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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-29 · Heft 18 (29.4.1892) · p. Seite 215

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 18 (29.4.1892)
Date
1892-04-29
Page
Seite 215 (sequence 11)
Language
German
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215 sein, ich n, Soffer Du ben itter und i hast nur >en; aber ihr ein e Lippen! mit mir > Mutter illst Dein lick Deine >ab mein : brauchn echte oui rd bleiben er gestern >d seinen!, die ebrecheu?; Augen m kemrn berliere;!, gion, nn lieb und m Herzen aterhaue. rleugneü. in eine und vnn alle die sie", uni Gewöhn neruun,! lsammen' t? Dii: . Gewöhn ist, niii't ief-Leben, rf meine m Krccke wirst Tn h größer r Kinderird. Tn nen der' bist jeln noch ein in Deine >erfliege» sie wird vorbeigehn wie ein Traum, und Du wirst ans dem Traum erwachen, daun wirst Du Deine unglückliche Lage bei kaltem Blut einschen, so wie ich sie seht vvraussehe, und wirst Dir nicht zu helfen wissen!" „Du redest iinmer nur von Bergangerrheit und Zukunft und auf mir lastet die Gegenwart!"" „So wirf die Last von Dir herrmter!" „Das Hab ich ja gcthan!" „Das hast Du gethan, indem Du eine noch viel schwerere Last Dir aufladest?" „Du weißt nicht, was Du redest!" „Möchtest Du es nur halb so gut rvissen, wie ich es weih, ich brauche Dir kein Wort mehr zu sagen. Geh in Dich, Jossef! folg mir, und es wird Dir wohl sein!" „Ich kann nicht! nein, Finkel! Tu weiht, wie gern ich Dich Hab, und wie ich allezeit an Vater und Mutter gehangen bin. Alles, was Du mir sagst, ist wahr und ich weih, Du meinst es gut mit mir; aber ich kann nichts gegen das, was mein Herz treibt! Verlang von mir, was Du willst, verlang es für die Eltern, verlang es für Dich, verlang von mir das Leben, ich geh für Euch drrrch Wasser und Feuer; aber nur das Eine nicht, nur das nicht. Sterben will ich gern, aber leben, leben auf dieser Welt ohne Marie! nein, Schwester, das kann ich nicht; und wenn Du einmal wissen rvirst, was Liebe ist, so rvirst Drr mich begreifen und wirst mir verzeiherr." „Nie, Jossef! wenn Du diesen Schritt thust, bist Du mein Bruder nicht mehr und ich bin nicht länger Deine Schwester! Geh hin, verrathe uns! geh hin und freu Dich mit Deinenr schönen Weib, mit ihr, die Deine Eltern verspotten und verhöhnen wird, geh hin und werd einer der Ihrigen; Du wirst es bald genug erfahren, dah sie Dich doch nicht für ihresgleichen halten. Drr wirst es bald genug gewahr werden, dah Du ihnen doch immer ein Eindringling bleibst, von dem sie nichts wissen wollen; bei der erstbesten Gelegenheit, wo Du ihnen das Mindeste, nur einen Strohhalm in den Weg legst, rverden sie Dir den Juden vorwerfen und Dich au Deine Herkunft erinnern. Geh hin und lah Dich verfuhren von der Schönheit, die Dich heute blendet irud Dein Herz gefangen hält! Du gräbst Dir selber Dein Grab. Wie sehr bemitleid ich Dich! Jossef schwieg und lieh den Kopf zur Erde sinken. „Komm!" rief die Schwester nach einer kleinen Pause mit Entschiedenheit, „komm und sei, was Du sein sollst! Wie kann ich denn hcimkommen, wenn ich Dich nicht mit mir bring? Was soll ich den Eltern sagen? ich Hab Dich gefunden und Du willst nicht mit mir gehn? siehst Du denn das nicht ein?" „Also ist es Dir nur darum zu thun?" „Nur darum? nur darum — sagst T»? um mich meinst Tu? armer Bruder, wie sehr verwirrt ist Tein Herz, tvie weit sind wir schon von einander entfernt, dah Du Deine Schwester nicht mehr kennst und nicht mehr verstehst!" „Ja, weit entfernt, sehr weit, so weit, dah eine Rückkehr nicht mehr möglich ist! ' „So bleib! und geh, wohin Dein Herz Dich treibt; was Du an den armen Eltern thust, das wird Gott Dir heimzahlen. Bleib! ich geh!" „Nicht so geh von inir, Schwester! nicht im Zorn! nicht in Hah, nicht mit Feindschaft im Herzen! Müssen wir scheiden, so soll es in Güte und Liebe sein. Geh, geh heim, und ich will Dich bis zu dem Wald geleiten. Dort trennen wir