Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1892)
- Date
- 1892-04-29
- Page
- Seite 216 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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2ir> - (Wirf nur Ouaf und Leid bereite; birä teilte Mädchen hotte so Niel des (Sliitf*, bau sie davon gern an alte anderen Menschen ein Theil hingegeben hätte; Alles sollte sich mit ihr freuen, dem war aber nicht so; da war eine Schwester ihres Geliebten, die war in Schmerz und Kummer von dannen gegangen, und den Eltern, zu benen sie ging, sie konnte ihnen nichts als Schmerz lind Kummer mit nach Hause bringen. Finkel brachte in Wahrheit nichts Anderes mit nach Hause. Zwar, wie die Sachen eigentlich stehen, sagte sie den Eltern nicht; den guten Eltern zu sagell, daß sie beit geliebten Sohn unwiederbringlich verloren haben, verloren in einer Art, die ihnen ärger sein mußte, als selbst der Tod des Einzigen; zu sagen, daß Jossef sie so schmählich verleugne, daß er aus dem Bund seiner Väter scheide, seine Familie verrathe und übertrüte zu einem anderen Glauben; solch ein Leidwesen konnte sie den tauten Eltern nicht zufügen; aber Schmerz und Kummer scholl genllg, wenll sie berichtell mußte, daß sie beit Bruder gesucht und nicht gefunden habe. (Fortsetzung folgt.) O Fitterarische MrttheUungen. * Zu dem treffliehen Aufsatz „Ehilaim" von Rabb. S. Süßkind in Frankfurt a. Ri. in Nr. 17 der diesjährigen A. Z. d. I. ist zu beuierken, daß der größte Theil der dort mit Recht bemängelten Eindringlinge in unsere Gebetordnnng aus den mit der Uebersetzung des Dr. Michael Sachs vom Jahre 1850 an erschienenen Machsor-Ausgaben hinallsgedrängt sind. Es fehlen nicht nur die anstößigen Zwischenstücke beim Schofar-Blasen und die sonderbaren, unaussprechlichen „heiligen Engelnamen", int letzten des Priestersegens nebst dein (freilich nicht das npStfb sondern auch die Gebete vor dem zb'b mit) nach dem Gebetritual von Hoschana Rabba, fiitb wenigstens von ihrer Unverständlichkeit geheilt worden. Ebenso ist daselbst das empörende rPilSö in bt dem vor dein Herausnehmen der Thora einfach geälidert wordeli, so daß der Betende (wenn er nämlich versteht, was er betet) nicht mehr in solch feierlichem Moment die Bermuthung ausspricht, daß seine Mutter auch von einem andern als dem ihr angetranten Manne geboren haben könnte. Desgleichen sind alle ITnrStPI mit denen der s onst wackere Hei den he im fein Machsor — vielleicht aus gewissen Rücksichten — verunziert hatte, verschwunden. Bedauerlicher Weise ist Sachs auf dem Wege der Purb fikation der Gebetordnung stehen geblieben. In dem für fTCH niEfW wird noch immer davon gesprochen, daß Gott gedenken nlöge der Seele des . . . „um der milden Gaben willen, die ich für ihr Heit gelobe. Dafür" u. s. w. Wenn in dem von Sachs deutsch bearbeiteten Königsgebet (niTvTfl jDljrf) noch vom „Gnadenschatz" die Rede ist, so ivird man sich nicht wundern, wenn weniger kundige Hände auf Denksteine das „Hier ruht in Gott" gesetzt haben oder den Bornamen Josua (des Sirach) nur in der präzisirten Form „Jesus" kennen. D. U. * Ten Freunden der jüdischen Litteratur dürfte die Nachricht nicht unwillkommen sein, daß die „Real-Enevelopädie für Bibel und Talmud" von Dr. I. Hamburger, Landesrabbiner in Strelitz(Mecklb.) in dritter Auflage erscheint und zur leichteren Anschaffung derselben in Heften 10 Bogen Lerikonformat (Preis 2 Mark) ausgegeben wird. Anmeldungen auf dieselbe werden vom Verfasser entgegengenommen. * Miscellen. * Iakob Frank. Ueber diesen interessanten Abenteurer, den F. Dieffenbach in dem vor Kurzem beendeten Roman „Der heilige Herr" so anschaulich geschildert hat, macht Leopold v. Sncher-Masoch in einem Aufsatz „Fürstliche Gespenster" folgende interessante historische Mittheilnngen: Kein zweiter Herrscher spukte in so verschieden abenteuerlichen I uud phautastischen Gestalten noch lauge nach seinem Tode fort, wie der Zar Peter 111. von Rußland. Bekanntlich wurde dieser unglückliche Fürst, welcher sein Schicksal selbst verschuldet hatte, von seiner ebenso genialen und willensstarken als schönen Gemahlin Katharina vom Thron gestoßen und in seinem Lustschlosse Oranienburg gefangen gesetzt, wo ihn die Brüder Orlow erniordeten. Der erste Abenteurer, der