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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-08 · Heft 15 (8.4.1892) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 15 (8.4.1892)
Date
1892-04-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 nichts geändert. Zudem beweisen die neuesten Vorgänge in Paris, daß auch thatsächlich die beiden herzensverwandten Parteien, Antisemiten und Anarchisten, schon miteinander Fühlung gewonnen haben. [:] Berlin, 31. März. Der Prozeß des ehemaligen Redakteurs Marx, dessen Entlassung aus der Redaktion der „Vossischen Ztg." seiner Zeit berechtigtes Aufsehen erregte, gegen den Redakteur der „Freisinnigen Ztg.", welcher diese Entlassung lediglich der Unfähigkeit des Marx zuschrieb, wurde gestern in der Berufungsinstanz verhandelt. Der Gerichtshof verkündete :tad) fast achtstündiger Verhandlung das Urtheil dahin, daß der Beklagte unter 'Aufhebung des ersten Urtheils der Beleidigung für schuldig zu erachten und deshalb mit einer Geldstrafe von 5" Mark zu belegen sei. Dem Kläger sei die Publikationsbefugniß in der „Freisinnigen Zeitung" zuzusprechen. Die Behauptung der „Freisinnigen Zeitung", daß der Kläger von seinen: Vorgesetzten für unfähig gehalten worden sei, müsse als beleidigend angesehen werden. Außerdem habe der Gerichtshof ans der Beweisaufnahme die Ueberzeugung gewonnen, daß die Entlassung des Klägers zum Theil auch auf dessen Konfession zurückzuführen sei.! nennen seien. In einer oberflächlichen Auffassung der sozialen Frage gebe sie viele allgemeine Fehler ausschließlich den Juden Schuld und j suche nur an Symptomen herurnzukuriren. Die Entfernung sämmtlicher j Juden aus Deutschland würde an unseren Verhältnissen sehr wenig ändern, man würde damit nichts Durchschlagendes erreichen. Es sei unhistorisch, nur die Juden für unsere Zustände verantwortlich zu machen, und deshalb werde auch die antisemitische Bewegung nichts Rechtes erreichen. Daher zeige auch die Regierung kein Entgegenkommen auf diesem Wege. Die Zustände seien überall gleich, der Spekulationsgeist nicht eine ausschließliche Eigenschaft jüdischer Firmen, sondern des ganzen Volkes. — Wir halten solche Aeußeruugen fürsymptomatisch, weil sie u. A. beweisen, daß u:an in gewissen Kreisen anfängt, sich des Antisemitismus — zu schämen. 4* Berlin, 2. April. Die Lorbeeren des Herrn von Wackerbarth haben den Frei Herrn von Du ran t, Mitglied des preußischen Herren- Hauses, nicht schlafen lassen, und so hatte denn gestern auch die genannte Kammer ihren Aprilscherz in Gestalt eines von genanntein Herrn heranfbeschworenen Antisemiten-Blättchens. Gelegenheit bot eine Petition des bekannten 'Antisemitenführers Paasch, betreffend Beschwerden über Rechtsverweigerung. Die Petitionskommission hatte beantragt, über die genannte Petition zur Tagesordnung übergehen, und diesen Antrag sollte Herr von Durant begründen. Derselbe begnügte sich jedoch hiermit nicht, sondern führte ans, man könne sich eines Bedenkens darüber nicht erwehren, daß, wenn jüdische Mitbürger in eine Angelegenheit verwickelt seien, ein anderer Maß stab von Seiten der Justizverwaltung angelegt werde als sonst. Es sei auch der Versuch gemacht worden, Paasch für irrsinnig zu erklären und so die ganze Sache von der Welt zu schaffen. Im Jutereffe der Wahrheit sei es wünschenswerth, daß endlich die Angelegenheit