Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1892)
- Date
- 1892-04-22
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Aach eitler längeren Debatte, welche durch einen Antrag des Herrn reichten tritt hervorgerufen worden, bei späteren Gesuchen uni Subventionen durch eine JTionmttffion die Bücher der betreffenden Religions. Gesellschaft eitler genalletl Prüfung zu unterwerfet!, wllrde die Erhöhung der Subvention auf 1 Jahr bewilligt. Der Antrag Leichtentritt wurde obgelehnt. Sodann erhält das Wort Herr Löwenberg, nnl über den tz-lat der Synagoge in der Lindenstraße zu reseriretl. Alls beit Dar.!cgungen des Mieferenten geht hervor, daß die Bilanz mit einem Defizit non M. 15,557.2:.) abschließt, mit dessen Deekiulg die Versammlung sich i i noerftanben erklärt. Dell dritten Pmlkt der Tagesordmlng bildet der Rechenschaftsbericht des Netchenheimschen Waisenhauses für das Geschäfts iahr 1801.. 92. Am Schlüsse desselben befaudetl sich nach den Ausführungen des Referenten, des Herrtl Jacob;;, in der Anstalt 74 Binder, unb '.war 54 Knaben und 20 Mädchen. Die (Gemeinde hatte im abgeschlossenen tzahre 51,000 M. dem Waisellhaus Fuschuß gewährt, so daß jeder sögling einen Beitrag voll 564.4 Bi. erforderte: im Ganzen verursachte ndes Kind eilten Kostenaufwand von 758 M. Die Bersamnltutlg erklärt 'ich lllit diesem Rechenschaftsbericht einverstanden, der mit einem Guthaben von 20 M. 50 Pf. für die Gemeinde absehließt. 'Als Referent für die Oommission der Rabbinatsaussicht stellte Herr Veicbtcntvitt fest, daß infolge des 'Austrittsmehrerer Fleischer eine Mindereinnahme voll 2050 M. ui verzeichnetl ist, voll welchem Status die Versauntlltlng Kenntnis; nahnl. Hiermit war die Tagesordnung der ösfelltlichetl Sitzullg erschöpft und es stillos; sich all dieselbe eitle geheime Sitzung. * Berlin, 1. April. Am 22. März cr. fand iit den Oiänmeu ooit Dassels Hotel die Generalversannnlnng des „Esra", Bereiil zur Untern!!l'.ntlg Acker ball treibender Inden in Paläst itla und Sorieu, unter leb- H'iiter BetheiligtUlg seitells der von den Mitgliedern gewählten Telegirten üatt. Dein iilteressanten Bericht, den der stellvertretende Vorsitzende Herr ^ilöerslein erstattete, entnef)nten tvir, das; der Bereitl in der Berichtsl'eriode außerordentlich gewachsell ist. Fweigvereine wurdeil in dieser /-eil nen gegründet in Breslau, Frankfurt a. M., Haulburg, Leipzig lind auderetl Orten. Die Berichte atls den jüdischen Dörfern in Palästina lauten befriedigend: einige derselben haben bereits die Anulugsschwi.rigkeiten überwunden und bebiirfen keiner fremden Hilfe mehr, darunter befindet sich Iessod Hamaaloh, die früher vom Verein „Esra" unterstützte Kolonie. Neuerdings wendet der „Esra" seilte Mittel deni - orfe Mischmar ha - Iarden zu, beffen Bauertl jäinmüid; ehemalige Ackerknechte auf ben Rothschild'scheil jüdischen Dörfern sind. Es ist ihnen gelungen, sich in der kurzen Feit voll P Jahren, seitdem sie auf / genein Grtlnd und Bodell silld, schon atlsehtlliche Pstatlzullgell, deiotlders Weinberge, anzulegen und bedürfen sie ntlr noch verhällnißtnäßig lteritlger Unterstützung. Der Bericht wurde mit großem Beifall zur Kenntnis; genommen, Dccharge ertheilt mld bei den Wahlen Herr Moritz -orn zutu Borsitzendeu gewählt, während als Kassirer Herr Fulius Kalmus, OAagdeburgerstr. 52, verbleibt. ^Berlin, 17. 'April. lieber einen Sede r - A b e tl d in der Israelitischen Volksküche erfahren wir folgettde Einzelheiten: Scholl mehrere Tage vorher war die 'Anstatt für ben allgemeinen Besuch geschlossen. Mit großer Freudigkeit hattell sieh die E4;renda;;;en mit Aw Borsteher in vereint, um die ttmfaffettben B orbereilllllgeu zu dem ' schöllen Feste anszuführen. Es waren zllnächst gegen 150 Einladnngs tarten ausgegeben; doch als der Leiter der Anstalt, Herr Herllianll Abraham, hörte, daß sich im städtischell Obdach mich eine größere Anzahl jüdischer Familien befände, so war er dorthin geeilt, um auch diese Unglücklichen zur Theilnahme einzuladell, so daß die Fahl der Eingeladenen auf 100 Personen stieg. Der große Speisesaal der Mtnuall war auf £ Prächtigste geschmückt lind erleilchtet. 