidern von zweifelhafter Farbe und noch zweifelhafterem Werth, gelesenen und abgegriffenen Büchern, Hosenträgern, alten Stiefeln und dergleichen Raritäten, die aber trotzdem noch immer Liebhaber fanden, welche sie um einige Schillinge erstanden. Hatte nun der lahme Schmul die Woche über, nach seiner Meinung, ein gutes Geschäft gemacht, und konnte er seinem Sahrcheleben zum lieben Schabbes drei oder vier Mark Baneo als Profit heimbringen, dann war er glücklich, und wenn dann am Abend sein Sahrcheleben die Lichter und der lahme Schmul seine Kinder benschte, da durchzog ein so süßer Friede seine Brust, eine Glückseligkeit, daß er wohl mit dem reichen Herrn Salomen Heine kaum getauscht hätte, und das will doch gewiß viel sagen. Dasselbe Gefühl des Friedens und der Behaglichkeit theilte sich auch der Jtigend mit, das sah mau deutlich jenem kleinen Knaben in dürftiger Kleidung an, welcher, weil verspätet, in sichtlicher Hast mit dem großen irdenen braunen Tops zum Schaletbäeker rannte, ängstlich besorgt darum, daß er seine Last noch los wird, und am Schabbes dieses beliebte Gericht auf dem Tisch nicht fehlte. „Simon, geh, schlag' Dir die Geschichte aus dem Kopf! Tu bist doch ä vernünftiger Jung', hast etwas Tüchtiges gelernt und tuußt einsehen, daß es nicht geht. Ist doch der bloße Gedanke darati schon ä Sünd'! Du wirst Dich unglücklich machen und die Mahd daztt. Geh, nimm Vernunft an, Simon, und denke an Deinen guten Vater ole wescholam, der sich doch in de Erd' umdrehen würde, wenn er wüßte, daß sein einziger Jung' solche Gedanken hat, die doch nie zum Guten führen können!" Eine bleiche Frau in der Mitte der Vierziger Jahre war es, welche diese Wort sprach, während sie dem einzigen Sohne liebkosend streichelnd durch die vollen braunen Locken fuhr. Und nicht unschön war die Frau. In dem bleichen, edel-ovalgeformten Gesicht thronten zwei mattblatte Augen, die zwar im Laufe der Jahre die Tiefe der Farbe, aber nicht das milde seelische Feuer einbüßen konnten, das ihnen jetzt, wo sie liebend und ernst mahnend zugleich zu ihrem einzigen Sohn sprach, entströmte und ihrer ganzen Erscheinung im Glanz der Sabbathlichte etwas Weihevolles verliehen. Ein leiser Seufzer entrang sich der Brust des Sohnes, leise, kaum hörbar, und dennoch fand er einen Nachhall im Herzen der um die Seelenruhe ihres vergötterten Lieblings besorgten Mutter- Simon war ein selten stattlicher junger Mann im Anfang der zwanziger Jahre. Seine schlanke, ebenmäßige Erscheinung, das fein geformte Gesicht, in welchem über leicht aufgeworfenen Lippen ein zierliches Schnurbärtchen thronte, männlichen Trotz verrathend, welcher durch die dunklen, seelenvollen Augen gemildert wurde, die hohe geistvolle Stirn, von einer Fülle brauner Lockett gekrönt, eine ihm angeborene Vornehmheit des Wesens und der Ausdrucksweise, alles das war wohl dazu geeignet, die Herzen der Schönen in der Elbgasse nicht allein, auch die vielen vornehmen jungen Damen bei seinem Anblick höher schlagen zu machen. Nach dem Willen seines bereits verstorbenen Vaters hatte Simon sich für eine wissenschaftliche Karriere vorbereiten sollen, denn eine nette Zeit war für die Juden in Deutschland angebrochen, eine nette, eine bessere Zeit. Sonderbar, der korsische Eroberer, der seine blutige Geißel über Europa geschwungen, dessen Horden als Schreckgericht Gottes raubend und plündernd das deutsche Vaterland durchzogen; er zertrümmerte nicht allein vorübergehend Throne, sondern dauernd attch das blinde Vorurtheil, welches die Juden in Deutschland damals noch zu Bürgern zweitett Ranges erniedrigte, sie vott allett Ehrenämtern ausschloß, ihnen Lasten attferlegte, die nur dadttrch zu erschwingen waren, daß eben im Gefühl der Stammeszugehörigkeit die reichen Glaubensgenossen zugleich auch die Lasten der ärmeren trugen. Auch in Preußen waren durch Stein und Hardenberg die Fesseln für die Juden wesentlich gelockert. Mit der Gleichberechtigung zum Dienst im stehenden Heer ging auch die weitere Berechtigung zur Ausbildung auf den staatlichett Hochschulen Hand in Hand, und bald konnte sich inmitten des bis dahin verachteten Volksstammes, des jüdischen, ein reiches, geistiges Leben entwickeln. Auch der Vater des Helden unserer kleinen Erzählung, auch Simons Vater glühte dafür, daß sein Sohn einst an dem Quell sich labe, der ihm dereinst verschlossen geblieben war, und war es ihm auch nicht vergönnt, selbst den Sohn auf der Bahn des Wissens zu leiten; wohl-

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