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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-08 · Heft 15 (8.4.1892) · p. Seite 178

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 15 (8.4.1892)
Date
1892-04-08
Page
Seite 178 (sequence 10)
Language
German
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178 erwies es sich eigentlich als Nothwendigkeit, mit Jossef selbst über die Sache ernstlich zu sprechen. Marie ist ein Mädchen und ihre Liebe verschleiert ihr den Blick in die Zukunft; Jossef aber ist ein Mann, er muß Berstand genug übrig behalten, der Sache klar ins Gesicht zu sehen, und bei gewonnener Einsicht auch Kraft genug zu eutsageu und Marie zur Entsagung zu bewegen. Dies war ein wohl durchdachter Plan und konnte nicht fehlschlagen; denn ihm werde sie gewiß folgen! Aber wer sollte mit ihm sprechen? Der Bater selbst fühlte das Peinliche der Situation zu sehr schon im vorhinein, er hätte die Unterredung darum lieber einem Andern anvertrant. Einem Anderiß ganz recht! Aber wem? Einen Augenblick lang dachte er an Honza, der als Geselle mit dem Sohn des Ochsenhändlers in gar manche Berührung kam, der konnte die Sache vielleicht auf eine geschickte Art einleiten und an den Mann bringen; allein es war dein ehrlichen Niederhuber nicht entgangen, daß Honza deui Juden nicht eben mit freundlichem Blick begegnete, und die Furcht stieg in ihm auf, der Geselle könnte die Aufgabe in einer für Jossef verletzenden Weise ausfiihre», und das wollte er durchaus nicht; er wollte die Angelegenheit lösen, aber in Ruhe und Güte und ohne Beleidigung. Brigitte war freilich auch noch da, die alte Magd, die Marien nach dem Tode der Mutter erzogen hatte; aber wer kann wissen, ob der alten Brigitte zu trauen war? Daß sie Marien liebte, wie eine eigene Tochter liebte, daran war freilich kein Zweifel; aber gerade weil sie sie liebte, so konnte sie sich leicht verleiten lassen, Marien das Geheimniß ihrer Sendung an Jossef zu verratheu, und daun war ja Alles umsonst und Schade für jedes Wort! So standen die Dinge im Hause des Fleischhauers Niederhuber, in derselben Zeit, da Jossef wegen der ihm zu Hause gemachten Borwürfe die Flucht ergreifend, sich auf dem Wege nach dem Dorfe her befand. Er ging in traurigen und trüben Gedanken, in Baugniß \ des Herzens und tiefer Beklommenheit. Zu ihr eilte er, zu Marien,! au ihre Brust wollte er sich werfen, an ihrer Brust wollte er sich! ausweinen, bei ihr wollte er sich Erlösung holen von der Pein, die! ihn erfüllte — bei ihr Licht und Klarheit, die ihm herausleuchten i sollte aus der Finsterniß, von der seine Seele umnachtet war. „Ach," seufzte er aus tiefster Brust, „tvie ist mir wind und iveh! Warum ist der Mensch zu solcher Qual und solchem Leid ans der Welt!" Die Sonne sank im Westen nieder, und vergoldete die Landschaft mit den letzten stlbschiedstrahlen. „Wie oft hat mir dieses Bild das Herz gerührt, und die Freude hat mich dnrchströmt und sich in mein Inneres ergossen mit solcher Gewalt, wie wenn sie anderswo gar keinen Raum mehr gehabt hätte; und letzt ist es umgekehrt, jetzt ist es so mit der Traurigkeit! Ach, wenn es heut der letzte Abend wür, an dem ich die Sonne untergeheu seh. So wie sie niedersinkt, so ist auch meine Freude und mein Glück niedergesunken. Ja, die Sonne! sie wird morgen früh dort aus der anderen Seite wieder hinaufsteigen; aber mein Glück und meine Freude steigt nicht mehr wieder herauf." Er wendete, indem er dieses dachte, den Blick nach jener Himmelsgegend, wo oie Sonne am anderen Morgen wieder emporsteigen werde, und es bot sich seinen Augen ein neues nicht minder erhebendes Naturschauspiel dar; die roth beleuchtete Mondesscheibe trat im Osten herrlich und majestätisch über den Horizont empor, auch dieses entzückende Bild konnte er mir mit Wehmuth betrachten. „Wie schön ist die Welt! wie schön, wo der Mensch keine Macht und Gewalt über sie hat. Sollte das