uns — geh heim zu Vater und 'Mutter, die mich verstoßen müssen, geh heim und sei Du von nun an ihr einziger Trost und ihre einzige Freude, ersetze Du ihnen, was sie an mir verlieren! Glaub mir, Finkel. ich Hab mir nicht vorgeslellt, dah das möglich ist, ich wollt, eS wäre anders gekommen." „Es kann noch anders kommen," sagte die Schwester, da sie ihn so weichmüthig sah, und faßte mit Ungestüm seine Hand; „komm, Jossef-Leben! Die Eltern werden an Dir noch große Freuden erleben. Man wird Dich daheim auf Händen herumtragen. Tu lveiht ja, wie gern sie Dich haben, sie möchten den Schritt, den Du gehst, mit Gold pflastern! es existirt ja nichts, was sie Dir versagen, ivenn Du eS willst; es kann es jakein Prinz besser haben! komm, sei gescheidt und mach keine Narrheiten, komm heim und vergiß Alles, was seit gestern vorgefallen ist, wie einen bösen Traum! komm!" „Bis zum Wald will ich mit Dir gehn, Finkel! aber dann las; mich ruhig umkehren und red mir nicht mehr ins Herz hinein. Es thut mir weh, sehr roch, dah ich Euch weh thun muh, und doch kann ich nicht anders." Die beiden Geschwister verliehen die Stube und gingen mit einander fort. Schweigsam schritten sie neben einander hin, die Kirchhofsmaner entlang, den Teich vorbei, bis sie endlich an das Wäldchen kamen, ivelches Jossef zum Trennungsplatze bestimmt hatte. Da Jossef stehen blieb, um den letzten Abschied zu nehmen, da warf sich das Mädchen ihm an die Brust und iveinle bitterlich. Auch Jossef weinte, und unter unzähligen Küssen mischten sich ihre heiße Zähren. „Ich laß Dich nicht von mir, hier halt ich Dich fest mit aller Kraft, die ich in mir habe; ich laß Dich nicht, Du muht mit mir, Du muht! Du muht!" „Geh heim, Finkel! und lah mich! leb wohl und verzeih mir!" Mit Anstrengung machte er sich los aus ihrer heftigen Umarmung; er kehrte zurück ins Torf; die Schwester blieb stehen und blickte ihm nach. Sie rief ihn. Er wendete sich um, winkte mit dem Tuch noch einen letzten Gruß zurück, wendete sich wieder und j schritt weiter. Sie wollte ihm nachlaufen, ihn halten, sich an ihn klammern, ihn schleppen, sie muhte ihn ja mit nach Hause bringen. Wie Jehuda sich einst dem alten Patriarchen für seiner; Lieblingssohn Benjamin verbürgt, ihn von Aegypten zurückzubringen, so hatte ja auch sie heute Morgen ihr Wort verpfändet, sie hatte es verbürgt, daß sie ihn finden, dah sie ihn zurückbringen werde; aber es hielt sie da mit geheimer Kraft am Bode» fest, sie konnte den Fuß nicht regen, ihm nachzusetzen, sie blieb stehen, so lange sie ihn im Auge behalten konnte, und da er endlich ihren; Auge entrückt war, da rief sie ihm »och einmal nach: „Geh hin, unglücklicher Mensch! für uns bist Tu nicht mehr auf dieser Erde! für uns bist Du gestorben, todt, tobt für immer." Und mit diesen Worten raffte sie sich auf und schritt der Heimath zu. So waren Bruder und Schwester in unwiderruflicher Trennung auseinandergegangen; Jener ging ins Dorf zurück, diese ging Hein; zu ihren Eltern. Honza und Brigitte steckten, als sie Jossef von ferne kommen sahen, die Köpfe zusammen. Sie glaubten, der Bruder habe sich von der Schwester überreden lassen und kehre mit ihr zurück, — sie hatten sich geirrt, sie hatten ihm zu wenig Festigkeit und Selbständigkeit zugetraut. Der alte Niederhuber aber lieh in Blicke» und Mienen deutlich merken, dah seine Voraussicht weiter reiche, als die seiner Umgebung. Jossef hatte sich durch die Schwester von seinem einmal gefaßten Vorsätze nicht abwendig mache;; lassen, er kam zurück, um seinen Entschluft auszuführen; die Probe, die den; alten Niederhuber so erwünscht gekommen, sie war bestanden und damit die Bürgschaft für das Glück seines Kindes gewonnen. Marie war wonnig beglückt; doch war die Sonne ihres Glücks und ihrer Freude durch eine kleine Wolke getrübt, die sich um ihre schöne Stirn gelagert; es that ihr weh, dah Menschen existire», die ihr höchstes *

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