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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-15 · Heft 16 (15.4.1892) · p. Seite 190

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 16 (15.4.1892)
Date
1892-04-15
Page
Seite 190 (sequence 10)
Language
German
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190 - gestaltung des Gebetbuches manche der alten, weniger werthvollen Gesänge ausschied, auch manches Neue hinzu kompouirte, was er aber erst nach strengster Prüfung seitens musikalischer Autoritäten der Liturgie einverleibte. So enthalten z. B. die im Schlesingerschen Verlage in Berlin erschienenen geistlichen Gesänge Breslaurs einige, die zum Gottesdienst der Reform - Gemeinde verwendet werden. Unterstützt werden diese Bestrebungen des Dirigenten durch den bei der Reform - Gemeinde angestellten vorzüglichen Musiker und Organisten Franz Grunicke. Da die Reform-Gemeinde, welche aus den reichsten und intelligentesten Juden Berlins besteht, sehr viel Werth auf den Glanz des Gottesdienstes legt, so wurden dem Chordirektor reiche Mittel zur Verfügung gestellt, um für seinen Chor Kräfte ersten Ranges zu gewinnen, unter denen Solisten von Bedeutung sich befinden. O, wenn dies auch bei meiner Gemeinde der Fall wäre, höre ich beim Lesen dieser Zeilen manchen Kollegen Breslaurs seufzen." Ein holländischer Wereschngin. elementare Ereignisse, historische Greuel und andere unglückliche Wechselsällc im Leben des einzelnen Individuums und ganzer Bölker sind stets im Stande, das Gemiith zu erregen; um wie viel mehr das an entsetzlichen Zufällen die Welt in Athem haltende, so reiche fin de siede, in dessen Vordergrund das Drama der Juden-Verfolgung in Rußland steht, die sich der holländische Wereschagin I. I. L. ten Kate ir. als Vorwurf zu einem großen Gemälde genommen. Wenn irgend ein Schaustück der modernen Malerei ungewöhnliches Aufsehen zu erregen bestimmt ist, so ist es diese Farben-Symphonie menschlichen Elends. Es ist wohl mehr als Zufall, daß das Bild gerade jetzt, während der israelitischen'Festtage zur Erinnerung an die Vertreibung der Juden aus Aegypten seine europäische Rundreise beginnt, um sowohl hier, als auch in Amerika eine Haupt-Attraktion der Chieagver Ausstellung, für die es ursprünglich bestimmt ist, zu werden. In Rußland ist es natürlich verboteil. Ganz abgesehen von dem granenhaften Motiv, daß ein unschuldige«, seit Jahrtausenden unterdrücktes Volk dem Rassenhaß von Neuem ausgesetzt ist, das von einer fanatischen Menge verfolgt, flüchten muß, den Elementen preisgegeben, ohne Schutz und Mittel vertrieben und verfolgt, der Gegenstand fluchwürdiger Bedrängnng ist, wird das Gemälde gerade seiner einfach rührenden Darstellung wegen, die beredter spricht als alle Reden, Aussehen, Staunen, Mitleid erregen. Es ist traurig, daß es am Ende oes 19. Jahrhunderts noch so schaurige Motive giebt, Motive der finstersten Nachtseite menschenunwürdigen Daseins, des trostlosesten Elends armer hilfloser Menschen; und kann man cs dem genialen Künstler verdenken, wenn er zur Wiedergabe seiner Empfindungen in die krasseste, naturalistische Wirklichkeit hineingreift? Man wird vom Standpunkt der Mcnschlichteit, die in Rußland ein unbekannter Begriff scheint, um der widerwärtigen Rohheit, die der Maler auf der Leinwand wiedergegeben, möglicherweise das Gemälde verdammen, aber die Wahrheit hat auch hier die Führung übernommen. Soll die Kunst denn immer nur idealisiren und phantastisch wirken? Der Künstler — und daß der Schöpfer dieses Gemäldes ein solcher ist, beweist schon der Umstand, daß er die starre Scheidewand althergebrachter Sitte durchbrochen und den grausigen Realismus in Farben zu kleiden, das menschliche Elend in traurigster Gestalt in das Gewand der Phantasmagorie zu hüllen gewagt, — hat uns in seinem Bilde eine packende