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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-08 · Heft 15 (8.4.1892) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 15 (8.4.1892)
Date
1892-04-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Brimann, der unter den: Namen Dr. Justus ben Judenspiegel schrieb und, wie er dem Erstuuterzeichneten persönlich eingestand, Prof. A. Rohling Beihilfe bei seinen antisemitischen Machwerken leistete." K. Hannover, 29. März. Seit Jahren hatten sich die jetzigen ^iäume der hiesigen jüdischen Lehrerbildungs-Anstalt als unzulänglich erwiesen und bereits Herr Dr. Prager hatte sich während seiner Leitung der Anstalt ernstlich bemüht, Wandel zu schaffen. Bei den >u Gebote stehenden geringen Mitteln wäre die Ausführung wohl noch lange ein frommer Wunsch geblieben, wem: nicht die Stadt zur Anlage einer neuen Straße das jetzige Gebäude hätte ankaufen müssen und hierdurch die Verwaltungs-Kommission in die Nothlage, ein anderes Haus Ul finden, versetzt wäre. Anfangs faßte man den Plan eines Zusammengehens mit den: „Verein zur Unterstützung der Schüler der Bildungsunstalt", da aber der letztere ein außerordentlich günstiges Anerbieten zur Erwerbung eines eigener: Heims benrltzte, so mußte dieser Gedanke aufgegeben werden. Die Verwaltungs-Kommission trat nun mit dem „Verein zur Förderung des Gartenbaues und Handfertigkeitsunterrichts ul der jüdischen Volksschule" in Unterhandlungen, die auch den erwünschten Erfolg hatte:: und zu einem festen Abschluß führten. Es wurde der Ban eines Seminargebäudes auf dem geräumigen, 240 Ruthen umfassenden Grundstück des Vereins beschlossen und bereits heute die Grundsteinlegung in Gegenwart der Vorstände der Gemeinde und der Vereine, sowie des Lehrerkollegiums feierlich vollzöge::. Nach einem einleitenden Gesang der Seminaristen ergriff Herr Rechtsanwalt Berfer I in: Aufträge des Provinzial-Schulkollegiums das Wort und sprach seine Freude darüber uns, daß für die so segensreich wirkende Lehranstalt ein würdiges Gebäude errichtet würde; Dank gebühre besonders dem Verein für Hand- 'ertigkeit, ohne dessen bereitwilliges Entgegenkommen dies nicht rnöglich gewesen wäre. Herr Direktor Dr. Kroner verlas alsdann die zur R Überlegung in den Grund bestinnnten Urkunden, einen kurzen Abriß oer Entwicklung der Anstalt, sowie den mit dem Handfertigkeits-Verein abgeschlossenen Vertrag und knüpfte daran innige Wünsche für das Gedeihen des Baues und der Lehren, die später in ihm ertheilt würden. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann pries das Zusammenwirken der beiden Vereine, das sich für Geist und Körper segensreich erweisen möge. Rach einigen Worten des Herrn Js. Hirsch als Vorstandsmitglied des ilnterstützungs-Vereins, sowie des Baurneisters wurden die üblichen Hammerschläge von den Anwesenden ausgeführt und ein nochmaliger Gesang der Seminaristen schloß die erhebende Feier. <1. Bonn, 27. März. Vorgestern bewegte sich vom Kaiserplatze aus ein langer Trauerzug durch die Straßen Bonns. Einer der edelsten Bürger dieser Stadt, eines der hervorragendsten Mitglieder der hiesigen Dynagogen-Gemeinde, Herr Bankier Joseph Goldschmidt, wurde zur letzten Ruhestätte geleitet. Auf dem von einen: zahlreichen Trauergefolge dicht besetzten Friedhof gab Herr Rabbiner Dr. Cohn den Gefühlen Ausdruck, welche das Dahinscheiden des allgemein beliebten und hochangesehenen Biedermanns in allen Schichten der hiesigen Bevölkerung erweckt hat. Unvergessen bleibt derselben der Edelsinn des Verklärten, der überall mit Rath und That zu helfen suchte, wo es galt, das heilige Gebot der Nächstenliebe treu zu erfüllen. 14. Düsseldorf, 27. März. Die hiesige „Ehewrath G'miluth Chassadirn W'amirath Thillim" feierte heute das Jubelfest ihres > oojährigen Bestehens. Aus einer kleinen Vereinigung von Personen, welche sich ursprünglich hauptsächlich dem Lesen von Psalmen und frommen Oiebetübungen gewidn:et, hat die Brüderschaft, wie in der trefflichen von: Rabbinatsverweser Dr. Dienstfertig verfaßten Festschrift ausgeführt wird, in: Laufe des Jahrhunderts sich zu einer die größte Anzahl der Gemeindemitglieder umfassenden Gesellschaft entwickelt, die sich durch eifrige Fürsorge für die Armen und Kranken und die Wohlthätigkeitspflege in unserer Gemeinde außerordentliche Verdienste erworben hat. Die Jubelseier wurde eingeleitet durch einen erhebenden Gottesdienst in der Spuagoge, der aus Predigt uud Chorgesang bestand. Au: Abend vereinigten sich sodann die Mitglieder, welchen sich eine große Anzahl von Güsten zugesellt hatte, zun: Mahle in den Räumen der hiesigen städtischen Tonhalle. Das Festessen, an welches sich ein Ball anschloß, nahm einen äußerst anregenden Verlauf. Reden ernsten und heiteren Inhalts und gehaltvolle Lieder wechselten mit vorzüglichen