Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1892)
- Date
- 1892-04-29
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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208 Crinifle;]cit nach dem Besuch des Dr. .Gerupfter suchten einige dieser Vanblcuto die Erlaubnis; nach, mit Zustimmung der Behörde der Kolonie benachbarte Ländereien zu kaufen, weil die alten Besitzer Lust hatten,! sie 51t verkaufen. Das Gesuch wurde mit der Motivirung abgeschlagen, daß man an Juden kein Land verkaufen dürfe. Zum größten Theil! wandern die Leute der Kolonie, welche die vorgeschriebene Zahl über-! steigen, nach 'Amerika ans. In den letzten ö Jahren haben aus dieser j kleinen Kolonie allein 20 Menschen die Reise dorthin angetreten. In dein Zimmer, wo das Mitglied der Kommission seine Untersuchung vornahm, befanden sich 20 Personen, und alle waren genau über amerikanische Verhältnisse orientirt. Alle erklärten, daß es ihr sehnlichster Wunsch sei, auszuwandern, aber es fehle ihnen an genügenden Mitteln dazu, ihr Land sei zu unfruchtbar, um sie zu ernähren. Auf die Frage, ob sie nicht gesonnen seien, in den Städten Wohnsitz zu nehmen, gaben sie zur Antwort: „Niemals, wir können ebenso wenig ohne Landbau leben, wie der Fisch ohne Wasser. Wir sind geborene Landleute und wollen es bis an unser Lebensende bleiben." Als man von Neuem fragte, weshalb sie so gern nach Amerika wollten, trat eine Hausfrau mit der Erklärung hervor: „Wir betrachten unsere Existenz hier als verloren, aber wir wollen wenigstens die Zukunft unserer Kinder besser zu gestalten suchen." Sie erkundigten sich nach der Beschaffenheit des Erdbodens und seiner Früchte, nach den Arbeitslöhnen und den Pachtverhältnissen, und ließen dabei ebenso großes Interesse für alle Einzelheiten erkennen, wie eine griindliche, sachgemäße Kebutniß von Allem, : was mit Ackerbau zusammenhängt. Die Kommissare waren auf ihrer Durchreise durch das „Niederlassungsgebiet" von Leuten begleitet, die, obgleich mit den schrecklichen Zuständen bekannt, dennoch entsetzt waren über das von ihnen täglich wahrgenommene Schauspiel. In dem Bericht sind an Stelle der wirklichen Anfangsbuchstaben von Personen und der Namen von Städten und Dörfern gewöhnlich andere gesetzt worden.! Der Grund dafür ist darin zu suchen, daß die Personen, welche die! einzelnen Fälle namhaft gemacht haben, fast alle noch in Rußland i wohnen, und die Kommissare wissen genau, welchen Gefahren Leute ausgesetzt sind, deren Identität dabei nachgewiesen werden kann. Es kam; fast immer behauptet werden, daß ein solches Jdentifiziren gleichbedeutend ist mit dem finanziellen Ruin oder der Verbannung nach Sibirien. Bei Feststellung der einzelne;; Fälle habe;; die Kornmissionsmitglieder so viel | wie möglich danach gestrebt, die einfache Darstellung wieder zu geben, j in der sie die Schilderungen erhielten, sie haben jede Ausschmückung ver- 1 mieden, in dem Bewußtsein, daß die grausamen Ereignisse mit genügender Beredtsamkeit für sich jelbst sprechen. Am Schlüsse ihres Berichtes sagen die Kommissäre, daß sie versucht haben, die sie beherrschenden Gefühle zu unterdrücken, als sie sahen, wie inan arme menschliche Geschöpfe wie wilde Thiere behandelt, imh als sie Zeugen wurden von Sceuen, die ihnen unvergeßlich bleiben werden. Die ganze Frage ist nach ihrer Ansicht noch lange nicht erschöpft, mtb ihre Erzählungen dürfen nicht nur für authentisch gelten, sondern auch als feststehende Thatsachen, die luan bisher nur theilweise gekanrlt hat, und denen man nicht so leicht Glauben zu schenken geneigt ist, weil sie in der Thcü fast unglaublich klingen. U Schämen mir uns! Bon Prof. Tr. T lei ul heil. „Ich bin von -cham übergoffen und bin zerknirscht! >vic wage ich. mein Gesicht zu Dir, mein Gott, zu erheben!" Diese '■hkn'tc Esra's sch (>) walten mir nicht aus dem Sinn, seitdem ich die Predigt unseres Maybanm am ersten Tage Peßach (vergl. diese Zeitung Nr. 10, S. 182 f.) gehört habe. Dahin also ist es in unserer Gleichgiltigkeit gegen Religion gekommen, daß uns von heiliger Stätte herab zngernsen werden muß, der Bestand des Jndenthunis erfordere Hilsc „von Staatswcgcn". „Wie viele Bäter >vie viele Mütter ersüllen denn das Gebot: Du sollst die Worte GolleS Deinen Kindern einschärsen?" Dcr Baler überläßt diese Pflicht der Mutter; und die Mutter läßt ihre Kinder den christlichen Rcli gions-Unterricht wilnchmen, obwohl gar nicht von Staatswcgcn. und sic dünkt sich recht weise, wenn sie das, was ihre Kinder gelernt haben, ihr aber in ihrer Weisheit nicht zusagt, zu korrigire» bemüht ist. Sie wird aber bald merken, daß das Kind dem Lehrer mehr glaubt als ihr; und sie wird sich darein fügen — ob gern oder ungern. Andere machen cs sich bekanntlich bequemer, und das sind wolil die Meisten: Sie lassen ihren Kindern gar keinen Religions-Unterricht geben. Wozu auch? Es hat ja doch „keinen Zweck!" Lesen, schreibe» und zumal rechnen können, das hat Zweck; jedes Geschäi, verlangt cs. Französisch, Englisch und Matheinatik ist vielleich, überflüssig für das Geschäft; aber der Junge braucht dann nicht drei Jahre zu dienen — von Staatswcgcn. Daß aber eine jungr Daine parlircn könne, fordert die Gesellschaft. Das Alles also Hai Zweck, theils an sich, theils von Staatswegcn. Aber die Religion! Unsere Gyinnasiasten und unsere Studenten studiren fleißiq (manchmal auch unfleißig) Brod. Wer wird leugnen, daß Brod Zweck hat? Indessen, Brod ist ein veralteter Ausdruck; man setz, Geld, und mau wird das Rechte treffen. Geld hat Zweck; denn c: ist der Zweck der Zwecke. Was aber hat Religion mit Geld .;» ihn»? — wenn es nicht von Staatswegen der Fall ist! Dan» <»::( man die Kinder taufen. Das hat Zweck. Ich hatte in meiner Jugend einen Traum von Bildung: cs ist lange her, wenigstens ist wir so, als inar's vor lang ver floffenen Zeiten gewesen. Der Traum war schön, aber „er Halle keinen Zweck", und der Staat verlangt ihn nicht. Ja, ich höre, der Staat liebe die Träumer nicht. Zur Bildung gehört aber Religio:: und Freiheit. „Ich schäme mich und bin zerknirscht." Das also sind die Juden! Das ist das Bott des Studium-! Wir taffen fahren, >vas unser „Erbthcit" ist. Wir lassen fahre:', worauf unser Anrecht an die Geschichte beruht, unser Recht ani Dasein. Das Buch, das wir der Welt gegeben haben, das die Web schon zweimal verjüngt hat, das den Edelsten der edlen Völker ein Schatz der Weisheit und Schönheit scheint, wir werfen cs von uns. Der Znchtmeister Staat muß kommen, um uns vor solchem Selb,lg morde zu schütze». Welche Vorstellung von der Macht des Staates sollen wir »in denn machen? Kann der Staat im Bewußtsein seiner Bürger Gcdauken verschieben, Gedanke» einpflanzen? Kami er den Ucbt t wollenden wohlwollend, den Unwilligen gutwillig machen? Te>:> Gewissenlosen ein Gewissen schenken? Kann er gemeines Strebt:: und Haschen tilgen und dafür edle Bedürfnisse wecken? Das Alle: kann er nicht. Kan» denn die Polizei Sabbathruhe Herstellen? Todtenstille kann sie Herstellen, nicht jene Ruhe, welche durch in:f durch Freude und Licht ist; und ohne Religion kein Licht, keine Ruhe und Freude; und Religion kann sic Niemandem einflöße»: „Ich beschwöre Euch, wecket, erwecket die Liebe nicht, bis sie durch iidi selbst erwacht." Nur in ernster Freiwilligkeit nimmt und gcwälnt Religion. Habt ihr schon einmal gehört, daß alle Juden für einanbcr Bürge sind? vielleicht ja, vielleicht nicht; aber in neuester Zeit ha bl ihr cs wahrscheinlich thatsächlich an euch erfahren. All' euer Taufe», alt' eure Unreligion wird von den Germanen verlacht — „weiter l:a> cs keinen Zweck"; denn ihr bleibt Semiten, ihr werdet uns ni® abgciwuimen. Doch das wollte ich nicht sage»; es floß mir nur so aus de: Feder. Aber darauf wollte ich doch Hinweisen: Unsere Bäter wäre» Bürge für uns, wir sind Bürge für unsere Kinder, und wir solle» nnigctehr Bürge sei mir öafiti gut erzoc Wir ivollen v schlecht er inaner A erziehen: Bettler st nur sind: mtb inde Tpotte p selben he ihre Bät> Berachtui Lebe lichkeiten ojgmthü Religion ,eden Bc uns will, nenden? aber wir belästigt »erträgt Wir er min r Bürgscha O, : ne nicht d:e weit alle Gesä -chlafgei iiindiget nur »ns! x Und , 1 o i t u i nndc A> »mitische „Al! 'ne» Z> 'Bie erin Ktrainm Front g native i) a 11 e t müisemit l» a rla: Val das pehnug! »nnisterS und sei, Gerrizthe dessen R