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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-22 · Heft 17 (22.4.1892) · p. Seite 200

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 17 (22.4.1892)
Date
1892-04-22
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
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- L>0<"> Methan, ctnui den Ausdruck „Religionsweihe" zu wählen, wie manche frühere Rabbiner, welche die Tvcicv des Barmizioa-Bcahls als eine blas kulinarische mit Recht beanstandeten und dafür den Ausdruck Chimu-li (religiöse Weihe) gebrauchten. Dach wird man diesen Fehlgriff entschuldigen, wenn man bedenkt, das; der Ausdruck „Konfirmation" für Barmizwa früher gang und gäbe war. Und ich war wirklich überrascht, als ich in den fünfziger Jahren in einem Spendeverzeichniß der hiesigen israelitischen Religionsgesellschaft mehrmals gelesen hatte: N. N. bei der Konfirmation seines Sohnes so und so viel. Man hatte demnach damals wenigstens mit dieser Bezeichnung gewiß an nichts Antijüdisches gedacht. Schließlich dürfen wir uns unterdessen getrosteil, daß, wie sehr auch die verketzernde Agitation durch die leider innner mehr um sich greifende religiöse Lauheit unterstützt wird, die Konfirmation, als ein auf daS Leben unserer Heranwachsenden Jugend so mächtig einwirkender Akt, auch in den ihr bisher verschlossene Kreisen Anerkennung finden und allmälig auch in ben Synagogen der Stabilen einheimisch lverden wird. Hat mall doch in dem erstell Drittel ullseres Jahrhunderts auch der deutschen Predigt mit noch viel größerer Heftigkeit den Eintritt in die Syllagogen zu verwehren, sogar unter Anrufung des Beistandes der lveltlichen Behörden zu verwehren gesucht, währelld heutzutage and) die rigorosesten Gemeinden die Abhaltung deutscher Predigten von ihrem Rabbiner verlangen. Ja, es ist ein solcher Umschwung in den Anschaullngell in Betreff der deutschen Predigt eiugetreteu, daß bei der Anstellung eines Rabbiners, ganz im Gegensatz zu früher, unb wahrlich nicht zum Bortheile unseres Religionslebens, viel weniger bestell rabbinische Gelehrsamkeit, als bestell Predigertaleilt ausschlaggebend ist. Jll der That ist es and) viel weniger die Feier der Kollfirlllation, als der vorausgehende Konfirlnandenunterricht. ben man schellt. Mall schellt das Opfer all Zeit, ben dieser Unterricht allerdings verlangt unb verlangen muß, wenn die Konfirmation llicht zll einer bloßen Farce herabgewürdigt werdell soll. Jll ben städtischen gebildeten Kreiseil besorgt man, daß die für den Konfirmationsullterricht beanspruchte Zeit den Unterricht in bell allgemeinen Kenntnissen beeinträchtige, lvährend nian in den lälldlichen Kreisen in dem für den Konsirnwndenullterricht bestimnlten Jahre den Knaben im Geschäfte, das Mädchell ill der häuslichen Wirthschaft verwellden will-. Und die frönunelnbe ')lgitatioll gegen die Konfinnatioll benutzt diese doch mir in der lllateriellen Zeitrichtung wurzelnden Hindermisse, die dem vorbereitendell Unterrichte entgegenstehen, nnt dadurch um so wirksamer dieser Nenschöpfnng auf bem Gebiete illlseres Kultus entgegenzutretell. FEUILLETON fjttmtuclj. Erzäblung von Eduard Kulte. (Fortsetzung.) Es war ein schmier klarer Herbstmorgen, der dein geschilderten Abend folgte; da wunderte desselben Weges, den Jossef gestern mit so viel Beküllllllerniß int Herzen zuruckgelegt, eine andere Gestalt, llicht minder bekümmert und besorgt, aber ohne schwankende Gedanken, sondern mit einem festen Ziel im Auge, mit bem Ziel, ben verlorenen Sohn in das elterliche Haus zurückzuführen; es war Fillkel, Jossefs Schwester. Der Entfernung des Sohlles aus bem Hause der Eltern wurde daheim anfällglich keine besondere Beachtung geschelltt. Er halte eben! die Stube verlassen, weil er es vernleiden wollte, sich voll den Eltern Borwürfe wegen