Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1892)
- Date
- 1892-05-06
- Page
- Seite 221 (sequence 5)
- Language
- German
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221 lattcn an ndekörpei Gegensatz als hier, me. Die mrdc mit identhuin r hervor itide un hwügcrtc bedenken, mtb Ge ir ehelich, uug mi'- ndig und rschiene» wch ging n Dingen rvor, der gesischen c Leescr Neuen gcschäft stehenden Kultus er dvc! nstc von bersetzunu cb er siel! >en Bibel 'egte und Herans U16ININ! > einuitd v. Leeser lach Ver in treuen meth, bei stcmeind Leeser- ) Morai tüchtigs! nng im gebildei ) ihr Be ines ge sche Ge Frischen, und du später in deutscheni etwaige te, wen» : sich der gewissen' cstäudni!! müthliche Mutteri wollen, inzwischen geändert. Obwohl mau den Unterricht im Deutschen in den mit dcit einzelnen Religionsgemeinden verbttndenen mehrklassigen Schulen aus praktischen Gründen bis jetzt noch beibehalten — da clbst der Nachwuchs der ersten deutschen Einwanderer für ihre Kinder die Kenntnis; dieser zweiten Landessprache für zu vvrtheilhaft hält, nls daß er diese in den Gemeiirdeschnlen gebotene bequeme und billige Gelegenheit ztir Erlangung derselben so leicht aufgeben sollte -so steht doch außer Frage, daß die bis jetzt im Gottesdienste, hin und wieder in Predigt und Gebet noch beibehaltene deutsche Sprache der englischen in iricht allzulanger Zeit völlig weichen muß. Jenes pietätvolle Zugeständniß wird bald mit Denen verschwinden, denen d bislang gemacht wurde. Wir sind unserem Gegenstände in so weit vorausgeeilt, als wir mit der bezeichneten Einführung der deutscheit Sprache schon einen -wesentlichen Fortschritt im Gottesdienste vermerkt haben. Die vleformbewegung schritt langsam rind nicht ohne Schwierigkeiten und Hindernisse ihre Bahn vorwärts. Von dein Ansscheiden des ■SlpÖ inrx und |p“ns Dip"1 zu einem Sonntagsgottesdienst war UN langer und Uiühsamer Weg! Die Gegner der Neuerungen iäinpftcn Schritt vor Schritt für die Erhaltung des Terrains, und -ne Betheiligten ans beiden Seiten wurden erinuthigt und gestärkt Hin Aushalten durch ermunternde Zurnse und geistigen (?) und jkistlichen Beistand aus den verschiedenen Lagern. Stürmisch ging •; oft in den berathenden Gemeinde-Versammlungen zu! Diese krüfngen, selbstbewußten Männer, die ihre Stellung als Gemeinde-Veretei' nicht Herkunft und Schulweisheit verdankten, sondern ihrer ugenen mühevollen Thätigkeit und ihrem praktischen Sinn l^olkinuclo Mian) deren Brust durch das jahrelange Einathmen der kräftigenden 'itmosphäre eines freien Landes mit dem stolzen Bewußtsein freier, "»gehinderter Selbstbestimmung geschwellt war, waren nicht so leicht ui bewegen, das aufzugeben, was sie einmal für wahr und vernünftig und den Verhältissen angemessen erkannt hatten. „This is a IVee country“ war ihr Refrain. Wie kein gesetzlicher Zwang -ver äußere Nöthigung zur Bildung einer Gemeinde oder zuin Beinitt zu einer bestehenden existirt, so verbleibt Jedem auch das Recht cs Austritts, falls ihm die Beschlüsse der Majorität nicht znsagen. lur Wenige machten indessen von diesem Rechte Gebrauch und für iese Wenigen erhielten die dem Fortschritt huldigenden Gemeinden clmfachen Zuwachs an opferwilligen, freisinnigen Mitgliedern. Wie diese Reformbewegung durch geistig Hervoragende, religiöse Führer fest begründet und weiter geleitet wurde und eine einflußreiche Thätigkeit auf oen verschiedenen Gebieten jüdischen Lebens entlaltete — davon später! kl. B. 9 Warum und womit erhalten wir unsere Kinder dem Iudenthnmd') Von I. Wiener, Redakteur. Verehrte Anwesende! Seit langer Zeit schon ist die öffentliche Meinnng nicht in eine so starte Erregung versetzt worden, wie durch de» Gesetzentwurf über die Volksschulen. Um hiernicht erst ein M'ßverstündniß entstehen zu lassen, bemerke ich von vornherein, daß "ns den Voltsschulgesetzentwurf in diesem Vortrage nicht weiter ein- ') Der obige Vortrag wurde am 17. Febr. d. I. in Berlin in der Loge Vne Brith gehalten. Soweit sich die Aufführungen auf den Religionsuulerricht