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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-22 · Heft 17 (22.4.1892) · p. Seite 204

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 17 (22.4.1892)
Date
1892-04-22
Page
Seite 204 (sequence 12)
Language
German
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Ym -- 2. „T heuerst e Avciiiibin! Sie ljubcii faiim meinen leiblichen Sohn entlassen, für dessen gütige Ausnahme ich noch Dank schuldig bin, als schon mein geistiger Sohn') anklopft und Antritt verlangt. Doch dieser stört nicht. Er kann bis zur bequemen Stunde in einen Winkel geschoben werden und heischl keine Allfmerksmtikeit. Mein Sohn Joses wird sich einige Tage;tt Strelih anshalten, ich erwarte ihn mit Sehnsucht zurück. Herzlich bedaure ich es, das; ich ihn den Wissenschaftern entziehen nun;, um einen Knecht des Mammons aus ihm zu machen. Zur Arznei hat er nicht Lust; und als Jude must er Arzt, Staut mann ober Bettler werden! (s-r hat mir Vieles mündlich von Ihnen zil erzählen versprochen, worauf ich sehr begierig bin. Ihr ansrichtiger, wahrer Freund Moses Mendelssohn." Berlin, den 4. Oktober 1785. Interessant waren and) die Beziehungen Mendelssohns zu der Dichterin Sophie Becker. Sie war in Kurland 1766 geboren, und starb schon im .44. Lebensjahre, am 26. Oktober 1789. Sie war eine begabte Schriftstellerin und hat in Gemeinschaft mit Frau von der Recke, Tochter des Reichsgrafen Johann Friedrich vrm Medern, „Briefe einer Kurläuderiu auf einer Reise durck) Denschlaud", sowie „Gedichte" herausgegeben. Die Dame war mit Frau von der Recke und deren Schwester, Dorothea Herzogin von Kurland, welche zeitweilig in Friedrichsfelde, in der Nähe Berlins residirte, sehr befveunbet. Im Hause der beiden Sck)westeru zu Friedrichsfelde lernte Mendelssohn Sophie Becker kennen, und diese faßte aufrichtige, auf Bewunderung gegründete Verehrung für den Philosophen. Ter Vrieswechsel zwischen Beiden ist ein schönes Zeugnis; für zwei geistesverwandte, bedeutende Mensck)en. Nock) ack)t Tage vor seinem Tode schrieb der Philosoph einen der interessantesten Briefe, die wir von ihm besitzen. Wir nennen daraus nur die folgenden Stellen: „. . . Sie sagen: der Weltweise bete niä)t, wenigstens itid)t laut, nicht mit Gesang, sondern höchstens in Gedanken. Beste Sophie! nun seine Stunde kommt und er zum Beten gestimmt ist, so wird er wider seinen Willen in Wort und Gesang ausbrechen. Der geineinffe Mensch, dünkt mich, singt Glicht, daß Gott ihn höre und an seinen Melodien Gefallen finde. Wir singen unserethalben; und das thut der Weise so gut als der Thor. Haben Sie je die Psalmen in dieser Absicht gelesen? Mich dünkt, viele Psalmen sind von der Art, das; sie von den aufgeklärtesten Menschen mit wahrer Erbauung gesungen werden müssen ... So viel ist gewiß, mir haben die Psalmen manche bittere Stunde versüßt; und ich bete und singe sie, so oft ich ein Bediirfniß, zu beten und zu singen, in mir verspüre." Wie sehr Sophie Becker and) für ihn sd)wärmte, kann man sd)on ans ihren an Um gerichteten Briefen ersehen. Welches Vertrauen sie aus ihn setzte, kann man schon aus nachstehenden Zeilen, vom 24. Dezember 1786, an ihn entnehmen: „Sie waren der Erste, von dem ich glauben konnte, Sie uutvbcn mich verstehen, oder da, wo ick) mid) selbst nicht verstehe, Licht Hinhalten können . . . Rathen Sie um, auf welche Art ich es anfange, meinem Herzen den Gott näher zu bringen, den mein Verstand im Sandkorn wie in der Sonne aubctet." -) Den Tarnen gegenüber war Mendelssohn stets galant, sogar als Kriliker. Als solcher zeigte er sich zum Beispiel der Karschiu, einer Volks-, Natur- und Gelegenheitsdick)terin unter Friedrich dem Großen gegenüber, deren Gedichten er eingehende Bespred)ungeu 6 Ter eben im Druck fertig gewordene 1. Theil der „ckUorgenfhniiH'n." -i M. Mendelssohns Ges. Schriften, B. V, 3. alt». widmete, welche sich trotz ihrer Schärfe durck) eine verbindlid)e Form unb liebenswürdige Gesinnung auszeichnen. Es ist bezeichnend, daß der Philosoph Mendelssohn es war, welcher bei feierlichen Anlässen und Vorgängen am Berliner königlick)en Hose die