Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1892)
- Date
- 1892-04-08
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227947--48748-3269400- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
rrao, als enpartien; Asnath, 56. Jahrgang. Nr. 15. DkV ®-a,,r“1892 chschild. § kleinen lcken ließ die Ver behandelt :den und erfasserin Blätter" pitel des Tugenden, Sie ist nnt alle nlie, die ie Dank- »esprechen Selbstittugend: ves, über an die lit etwas werden t ist der isemitengdeheime schützen. Anklage nämlich lkommer en hatt. ckdet, de lben wi^ e Flens ch ihrer :hrt de<. ur Ab- Postoselyten. 8. V. - Breslau. )en Anti- Ltr Ab- 3, Posts Revoifung X. Wagner > Hessen. musterig statt- )t genug. Nunnner chaft in: Cassel. Werkage zur „AkLgemeinen Deikung öes ZuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. GD Berlin, 5. April. Ueber den Fortgang des russischen H ilfs wer kes entnehmen wir dem neuesten Berichte des Deutschen Central- Komitees Nachfolgendes: Nachdem die unermüdliche Thätigkeit aller unserer Komitees im verflossenen Jahre (Juni—Dezember) die Beförderung von circa 7 5,000 Personen ermöglicht hatte, nahm auch zu Beginn dieses Jahres die Hilfsaktion ihren gleichmäßigen Fortgang. Unsere Verabredungen mit dem Komitee in Newyork, wonach es die Sorge für die von uns gesichteten und dorthin gesendeten Auswanderer übernahm, waren am 1. Dezember 1891 in Kraft getreten: die Eintreffenden wurden in Empfang genommen und zwecks Erlangung eines neuen Erwerbs nach verschiedenen Städten der Vereinigten Staaten übersiedelt. Diese rühmenswerthe Thätigkeit des amerikanischen Komitees wurde jedoch bald genug unterbrochen. Ende Februar trafen nämlich in Newyork auf dem Dampfer Massilia mehrere Hundert Auswanderer ein, die sich von Konstantinopel nach Palästina, dann, nachdem ihnen dort der Eintritt ins Land verwehrt worden, nach Newyork gewendet hatten, und von diesen Auswanderern, die weder von uns gesichtet, noch befördert wurden, erkrankten 61 am Hungertyphus. Dies erregte in der amerikanischen Presse einen Sturm gegen die Zulassung solcher Einwanderer, welche ansteckende Krankheiten ins Land einschleppen könnten, u:d die amerikanischen Behörden ordneten eine Quarantäne für alle lit russischen Auswanderern besetzten Schiffe an. Zugleich benachrichtigte uns das Newyorker Komitee, daß wir nach allerstrengster Sichtung nt jedem Schiffe höchstens 100 solcher Auswanderer senden dürften, die ich aus eigener Kraft in den ihnen zuzuweisenden Berufen ihrer: Unter- >alt verschaffen könnten. Während wir die Grenzkomitees mit den erorderlichn Weisungen versahen, trat ein neues Ereigniß ein, welches .msere Thätigkeit fast vollständig unterband. In Folge von Mittheilungen der Schiffsgesellschaften an die Preußische Regierung ordnete dieselbe zur Vermeidung unzuträglicher Anhäufungen an der Grenze und aus sanitären Gründen die strenge Handhabung der Maßregeln an, welche gegen den Uebertritt russischer Juden auf preußisches Gebiet immer bestanden, aber bisher, und nicht zum Wenigsten in Folge der Thätigkeit unseres Komitees milder ausgeführt wurden. Die neuesten, uns aus Amerika zugegangenen Nachrichten lassen erwarten, daß die Sperrung der Häfen binnen Kurzem aufgehoben werden wird. Mit Rücksicht auf diese Mittheilungen dürfen wir hoffen, daß die preußische Grenze wenigstens an denjenigen Stellen wieder geöffnet werden wird, an welchen sich unsere Komitees befinden. Wir hoffen daher, daß in einiger Zeit alle unsere Grenz-Komitees ihre Thätigkeit wieder aufnehmen können. Durch die erfolgte Sperrung der Grenze ist der drohenden übermäßigen Auswanderung Einhalt gethan, wenn auch die Zahl jener Auswanderer, die trotz der Sperre die Grenze überschreiten, keine geringe ist. Wir haben nicht nur von der Maßregel der Regierung in den weitesten Kreisen Mittheilung''gemacht, sondern schon vorher in zahlreichen Telegrammen, Briefen und Bekanntmachungen in russischen Zeitungen vor der Auswanderung dringend fgewarnt. Nach den Berichten eines Vertrauensmannes scheinen sich Jene, die sich ohne zwingende Nothwendigkeit zur Auswanderung gerüstet haben, nun eines Besseren zu besinnen. So ist zu erhoffen, daß den wirklich zur Auswanderung Gezwungenen, soweit sie für die Beförderung tauglich ^erscheinen, auch in Zukunft Hilfe geleistet werden kann. -.Rühmend haben wir die Thätigkeit und Mitarbeit des Russo-Jewish Committee in London zu erwähnen. Dasselbe hat uns nicht allein zur Durchführung der amerikanischen