seiner Weigernllg machen zll lassen, oder weil er gegen die von ben Elterll angeführten Gründe, welche für die Berbilldung mit denl Mädchen aus der „Gaste" sprachell, nichts zu erwiedern vernlochte. Er werde schon wiederkeherll, meinten die gntell Lelite.! Jossef kehrte aber llicht wieder. Die Nacht brach an nnb Jossef 1 kam nicht nach Hause. Sie warteten mit dem Nachtmahl, er kam nicht. Finkel deckte den Tisch imb stellte wie gewöhnlich auch für den Bruder ein Gedeck hiil, baut sie erwarteten seine Wiederkehr. Sie trug, die Speisen auf; die Eltern nnb die Tochter setzten sich' zu Tische, der ' Sitz des Sohlles blieb leer. Fillkel theilte vor, sie hatte der Mutter dies Geschäft, um ihr — wie sie sagte — bei Tisch Ruhe zll göllueu,; längst abgenommen, sie legte auch auf Jossefs Teller ein Stück voll j dem Braten und deckte die Speise mit einem darübergestürztm Teller zll. Den Eltern wie der Tochter war die Mahlzeit Verbittert, sie genossen nichts von der köstlichen Speise; Fillkel trug das Essen wieder vom Tisch. Sie schwiegen alle Drei, Jeder machte sich im Stillen seine! Gedanken. Es ward spät, Jossef kam noch immer nicht. Fiukele! machte die Betten auf, sie richtete auch das Lager des Bruders zu-; recht. Er wird schon nod) kommen! tröstete sie sich; vergebens, er kam nicht. Sie warteten lange, ehe sie darall dachten, sich nieder-! zulegen. Die Hallsthür war noch nicht versperrt, denn Jossef war i ja noch llicht zll Hause. Finkel giilg elldlich hinaus, sperrte die Hausthür und dachte: er wird schon ailklopfen! ich werd' ihn hören nnb werd' ihm anflllachell. Die Eltern testen sich nieder, Finkel naf)m eine Nähterei zur Hand unb setzte sich an ben Tisch, um noch zu bleibell nnb auf den Bruder zu warten. Ter Vater schlief nicht ein, die Mutter auch nicht. Er wälzte sich im Bette hin und her voll einer Seite auf die alldere, die Mutter ließ voll Zeit zu Zeit einen schwerell Seufzer vernehmen, ben sie nicht zurückzudrüngeu vermochte nnb der der Tochter ins Herz hineinschnitt. Finkel sah oft nach der Wallduhr hinauf. Die beidell Zeiger duften unaufhörlich weiter und weiter, sie zeigtell beide sehr hoch nach oben, der eine wird den anderen bald eingeholt haben, jetzt hat er ihn erreicht, es war Mitternacht nnb Jossef noch immer nicht da! Ein Hund schlug auf der Gasse an; Finkel horchte; auf. Sie vernahm Tritte, sie kanlen immer näher, ihr Herz pochte,; ihr Busen wogte; das ist er! jetzt, jetzt wird er all die Thür klopfen:; Sie hatte sich von ihrem Sitz bereits erhoben, sie hatte den Hausj schlüssel scholl in der Hand bereit, dem Pochendell die Thür zu öfs-! neu; aber nein, die Tritte verhallten wieder, der Mann war andern! Hause vorübergegangen, ohne anzuklopfen, das war nicht der Bruder, z das war nicht Jossef. | „Leg Dich nieder, Fillkel!" flüsterte es vom Bette der Mutter! herüber, nnb Finkel that, wie die Mutter gebot. Sie entkleidete sicb! nur halb und legte sich itieber, sie schlief aber so wenig wie der Vater lllld Mutter. Sie lag wach nnb horchte auf jeden Laut, der sic!)! vernehmen ließ. Lange lag sie so da in Gedanken an den Bruder. > ihre Seele füllte sich mit düstereil Bildern; endlich schlummerte sie! eill wellig ein, erwachte aber nach kurzer Zeit wieder, sprang von:! Bette elllpor, beim es schien, als hätte sie klopfen gehört. Sie eilte; zur Thür. „Jossef! bist Tu's?!" keine Antwort erfolgte. Sie! drehte den Schlüssel, den sie bereits ins Schloß gesteckt hatte, Hernil! > und öffnete die Thür. Sie öffllete sie weit; Niemand trat ein; sie | setzte den Fuß auf die Schwelle, trat auf die Gasse hinaus, sah linE i unb rechts und rechts und liilks, ob er voll irgend einer Seite komme.! Vergebens, Jossef kam llicht.! Das arme Mädchell! während sie seiner harrte, hatte sich ill der

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