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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-08 · Heft 15 (8.4.1892) · p. Seite 170

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 15 (8.4.1892)
Date
1892-04-08
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 AHachgedmiken. Von Bezirks-Nabbiiier Dr. Mayer in Zweibrücken. Iiauissiiu. Ter aufmerksame Leser wird fragen: Welche Verbindung besteht zwischen AI hanis.sim und Pcßach? Wird doch AI hanissim nur am Ehannkah und Purim, nicht aber am Pcßach gesagt? Allein so richtig auch diese Frage, noch berechtigter dürfte die Gegenfrage sein: Warum sagt man AI hanissim am Peßach nicht? Sind denn die Wunder, welche den Auszug ans Aegypten vorbereiteten und begleiteten, nicht viel größer und in die Augen fallender als die Thaten der Makkabäer und des Befreierpaares Esther und Mardochai? Die Begründung der Gegenfrage enthält aber meines Erachtens auch schon die Antwort auf dieselbe. Nämlich so. Der Verlaus des Krieges gegen Antiochus Epiphanes legt Zeugnis; ab von todtverachtender Tapferkeit, beispiellosem Heldenmuthe und unvergleichlicher religiöser Begeisterung; aber alle Vorgänge vollziehen sich menschlich, muthen uns menschlich an und von Wrindern tvon der sagenhaften Geschichte vom Oelkcüglein abgesehen) erblicken wir keine Spur. Wie leicht konnte da menschliche Betrachtungsweise sagen: „Meine Kraft und die Tapferkeit meiitcr Hände hat mir diesen Sieg bereitet/' Der gläubige Sinn unserer Väter aber erblickt in den Siegen der Makkabäer die Hand Gottes, das wunderbare Walten des Gottes Israels und dankt ihnr für die Wunder, die er für uns gethan, daß er ein schwaches Häuflein über so „Viele" siegen ließ, und sagt in frommer Bewunderung der Wunder: Al hanissini. Die Purimgeschichte vollzieht sich fast noch menschlicher, so absichtlich menschlich und gleichsam ohne jede göttliche Einwirkung, daß im Buche Esther sogar der Gottesname ängstlich vermieden wird. Dies mag aus damaligen politischen Erwägungen rathsam erschienen H'in: allein wiederum sah der fromme jüdische Volksgeist in Esther und Mardochai nur die Sendboten einer höheren Macht, die Vollstrecker göttlicher Fürsorge für sein Volk, und dankbaren Herzens richtete inan zu Gott das AI hanissim. Ganz anders am Peßach! Da waren die Wunder sogewaltiger mrd augenfälliger Art, daß selbst Pharao, der vorher gefragt hatte: Wer ist Gott?, nunmehr in denselben „den Finger Gottes" erkannte. Und Israel sah darin „die gewaltige Hand des Herrn" und glaubte an Gott. Weil die Peßachwunder größer sind als die Ehannkah- und Purimwmider, weil sie alles menschliche Fassungsvermögen überschreiten, weil die Peßachgeschichte von selbst auf Gott hinweist, dann» bedurfte man eines besonderen Hinweises auf die wunderthätigc Hilfe Gottes nicht, darum sagt mau am Peßach kein AI hanissim. Ho Jaclirao anjo. „So war das armselige Brvd, welches unsere Väter in Aegypten gegessen. Wer hungert, komme und esse mit, wer hiezu verpflichtet ist, komme und feiere Peßach mit uns. Dieses Jahr hier u. s. w." Von allen Hagndahstücken hat dieses erste, dessen chaldüisches Idiom auf Babylonien als Entstehungsort hinweist, stets den tiefsten Eindruck ans mich gemacht. Nicht etwa ivegen der Erinnerung an eine gar traurige Vergangenheit, die seine ersten Worte in uns wecken, oder wegen der hoffnungsvollen Zukunft, die seine Schlußworte uns verheißen, sondern wegen des Mittelsatzes: „Wer hungert, der esse mit, und wer hiezu verpflichtet ist, der feiere Peßach mit uns." Vielleicht theilt der freundliche Leser meine Empfindung, wenn ich dieselbe begründet habe. D'e erste Bestimmung über das Peßachopfer lautet: „Kein Fremder darf davon essen" <2. B. M. 12, 43). Die Ausschließung aller Ausländer von diesem Nationalopfer, das die Volkwerdung