ordnungsmäßig zu Ende geführt werde. Auf diese Anzapflurg wurde dem Redner die gebührende Abfertigung durch den Kommissar der Regierung, Geh. Rath Dr. Lukas, zu Theil. Derselbe schloß mit den Worten: „Wenn der Referent der Justizverwaltung zum Vorwurf inacht, daß sie, wo es sich um Juden handelt, einen für diese günstigeren Maßstab anwendet, so kann ich, wie das schon öfters geschehen ist, nur nochmals betonen, daß bei unparteiischer Betrachtung eine parteiliche Stellungnahme der Justizverwaltung nicht zu erkennen ist. Nur die Aufgeregtheit eines Parteikampfes im öffentlichen Leben kann bewirke::, daß eine solche Behauptung a::fgestellt wird. Die Justizverwaltung ist überhaupt nicht in der Lage, auf gerichtliche Entscheidungen, wenn sie in Frage kommen, irgendwelchen Einfluß zu üben, und ich kann versichern, sie hat in diesem Punkte ein ganz reines Gewissen." Nach dieser Ausführung versuchte Graf Pfeil noch den unglücklichen Morris de Jonge in die Debatte zu zerren, hatte jedoch den gleichen Mißerfolg wie sein antisemitischer Vorredner. L Berlin, 4. April. Die wenigen Lauteren Elemente, mit deren Gefolgschaft der Antise:nitis:nus bisher zu prahlen pflegte, wenden sich, von dem Treiben der zeitigen Führer angewidert, immer deutlicher von ihm ab. So hat am 29. März Professor Adolf Wagner Gelegenheit genommen, über den Antisenritisrnus sein Urtheil abzugeben, das einer Verurtheilung auf's Haar ähnlich steht. In der am 29. März stattgehabten außerordentlichen Generalversammlung des konservativen Wahlvereins des II. Berliner Wahlkreises sprach Herr Stöcker über „die konservative Partei, das konservative Programin und die Forderungen der Gegenwart." In der Diskussion wurde von mehreren Seiten die Nothwendigkeit betont, den antisemitischen Standpunkt mehr hervorzukehren, als es bisher der Fall war. Andernfalls sei ein weiterer Niedergang der konservativen Partei und speziell der „Berliner Bewegung" zu befürchten. Professor Wagner erläuterte — nach einem Berichte der „Post" — unter häufigem Widerspruch eines Theiles der Versammelten seine abweichende Stellung zum Antisemitismus. Eine Redensart sei, dem den Patriotisnms abzusprechen, der nicht Antisemit sei. Die antisemitische Bewegung übertreibe viel und kämpfe mit Waffen, die vielfach weder vom ästhetischen, noch vom sittlichen Standpunkte schön zu * Magdeburg, 3. April. Das Jubiläum der 25jährigen Arntsthätigkeit des Herrn Rabbiner Dr. Rah wer hat in vielen Kreisen unserer Stadt freudige Theilnahme gefunden. Auch der hiesige Lehrerverein hat in einer schönen Adresse seine Glückwünsche ausgesprochen. Die Feier selbst verlief in folgender Weise: Am Freitag Abend verfügte sich der Synagogen-Gesangverein in die Wohnung des Jubilars und trug dort einige schöne Lieder trefflich vor. Herr Adolf Jacoby erinnerte in einer gemiithvollen Ansprache daran, daß Dr. Rahmer der eigentliche Begründer dieses Gesangvereins sei. Bei der Feier in der Synagoge am Vormittag hielt ein Mitglied des Vorstandes des deutschen Rabbiner-Verbandes, Dr. Benjamin Rippner, die geistreiche und formvollendete Festrede. Herr Dr. Rahmer hielt darauf eine gedankenvolle Ansprache an die Gemeinde, in welcher er au das Program::: erinnerte, das er vor 25 Jahren für den Religionsunterricht, für die Haltung der Gemeinde nach außen hin, für die Heiligkeit und Weihe