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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-01 · Heft 14 (1.4.1892) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 14 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Der neue j Kultusminister hat denn auch gleich die erste Gelegenheit, die sich ihm! öot, dazu benutzt, um seine Stellung in unzweideutiger Weise zu kennj Zeichnen. Er sagte in der gestrigen Sitzung des preußischen Herrenhauses:! Ich nehme keinen Anstand, zu erklären, daß ich vollkommen auf dein i Boden des positiven Bekenntnisses stehe (BeifaM, ich schäme mich des! Bekenntnisses zum Evangelium nicht und ich thue das um so weniger,; als ich baki von der Ueberzeugung durchdrungen bin, daß mit dieser! meiner Stellung Unduldsamkeit, Engherzigkeit und Fanatismus! nicht vereinbar ist. (Beifall.) In dieser Stellung finde ich die; Bürgschaft für die Bewahrung der Parität, wie sie durch die Ver-! mssung gewährleistet und durch unsere geheiligte Tradition festgestellt ist. j lebhafter Beifall.) — Mögen auch diese Worte des nunmehrigen Leiters! unserer Kultusangelegenheiten sich vielleicht zunächst nur auf die : christlichen Konfessionen beziehen, der Geist der Toleranz, der aus ihnen z!,ervorleuchtet, findet seine sinngemäße Anwendung auch auf die traurige i Bewegung gegen die Juden, welche seit Langem die Schule zu ihrem! Schlachtfelde ausersehen hat * Berlin, 29. März. Das Komitee der Ferienkolonien für! indische Kinder veröffentlicht seinen Bericht, dem wir Folgendes! aitnehmen: Es wurden in Vollkolonien 99 Kinder, in Freistellen 96, in einer Halbkolonie 33, zusammen 228 Kinder an 2857 Tagen mit einem Kostenaufwand von 4773 Mk. 85 Pf. verpflegt; es kostete also jedes '-und für 29 Tage 48 Mk. 22 Pf. oder pro Tag 1 Mk. 67 Pf., alle Beisespesen und sonstigen Kosten inbegriffen. Sehr erfreulich ist auch sie Mittheilung vor: einem Uebereinkommen an das große Berliner Komitee für Ferienkolonien, wonach das Komitee für die jüdischen Kinder als Lokalkomitee jenes großen Komitees seine Arbeiten in Zukunft ausüihre wird. ^Berlin, 28.März. Das Jüdische Mädchenstift, Oranienburgerur. 73, welches der hauswirthschaftlichen Ausbildung unbemittelter jüdischer Rädchen dient und vor zwei Jahren mit sechs völlig unentgeltlich unterhaltenen Zöglingen eröffnet worden ist, veröffentlicht seinen zweiten Jahresbericht. Aus demselben ergiebt sich die wachsende Theilnahme innerhalb aer jüdischen Gemeinde für das gedeihlich sich entwickelnde Institut. Die s.ahl seiner Mitglieder ist von 317 auf 361, die Summe der Jahresbeiträge von 3659 Mk. auf 4042 Mk., das Gesammtvermögen von! 2,733.13 Mk. auf 15,179.16 Mk. gewachsen. Die Zahl der Zöglinge ist auf acht gestiegen mtb soll demnächst auf zehn gebracht werden. Mit rem Stifte ist ein Kosttisch, welcher gutes Mittagbrod zum Selbstkostenpreise gewährt, verbunden. In der am 24. d. M. stattgehabten Generalversammlung ist der bisherige Vorstand wiedergewühlt worden. Berlin, 29. März. Am 27. März d. I. hat die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Gesellschaft Magine Reim 'iattgefunden; in derselben ist über die Wirksamkeit derselben im Jahre >891 Bericht erstattet und die Wahl zur Ergänzung des Vorstandes, io wie die der Stellvertreter vollzogen worden. Die Gesellschaft .Ragine Reim ist eine der ältesten in der hiesigen jüdischen Gemciube; sie hat ihre Wirksamkeit bereits im Jahre 1809 begonnen. Ihr Statut ist von der hohen Staatsregierung genehmigt und der Geüllschaft die Rechte einer juristischen Person beigelegt worden. Ihre Tendenz geht dahin, ihren Mitgliedern in schwierigen Fällen mit Rath und Fürsorge beizustehen, zu welchem Zwecke eine besondere Schutzkommission eingesetzt ist. Sie gewährt ferner ihren Mitgliedern in Krankheitsfällen und nöthig werdenden Badereisen ärztlichen Beistand — hierfür besoldet sie einen Arzt — und materielle