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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-05-06 · Heft 19 (6.5.1892) · p. Seite 220

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 19 (6.5.1892)
Date
1892-05-06
Page
Seite 220 (sequence 4)
Language
German
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220 Niveau, eine Lahmlegung gesunder Fortentwickelung, geistige und sittliche Degradation. Kein moderner Staat könnte eine solche Rückwürtsbewegnng wagen, ohne seine Fundamente zu erschüttern. Aus eben diesem Grunde dürfen wir das feste Vertrauen haben, daß wirkliche Staatsmänner das Beispiel Badens nachahmungswerther finden werden, als dasjenige Rußlands oder Rumäniens. U Plaudereien eines Ausgewanderten. Philadelphia, im April. III. Wir haben uns die Aufgabe gestellt, zum besseren Vcrständniß der Gegenwart des amerikanischcir Judenthums — oder besser, der amerikanischen Judeuheit — zunächst die allmähliche innere Entwickelung derselben von kleinen Anfängen zu geordneten, einflußreichen Gemeinwesen in großen Umrissen in diesen Briefen zu schildern. Die Ueberschrift derselben schließt chronologisch geordnete geschichtliche Darstellungen aus, zu denen überdies nur dürftiger Stoff vorliegt. Einzelnen, demGeschichtsschreiber vielleicht erwähnenswerth erscheinenden Thatsachen, welche der von uns früher geschilderten Periode der ersten materiellen Entwickelung vorausgingen, fehlt die innere, folgerichtige Bederitung lind die geschichtliche Kontinuität. Der geschichtliche Horizont ist nicht weit und klar genug für objektive, schlußfertige Beurtheilung. Für die Schilderung der Periode des geistig-religiösen Aufbauens, die wir heute versuchen wollen, ist reichlicher Stoff vorhanden, so reich ihn ein geistig bewegtes kommunales Leben nur zu bieten vermag. Doch sind es nicht einzelne greifbare Thatsachen, die dem Beschauer klar liegen; es sind nicht bedeutende zu Tage tretende Ereignisse, deren Quellen »vir in bestäubten Folianten nachspüren und die, historisch an einander gereiht, dem Leser oder Hörer das Verständnis; erschließen: Es sind die, dem oberflächlichen Blick verborgenen Vorgänge eines geistigen Schaffens, einer allmählichen inneren Entwickelung, die wir aufsuchen und deren Beziehungen zu unserem Gegenstände wir betrachten müssen. Unserem Pionicr-Peddlar sind wir in unserem vorigen Briefe gefolgt, wie er durch das Land zog, die „Kreuz und die Quer" mühselig und beladen, bier sich in den Stand gesetzt sah, den drückenden, aber Segen spendenden Packen abzuwerfen und in irgend einer Stadt sich ein eigenes Geschäft und ein erwünschtes Hauswesen zu gründen. Er war jetzt „gut ab" (well off) und konnte es „erfordern", d. h. seine Mittel erlaubten ihm (he could afford it) — dies sind nur einige wenige Proben des amerikanischen „gemixten" Deutsch unserer ehrenwerthen eingewaudcrten Streber — sich einer der bestehenden Gemeinden anzuschließcu oder mit gleichgesinnten Landsleuten zur Begründung einer solchen zu verbinden. Unter den zerstreut bestehenden Gemeinden waren die schon früher begründeten portugiesischen (Sephardim) zur Zeit die bedeutendsten. Sie führten jene Bezeichnung fort, wenn auch mit der Zeit die ursprünglich meist aus Holland und den westindischen Inseln eingewanderten „stolzeir Spanier" durch deutsche Mitglieder in eine verschwindende Minorität innerhalb ihrer Gemeinde sich gebracht sahen. Ihre Kenntniß des Hebräischen verursachte den neuen Mitgliedern keine allzu großen Schwierigkeiten in Erlangung der ungewohnten portugiesichen Aussprache der Gebete. Sie fanden hier unzweifelhaft eine geregeltere Gottesdienstweise und größeren, äußeren Anstand als in den deutschen Synagogen ihrer Jugenderinnerungen. Aber es fehlte diesen Gemeinden an innerem, selbstthütigein Leben. Starres Festhalten a» traditionellen Formen erzeugte Stagnation, die den Gemeindekörpe; schwächte und in vielen Fällen vollständig anflöfte. Der Gegensatz zwischen Synagoge und Leben trat nirgends stärker hervor, als hier. Wie überall im Leben berührten