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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-08 · Heft 15 (8.4.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 15 (8.4.1892)
Date
1892-04-08
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Kreisrabbiner nach Czernowitz berufen, und nach Lostrennung der Bukowina von Galizien zum Landesrabbiner der Bukowina und Oberrabbiner von Czernowitz ernannt. Seit einer Reihe von Jahren war Dr. Igel Mitglied des Czernowitzer k. k. Schulrathes, ebenso der Prüfungskommission für Lehramtskandidaten. Dr. Igel war Obmann der Filiale der israelitischen Allianz in Czernowitz und Mitglied des Centralkomitees der Baron Hirsch-Stiftung. Das Leichenbegängniß des Landes-Oberrabbiners Dr. Lazar Igel fand unter zahlreicher Theilnahme der Gesammtbevölkerung statt. Landespräsident Graf Pace, Landeshauptmann Baron Wassilko, Erzbischof Dr. Sylvester Morariu-Andriewicz, der römisch-katholische Ehrendomherr Pfarrer Tobiaszek, das evangelische Presbyterium, zahlreiche Geistlichkeit, der Bürgermeister v. Kochanowski, die gesammte Schuljugend des Staatsobergymnasiums, der Oberrealschnle unb der Volksschulen mit den Lehrkörpern, die Bukowinaer Reichsrathsabgeordneten, der Gemeinderath und zahlreiche Korporationen geleiteten den Sarg in den Tempel, wo der Lemberger Landesrabbiner Dr. Caro sprach. Griechenland. * Athen, 4. April. Nach einer Zeitungsmeldung aus Korfu werden von den dortigen Lokalbehörden anläßlich des Osterfestes neue antisemitische Tumulte befürchtet. Die Negierung habe deshalb alle zur Erhaltung der Ruhe erforderlichen Maßnahmen angeordnet. Privatbriefe der V. Z. aus Korfu berichten: Die Gährung in der Bevölkerung dauert wieder seit mehreren Wochen an und wird durch fremde Agitatoren, welche bei den vorjährigen Unruhen gegen die Juden eine große Rolle spielten, genährt. Es werden massenhaft antisemitische Flugblätter und Bilder mit Darstellungen ritueller Morde vertheilt. An den Häusern des Ghettos wurden Drohplakate angeheftet. Also es ist klar, daß unsere deutschen Antisemiten der That auch hier ihre Hand im Spiele haben. Aegypten. 52 Kairo, 17. März. Das „Blutmärchen" ist in Port Said aufgetaucht. Am Nachmittag des 15. März wurde ein griechisches Mädchen vermißt. Die Eltern, von einigen Freunden begleitet, suchten das Kind und fanden es auch wohlbehalten im Hause des Israeliten Carmona, woselbst das Mädchen seit lange verkehrt. Nichtsdestoweniger verbreitete sich sofort das Gerücht von einem rituellen Morde, und ein großer Volkshaufe stürmte das Haus des Israeliten. Obwohl es der Polizei gelang, Carmona aus den Händen seiner Angreifer zu befreien, war dieser doch von dem Pöbel derartig verwundet worden, daß er nach wenigen Stunden seinen Geist aufgab. Carmona war 80 Jahre alt. — Außer ihn: sind noch fünf Israeliten verwundet. Angesichts der Tumulte, über deren Urheber die eingeleitete Untersuchung Licht verbreiten wird, ist von hier Militär requirirt worden. Von Uab und Fern. — Im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" fand vorigen Dienstag der dritte Diskussionsabend statt. Den einleitenden Vortrag hielt Herr Dr. Joel Müller über „die Blutbeschuldigung". — .Herr Dr. Kirsch st ein, Direktor der ersten Religionsschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin, beging am 1. April unter zahlreicher Theilnahme das Fest seines 25jährigen Direktionsjubiläums. — Am 30. März feierte Herr Rabbiner Dr. Salomon Cohn seinen siebzigsten Geburtstag. — Herr Direktor Engl er veranstaltete mit den Schülern der oberen Klassen seines Konservatoriums am Sonntag, den 3. April, in der Aula des Askanischen Gymnasiums ein Wohlthätigkeits- .Konzert, dessen Gesammteinnahme den aus Rußland ausgewiesenen Judeni zufließen soll. — Am 7. April findet vor dem Schöffengericht in Moabit eine Verhandlung statt, bei welcher der als antisemitischer Parteigänger bekannte Rechtsanwalt Dr. Stein als Kläger und Rektor A hl war dt als Beklagter sich gegenüber stehen werden. — Die Synagogen- Gemeinde in Br ätz hat durch das Ablebeu des letzten israelitischen Bürgers dieser Stadt zu existiren aufgehört. Die Erbschaft des Gemeindevermögens hat auf Grund vorausgehender Vereinbarung die Synagogengemeinde Tirschtiegel angetreten. — In der Synagogen-Gemeinde Schwiebus wurde am 31. März der neuangelegte Friedhof eingeweiht. — Sein 25jähriges Amtsjubiläum feierte am 1. April der Religionslehrer Cohn in