Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1892)
- Date
- 1892-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227946--48732-3269383- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Seesen 1× ep/1048106
OCR text
2 der Hofprediger o. D. Stöcker in der Bethlehemskirche vor dem „Verein zur christlichen Fürsorge für Proselyten" die Festrede über den Text (hi. Joh. 4, 22 gehalten: „Das Heil kommt von bcn Juden". QCnt Ende erleben wir es noch, dast Herr Stöcker eines Tages von den „Deutschsozialen" als Judengenosse verurtheilt wird. Dieselben Deutschsozialen ziehen in der „Neuen Deutschen Zeitung" gegen den Konsistorialrath Dryander sehr scharf los, der „selbst semitisches Blut in den Adern haben" und ein „eifriger Judentäufer der Berliner Bankierswelt" sein soll! s^z Neustadt b. P., 20. März. Auf Anregung des Lehrers Berlowitz veranstaltete die hiesige jüdische Jugend am 19. d. M. in Grüns Hotel eine wohlgelungene Dilettanten-Theatervorstellung zum Besten der armen vertriebenen russischen Glaubensgenossen. Die Leitung der Hebungen übernahm bereitwillig die Gattin des Korporationsvorstehers Mar Wolfsohn, die auch einen, auf den Zweck des Unternehmens bezüglichen Prolog vortrng. Der Nettoertrag, welcher ein verhältnistmästig recht günstiger war, wird unverzüglich an ein Hilfskomitee abgesaudt. ** Schrimm, 20. März. Am Purim-Abend wurde zum Besten der russischen 'Ausgewiesenen von hiesigen israelitischeil jungen Herren mit» Damen im Nenmann'schen Saale ein Theaterabend arrangirt. Die Betheiligung war eine so rege, dast trotz der nicht zu hoch bemessenen Preise und der erheblichen Unkosten ein Reinertrag von 200 Mark zu noliren war, von welchen 50 Mark dem hiesigen Verein zur Unterstützung armer jüdischer. Reisenden, zu denen die Ausgewiesenen auch ein ziemliches Kontingent stellen, überwiesen und 150 Mark dem Komitee nach Berlin gesandt worden sind. L Flatow, W-P , 29. März. Es giebt wohl nur wenig Städte in unserem Vaterlande, in denen das Zusammenleben der verschiedenen Konsessionen ein so einträchtigliches ist wie hier, und zu diesem erfreulichen Umstande hat nicht zum Wenigsten die hier seit 20 Jahren bestehende S im ul tau schule beigetragen. Die Kinder verkehren in Liebe und Eintracht mit einander, und dieses gute Verhältnist übertragt sich auch auf die Erwachsenen. Als Zeichen möge angeführt sein, dast vor wenigen Wochen die durch Tod zur Erledigung gekommene Stelle eines stellvertretenden Bürgermeisters (Beigeordneten'» durch einstimmige Wahl der Stadtverordneten auf den Rentier Jakob Kahnemann übergegangen ist. Dieser Herr bekleidete schon seit vielen Jahrer die Aemter eines Rathniannes, Waisenrathes, Schiedsmannes und Vorsitzenden derArmenkommission. Noch ein weiteres Symptom können wir verzeichnen. Der seit 1874 an der hiesigen Simultan-Schicke durch Falk (gegen den Willen der damaligen Regierungsbehörden) augestellte Lehrer Plocki hat sich behufs provisorischer Uebernahme der Stell ' als Leiter eines Waisenhauses in Hamburg an die Regierung um einen einjährigen Urlaub gewandt. Bei den zu Ehren des genannten Lehrers veranstalteten Feierlichkeiten hatten sich alle .Kreise einschliestlich der Geistlichen der christlichen Konfessionen, sowie alle Behörden des Ortes betheiligt. (D Hamburg, 27. März. Seit einiger Zeit erscheinen in hiesigen Blättern anonyme Artikel, die sich mit unserer Gemeinde und ihren Einrichtungen beschäftigen. So wird u. A. Klage darüber geführt, „dast das Alte, welches für das 12. Jahrhundert gut war, noch flir das 19. Jahrhundert krampfhaft festgehalten wird". 