sich für den Zaren Peter III. ausgab, war ein gewisser Pngatschew, der jedoch hingerichtet wurde. Doch mit dem Tode Pugatschews kam das Gerücht, das; Peter III. nicht todt sei, sondern lebe und seine Ansprüche auf den russischen Thron eines Tages wieder geltend machen werde, durchaus nicht zur Ruhe. Im Jahre 1778 erschien in Wien der Abenteurer Jakob Frank, welcher sich den Titel eines Barons beilegte und von einem Theil der Juden als der Messias angesehen wurde. Er war von einem großen und prächtigen Gefolge begleitet, welches aus getauften Juden beiderlei Geschlechtes bestand, worunter auch mehrere Rabbiner. Jakob Frank wollte nämlich das Christenthum mit dem Judenthum versöhnen und fand hierbei zuerst von Seite der polnischen Bischöfe, später auch bei anderen katholischen Kirchenfürsten thatkräftige Unterstützung. Frank lebte mit einem wahrhaft fürstlichen Aufwand, erregte infolgedessen bei der Polizei den Verdacht, ein Abenteurer zu sein, und wurde aus Wien verwiesen. Er zog mit seinem Gefolge nach Brünn und lebte hier gleich einem orientalischen Fürsten. Mehrmals im Jahre kamen ganze Wagen mit Fässern voll Geldes unter der Eskorte seiner eigenen Soldaten für ihn nach Brünn, und wenn er Nachmittags ausfuhr, um außerhalb der Stadt auf freiem Felde sein Gebet zu verrichten, umgaben seinen mit prächtigen Pferden bespannten kostbaren Wagen zwölf Ulanen in goldstrotzenden Uniformen. Nach einiger Zeit kehrte er wieder nach Wien zurück. Seine Tochter, Eva Frank, ein stolzes, geistvolles Mädchen von berauschender, echt orientalischer Schönheit, erregte die Aufmerksamkeit Kaiser Josefs II. und schien denselben durch ihre seltenen Reize und ihren hohen Geist für immer fesseln zu sollen. Sie behauptete dem Kaiser gegenüber, ihr Vater könne das Geheimniß seiner Herkunft nicht lüften, aber sie selbst sei eine Romanowna, ein Sprößling der russischen Kaiserfamilie. Wahrscheinlich war es dieser seltsame Roman, welcher neuerdings die Ausweisung Jakob Franks aus Wien veranlaßte. Vorher hatte die Polizei von ihm verlangt, er möge sich über die Herkunft seines fürstlichen Einkommens ausweisen, sonst müsse er als Abenteurer betrachtet werden. Im vertrauten Gespräch erklärte nun Jakob Frank, daß er von der Kaiserin von Rußland große Summen jährlich beziehe, verweigerte aber jede weitere Auskunft über seine Person, seine Herkunft und seine Beziehungen zum russischen Hofe. Er wendete sich nun an den Fürsten von Isenburg, welcher ihm den Aufenthalt in Offenbach gestattete und ihm daselbst seinen eigenen Palast vermiethete. Hier zog Jakob Frank im Jahre 1788 mit seinem Gefolge ein, das bald auf tausend Personen anwuchs. Er verkehrte mit Niemand als mit seinem Arzt. Man konnte ihn nur im Wagen sehen, wenn er täglich um vier Uhr Nachmittags zum Gottesdienste fuhr oder am Sonntage zur Messe in die katholische Kirche zu Birkelein, ein eine Viertelstunde von Offenbach entferntes Dorf. Jederzeit hielten zwei seiner Gardisten am Eingang des Palastes und zwei vor der Thür seines Zimmers mit gezogenem Säbel Wache. Frank pflegte zu Hause stets einen rothseidenen mit Hermelin besetzten und gefütterten Talar zu tragen. Alle seine Anhänger und Untergebene;; bezeugten ihm eine ungewöhnliche Ehrfurcht, und viele Männer von der Sekte der Sabathianer wallfahrteten zu ihm aus allen Ländern Europas. Als Jakob Frank am 10. Dezember 1791 in seinem Palast zu Offenbach starb, verbreitete sich damals schon das Gerücht, Jakob Frank sei nieinand anders gewesen, als der Zar Peter III. von Rußland. Später bekam dieses Gerücht dadurch Nahrung, daß Mittheilungen aus den Auszeichnungen seines Arztes an die Oeffentlichkeit drangen. Dieser Arzt behauptete allen Ernstes, Jakob Frank sei nicht Jude gewesen, und führte verschiedene Umstände an, welche dafür sprachen, daß er der entthronte Gemahl Katharinas 11. gewesen ist. Wir stehen hier vor einen; Mysterium, das wohl niemals aufgeklärt werden wird. Eines aber steht fest, daß Jakob Frank Beziehungen zum russischen Hof unterhielt, und daß einer seiner Söhne im Jahre 1813 als russischer Offizier verschiedene vornehme Anhänger seines Vaters in Prag besucht hat. Truck und Vertag von Rudolf Moffe in Berlin Verantwortlich für die Redaktion- Mar Baucknviü in Berlin.