Unterstützung, in besonders dringenden Fällen eine einmalige größere Subvention, um in schlimmen Zeiten der geschwächten Erwerbsthätigkeit aufzuhelfen, den erwerbsunfähig Gewordenen eine dauernde Unterstützung; sie sorgt für ein ehrenvolles Begräbnis; verstorbener Mitglieder, trägt nöthigenfalls die Kosten der Bestattung und des Denksteines und nimmt sich der Hinterlassenen, Wittwen und Waisen, nach besonders geordneten Bestimmungen in humaner Weise an. In; Vorstände befinden sich zwei Pflegeväter, welche die Nachricht über die Erkrankung oder das Ableben eines Mitgliedes entgegenzunehmeu und die erforderlichen Anstalten zu treffen haben. In solcher Weise hat die Gesellschaft bei einem Vermögen von 156,406 Mk. aus der Hauptanstalt im Jahre 1891 die Summe von 9157 Mk. und aus der Hilfsanstalt für Wittwen und Waisen bei einem Vermögen von 78,900 Mark die Summe von 7354 Mk., zusammen also 16,511 Mk. verwendet. Es darf besonders hervorgehoben werden, daß die Wirksamkeit der Gesellschaft eine durchaus geräuschlose ist; zu allen Zeiten hat es der Vorstand als eine Ehrensache betrachtet, daß unter keinen Umständen der Name eines Unterstützten verlautbart werde. GD Berlin, 28. Mürz. Wie uns von wohlinformirter Seite berichtet wird, hat Se. Königs. Hoheit der Groß Herzog von Hessen Veranlassung genommen, bezüglich der Antisemitenbewegung in Hessen sich auf das Unzweideutigste zu äußern. Der hohe Herr hat nicht nur seine Entrüstung über das Vorgehen der Judenhetzer kund gegeben;, sondern auch erklärt, daß er ein solches Treiben fernerhin nicht dulden werde. * Berlin, 22. März, lieber die Berufswahl der Dstern 189! abgegangenen preußischen Gymnasialabiturienten veröffenlicht Prof. Dr. Gemß in der Deutschen Schnl-Post eine;; "Aufsatz, der sich auf die Angaben der Schulprogramme stützt. Die Zahl der daselbst angeführten Abiturienten betrug 3619, wovon 2458 <67-/., pEt.) evangelischer, 907 (25l/0 pCt.1 katholischer, 269 (71 2 pEt.) jüdischer Konfession und 5 Dissidenten. Nach der Volkszählung von 1885 lebten in Preußen 62 pEt. Evangelische, 374/- pEt. Katholiken und 1' Juden. Die Anzahl der jüdischen Abiturienten ist also erheblich höher, als sie nach dem Bevölkerungsdurchschnitt augenonnnen werden müßte und beträgt, wenn man die Fächer nicht in Anrechnung bringt, die den Juden überhaupt verschlossen sind «Militär, Post- und Steuerfach; und auch die Theologie außer Ansatz läßt, 12s \2 pEt. gegenüber 87:y4 pEt. Christen. Dagegen bleiben die katholische;; Abiturienten erheblich hinter dem Prozentsatz der Katholiken in Preußen überhaupt zurück. Die Berufsstatistik selbst ergiebt folgende Zahlen: (E. Evangelisch; K. Katholisch; I. — Jüdisch; S. — Summen.) Theologie 475 E., 353 K., 4 I., S. 832; Theologie und Philologie 19 E., 9 K., S. 28; Medizin 487 E., 162 K., 120 I., S. 770; Jura und Cameralia 492 E., 167 K., 74 I., S. 733; Militär und Marine 234 E., 29 K., S. 263: Postfach 157 E., 39 K., S. 196; Baufach 66 E., 20 51., 7 I., S. 93; klassische Philologie 69 E., 16 51., 4 I., S. 89; Kausmannsstand 49 E., 8 51., 9 I., S. 66; Ingenieur- und Technikerfach 42 E., 7 K., 9 I., S. 59; Bankfach 45 E., 6 51., 5 I., S. 56; Berg- und Hüttenfach 28 E., 10 K., 2 I., S. 40; Landwirthschaft 30 E., 7 51., S. 37; Steuerfach 25 E., 11 51., S. 36; Naturwissenschaften 21 E., 4 51., 7 I., S. 32; Maschiuenbaufach 21 E., 7 K., 1 I., S. 30; Chemie 23 E., 2 51., 3 I., S. 28; Beamtenlaufbahn 14 E., 13 51., S. 27; Forstfach 19 E., 7 51., S. 26; Geschichte 17 E., 3 51., 3 I., S. 23; Elektrotechnik 9 E., 6 51., 5 I., S. 20; Mathematik 11 E., 4 51., 3 I., S. 18; Neuere Sprachen 10 E., 1 K., 1 I., S. 12; Germanistik 8 E., 1 I., S. 9; Nationalökonomie 3 E., 3 I., S. 6. Berlin, 27. März. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Am letzten Sonntag Abend hat, nach den Berichten konservativer Blätter,

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