'Als Beispiel für diese Vorliebe für die „Antike" wurde unter Anderem angeführt die Nichtbeachtung des Wunsches nach einem geregelten mehrstimmigen Chor beim Gottesdienst, die Einführung der Konfirmationsfeier für Mädchen und die Einrichtung eines Jugendgottesdienstes. Gewist gerechtfertigte und auch religionsgesetzlich zulässige Wünsche! Nicht minder wurde bemängelt, dast die ihrer Zahl nach jetzt meist vor den Thoren wohnenden Juden keine würdige 'Andachtsstätte besäßen, wie denn überhaupt auster dem mit dem „Bann" belegten Tempel nur die Gotteshäuser auf Kohlenhäfen und Elbestraste vorhanden seien, eine Zahl, die für die zweitgrößte Judengemeinde Deutschlands nicht ausreichend sei. Nunmehr ist in einer Sitzung des Delegirtenkollegiums des Synagogen-Verbanoes eine gemischte Kommission aus Mitgliedern dieses Kollegiums und des Vorstandes gewählt lvorden, die zunächst die Bedürfnißfrage prüfen, und da diese zweifellos bejaht werden must, mit Architekten für den Bau in Verbindung treten soll. Diese „Synagoge vor dem Dammthor" wird in modernem Stile erstehen. — Ein neuer Verein ist hier ins Leben gerufen worden, ein „Jüdischer Stellen-Vermittelungs-Verein", welcher den Zweck verfolgt, jüdischen jungen Leuten, welche den Sabbath und die Festtam heilig halten wollen, passende Stellen zu verschaffen. * Leipzig, 25. März. Der R ei chs a n w a l t beantragte am die von dem Staatsanwalt in Berlin eingelegte Revision, das frei sprechende Urtheil gegen die Redakteure F eiherrn v. Hamme: stein und Pallas wegen Beleidigung des Frankfurter Landrichter; Lieb mann an fzu heben. Das Reichsgericht erkannte demgemäß um vcrwies die Sache an die V orinstauz. Seesen a. H., 25. März. Am 28. und 24. d. M. fand an der hiesigen Jakobson-Schule die Entlassungsprüfung der diesjährigen Primaner statt. Herr Prof. Dr. Koldewey aus Braunschweig war dazu von Herzoglicher Ober-Schul-Kommission als Regierungs-Kommissär er naunt. Das Ergebnist ist ein recht günstiges zu nennen, da 19 Schülern das Zeugnist der Reife, mit dem die wissenschaftliche Berechtigung zur einjährig-freiwilligen Militärdienst verknüpft ist, znerkannt wurde, darunter einem mit dem allgemeinen Prädikat „sehr gut" und neun mit „gut". Besonders erfreulich ist, dast unter den Abiturienten fünf Freizöglingo der Anstalt waren, die sämmtlich die Prüfung mit 'Auszeichnung bestände» * Frankfurt a. M., 28. März. 'Am 24. d. M. ist Freisräulew Louise v. Rothschild, 42 Iah re al t, g e st o r b e n Sie war d ie vier i. der sechs Töchter des verstorbenen Freiherrn Carl v. Rothschild. Br; der Beerdigung, die heute stattgefundcn hat, kam cs zu wüsten Aus tritten. In Folge des Gerüchts, im Rothschild'schen Hause würde Geld ausgetheilt, hatte sich ein zahlreicher Janhagel eingefunden, der sofort, nachdem der Trauerzug das Haus verlassen hatte, in dasselbe eiuzudringen suchte. Der 'Andrang artete