Gelegenheits- und Festgedid)te im Atomen der Berliner jüdischem Gemeinde verfaßt hat, so z. B. gelegentlich der Entbindung der Prinzess in von Preußen. Auck) als die Kaiserin Katharina von Rußland mit dem römischen Kaiser Joseph II., in Mohilew zusammentras und durch Stlow reiste, wurde ihr ein vrm Meudelssohu verfaßtes hebräisches Gedicht überreicht. Auch verfaßte er ein Brantlied auf die Prinzessin von Oranieu. In demselben findet sich die nachfolgende schöne Stelle, mit welcher wir unsere Skizze beschließen wollen: Töne freudig, Saitenspiet! Tan unser Fest kein Umnuth störe! Strahle heiter, Vid)t der Welt! Das; kein Gewölk den Tag verdunkle, Ta Friedrich fühlt, wie Vater fühlen. Groß ist der Held am Tag der Feldsehlacht: Größer der König im häuslichen Frieden! Herr, laß Fried' in seinen Mauern, Glück in seinen Palästen blühn! d Litterarrsche Mittheilimgi'n. * T r. M. 8eoin: Tie israelitische Religiolistehre fuslematiseh dar gestellt. Berlin l<st>2. Hermann Walther. — An Lehrbüchern der Wo tigion fehtr es in unserer Littcratur nicht. Und dennock) ertönt so oft die Klage, daß kein passendes für den Schulgebrauch zu finden fei. Woher stammt diese Klage'? Einfach daher, daß diese Lehrbücher meist ohne svstetnntische Anordnung und noä) öfter ohne pädagogische Einsicht geschrieben wurden. Sie enthalten zu viel Stofs, sie vergnicken Moral und (beschichte, Tognta und Eeremoniell, so daß der Lehrer aus Unten feine Anleitung, der Schüler feine Belehrung schöpfet: kann. Diesem Uebelstand dürfte das neue Buch von Levin gründlid) abhelfen. Es bildet ben Schlußband seiner beiden Lehrbüd)er über biblische und nachbiblische Gesd)ichte, die sid) allgemeiner Anerkeumtng zu erfreuen hatten, unb ist zunächst für die oberen Klassen, also für den Konfirmatious unterricht bestiunnt. Der Verfasser hat aus dem Quell einer reichett pädagogischen Erfahrung geschöpft und ein in jeder Beziehuttg vortreff' liches Bttch geschaffen. Schon die Eintheilung der Religivnslehre in einen theoretischen, praktischen und historischen "Abschnitt ist vrigütell und richtig. Die Ausführung ist fein durd)dacht mtd mit großem Ge schick durd)geführt. Der theoretische Theil zerfällt in folgende Abschnitte: Gott und Welt, der Mensd), die Kulturwelt; der praktisd)e Theil enthalt das sinaitisd)e Grundgesetz, die Nächstenliebe, das Gottesreieh; der histo rische die biblische und nad)biblische Zeit. Eit: dlnhaug sdstldert den Gebetkultus und der: Kalender. Zur Begründttng seiner sehr gut formulirten Lehrsätze hat der Verfasser nur biblische Schriftstellett in Anwendung gebracht, von der Ueberzeugung ausgehettd, daß sotvohl die Religionslehren wie auch die Sittengesetze schon in der heiligen Schrifl ihren vollen Altsdruck gefutlden habet:. Die Kluft zwisd)en seinen: Bekenntnis; als Prediger der Berliner Reformgemei::de und der religiösen Au schauung aller andern Gettleinden Israels hat Herr Dr. Levit: mi t feinem Takt zu Überbrücker: gewußt. Aber als guter Pädagoge verzichtet er in seinem Lehrbuch auf jede Polemik und stellt das Ceretnonialgesetz, soweit es fick) auf die Bibel stützt, im historischen Theil mit großer Genauigkeit dar, so daß das Buch für alle Parteien zu benutzet: ist. Wir zweifelt: nicht daran, daß dasselbe bald Eingang in viele:: Schulen finden und überall, bei Lehrern und Schülertt, sich der großen Beliebt heil erfrencu wird, die es verdient und auf die es vollbegründeten Anspruch erheben darf. Truck und Vertan von Rudolf Moiie in Vertu: Verantwortlich für die Redaktion- Mar Bauchwit; in Berlin. :46. 3fc Ko nieinbe 1 ein beruß Makowc Versäum gesellschc ihr beim Aach ei V c i ch t c iH'ntioue gesellscho oev Sub odgelehn 6'tat de: iciumgen von M. ciuversta Aechensd ■ a hr 18t; Rest;uh:v 54 F:hre :-j .'.ögliug tcdes Kit Atz mit von 20 ' Uommiss infolge d \u oerzei hiermit >4)1 on sic Raffele*; >!!!l',NNg üilttOV B uatt. D cilbcvj'tc ueriode t /-eil neu und aut Valüstim iangssch, darunter unterstütz e ovfe 4 'lckerknec ihnen gel eigenen: ionders ' geringer Uetnttniß Torn z: Lalutns, 5csraelit:> utehrere geschlosse der Bor

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