Verabredungen erhebliche Geldmittel zur Verfügung gestellt, sondern auch selbst einen thätigen Antheil an unseren! Werke genommen. Als in Newyork die obenerwähnten hemmenden Maßregeln getroffen wurden, hat uns das Russo-Jewish Committee sofort die Möglichkeit eröffnet, 200 Personen in C.madaund 80 in anderen englischen Kolonien unterzubringen. Die Zahl der Auswanderer, denen unsere Komitees ihre Unterstützung zugewendet haben, läßt sich nicht ganz genau feststellen. Vollständig auf unsere Kosten, von der Grenze bis ans Reiseziel haben wir etwa 25,000 Personen befördert; hierzu tritt die ungefähr gleiche Zahl derjenigen, die zwar mit Schiffskarten versehen waren, aber von uns mit Eisenbahnbillets versehen, sowie verpflegt wurden, endlich die sehr erhebliche Menge jener Auswanderer, die zwar die Fahrt aus Eigenem bestritten, aber von uns unterwegs beköstigt wurden. Wie sehr unser Hilfswerk auch für die Zukunft der j materiellen Unterstützung bedarf, mögen folgende Zahlen erweisen. Außer den nach Amerika gesandten Beträgen haben wir jetzt (ult. März 1892) circa Mark 1,500,000 verausgabt. Nach Abzug der bis zum 1. Dezember 1892 für Amerika zu verwendenden Summen verbleiben uns nur noch etwa 275,000 Mark. Der Betrag von 200,000 Mark, den uns das Russo-Jewish Committee in London, dann von 120,000 Mark, den uns das Frankfurter Komitee zugesagt hat, zählen dabei nicht mit, da sie bei den Kosten für Amerika bereits in Rechnung gestellt sind. Es bedarf keines Nachweises, daß diese Viertelmillion Mark nicht entfernt zureicht, die Kosten für die Hilfsaktion dieses Jahres zu decken, selbst wenn die Zahl der zur Auswanderung Gezwungenen sich nicht erheblich gegen die des Vorjahres steigert. Von Neuem wenden wir uns daher an unsere Freunde mit der dringenden Bitte, unser Werk der Menschenliebe zu fördern. Das Loos unserer Schützlinge ist ohnehin ein furchtbar hartes — und wie erst würde es sich gestalten, wenn uns die Mittel ausgingen, es zu lindern! Im Namen der Menschlichkeit stellen wir unsere Bitte und hoffen, daß sie überall gehört und beherzigt werden wird. S£5 Berlin, 6. April. Die Religionsschule der Israelitischen Gemeinde Ad aß Jisr o el versendet einen Jahresbericht, aus dem wir Nachfolgendes entnehmen. „Das verflossene Schuljahr, das am 8. April 1891 begann und mit dem 1. April 1892 schließt, hat in erfreulicher Weise gezeigt, daß die Grundsätze und Gesinnungen unserer schulamtlicheu Wirksamkeit in weitesten Kreisen Anklang und die ungetheilte Zustiunnung der Fachgenossen gefunden. Es ist nicht nur die Frequenz der Anstalt — dieselbe wurde im Laufe des Jahres von 486 Schülern, 337 Knaben! und 149 Mädchen, besucht — im stetigen Wachsen begriffen, sondern auch außerhalb unserer Hauptstadt, ja außerhalb der Marken unseres Vaterlandes beginnt man unseren Lehrplänen und Einrichtungen mehr und mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Wir können von verschiedenen deutschen Gemeinden berichten, in denen Rabbiner nach dem Muster unserer Anstalt Religionsschulen einrichtete::, die schon jetzt volle Anerkennung genießen, außerdem diente der in Kairo von der Alliance israelite gegründeten Religionsschule die unsere zun: Vorbild. Wir hatten in diesem Jahre zum ersten Male die Gelegenheit, eine Klasse I a. für erwachsene Mädchen zu gründen. Es schwebte bei der Einrichtung dieser Oberklasse, deren Schülerinnen ihre profane Schulbildung bereits abgeschlossen, hauptsächlich der Gedanke vor, daß dem Mädchen in späteren Lebensjahren als Leiterin des Hauses so viel Gelegenheit gegebei: ist, im Sinne des echten Judenthums zu wirken." Das sind in der That rühmenswerthe Erfolge, die dieser Bericht aufweist, und die Herren vr. Hildesheimer und vr. Deutschländer, in deren Händen die Oberleitung der Anstalt liegt, dürfen der Anerkennung weiterer Kreise sicher sein. * Berlin, 4. April. Der deutsche Antisemitismus zeigt seinen anarchistischen Charakter immer unverhüllter. In dem Flugblatt 19, welches aus der „Antisemitischen Korrespondenz", dem amtlichen Organ der Dentschsozialen, abgedruckt ist, findet sich ein Artikel, in welchem als radikales Mittel zur Lösung der Judenfrage „die Konfiskation des jüdischen Vermögens, die Mediatisirung der Juden" empfohlen wird. Wen:: dem hinzugefügt wird „ohne Plünderung, Mord und Todtschlag, in aller Gemüthsruhe auf gesetzlichem Wege", so klingt das wie der reine Hohn, und an der Thatsache, daß die Partei durch ihr Treiben der Revolution Vorschub leistet, wird dadurch