beziehen, haben sie nach den jüngsten Verhandlungen ans dem Deutsch-Israelitischen Gemeindetage an Aktualität gewonnen. D. Red. gegangen werden soll. Denn so wenig ich für meine Person Anstand nehme, zu erklären, daß ich den Entwurf als verhängnißvoll für die jüdische Jugend ansehe -- entspricht es doch nicht dem Eharakter Ihrer Vereinigung, meine Damen und Herren, vor Ihnen Fragen zu behandeln, in denen die Meinungen so sehr auseinandergehen. Ich erwähne den Entwurf hier nur, um daran die Bemerkung zu knüpfen, daß die Erregung, welche er hervorgerufen hat, sich offenbar daraus erklärt, daß er die Jugend, unsere Kinder, betrifft. Selbst Männer und Frauen, die anderen Erscheinungen des öffentlichen Lebens ohne Interesse gegenüberstehen, werden aus ihrer Gleichgiltigkeit ausgerüttelt, wenn es sich um Fragen handelt, ivelche die Erziehung ihrer Kinder angehen. Um wie viel mehr darf ich auf Ihre Anfmerkamkeit, meine Damen und Herren, rechnen, wenn ich mich hier mit einem unsere Kinder betreffenden Thema beschäftige. In der Erziehung unserer Jugend aber steht die Frage obenan: Warum und womit erhalten wir sie dem Jndenthum. 7p nlD1 D’pJl’l '2s spricht der Dichter von den Lallenden und Säuglingen, so wollen nur der hohen und heiligen Pflichten inne werden, die wir gegen unsere Kinder in ihrem bewußten Alter zn erfüllen haben. Die Frage, ob >vir wünschen sollen, daß unsere Kinder dem Judcnthnm erhalten bleiben, laßt sich logischer Weise nicht von der anderen allgemeineren Frage trennen, ob das Judenthnm überhaupt fortbestehen soll. Ein Zweifel hierüber wird dem religiös denkenden Inden nicht aufstoßen. Jndeß haben wir es heute mit einer großen Zahl religiös emanzipirter Inden zu thun. Gleichviel nun, aus welchem religiösen Standpunkte wir stehen, welche Stellung wir zu dem Dogmen- und Ceremonienweseit einnehmen — die Ueberzeugnng sollte uns Allen gemeinsam sein, und auch wer, außerhalb des Judenthums stehend, einer objektiven Würdigung desselben fähig ist, sollte zugeben, daß es ein schwerer Verlust siir die Kultur wäre, ivenu das Judenthum unterginge. Das Judenthnm hat sich bis heute erhalten, »dem es sich bewußt war, den reineren Glauben zu vertreten. Darauf kann es aber auch in unseren Tagen noch Anspruch erheben. Nur der größeren, nicht der geringeren Wahrheit dürste das Judenthnm das Feld räumen. Ginge das Jndenthum in dem Christenthnni auf, so wäre der 1900 jährige Kampf vergebens geführt worden, gestünde unser Geschlecht zu seiner Schande, daß wir schwächer sind als all die vorangegangenen Generationen, die würdig den Kampf bestanden und der größeren Macht gegenüber ihre Widerstandskraft bewährten. Eine Gemeinschaft, die, ringsum von wüstem Götzendienst umgeben, so früh geklärte und erhabene Vorstellungen verkündete, daß nachmals die Religionen daraus schöpfen mußten, welche mnimehr das Erdenrund umspannen, eine Gemeinschaft mit so großem Ursprünge »nd - so großer Geschichte könnte nicht verschwinden, ohne daß die gesammte : Kultur darunter Schaden litte. Oder darf die Ouelle zugeschüttet iverden, iveil die Strönte mächtig geworden, die daraus entsprungen sind? Daß sich das Judenthnm gegen die um so vieles überlegene phhsische Macht behauptet hat, verdankt es den geistigen Mitteln, mit denen es gefochten hat. In diesem geistigen Kampfe ums Dasein aber hat das Judenthnm moralische Kräfte und Fähigkeiten erworben, die es nicht preisgeben darf, ivenn nicht die Kultur dadurch eine schwere Einbuße erleiden soll. Einer höheren Art znzustreben, ist das eigentliche Ziel des Menschengeschlechts. , Wer wollte bestreiten, daß der Druck und die Verfolgung auch! nachtheilige Eigenschaften erzeugten'? Das Judenthnm hat aber die j Kraft besessen, sich von diesen Eigenschaften zu befreien, und gerade! die Thatsache, daß das Judenthnm dieselben abgelegt hat, ist ja den Judenfeinden ein Grund mehr zn ihrem Hasse und ihren Angriffen. - Mögen aber iinmerhin auch jetzt noch manche von den Eigenschaften, ivelche die Judenheit unter der Wirkung ihrer geschichtlichen Entwicke-