Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-29 · Heft 18 (29.4.1892) · p. Seite 213

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 18 (29.4.1892)
Date
1892-04-29
Page
Seite 213 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3224737-3227931-3227950--48795-3269450
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

21: t süßen le war lind im er den? Mit hatten? ist Du! Jomit," Besitze t, mit ößlinge achdem lir auch :r Liebe sinung, iben zu Söhne n nicht >i (Mn1 liß Tir selbst, ein Greuel war, sich befindcl. „R. Elieser den Jakob hatte einen Schüler, der lautlos sein Stndinm betrieb; nach drei Jahren hatte er das Erlernte vergessen. Samuel ermahnte den R. Jehnda: öffne Deinen Mund, wenn T» in der Bibel liest, öffne Deinen Mund, ivenn D» die Mischna liest; denn nur bei lautem Studium bewahrst Du den Wissensschatz in Deinem Innern." (Ernbin 531>.) Der Laut ist den Talmudlehrern ein Mittel zur besseren Einprägung der Gedanken, vielleicht denken sie hierbei an die beim Talmudstudium übliche Betonung als Unterstützung des Gedächtnisses. Sv berichtet Arist. iProbl. XlX., 28), daß die alten Völker vor Erfindung der Buchstabenschrift ihre Gesetze sangen, um sie durch Hebung und Senkung des Tones besser dem Gedächtnis; cinzuprägen. Anläßlich des mnemotechnischen Mittels von dem lauten, beziehungsweise gesungenen Bortrag mag darauf hingewiesen sein, daß manche Aussprüche int Talmud bezüglich der Gedächtnißkraft und deren Schwächung und Kräftigung auf griechische und lateinische Duellen zurückzuführen sein dürften. Unter den zehn Dingen, die das Gedächtniß schwächen, wird Horajoth (13a) auch das Lesen der Grabinschristen aufgezühlt, ■"Dpi! 2M3 XTlpn P|K X"1! Ans Cicero, Cato majvr Cap. VII, ist ersichtlich, das; dies bei den Römern sprichwörtlich war: »ec sepulcra legens veieor, (juod ajunt, ne memoriani pcrdant, liis enim ipsis logendis in memoriam redet» inortuoriiin. 9. Wie Eva ihr Bild in der Quelle anstaunte, besingt Milton, Berloreues Paradies (4. Gesang) mit folgenden Worten: dlehrer benden letrach- Erörn seine i 117.) zemlich Wahrmdigen ummer :. Da Bolks- :r den rdessen es znfragte n wir orte zu i Zlvei Za.) ie nur nidiger unner- »feind- .) mn sinver- Inden „Indem ich mich hinunter blickte, trat mir gegenüber ans der Hellen Fluch ein Bild, gebückt, wie ich, und sah mich an. Ich fuhr zurück, das Bild fahr auch zurück: Doch lächelnd neigt ich bald mich wieder hin .... es hätte sich in schmachtender Begier niein Herz verzehrt: doch eine Stimme rief mir warnend zu: „Du liebliches Geschöpf! ivas Du hier siehst, das bist Du selbst. Du bist's! mit Dir erscheint's und weicht's." Im Talmud (Nedarim (9 b) erzählt Simon der Gerechte, wie -inst ein Jüngling von schöner Gestalt und mit herabwallenden Locken als Nasiräer vor ihn kam. „Warum wolltest Du Dein ichönes Haar zerstören?" fragte ich ihn. (Dies mußte er als Aasirüer nach Verlauf der Zeit des Gelübdes thun.) „Einst kam ich," ertviederte er, „als Hirt zu einer Quelle und betrachtete mit Wohlgefallen mein Bild im Wasserspiegel. Ich wurde eitel, und die m mir erwachende Leidenschaft erfüllte mich mit sündhaften Gedanken. Ta sprach ich zu mir: „Frevler! Worauf willst Du stolz werden? Bedenke doch Dein Ende, da Tu eine Speise des Gewürms sein wirst. Bei Gott! Ich weihe dieses Lockenhaar dem Himmel." Darauf erhob sich Simon und küßte den Jüngling, lobte dessen 'rammen Entschluß, indem er sprach: „Möchten doch alle Nasiräer Dir gleichen!" IO. Hinunter soll kein Mann die Blicke wenden; Hinauf zur höchsten Frauen kehr' er sich! Gelingt es ihm, sie zu erwerben, schnell Geebnet zeigt des Lebens Pfad sich ihm". (Goethe, Die natürliche Tochter.) R. Papa ist auch nicht unpraktisch, tvenn er die Kehrseite ins tlnge faßt und das Mißlingen dieses Versuchs befürchtet; darum Pebt er (Jebamot 63) folgenden Rath: „Sei rasch beim Kauf cines Feldes, sei behutsam, willst ein Weib du freien. Steig eine Dtnfe hinunter, suchst du ein Weib; eine Stufe hinauf, suchst du m>en Freund!" 