sich auch hier die Extreme. Die Bethciligung an den gottesdienstlichen Bersaminlungen wurde mii der Zeit um so schwächer, als mau im Leben sich vom Judenthmn bis zum Abfall trennte. So kam es, wie uns einer der hervor ragendsten Leiter einer sogenannten portugiesischen Gemeinde un längst klagte, daß man sich mit christlichen Familien verschwägerte sich christlichen Familien anschloß, mit um so weniger Bedenken, da religiöses Bewußtsein und Gefühl in den alten Formen und Ge bräuchen längst abhanden gekommen waren. Man zog sogar ehelich, Verbindung mit Christen nicht selten einer Verschwägerung mii deutschen Glaubensgenossen vor, auf die man, sprachunkundig und etwas linkisch, wie sie damals im gesellschaftlichen Leben erschienen mit einer gewissen stolzen Geringschätzung herabsah. Und doch ging ans der geringgeschätzten und der Neuerungssucht in religiösen Dingen hart angeklagten deutschen Einwandererschaft der Mann hervor, der sich einer fast religiösen Verehrung von Seiten der „portugiesischen Orthodoxie erfreute. Es war dies der sel. Rev. Jsaac Leese; der, im Jahre 1824 als achtzehnjähriger Jüngling von Neuen kirchen (Westfalen) hier eingewandert, nach einer kurzen gcschäft lichen Laufbahn in der beinahe ein halbes Jahrhundert bestehenden „portugiesischen" Gemeinde Mickweh Israel hierorts als Kultus bcamter Anstellung fand. Streng konservativ, beklagte er dock bitter den Mangel au innerer Theilnahme am Gottesdienste von Seiten der Besuchenden. Diesem liebet glaubte er durch Uebersetzuirn der Gebete in's Englische abhelfen zu können. Auch erwarb er firn unstreitiges Verdienst durch seine Uebersetzung der hebräischen Bibel ins Englische, der er die „King« James Edition“ unterlegte und einen über seine Gemeinde hinausreichenden Einfluß durch Herangäbe eines religiösen Wochenblattes „Elle Oeeident and American Jewisli Advocate“ und sonstige litterarische Arbeiten. Nach einund zwanzigjähriger Thätigkeit in obiger Gemeinde zog sich Rev. Leese: auf sieben Jahre ins Privatleben zurück, übernahm aber nach Ber lauf dieser Zeit wieder die religiöse Führung einer von seinen treuen Freunden und Anhängern gebildeten Gemeinde, Beth el Emeth, bei der er bis zu seinem 1868 erfolgenden Tod verblieb. Diese Gemeind, hat sich inzwischen vor mehreren Jahren wieder aufgelöst. Leeser. Nachfolger in seiner ersten Gemeinde, der Herr Rev. Sabato Morai aus Livorno, erfreut sich allgemeiner Achtung als der tüchtigs! und ehrenhafteste Vertreter der konservativen Richtung im amerikanischen Judenthum. Inzwischen hatten sich deutsche Religionsgemeinden gebildci Deren religiöse Entwickelung wurde wesentlich gefördert und ihrB. stand gestärkt durch die nach 1848 folgende Ankunft eines gc bildeten Einwanderer-Elementes. Wenn wir sagen, deutsche G> meindeu, so möchten wir iin weiteren Sinne alle ungarischen, böhmischen re., mit Ausnahme der genannten portugiesischen und de, englischen, darunter verstanden wissen. Sie alle bedienten sich später in ihrer verbesserten Gottesdienstwcise neben der hebräischen der deutschen Sprache zur Einlage verständlicher Gebete, auch wurden etwaige Predigten in dieser Sprache gehalten. Der Eingewanderte, ivcnn auch schnell befähigt, im geschäftlichen und geselligen Verkehr sich de> Landessprache mit einer durch tägliche Hebung gewonnenen gewissen Leichtigkeit zu bedienen, ermangelte doch der vollen Verständmü der höheren Schriftsprache. Religiöse Belehrung und gemüthlicke Anregung konnte er nur in der vertrauten, anheimelnden Muttersprache finden. Das hat sich, wie wir hier gleich bemerken wollen, mzwisch den mit Lchulen albst de die Ken als das rillige ( -so st' und wn der eno aietütvo -- bisla Wi mit der aiesentli- Reform] -hindern ■aipö un lau iainpftei nie Bet am A> n.eistliche •:> oft i ugen, je; roter > -genen man) d atmosp nngehin ai bew nünftig n IVee - der äu ritt zu - es Am u'ur W es.- W hnfach W age ui wleite den i ' n 11 c 11 War Ve Mmim den Ge Mißverl auf den ') S Bue Br unten id Deutsch-

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