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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-01 · Heft 14 (1.4.1892) · p. Seite 166

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 14 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
Seite 166 (sequence 10)
Language
German
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16(5 „Red' feine Vfnrrefdjteit," erinahute die Mutter, „was heißt, ob sie zusammen passen? Warum sollen sie nicht zusammen passen?" „Mirl ist so, ich weiß nicht wie ich das sagen soll! ich weiß nicht, ob Iossef mit ihr wird umgehen können!" „Umgehen?" sagte die Mutter, „ein Jung, der mit Ochsen nmehe» kann, wird noch mit Mirl Asrieles auch umgehen können. Und dann, was hat er mit ihr umzugehen? Er ist der Mann und sie ist das Weib, das ist Alles und weiter aus. W>e ist Tein Pater mit mir umgegangen?" „Damals ivar eine andere Zeit und heut ist eine andere Zeit." „Was ist für ein' andere Zeit? Ein Jung bleibt alleweil ein Jung, und eine Maid bleibt alleweil eine Maid." „Aber Bücher thnt man heut lesen. Mirl Asrieles thut Bücher lesen, und ich mein', das paßt sich für kein Weib von ein Ochsenhändler." „Rarreschkeiten," sagte die Mutter, „im „Menorath-Hamaor,, stehen schönere Sachen, als ivie in alle» den heutigen Büchern. Ich Hab ihn gelesen, und les' ihn noch; ich Hab Dein Bater — hundert Jahr soll er leben — genommen, und leb' mit ihm sehr gut." „Aber Mirl ist gebildet!" „Es hat in unsrer Zeit auch eingebildte Leut' gegeben! Das verliert sich schon." „Mirl Asrieles weiß alle Räubergeschichten anßemvendig." „Pakete!! und was ist da daran? Wer sind den» die Räuber? Sind denn das etwa vornehme Leut? Ich kann Dir erzählen Geschichten von König Salomon, von der Königin Sebah, von dem Aschmodai, vom Propheten Elias, und noch andere Geschichten vom hohen Rabbi Löb in Prag und von Eliah Wilnah, von dem Rambai» und von noch viele andere große Leut." „Aber denk Dir nur! Mirl Asrieles mit ihrem Stolz und ihrer Paradenmacherei und unser Iossef, so ein grader Mensch!" „Run, will Mirl Asrieles kein graden Menschen haben, soll sie sich ein' nehmen, der krumm und lahm ist und ein' Höcker hat. Und jetzt hör mir schon auf mit Deine Rarreschkeiten. Die Partie war für unser Josse sieben ganz gut, und ist mir ganz recht, und ich meine sie wird es ihm auch sein." Die Tochter schwieg. Schwieg sie, weil es die Mutter geboten hatte, oder weil sie nichts zu erwiedern wußte? — Sie schwieg, aber sie konnte sich nicht überreden, daß Mirl für ihren Bruder passe, und so erwartete sie diesmal mit doppelter Ungeduld seine Rückkunft. DeS andere» Tages kamen die beiden Männer heim. Bater und Sohn hatten manches zu erzählen, manche geschäftliche Mittheilung zu machen. „Das laßt sich hören," sagte die Mutter zufrieden mit den Berichte» des Sohnes, „aber hier wartet auch schon ein Geschäft ans Dich, Iossef; man hat es mir, derweil Ihr ans den Markt wart, hier angetragen." „Was für ein Geschäft?" fragte der Sohn, „will Jemand einen Ochsen?" „Rein," sagte die Mutter, „aber es ist einer da, der Dich will." „Mich?" fragte Iossef, „was heißt das, soll das ein Witz sein?" „Warum ein Witz?" entgegnete die Mutter, „bist Du denn noch nicht in dem richtigen Alter?" „In was für einem Alter? Ich versteh' Dich nicht!" „Bräutigam zu werden!" „Und weißt Tu, mit wem?" fiel Finkele in die Rede, „mi Mirl Asrieles!" „Mit Mirl Asrieles!" riefen jetzt Bater und Sohn zugleich, ebenso wie es gestern Mutter und Tochter gerufen hatten. „Eine gute Partie! Mirl Asrieles? soll ich leben, eine gute ' Partie!" sagte der Bater. Die Mutter sagte bestätigend: „Ich glaub's!" Iossef aber sagte gelassen: „Mirl Asrieles nehme ich nicht!" Die entschieden gesprochene Weigerung führte in dem sonst i ruhigen Hause eine heftige Szene herbei. Die Eltern konnten sein; Benehmen nicht begreifen; eine bessere Partie als Mirl Asrieles hätte» sie selbst für ihn in der ganzen „Gasse" nicht aufzufinden vermocht. Denn wenn an dem, was Reb Choneh gestern mit seiner Beredtsamkeit in ein so günstiges Licht gestellt, auch nicht alles buchstäblich zu nehmen war, so war das alles doch in der Hauptsache richtig, dies sahen die Eltern ja selbst, sie kannten ja die Verhältnisse des reichen Mannes seit lange her. Auf ihre Frage, warm» er Mirl nicht nehmen wolle, wußte der Sohn keinen andern Grund anzugeben als den: weil ich nicht kan»! — was den Eltern selbstverständlich nur als unbegründete Hartnäckigkeit erschien. Sie ließen ihn darum auch so leicht nicht los. Sie fragten ihn, sie bestürmte» ihn, was er an ihr auszusetzen habe? Ob sie nicht schön sei, ob sie nicht gut und fromm sei, ob er etwas Schlechtes von ihr wisse, ob ihr überhaupt Jemand in der Gasse was Schlechtes nachsagen könne, . ab sie ihm nicht reich genug sei, ob er sich denn einbilde, eine noch j größere Partie z» machen, ob er vielleicht warten wolle, bis eine; Prinzessin oder Fürstin den „Schadchen" (Ehevermittler) zuihm; schicken werde? — Auf alle diese Fragen wußte der Sohn keine rechte Antwort zu geben und ließ geduldig den Strom solcher Rede über sich ergehen. Endlich aber, da sich der Vater, durch das Schweigen : des Sohnes ermnthigt, nicht mehr mit Fragen begnügte, sondern ' ausing, seinen väterlichen Willen geltend zu machen, da verließ Iossef statt aller fernen Widerrede ruhig und gelassen die Stube. „Ich bitt' Dich, Jitlesch, was geht mit dem Junge» vor?" fragte Wolf Ochsenhändler. „Was weiß ich?" zuckte die Mutter mit den Achseln. „Ist ein böser Geist in ihn hineingefahren?" fragte er weiter. „Was fragst Du mich? Du mußt es ja besser wissen! Er! ommt doch mit Dir heim vom Ochsenmarkl!"! „Ich Hab' auf dem Wege an ihm nichts Auffallendes bemerkt.! Er ist seinen Geschäfte» nachgegaugen wie allemal."! „Frag Finkel," sagte Jittesch, „Fintel muß mehr wissen, als! wie ich; sie sagt, unser Iossef und Mirl Asriel passen nicht zu! einander." „Laß mich hören, Finkel, was Du weißt," wendete sich jetzt der! Bater an diese, „warum passen sie nicht z» einander?" „Wissen?" sagte Finkel, „was soll ich wissen? Ich weiß gar i nichts! Ich mein' nur so, wie man manchmal red't; und ich mein' i es, weil ich unser» Iossef kennen ihn'!"! „Kennen thust Du ihn? als was kennst Du ihn?" fragte der! Vater. „Als was soll ich ihn kennen? Ich kenn' ihn als einen graden Jung' ohne Komplimente und neue Moden und ohne Bücher und alle die Sachen, wie es Mirl Asrieles gern hat. Soll ich leben und I gesund sei», es muß was vorgehn mit Asrieles Vermögen, wovon; die Welt »och nichts weiß; denn sonst möcht' sie unser Joffes-Leben j nicht nehmen wollen. Sie wird vor ihm keine Achtung haben, wie! sie das Weib soll haben vor dem Mann; sie tvird sich immer doch! für mehr halten, als ihn; sie wird in ihm nur alleweil den Ochsenj junge» sehen, und Gott soll hüten, wenn sie dann schlecht mit einander leben, das erste Wort, was sie ihm bei jeder Gelegenheit vorwerfen tvird, das tvird sein, daß er mit mit Ochsen umgehn kann, und ob er meint, daß sie ein Ochs ist!" „Wer hat Dich das Alles so schön angelernt?" fragte Reb Wolf.

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