Landsberg a. W. — Das Fest bei goldenen Hochzeit begehen am 11. April der Schneider Wolf Fische! und seine Ehefrau Semel, geb. Guttmann in Mietschisko. In einer Reihe von Jahren hat Fischet verschiedene Ehrenämter in unserer Gemeinde bekleidet, u. A. während 30 Jahren als Vorsitzender im Korporationsvorstande und verschiedene Jahre als Stadtverordneter. - Die Koblenzer israelitische Gemeindeverwaltung hat angesichts der herrschenden Theuerung die Beamtengehälter zum 1. April erhöht, trotzdem dies erst vor drei Jahren bereits einmal geschehen ist und vor einem halben Jahre eine einmalige Theuerungszulage bewilligt worden war. — Die von Herrn Dr. F. Cohn geleitete Religionsschule in Bonn versendet einen Jahresbericht, dem wir die erfreuliche Thatsache entnehmen, daß zur Zeit 115 Kinder am Unterricht theilnehmen. — In Wien hal der Kultusvorstand den Herren Dr. Adolf Jellinek und Dr. Morin, Güdemann den Titel „Ober-Rabbiner" verliehen. — In voriger Woche starb Frau Kompert, Wittwe des Dichters L. Kompert. Donnerstag fand das Leichenbegängniß unter reger Betheiligung statt. Herr Rabbiner Dr. Güdemann hielt eine sehr warm empfundene Grabrede, in der er die hohen geistigen und Herzenseigenschaften der Verblichenen hervorhob. Ober kantor Singer exekutirte die Trauergesänge in weihevollster Weise. - Im niederösterreichischen Landtag erklärte bei der Verhandlung über den Antrag Ebenhochs auf Vermehrung von Vertretern der katholischen Kirche im Landesschulrathe und Beseitigung der Vertreter des israelitischen Glaubens - Bekenntnisses in demselben, der Statthalter Freiherr von Puthon, eine zweiundzwanzigjährige Erfahrung biete zu der beantragten Abänderung des Schulaufsichtsgesetzes keinen Anlaß. — In der Sitzung der französischen Akademie vom 22. März wurdr mitgetheilt, daß die Wittwe des verstorbenen Buchhändlers Calnran Lern zum Gedächtniß ihres Gatten einen Jahrespreis von 3000 M. für litte rarische Zwecke gestiftet habe. — Im englischen Unter Hause erklärte am Freitag der erste Lord des Schatzes Balfour, die Zustände der russischen Juden aus Wanderung würden eine V orlage, nach w elch er die Einwanderung derselben nach England verboten werde, nicht rechtfertigen Die Regierung erkenne wohl den Ernst der Frage und behalte dieselbe sorgfältigst im Auge, eine Einwanderung jedoch, wie sie im vorigen Jahre statthatte und auch jetzt befürchtet worden, wäre nicht eingetreten: eine solche wäre ein unerträglicher Mißbrauch des jetzigen Einwanderung^ systems. — Die Judenverfolgungen nehmen in Rußland uugeheunm ihren Fortgang. In Nowa Dewor wurden, wie aus Petersburg gemeldet wird, 150 in einer Synagoge versammelte Juden von betrunkenen Soldaten überfallen, welche Thüren und Fenster einschlugen. Die Polizei erschien zur Herstellung der Ordnung und Aufnahme des Thatbestandes. Das Resultat war, daß eine Anzahl Juden-ins Gefängniß geworfen und nach Sibirien deportirt wurden. — Wie dem „Przeglond" aus Petersburg telegraphirt wird, hat der Unterrichtsminister in einem Erlasse an sämmtliche russische Lehranstalten verboten, jüdischen Schülern was immer für Geldunterstützungen, Stipendien oder Schul geldbefreiungen, zu gewähren. —Der portugiesische Marineminister kündigte eine starke Juden-Einwanderung in der afrikanischen Kolonie zmn Zwecke der Ansiedelung auf der Mossamedes-H och ebene an. Die Einwanderer kommen von Süd-Amerika. — In Alexandrien ist Kommendatore A. Piha-Bey, Vice-Präsident der jüdischen Gemeinde, am 28. Februar verschieden. An dem imposanten Leichenzuge betheiligteu sich der Gouverneur, sämmtliche Konsuln, die Officiale sammt dem Admiral Turi der italienischen Fregatte „Aestna", die Munizipalität, die Spitzen der Behörden, die Gemeindemitglieder in corpore, sämmtliche jüdischen und christlichen Vereine und ein nach Tausenden zählendes Gefolge. — Ein ehemaliger französischer Schiffsarzt, welcher mehrere Reisen in die französischen Kolonien unternommen hat, berichtet, daß er eine große Anzahl Juden in Senegal (West-Afrika) angetroffen habe, wo dieselben als Handelsagenten einen lebhaften Handel betreiben. Als reisende Agenten besuchen sie die Ufer des Niger, kommen in die ver schiedensten Distrikte und versorgen die Eingeborenen mit allen Arten von Maaren. 56. 2 G Diese Abonn Post o! unter ( Nedi 3 flatorifd Jubiläu thum. S Kulke Weresch. Redakt D. Hambm — Bor „der ' Auffast wohl uns a! 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