Israels einleitete, war eine geschichtliche Nothwendigkeit, wenn anders Israel nicht schon int Beginne seiner Mission durch Vermengung mit andern Völkern von derselben abgedrängt werden sollte. War doch die Erziehung des Volkes zu seinem Berufe auch ohne solche störenden Elemente eine überaus schwierige und oft unterbrochene. Je weiter aber Israel in der Geschichte fortschreitet, je mehr die Gottesidee sich in ihm festsetzt, je weniger es von fremder Berührung zu fürchten hat, um so mehr kommen allmälig auch allgemein menschliche Gesichtspunkte zum Durchbruch; die Nationalität tritt zurück vor der Humanität. Einen Beweis hierfür liefert uns das lio laclimo anjo. Z «erst wird der Hungrige zum Mitessen cmgeladen, und dann erst der hierzu Verpflichtete zur eigentlichen Peßachfeier; das allgemein Menschliche hat den Vortritt vor dem besonderen Konfessionellen. Ohad gadjo. Es ist schon gar vieles über Ursprung und Bedeutung dieses wunderlichen chad gadjo geschrieben worden, auf das ich nicht eingehen will. Wer kennt nicht das ähnliche deutsche Gedicht mit dem brutalen Kehrreim: „Denn ich bin groß und du bist klein?" Gewiß hat das Lied vom Zicklein sehr viel Aehulichkeit mit dem Pfcffel'schen Gedichte, aber auch nur der Forin nach. Der jüdische Volksgeist kan» kein Gedicht erzeugen, das die rohe Gcivalt gegenüber dem Rechte besingt. Und selbst wenn es wahr sein sollte, daß das chad gadjo nichtjüdischen Ursprungs sei, so hat doch der jüdische Bearbeiter es verstanden, in das Gedicht einen ücht jüdischen Geist hineinzulegen. Ter Schwerpunkt des Gedichtes liegt nämlich meiner Meinung nach in der letzten Strophe desselben, in der Tödtung des Todesengels durch Gott selbst. Alle schwächeren Wesen werden überwältigt von stärkeren und dienen zu deren Lebensfristung. Wenn deni nicht so wäre, wenn der Tod nicht aufrärunte, so würde die Erde bald nicht mehr Raum genug für alle Lebewesen bieten können, und dies wäre der allgemeine Untergang. Indem also Gott den allgemeinen Kampf ums Dasein als Naturgesetz bestimmte, so tödtete er dadurch gleichsam den Todcsengel und entzog ihm die Gewalt über die Gesammtheit alles Seienden. Das Individuum muß sterben, damit die Art bestehe, das Einzelwesen wird getödtet, damit die Gesammtheit nicht uutergehe. Das eliad gadjo spräche also denselben Gedanken aus >vie der weise Kvheleth, wenn er sagt: „Ein Geschlecht geht lind ein anderes koinml und dadurch besteht die Erde ewiglich." Ist dies aber der wirkliche Grundgedanke des ohad gadjo, so Hat das Lied vom Zicklein für den Juden eine überaus trostreiche Bedeutung ganz besonders für den Scderabend. Welcher Widerspruch lag z. B. für den Juden des Mittelalters nicht darin, das Bcfreiungsfest zu feiern angesichts des gewaltigen Druckes, der auf ihm lastete? Singt man Freihcitslieder mit Ketten an den Füßen? Und doch, je stärker der Druck, um so inniger die Feier, während doch das Gegentheil, menschlich betrachtet, näher läge. Allein der Jude betrachtete die Verfolgung von einem höher» Gesichtspuilkte. Er erblickte darill ein Mittel Gottes zur Stärkung des Judenthums. Der Jude inußte leiden, danlit das Jndenthum sich kräftige. Haben wir da nicht denselben Gedankengang wie im chad gadjo, und darf uns da die Aufnahme des chad gadjo in die Hagadah noch wundern? 1 Der meinde, , üis Lei! Ausdruck nicht dm gewirkt z maßen a ihrer Be, deren W To kom melcher i tlium an, Aicrtelja Ileberreü einer De Der Rep -,u geben In nd) Her r ehender Religion den in j Äeligion Di, Den Gei des Gei nidischcr uir eine Di, Md) lebh genügen Zcdürfr Weder Religioi Freude stetig U der Bef schaffen Religioi uerstünd ans Kos Kosten allein n Lehrkrü Einrichl unsrer ail geei W der leid blättern einaitbei Kreise i

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