Tendenz vorgeführt und der Wurf ist ihm vortrefflich gelungen, dein, er hat den schaurigen Naturalismus mit der Glorie des Jdealismu-I umgebein Eine ungeheuer weite, einer sibirischen Steppe ähnliche, schnei bedeckte Fläche, von finsterm Gewölk behängen, bietet sich den Blicken! des Beschauers dar. Im Vordergründe spiegelt der hilflose, mii| Krücken gehende, mehr ivankendc gebückte Greis, der quasi die Führung der großen Gruppe übernommen hat, das Elend und die Trauer seiner Seele tvieder. Die ganze Erscheinung ist de» echte Typus eines Patriarchen, neben ihm die junge, aufrechi schreitende Frauenfigur, seine Tochter, deren Blick trostlos in da ungewisse Ferne schweift, die den Gatten verloren hat und neben ibr sein Kind, mit dem Hunde spielend, das für das Unheil, Gott sei dank, noch nicht den richtigen Begriff hat. Dahinter folgen andere Menschenopfer: ein in den besten Jahren stehendes Ehepaar mil Sproß, das von Haus und Hof verjagt, in unbekannter Fremde sieb nun einen neuen Herd gründen muß. Der Mann in Verzweiflung, die Hand, von Wuth geballt, zum Himmel erhoben, in die Worb ausbrechend, die auch dem Bilde den Namen geben sollten: „Gvü und Vater, wir haben ja Niemand außer Dir!" Das neben ihm gehende Weib weint, an das ärmliche, doch traute, jäh verlassene Heim zurückdenkend. Die finster blickende Figur, die jetzt folgt, personifizirt die traurige Resignation des Jammers, den seine Seele durchzieht, um seine- Glaubens willen die Scholle, auf der er bisher gelebt, verlassen zu inüssen, und dennoch spiegeln seine männlich schönen Züge das große, nur dem Juden eigne Gottvertraucn wieder. Dahinter, in dem vom Manne gezogenen Wägelchen, die kranke, hilflose Frau mit dem Kinde, die sich den unglücklichen Obdachlosen auf der weiten, dürren, cisbc deckten Fläche anreiht, und neben ihr ein in stoischem Gleichmut!! ausschreitender Mann, der im Bündel auf dem Rücken all sein Hab und Gut mitführt. Diese ganze unheimliche Szenerie, diese Gruppe namenlos Unglücklicher und Unschuldiger bewacht finsteren Blickestarren Herzens ein Scherge dieses maßlos ungerechten Gesetzes, damit keines dieser armen Opfer unversöhnlichen Glaubenshasscs umzukehren wage. Endlos scheint der Zug dieser armen, scheinbar von Gott und Menschen Verlassenen. Tort füllt in müder Erschöpfung ein alter Mann nieder, die Kräfte haben ihn verlassen — ob er weiter kann oder nicht — er muß sich aufraffen, er fühlt, hier ist seines Bleibens nicht. Vorwärts in den Kampf ums Dasein, immer weiter, schier unendlich dehnt sich der Weg. — Vielleicht ist Gott da oben barmherzig und führt ihn dahin, wo es kein Elend mehr giebt. In diese Figur hat der Maler den Schwerpunkt des Elends, dieses entsetzlichen inenschlichen Elendes gelegt; es ist oder sollte so zn sagen die piece de resistance des Gemäldes sein, und es ist schade, daß die winterlichen Landschaftsnebel uns dieses interessante physiologische Räthsel verhüllen. Das ganze Gemälde führt uns die volle Tragödie, wie sic der Wirklichkeit entnommen, das große, traurige Drama der Judeu- Vertreibung mit ihren Konsequenzen in wenigen Szenen deutlich vor klugen. In Kürze werden wir Gelegenheit haben, dieses Bild hier zu sehen. Ein Theil der Einnahmen des Entrees ist für die arme» unglücklich verfolgten russischen Juden bestimmt. F, 0. Ei: im is selbst w iiHiflteit. iotien, u: eiUhält.;um er ehre b< Asch re I deö Jesc dieses 2 | daselbst innige Traditi. mit Rei Poche s n» Sin an! ein Rä iehwieri uni' die aufweis and >v .Aschrt veil A ln'i Jhi auf de oevtvau [tat 9 Dem d Brock mteress nev 14. Untern Verlag Iubilü Höhe t die 14 hanbht Ulglich enthalt Besitze: <.KK)ü % illustri schöner können züglich der 1^ wollen noch o eingeh« thnm kannt, den ne Objekt Freihc und A st e Herr Anne Sauer königl

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