'An den cxgentlid)ett Seder- Tisch, welcher für die Ehrendameu, den Leiter der Anstalt, dessen Gattin, sowie einige Ehrengäste reservirt war, reihten sich lange Tafeln für die Besllcher. Für je zwei derselben war eine Flasche Wein, ferner fanden sich auf jedem Platz die üblichell Ostergerichte, ungesäuertes Brod, Bitterkralll und „Eharoses". Nachdem der Gottesdienst in der Synagoge der Heidereutergasse beendet lvar, ftrömien die Gäste herein. Es lvar die Einrichtullg getroffen, daß die älteren Personen bevorzllgte Plätze oben erhielten. Gegell Uhr konnte Herr Abraham, welcher den Seder ablstelt, mit dem Segeusspruch über ben Weill beginnen. In wiirdevoller Weise lmcb allhergebrachter Sitte wurden die Satzungen des Seder ansgeführt und alsdann das reichliche, aus mehreren Gällgen bestehende Mahl verabreicht. Dankbare und fröhliche Stimmung bemächtigte sich aller Geinüther, und wohl feilen ist mit so freudig bewegtem Herzen, wie hier, von der ganzen Versammlung das Tischgebet gesprochen worden. Ebenso wurden die Lobgesänge und Lieder des zweiten Theiles der Hagada in gehobenster Slimnnlng zum Bortrag gebracht. Als der Seder zu Ende ivar, ließen trotz dringlichster 'Abmahnung einige der (sKifte es sich nicht nehmen, ihren; Herzenswünsche 'Ausdruck zu verleihen und dem Leiter der 'Anstalt und seiner Gattin den Dank alter 'Anwesenden auszusprechen. Ties ergriffen und beglückt ob des Gelingens dieser schonen Feier wandte sieb nun Herr 'Abraham an die Anwesenden und wies die ihn; und seiner . Frau dargebrachten Ovationen zurück. Er betonte, daß er es als seine ' Pflicht betrachte, seine Kräfte, soweit es sein Berns ihm gestatle, den 'Armen zu Diensten zu stellen, daß er indes; in diesen; schweren Werke von guten Menschen nakeruütz; werde, welche sich in Freud und Leid derAnstalt erinnern, und diesen gebühre ihr herzlichster Dank. * Berlin, 15. April. Der Astronom I)r. Heinrich O p pen b ein; von der Berliner Sternwarte hat das Prädikat Professor erhallen: derselbe bat sich besonders um die Lehre von der; Kometen verdient gemacht. Lange Jahre hindurch hat er von jeden; der nen erschienenen Kometen Bahnbestiinmungen gefertigt: oft berechnete er deren sechs in einem 1 Jahre. Bis zu den; Ende der siebziger Jahre stand I)r. Oppenheim in;! Dienste der Königsberger Sternwarte: seither ist er in Berlin beschäftigt, i Hier widmet er seine Arbeit hauptsächlich den Bahnberechnnngen von! kleinen Planeten. Die Ergebnisse derselbe;; gelangen in den; Berliner : astronomischen Fahrbnche, das die Berliner Sternwarte heransgiebt, zur Veröffentlichung. Berdiensllicb erweist sich für die Astronomie die von ’ l)r. Oppenheim besorgle Herausgabe der ..Srirncr obsrrvrr Infern.-iti<m;iI; eifciil;iiv. welche ihm mm Amerika her übertragen worden ist. Es handelt sich dabei um die einheitliche Organisation der Kometen-Beobachlnngen; Bon jeder derselben gelangen an In-. Oppeuheiin chissrirle Depeschen, die! hier entziffert und sodann an on verschiedene Sternwarten weiter ge; geben werden. X Berlin, Ol. Mtpril In der vorigen Woche hat Er ras : B a l( eure nt, der Eeulrnmsführer, in Breslau eine merkwürdige Ent; decknng gemacht. In einem Bortrag, den er vor seinen dortigen Partei genossen hielt, ließ er sich über freit Fedlitz'schen Bolkssehnlgesetzent;vnrs ans und ging die Oleihc derjenigen durch, welche — nach seiner 'Ansicht! — über den Entwurf erregt waren. 'Nachdem die Professoren und die! Prolestantenvereinler abgethan waren, fuhr Hr. Ballestrem fort: „Dann! schlossen sich noch an (Obif: Jude!"> einige 'Allkatholikeu, die längst mit j der Minioritä 1 der Kirche gebrochen haben und auch keine andere'Autorität anerkennen, und wie da die v<>x eben ertvähnle, eine 'Anzahl Ol eformjnden, die vom (01aitbcn il;rer Bä ter läugst abgefalten waren. 1 Sun misch es Bravo. > Das traten die Leute, die er