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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-15 · Heft 16 (15.4.1892) · p. Seite 188

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 16 (15.4.1892)
Date
1892-04-15
Page
Seite 188 (sequence 8)
Language
German
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188 Wußte, seine Seele mit den düstersten Bildern erfüllt Hütte, ansichtig wurde. Er konnte kein Wort Hervorbringen mtb folgte stumm der Einladung des alten Niederhuber, sich zu setzen. Honza blieb vor der Gruppe stehen und steckte die Hände in die Taschen, ein Zeicheii, daß er die Absicht hatte, dem kleinen Kreise Gesellschaft zu leisten. Seine Gegenwart übte einen Druck auf alle Anwesendeii und bewirkte eine Pause des Gespräches, während welcher die einzelnen Mitglieder des kleinen Kreises gräßtentheils mit zur Erde gesenktem Haupte dasaßen. Alle hatten das Gefühl, als ob etwas Wichtiges sich ereignet hätte, oder als ob etwas Außerorordentliches bevorstehe, aber keiner wagte, an das dunkel Enipfundene Hand anzulegen und den es verhüllenden Schleier davon wegzuziehen. Sie empfanden jene drückende Schwüle, die das herannahende Gewitter verkündigt. Jede der fünf Personen, die hier beisammen waren hatte ihre eigenen Gedanken; aber feiltet wagte, die Empfindung seines Innern auszusprechen. Die alte Brigitte aber hätte kein Weib sein müssen, wenn sie dieses Schweigen auf die Dauer hätte ertragen sollen Sie machte auch dem unerträglichen Zustande ein Ende, indem sie sich zu dem Scherz aufraffte: „Jetzt sind wir fünfe da, und keins spricht ein Wort! Man sollt meinen, daß man vom Reden Steuern zahlen muß." „Das thüte gewiß nicht schaden!" sagte Honza spitzig. „Auf wen ist das gemünzt?" fragte Brigitte beleidigt. „Es kann sichs nehmen, wer will," antwortete Honza; „es wird in der Welt manches Wort zu viel geredt, und nicht just bei alten Weibern." Marie blickte empor, schaute einige Sekunden dem kühnen Sprecher ins Gesicht, sah hierauf thren Vater mit fragend bittender Miene an, als ob sie fragen wollte, seit wann denn der Knecht des Hauses es wagen dürfe, eine so ungebührliche Sprache zu führen. Der Vater verstand den Blick der Tochter gar wohl; allein um jede weitere unliebsame Auseinandersetzung fern zu halten, sagte er: „Kinder, es wird spät, ich denk, wir machen Nacht! Du wirst doch heut nicht inehr zurückgehen, Jossef?" wendete er sich an diesen. „Wenn Ihr mir Nachtquartier anbietet, Meister Niederhuber, so lverd ich Euer Anerbieten nicht zurückweisen," antwortete der Gefragte. Ein höhnisches Aachen erscholl bei dieser Antwort, so daß alle zu Honza, der dieses Lachen ausstieß, verwundert aufblickten. „Gut Nacht — ehrsame Ruh!" sagte Honza dann plötzlich ganz trocken und entfernte sich. „Was hat der Satan denn heut?" fragte Brigitte, nachdem der Geselle von dannen gegangen war. „Laß ihn gehn," sagte Meister Niederhuber, „er hat so seine wunderlichen Possen, ein eigener Kerl das! meint's aber nicht schlecht." Die vier Personen, die sich inzwischen von der steinernen Bank erhoben hatten, gingen nun in das Haus hinein. Der Fleischhauer ließ dem Gast den Vortritt und zupfte Marie am Kleid. Das Mädchen blieb stehen. Während Jossef in die Stube trat und Brigitte drinnen Licht anzündete, sagte draußen im Vorhause der Vater zu seiner Tochter: „Marie! jetzt hör mich eine Minut an. Sein plötzliches Ankommen hat einen Grund, das ist nicht umsonst; sein Schweigen und sein scheues Wesen kündigt tnir's an, was Vorgehen muß. Ich Hab Dir's ja oft genug gesagt. Einmal wird die Sach ein