11. Adam spricht zu Eva: „Mir, ich sühl's, gehörst Du an. Sei nicht ferne, komm heran!" Eva lächelte verlegen: „Kommen soll ich Dir entgegen? Komm Du doch entgegen mir! Dich erwartend, sitz ich hier ..." Davon ist der Brauch entstanden. Daß seildein in allen Landen Männer zu der Frauen Garten Gehn, und Frauen sie erwarten." <Fr. stlückert, Morgenliindische Sagen.) Aehnlich sagt R. Simeon (Kidduschiu 26): In der Schrift (5. Mos. 24, I.) heißt es: „Wenn ein Mann eine Frau ehelicht;" es ist Brauch, daß der Mann nach dem Weibe sucht, ui» es zu ehelichen, cs ist aber nicht Brauch, daß das Weib dem Manne uachgeht. Wer sucht!? Und was sucht mau? Wer etwas verloren hat, der sucht cs." (Dem Adam nahm Gott die Rippe im Schlaf und bildete daraus die Eva). Der ethische Gedanke R. Simeons liegt darin, daß die wahre Liebe nicht feil sei, „und gäbe einer sein ganzes Vermögen um Liebe, inan ivürde ihn verachten." (Hohelied 8, 7.) Wer Herzen kaufen will, der gehe hin und gebe sich selbst. 12. Zu 2. Bios. 8, 14. bemerkt Raschi nach dem Midrasch rabbah: mUTSE nmns rr-Q Pi? BplC? “?trn pxL' „Die Dämonen haben keine Macht über so ivinzige Geschöpfe", darum erkannte Pharao in der dritten Plage „den Finger Gottes". Ter Sage nach sind die Dämonen gefallene Engel, die Mitte haltend zwischen diesen nnd der Menschenwelt, also Mittelgrößen. Der Midrasch will also den Ge-! danken zum Ausdruck bringen: Groß zeigt sich der Meister auch i» i Hervorbringung des Kleinen, die kleinen Geister ivagen sich an die Gestaltung der Großen. „Das Große und Furchtbare läßt sich iu; der Kunst weit leichter darstellen als das Kleine nnd Putzige. Tie; ägyptischen Zauberer haben dem Moses viele Kunststücke nachmachen i können, aber als er scheinbar weit leichtere Zauberdinge, nämlich Uuj geziefer hervorbrachte, da gestanden sie ihre Ohnmacht, und sie konnten; das kleine Ungeziefer nicht nachmachen, und sie sagten: „Da ist der Finger Gottes." (Heine 3, 153). * FEUILLETON Heimweh. Erzählung von Eduard Kalke. «Fortsetzung.) „Jossef-Leben!" — begann Finkel - „bedenk Dir nur, was Du da thun willst! bedenk Dir nur!" Der Bruder seufzte tief auf, ohne eine Antwort zu geben, und die Schwester fuhr fort: „Denk an unsere, denk an Deine Kindheit. Wie wir Beide Kinder waren, wenn wir früh aufgetvacht sind und die Sonne so schön hat Hineingeleucht in die Stub, wie die Mutter da zu Deinem Bett ist gekounnen und hat Dich herausgehoben und hat Dich auf den Tisch gesetzt, und hat Dir die Strümps und Schnh angezogen, und sie beim Anziehn Dir hat vorgesagt: „Die Thora, die uns Moscheh befohlen, ist ein Erbtheil Jakobs!" — und wie Du es Wort für Wort nachgesagt hast; und wie dann der Vater aus der Schul heim gekommen ist mit seinem Tallisbcutel in der Hand und wie Du vom Frühstück bist aufgesprungen und hast ihm den Tallisbcutel aus der Hand genommen und ihn hast anhängen tvollen an den Nagel hinter der Thür, und wie Du nicht hast hinanfgelaugen können, und man hat Dich hinaufheben müssen, denk, wenn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.