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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-08 · Heft 15 (8.4.1892) · p. Seite 177

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 15 (8.4.1892)
Date
1892-04-08
Page
Seite 177 (sequence 9)
Language
German
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währeiidl hen Vor- ^iner j>,I abbinersl x I o nt o Jt I Hirsch Landesf -amuet -'bte, 3.1 reize» «ch I ind fein f Land- Schüler binische- I als der Stil viel! e, diese war bei iähriger ervereii, brahai» setzmigE! Knabe es bei : seinen ihn der >äft geweiteter r hatte in die e man s dein Markt er mir die sich vie er; le, enteine gesagt; an sich leiten die er Vaters em er r Last it dein Eigen- Wngel rselben t, daß i,l manche ältere Händler, die sich auf eine langjährige Erfahrung Lol zu gute thaten, oft beschämte, und daß selbst der Vater, der in Losen Dingen ein vielgewiegter Mann war, bei jedem Einkäufe das Ilrtheil des Sohnes hörte, und bei gar manchem Geschäftsabschlüsse diesem das letzte Wort ließ. So ging es fort, und Jossef erfreute jjch bald in der ganzen Umgebung des Rufes, daß er ein sehr verständiger Geschäftsmann sei. Auch hatte er in seinem Benehmen etwas Leutseliges und Gewinnendes, so daß Käufer sowohl als I^erkäufer gern mit ihm zu thun hatten. Sie kannten ihn, sie wußten, es gelte bei ihm die Praxis: leben und leben lassen! und es ließ sich mit ihm immer eher fertig werden als mit einem Andern, ohne daß er selbst dabei zu kurz kam. Dies brachte es mit sich, daß sämmtliche Fleischhauer aus der ganzen Umgebung ihre Ochsen bei ihm kauften, und so war er auch in den verschiedenen Fleischbänken der umliegenden Ortschaften ein gern gesehener Gast. Nirgends aber hielt er sich lieber auf als in dem Dorfe, dem er eben jetzt zuschreitet. Auf den andern Dörfern, kam er allein oder mit seinem Vater dahin, suchte er seine Geschäfte so rasch als möglich abzuwickeln, um entweder zurück nach Hause oder nach einem anderen Dorfe, wohin ihn Geschäfte riefen, seinen Schritt zu lenken, vier aber bei dem Fleischhauer Niederhuber schien er niemals große Eile zu haben, hier ließ er sich oft gemächlich nieder, nachdem das oieschäft längst abgemacht war, und an ein Weiterwandern oder ans A'achhausegehen schien er häufig gar nicht zu denken. Und wie sollte er auch. Er mußte keine Augen im Kopfe gehabt haben, wenn ihn des Niederhubers schlankes Töchterlein, die blauäugige blonde Marie nicht angezogen und festgebannt hätte. Der Fleischhauergeselle vonza, der zu der Tochter seines Meisters wie zu einem Stern am Himmel emporblickte, an dessen mildem Lichte sich der Mensch wohl erfreuen, nach dem er aber niemals die Hände begehrlich emporstrecken darf, so wie Görg, der reiche Bauerssohn, der Marien schon mit ganz anderen Augen ansah, mit Augen, in deren Blick sich die Begehrlichkeit schon deutlich genug aussprach, sie Beide waren über den Sohn des Ochsenhändlers nicht im Unklaren, wenn sie zu ihrem Aerger bemerken mußten, mit welcher Freude er da saß und sein Auge auf der schönen Gestalt der Fleischhauerstochter ruhen ließ, und hätten ihn oft gern tausend Meilen von da weggewünscht, wenn er sich eben breit machte und keine Anstalt traf zum Weitergehen. Was wollten sie aber thun, cs blieb ihnen nichts übrig, als den unbequemen Gesellen zu dulden. Eines tröstete sie Beide, wenn ihnen die Freundlichkeit, mit der Marie dem Ochsenhändler entgegen kam, unangenehm in die Augen stach, eines tröstete sie: Er ist ja doch nur ein Jude, und heirathen kann er sie halt doch nicht! Heirathen! Und hatten die Beiden, von denen hier die Rede war, hatten Jossef und Marie noch niemals an die Schranke gedacht, welche die menschlichen Meinungen und Einrichtungen zwischen ihnen aufgerichtet hatte? Wohl hatten sie daran gedacht, aber nicht frühzeitig genug; sie dachten daran zu jener Zeit, da ihre Herzen einander bereits beim bloßen Anblicke entgegenpochten, und da es zu spät war, den Gedanken mit Nutzen auszudenken. Scherzweise Pflegte der alte Niederhuber, wenn der kleine Kreis so fröhlich beisammen war, wohl hie und da auf eine Verbindung anzuspielen, vergaß aber nicht, auch die Unmöglichkeit derselben betonend auszusprechen. „Schade!" sagte er so einmal in seiner natürlichen Art sich zu geben, „schade, daß Du kein Christ bist, Josef! Meine Marie möcht' gut für Dich paffen! Ein Josef und eine Marie gehören ja ohnehin zusammen, das sehen wir ja auch im Evangelium!" Marie wurde bei solchen Worten über und über roth und verließ die Stube. Jossef aber ließ den Kopf sinken wie Einer, der auf eine gestellte Frage keine Antwort zu geben weiß. Solche Momente waren wohl geeignet, die beiden jungen Leute ans ihrem Traum ein wenig wach zu rütteln und sie daran zu criuner», daß sie sich in einer Welt von fest gefügten Satzungen, von feststehenden Ordnungen befinden, die keiner ungestraft überspringen könne; waren sie aber wieder allein, sahen sie sich Aug' in Auge, fühlte sie den Druck seiner Hand, fühlte er den Hauch ihres Athems: dann war Alles, Alles tun sie her vergessen, die Welt mit ihren Einrichtungen und Meinungen, mit ihren Ordnungen und Satzungen, Alles, Alles, so gar sich selbst vergaßen sie, und in solcher Selbstvergeffenheit, in solcher Atifwallung zweier jugendlicher Herzen, wenn er sie da an seine Brust drückte, und sie ihre beiden Arme um seinen Racken schlang, und in einet» glühenden Kusse ihre beiden Seelen in einander rannen, da feierte die Liebe, dieses reine und echte Gefühl im Herzen der Menschen« das sich nicht kümmert um Meinungen und Satzungen, eilten herrlichen Triumph über Alles, was die Menschen seit Jahrtausenden her zu ihrer eigenen Qual sich aufgerichtet und aufgeschichtet haben. Der alte Niederhuber, der den schönen Bund zweier Seelen durch seine unschuldigen und wohlwollenden Scherze eher begünstigt als gehemmt hatte, fing allmälig doch an, den Ernst der Sache härter und drückender zu empfinden, als er es anfänglich zt> ahnen vermocht hatte, und das that ihm weh, aufrichtig weh. Er schätzte den jungen Mann nach Gebühr, und wer hätte den tüchtigen, wackeren und rechtschaffenen Sohn des Ochsenhändlers besser zu würdigen gewußt als er; und er bedauerte es in Wahrheit, wemt er es auch nur scherzweise ausgesprochen hatte, daß Jossef nicht als Christ geboren worden; unter den gegebenen Umständen aber war an eine Verbindung des jungen Mannes mit seiner Tochter Marie nicht zu denken, und er liebte seine Tochter zu sehr, als daß er in Bezug auf ihre Zukunft sich nicht hätte den ernstesten Besorgnissen hingeben sollen. Als ein Mann, der gern Klarheiten in all seine Angelegenheiten brachte, war er da in eine höchst unklare, verzweifelte Situation unscheinbar nach und nach hineingerathen. Die Sache war ihm förmlich über den Kopf gewachsen, und er war nicht geneigt, mit Entschiedenheit vorzugehen und einen gewaltsamen Bruch herbeizuführen. — Marie aber war gegen seine Vorstellungen taub; so wie sie seinerseits in Güte und Ruhe gemacht wurden, so wußte sie ihrerseits, ohne die Ehrfurcht vor dem Vater aus dem Auge zu verlieren, denselben in Ruhe und Güte ausznweichen und jeder bestimmten Erklärung oder Zusage aus dem Wege zu gehen. Gar manchmal hatte es der Vater ihr bereits vorgehalten: „Aber so sag' mir doch, Marie, wo das nur hinaus soll? Ihr könnt Euch ja doch nicht bekommen! Er wird in der „Gasse", aus der er stammt, eine reiche Partie machen, er wird sich ein reiches Judenmädchen zum Weib nehmen, und Du wirst da sitzen und wirst jammern. Besser früher als später; bester, Ihr trennt Euch jetzt freiwillig, als daß später eins vom Andern verrathen und betrogen wird! Was einmal sein muß, was sich nicht ändern läßt, was will man dagegen thun!" Auf solche väterliche Ermahnungen hatte Marie gewöhnlich nur eine Antwort: „Du kennst ihn nicht, Vater, ich kenn' ihn besser", und sie hing sich an ihn und streichelte und hätschelte den Alten so lange, bis er wieder still ward und sie gewähren ließ. Es war dem Vater nicht entgangen, daß auch Görg, der reiche Bauerssohn, auf seine Tochter ein Auge geworfen habe, und der Görg, wenn er sich auch in keiner Weise mit dem da drüben aus der „Gasse" vergleichen ließ, war doch immerhin für Marie nach seiner Meinung eine annehmbare Partie, und wäre ihm schon ganz recht gewesen, wenn er nur gewußt hätte, wie es anzustellen sei, Marie mit ihreit offenen Augett dahin zu brittgen, daß sie an einem Görg Wohlgefallen finde, so! lange sie Gelegenheit hatte, ihn mit Joffes zu vergleichen. Eine! schwierige Sache das! Da mit Marien nichts auszurichten war, so

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