End haben. Wart vier, bis die Brigitte herauskommt. Geh dann hinein zu ihm und hör, was es giebt. Mir brauchst Du es nicht zu sagen, denn ich weiß es so. Ich Hab das vorausgesehen. Merk Dir nur das eine': sei gescheidt und vergiß nicht, daß Du meine Tochter bist!" Das Mädchen zitterte an allen Gliedern. „So zittern mußt Du nicht, mein Kind," sagte der Vater, der bei den letzten Worten die Hand des Mädchens ergriffen hatte. Brigitte kam heraus. Nieverhuber rief sie, um sie im Gespäche festzuhalten, und Marie trat in die Stube. „Was ist Dir, Josef?" fragte sie, indem sie zu ihm in die Fensternische trat. „Ach, Marie! ich bin sehr unglücklich!" „Was ist Dirj?" wiederholte das Mädchen. „Was mir ist! Wie soll ich es Dir sagen? Ich möcht am liebsten;weiten j was mus „Wc nicht wer „De „W, nie Fraa „3d „Ab sterben!" „Sei gescheidt, Josef," sagte Marie und ergriff zärtlich seine Hand; „wer wird denn so sündhaft reden? geh, vertrau Dich mir an!" „Dir mich anvertrauen?" sagteer, „ja freilich, ich bin ja deswegen hergekommen!" „Nun also, sprich! es wird ja so arg nicht sein!" „So arg nicht? es ist so arg, daß wenn Du es erfährst, Du mich verfluchen wirst!" „Kennst Du mich von dieser Seite?" fragte sie vorwurfsvoll, „ich iveisi es, Du hast keine Niederträchtigkeit begangen, kannst keine begehen! Wenn Dir was ist, so haben andere die Schuld daran!" „Ach, die Schuld Hab ich allein!" rief er, „es wird mich Niemand davon freisprechen." „Ich," sagte Marie bestimmt. jehe, wi' hinein." „Nt eitte Nac Zw- Die Sängei über Be Dirigent „Du?" „Ich, ich spreche Dich frei," wiederholte sie. „Du?" fragte Jossef, „Du. die ich ins tlnglück stürze?" „Also ist es das?" fragte Marie. „Das? weißt Du denn schon?" „Mußt ich denn das nicht voraus wissen? Hat mir's der Vater denn nicht oft genug vorgehalten?" „Hat er das? und Du hast mich dennoch nicht von Dir gestoßen?" „Von mir stoßen? ich Dich von mir stoßen? ich werde weichen, einer Anderen Platz zu machen, wenn die Stunde da ist." „Und wenn die Stunde da war'?" „Und wenn sie da ist, so sag mir's grad heraus, Josef, lind wir »vollen ohne Groll im Herzen von einander scheiden, wenn es denn sein muß." „Muß es denn sein!" „Leider Gottes! der Himmel will es so!" „Nein, Marie!" schrie Jossef auf und ein heftiger Thräueustrom entquoll seinen Augen; „Marie! ich kann Dich ilicht verlassen!" Hettig umschlang er sie mit beiden Armen, preßte sie an seine Brust und bedeckte ihr Gesicht mit tausend Küssen. „Wenn der verfluchte Kerl," rief es in diesem Augenblick auf der Gasse, „die Konrage hat, ein Christenmädel gern zu haben, so soll er sich taufen lassen!" Es war Honza, der dies gerufen hatte, und Görg, der mit ihm war, antwortete darauf: „Und wenn er sich hundertmal taufen läßt, ein Jud' bleibt er doch immer, und ich möcht sehen, ob der alte Niederhuber einen Juden mir vorziehen möcht'; morgen geh ich gleich z»i ihm und die Geschichte wird abgemacht." Der alte Niederhuber, der mit Brigitten im Norhanse von gleiche giltigen Dingen gesprochen hatte, Hütte auf diesen Ruf hinansgcheii und den nnbernfeiien Schreierir seine Meinung sagen können; aber er zog es vor, sich stille zu halten und sagte nur zu Brigitten: „Hast Du das gehört?" „Ja," sagte die alte Brigitte. „Am End' meint's der Honza nicht schlecht! und das muß ich sagen: Wenn der Josef sich taufen lassen möcht', ich gab' ihm meine Marie »nt tausend Freuden; denn ein Bursch ist er, wie mau kein verren nchtigun „B oirigenb Grenzen ihun, w chors n> und En - als als Bah eigentlic am 3. 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