derart aus, dast die Schutzmann schuft einschreiten mußte. Sie nahm, da ihre 'Aufforderung sich'zu em fernen, mit Insulten erwiedert wurde, verschiedene Verhaftungen vor, sah sich auch genöthigt, blank zu ziehen und mit flacher Klinge ein zu hauen. Dem „Generalauz." zu Folge bewog der Umstand, dar Ueberbringer von .Kränzen 5 bis 10 M. Trinkgeld erhielten, viele spekn lative Köpfe, schnell in der Markthalle einen.Kranz oder einen Stranr zu kaufen und im Sterbehause gegen das Trinkgeld abzugeben. M Gießen, 21. März. In der h'esigcn Synagoge fand gesteir Morgen auf 'Anordnung d:s Grostherzoglichen Rabbinats für den dahin geschiedenen hoehseligen Gros;Herzog Ludwig IV. ein Trauergotte> dienst statt, dem sämmtliche Gemeindeaugehörigen und die hier garuist nierenden jüdischen Soldaten beiwohnten. Die Trauerrede des greis.:! Oberrabiners Herrn Dr. Levi, sowie die vom Kantor und Synagogench-a ausgeführten Gesänge wirkten auf alle 'Anwesenden tief ergreifend. Auch in allen übrigen Synagogen des Rabbiuatsbezirks fanden Traue; gottesdienste statt. * München, 20. März. Die Einweihung der vom Architektur Exter erbauten Synagoge in der Kanalstraste, welche sich die Mitglied,; der orthodoxen Gemeinde aus eigenen Mittel;: schufen, fand Abend n; feierlicher Weise statt. Nach dem Weiheakt durch Rabbiner Dr. Perl--) hielt Dr. Ehrentraut die Festrede, welcher sich die rituellen Gebete a:i schlossen. Oesterreich-Ungarn. schild zählen, den K< gehobe Dann deckte, Gatte Herrer Leidtrc schäfte kam dl an, d christli Uttd fi tragen Aufstel G ii d e dem '4 sch west unerfo Stund bin, d; der Bt beschlei dast in fünfter die Ki Kreise Schich loren ' als di von D 'Name; fürchte aus d erbleicl '.Weifte Der ( währe so da Gegen unsere; dieses Wunsc leicht , hiuwei Worte Hier c stimm: bibtisci sie ab: * Wien, 28. März. Wir steheu unter dem erschütternden Eiudri l des plötzlichen ^lblebens der Freifrau Bettina von R o 1 h schild, d.; Gattin des Freiherrn Albert Salomon von Rothschild. Die Heimgc gangene, welche erst 84 Jahre zählte, wurde als älteste Tochter des Baron Alfons von Rothschild in Paris am 15. Februar 1858 geboren, vor wählte sich 1870 mit ihrem Vetter, dem sie zwei Söhne geschenkt Ivu, die jetzt im Alter von 15 und 14 Jahren steheu. Die Wohlthätigt u und der Kunstsinn der jetzt Verstorbenen waren in Wien gleichmäßig be kannt und gewürdigt. Die Beerdigung der Verstorbenen fand unle: imposanter Betheiligung gestern Vormittag statt. Die Geburts- und Finanz-Aristokratie waren durch zahlreiche ihrer hervorragendsten Namens träger vertreten. Eine unübersehbare Menschenmenge drängte sich zu m Leichenfeier, an der sich zahlreiche humanitäre Vereine, die an der Vn ewigten eine eifrige Wohlthäterin verlieren, durch Deputationen ec theiligten. Einfach, wie die herzensgute Dame trotz ihres Reichthunolebte, wurde sie auch zum Grabe getragen. Der Wagen, der ihren San: trug, war geschlossen und zweispännig, doch drei Blumenwagen musuci; die Kränze tragen, die mau der allgeliebten Frau als letzten Grus; nnv gegeben hatte. Um V29 Uhr schon war die Heugasse vom Palais Roll; Voll gezoge lesend zu den gründl werde: Aufga hatte, au de: ne als einfach haben Geiste« ihres Arme: Palast lasseue im le 'Aachd