wahr sein, wie ich es einmal gehört Hab, daß da droben auf dem Mond solche Wesen mstiren, die sich lieben und hassen, die sich das Leben gegenseitig verbittern und glücklich sein könnten, wenn sie sich besser verstehen möchten! Ich kann mir das nicht denken. Das sieht so ruhig aus, das schwcbl so ruhig hinauf, und auf der Kugel sollte so viel Unruhe, so viel Qual und Jammer sein als hier unten? Wie sie das brennen» rothe Feuer verliert, und wie sie immer bleicher und bleicher wird! wie sie sich hebt, so mild, so sanft: dort kann es keine Schmerzen! geben! Könnt ich da mit hinauf, und oben von der Höhe hinunterschauen auf sie, die ein Engel auf der Erde ist!" (Fortsetzung folat.il Gin Rechenkunststück in der Prstach-Hagada. Eine Plauderei von Dr. B. Knttner in Frankfurt a. M. Das Peßachfest steht vor der Thür und mit ihm der Sederabeud Welchen Zauber übt die bloße Erinnerung an diesen Abend noch heute auf Jeden aus, der solche Abende im Elternhause mitfeierte Mit wahrer Sehnsucht harrten die Kinder ihnen entgegen! Wie stet gerte sich die Unruhe, je näher der Abend heranrückte. Und wie glänzten die Augen, wenn man sich endlich an den Tisch setzen durfte und all die wunderbaren Dinge leibhaftig vor sich liegen sah! Manchen schönen Festabend verdanken wir unserer Religion, aber den besetz genden Zauber des Peßachabends erreicht keiner. Wessen Gemntti noch nicht ganz dahin ist, wer den unschützbaren Werth eines eiiii genden Familienfestes zu würdigen vermag,'^der strebe danach, solche Abende zu erhalten — mag er in der Ausgestaltung desselben fidi so viel Freiheit nehmen wie er will — er darf es ganz gewiß aber er entziehe seinen Kindern nicht die selige Freude, die er eiusi selber genossen. Wir werden reicher an Wissen, reicher auch wohl an Hab und Gut, aber ärmer an Gemüth; — möge Gott uns vor dieser Armuth allzeit gnädig bewahren! Unzertrennlich von dem Sederabend ist natürlich die Hagada die Erzählung von dem Auszuge der Israeliten aus Aegypten, im Anschluß an das Gebot im 2. B. Mos. 13, 8: Und du sollst deinem Sohne kundthun an demselben Tage und sprechen: Solchegeschieht wegen dessen, was der Ewige mir gethan, als ich ans Aegypten zog. — Somit ist eben nur das Kundthun, also die Hagadn, be fohlen; wie der Vater dieser Pflicht nachkommt, das bleibt also seinem Geschmack überlassen. Wie nun die alte Zeit sich ihrer Aufgabe entledigte, das zeig! der vorliegende Wortlaut der Peßach-Hagada, der uns Neueren allere dings stellenweise, manchem sogar ganz und gar nicht mehr gefällt. Wir brauchen deshalb noch keine gottlosen Menschen zu sein, wein: wir an dieser Hagada Kritik üben; ja, könnte unser Jahrhundert eine bessere Herstellen, so würde es das Gebot dainit ebenso gut erfüllen, wie die Alten es gethan haben. Bis dahin wollen am uns der alten Hagada bedienen; aber mit der Freiheit, die ein urtheilsfähiger Mensch jedem Menschenwerke gegenüber hat; singen und sagen wir also, was uns lind unseren Kindern Vergnügen macht, und lassen das Andere stehen — es bleibt immer noch genug übrig. erschöf sprang Zweck 2 etwas scheint deutm also d Bespr mehr Reiche doch : Gesich an m gehör der st s Land für e und ihre t Fine hielt zehnte daß l sicher die l gew fürch Most Gott Meei Word Aegt doch Drcn die i Mit! gege Schl u. s r> x wür uod; oder von unst den Die uns widerstrebende Breite, die behaglichen Wiederholungen machten den Alten gerade Freude; im Gottesdienste liebten sie nicht die bündige Kürze unserer nervösen und hastenden Zeit; sie hatte:! nicht die Uhr an der Wand oder in der Tasche; ihrer harrte nicht die Zeitung oder die Cigarre. Und vor allen Dingen galt der Grundsatz: Je mehr erzählt wird vom Auszuge aus Aegypten, desto verdienstlicher. Dieser löbliche, ihrer frommen Gesinnung entsprungene Grundsatz barg aber eine Gefahr in sich. Wenn das Thatsächliche ist ■ den eins obe wei sink

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