der Kanzel und für das eigentliche Seelsorge-Amt bei allen Sorgenden und Leidenden aufgestellt habe; mit Hilfe der Gemeindebehörden sei ihm Vieles gelungen, dafiir danke er Gott aus der Tiefe seines Herzens. Alle denen, die au der Feier Theil genouunen haben, wird der Eindruck unvergeßlich bleiben. Der Genieindevorstand, der Vorstand des deutschen Rabbinerverbandes und viele andere hiesige und auswärtige Körperschaften haben durch Deputirte ihre Glückwünsche ausgesprochen. * Dresden, 4. April. Durch eine in den letzten Tagen bekannt gegebene Verordnung des sächsischen Ministeriums des Innern soll vom 1. Oktober d. I. ab beim Schlachten aller Thiere mit Ausnahrne des Federviehs der Blutentziehung stets die Betäubung vorausgehen, d. M mit anderen Worten: das jüdische Schächten wird verboten. Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung sollen mit Geldstrafe bis zu 150 M. oder durch entsprechende Haftstrafe geahndet werden. Das Ministerium hat sich zu dieser Maßnahme erst entschlossen, nachdem gutachtliche Aeußeruugen der Bezirksausschüsse, verschiedener Stadträthe, sowie des Landeskulturraths fast einstimmig ein Verbot des Schächtens befürwortet hatten. Die gegentheiligen Vorstellungen verschiedener jüdischer Genwinden sind unberücksichtigt geblieben. Das ist eine traurige Meldung, die nicht verfehlen wird, allgemeines Aufsehen zu erregen. Aber wir hoffen, daß sich die jüdischen Gemeinden Sachsens dabei nicht beruhigen, sondern weitere Schritte zur Wahrung der Gewissensfreiheit machen werden, und wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß sie am sächsischen Thron das Wohlwollen finden werden, das die Negierung jenes Landes ihnen bisher kaum gezeigt hat. Leipzig, 3. April. Die Lügenblattfabrik von Theodor Fritsch scheint einen frischen Talmudisten engagirt zu haben, der ihr nun die Geschichte von dem „Ritualrnord" aus den: Talumd beweisen sollte. Der Versuch ist jedoch in schmählichster Weise mißglückt. Das „vertrauliche" Flugblatt des anonymen Ignoranten, welches sich als „für Kenner" bezeichnet — denn Fritsch und Genossen haben Alle Talmud studirt — wird in einen: vom 19. März datirten und von Pastor W. Faber in Tschiruur und Dr. Johannes Müller in Leipzig unterschriebenen Gegenflugblatt einer so gründlichen Kritik unterzogen, daß der Talmudist des Herrn Fritsch nicht nur „für Kenner", sondern für Jedermann, der zu lesen versteht, als ein Unwissender, wenn nicht gar als ein Lügner gekennzeichnet ist. Hervorheben wollen wir aus den: Gegenflugblatt noch die folgende Stelle, die vielleicht einige Anhaltspunkte giebt: „Die in dem Flugblatt citirten hebräischen Worte zeigen dieselbe fehlerhafte Punktation wie die Citationen des berüchtigten Schwindlers Brimaw und, N Prof, i leistete." K. Räume nnzuläw seiner L >u Gebc lange ei einer ne durch d zu finde gehens .urstalt", Erwerb: gegeben , Verein u der ji Erfolg Bau ei:u Grnndst u: Gege Lehrerkc 3ei::iua Provinz .ms, dc Gebäud, 'ertigkei gewesen Niederle eer Ent abgeschb Gedeihei Herr L beiden $ Nach er cknterstr Hauune: oiesang C. ein lan Bürger 3ynago letzten N dicht bc Ausdru uugesehc erweckt der übe' Gebot \ H. Ehassc loojäk welche s Gebetük Rabbiu in: Lach nütgliet sorge f unserer seier w: der au sodann gesellt I Tas Fl anrege:: Lieder ' üaltuno yd

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