nmsikalischeu und mimischen Veranstaltungen, welche Dank der mitwirkenden künstlerischen Kräfte allgemeinen Beifall ernteten. — Möge die Brüderschaft in der heutigen Anerkennung, welche gelegentlich ihrer Jubelfeier von allen Seiten ihren: menschenfreundlichen, erfolgreichen Wirken gezollt wurde, einen Sporn finden zu weiterer erfolgreicher Thätigkeit in: Dienste der Nächstenliebe! Straßburg i. Elf., 3. April. Die Israelitische Versichernngs- und Unterstützungskasse für Wittwen und Waisen der Rabbiner und Beamten in Elsaß-Lothringen hat bisher ein Kapital von 5956.50 M. gesannnelt. Dasselbe setzt sich zusammen: aus einer Schenkung des Herrn L. Lantz in Mülhausen von 4900 M., aus Subventionen der übrigen Konsistorialmitglieder in Höhe von 1160 M., aus Prämienbeiträgen der versicherten Beamten 024 M. und 172.50 M. Zinsen. — Unterstützungsausgaben hatte die Kasse in diesem Jahre noch nicht zu leisten. Oesterreich - tlngarn. * Wien, 1. April. Hier besteht ein „Schutzverein zur Rettung verwahrloster Kinder", der seit lange eine wackere, höchst ersprießliche Thätigkeit entfaltet und sich namentlich auch dadurch besonders auszeichnet, daß er durch seine Zusammensetzung einen überaus wohlthuenden diametralen Gegensatz zu den trüben Erscheinungen des rüden Klassen- und Rassenhasses der Gegenwart bietet. Der Protektor des Vereins ist der Wiener Kardinal-Erzbischof Dr. Gruscha, in seinen: Vorstände sitzen Juden und Christen, Katholiken und Protestanten einträchtig zusammen. Wir sehen hier neben den: Domherrn Dittrich den ersten Prediger der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Dr. Jellinek und ein Vorstandsmitglied der evangelischen Gemeinde. Gestern hielt wieder der Verein eine von allen Konfessionen beschickte Versannnlung ab, in welcher der Protektor Kardinal Gruscha die Mittheilung machte, daß der heilige Vater ihn: kürzlich in einer Audienz gesagt, er lege den größten Werth auf die Bethätigung der christlichen Nächstenliebe und christlichen Gerechtigkeit gegen Alle ohne Unterschied. Das sind Worte, die heutzutage leider sehr selten vernommen werden, und die gerade Diejenigen au: wenigsten beherzigen, die das Christenthum am lautesten im Munde führen. * Wien, 30. März. In: Wiener Gemeinderath gab es heute Abend abermals einen ganz außerordentlichen Skandal. Der Stadtrath Noske referirte über die Subventionirung des Vereins zur Hebung des Fremdenverkehrs, wobei er auch die schädliche Wirkung des Antisemitisums besprach und hervorhob, daß in Wien die Juden mißhandelt werden. Die! Antisemiten schrieen: Lüge, Unwahrheit! Vorsitzender Bizebürgermeister Dr. Broschke: „Das ist nicht unwahr; ich weiß es aus eigener Wahrnehmung, daß die Juden in Wien ohne Grund insnltirt werden." Hierauf erhebt sich ein fürchterlicher Tunnllt. Lueger schreit: „Das ist eine Frechheit." Gemeinderath Friedjung: „Lueger insultirt immer; wenn inan ihn aber belangen will, so zieht er sich hinter seine persönliche Feigheit zurück. Vor den Säbel oder die Pistole kann man ihn nicht kriegen. Diesen Kerl kann man nur mit der Reitpeitsche behandeln." Darauf die Antisemiten: „Und Sie nur mit der Hundepeitsche." Großer Tumult. Leuger: „Nachdem ich hier mit persönlicher Mißhandlung bedroht bin, werde ich mit einem Stock erscheinen und die ungezogenen Jungen so wie es ihnen gebührt behandeln." Neuerlicher Sturm. Als endlich Ruhe eintrat, er theilte der Vorsitzende Friedjung und Lueger einen Ordnungsruf. * Czernowitz, im April. Die hiesige israelitische Kultusgen:einde und die gesammte Judenschaft unseres Landes habendurch das Hinscheiden des Landrabbiners Dr. Igel einen schweren Verlust erlitten. Dr. Igel war nicht blos ein großer Gelehrter, der die gesanunte Zeitbildung in sich ausgenormnen, ein hervorragender Theologe, sondern auch ein edler Mensch, ein treuer Seelsorger seiner Gemeinde, voll humaner Gesinnung und echter Menschenliebe, der in sich Religion und Toleranz harmonisch einigte. Dr. Lazar Elias Igel ward an: 28. Februar 1825 als der Sohn des allgemein geachteten Buchhändlers Samuel Igel in Lemberg geboren. Nach seinem vollendeten achtzehnten Lebensjahre, nachdem er das Gymnasium und die philosophischen Studien beendigt hatte, bezog er das Kollegium-Rabbineum zu Padua, wo er die Vollendung in: Rabbinerfache erlangte und zum Doktor der jüdischen Theologie und Rabbiner promovirt wurde. In: Jahre 1849 nach seiner Vaterstadt zuriickgekehrt, wurde er zum Dozenten für semitische Sprache an der dortigen k. k. Universität ernannt und zur Ertheilung des daselbst zun: ersten Male eingeführten Religionsunterrichtes an den Mittelschulen berufen. Einige Jahre später erlangte er das Doktorat der Philosophie au der k. k. Universität in Lemberg. Im Jahre 1854 wurde er zun:

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