Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1892)
- Date
- 1892-04-01
- Page
- Seite 165 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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165 »terlein : Gescheut ß, kein Marktbescheert öttlichetz da für s Weib, verlobi ein ganz Las gab e kam's, licht des r Ruhe, licht da- > blieben Tochter, ein hiibchmittag - getha». enorathn — am ruhig in rit Ehr icht, uin enorath athlicher Tochter Unlichen Bruder nd Über eben z,i , öffnetr ckte leise n langen re heruin n Kopfe ich genau igen Er >n eineiu ein Ein; Stube: : Finkele. ich besin-!un, dae!» u: „Tat aussiebl. Ausdrnt chsen." „Nu was denn," sagte Choirch, „wenn man von Kindheit auf beim Geschäft ist, wird man sich dann in seinen Jahren nicht ans Ochsen verstehen! Neulich Hab ich ein Paar Ochsen gesehen, Hab ich gleich an Reb Wolf und an Jossef gedacht." „Denkt Ihr an nnseren Josscfleben nur wenn Ihr Ochseir seht? fragte schnippisch Finkele. Bei mein Leben Finket, Dn hast ein fein Köpfet," sagte Choneh, „Du weißt ganz gut, daß ich an Jossef auch noch bei anderen Sachen denken thu!" „Nun, Reb Choneh," sagte das Mädchen lachend," „wenn Ihr vor mir nichts reden wollt, geh ich derweil hinaus. Ist es nur etwas, was sich sehn lassen kann?" „Bleib Du nur da, Finkel, und sei gesund," erwiederte Choneh „ich seh doch schon, mit Dir braucht man nur halbe Wörter zu reden, Dn ziehst einem doch so lvie so die Red' ans dein Maul heraus; alsdenn was soll ich da lang hin und her reden, ich sag Euch: etwas Feines!" „Von hier?" „Ja." „Im Ernst?" „Wie heißt im Ernst? fentifl Du Reb Choneh als einen Spaßmacher? „Wer ist es?" „Und mußt Du denn gar so neugierig seiu?" sagte die Mutter abwehrend. „Ist das eine Neugierde, Mutterleben?" fragte die Tochter, „wenn ich wissen will, wer unser Josseflebens Braut sein wird? Soll ichs errathen, Reb Choneh?" „Nein, rath nichts!" warf dieser rasch dazwischen, „bei mein Gesund, Finkele Diebsköpfel ist im Stand und thät's errathen; und dann sagt sie, sie hats zu Weg gebracht und nicht ich, und ich komm um mein Verdienst. Tu brauchst Dir darüber nicht den Kopf zu zerbrechen; was sagt Ihr zu Mirl Asrieles?" „Mirl Asrieles!" riefe» Mutter und Tochter zugleich. „Mirl Asrieles!" wiederholte Choneh und ergoß sich nun in einer langen Rede über die Vorzüge der angetragenen Partie: „Wer mir Gutes gönnt, soll so ein Madel kriegen, wie Mirl Asrieles ist. Schön und gut und fein mrd fromm und Geld und alle Freud, und Herz, was begehrst Du. Ein einzige Tochter, Asriele möcht ihr das blaue Tellerl vom Himinel heruntergeben, wenn sie's verlangt, ein Spaß, was sie für Ausstaffirung bringen wird. Vom Brünner Markt hat er ihr schon wieder Sachen mitgebracht, die darf eine Prinzessin und eine Kaiserin tragen. Ein neuen Mantel aus die neueste Mode, wie man sie in Brünn jetzt tragen thut, und ein Hut init lauter Federn, man kann ein ganzen Kopfpolster damit ausstopfen, und ein goldig Kettel und Ohrring! Bei mein Leben, es ist eine Freud, sich die Sachen alle nur anzusehen, wie schön das Alles ist. Und was sie für eine seine Wirthin ist, alles spiegelt und leuchtet und glänzt nur au ihr. Wenn sie ein Kleid anthut, da darf kein Federl und kein bissele Staub drauf zu sehen sein, und hinein gehn muß man zu ihr und muß sich ihren Wäschkasten onsehen, wie da die „Pünkelech" in lauter rothe Bündel gebunden im Kasten neben einander liegen, geordnet wie ein Regiment Soldaten Und was sie alles zu erwarten hat! Ich will nichts reden von der „Nedan" (Mitgift)! Asriele hat das Geld schon gezählt bis auf ein Kreuzer im Kasten liegen! Aber was sie sonst noch außerdem bekommen wird. Der Vetter Koppel tvird sich nicht spotten lassen, er wird wissen, was er als Vetter zu thun hat. er thut es schon seiner Schwester Zirl im Grabe — der Friede soll mit ihr sein — zu lieb; und die Muhme Genendel wird die Hand, so fürwahr soll ich . hundert Jahr leben, auch ein Bissele tief in die Tasche hinein i stecken! und die andern Verwandten! paketel ist das eine Familie! ich mein', Ihr wißt es doch, ich brauch es Euch doch nicht erst zu sagen, was man in der ganzen Familie auf Mirl halten thut. Wenn Zirl, im Paradies ruht sic, das erlebt hätte, ihre Tochter Mirl unter die „Chuppe" (Trauhimmel) zu führen, die ganze Welt war' zu wenig gewesen, was sie in die Tochter alles hineingesteckt hätt'; nun ja, warum nicht, ein einzig Kind; nun, da sie es nicht erlebt hat, werden ihre Brüder nnd Schwestern und die anderen Verwandten das Doppelte thnn, um zu zeigen, wer sie sind. Unter uns geredt, die Leut' sind große „Pradeniks" (stolz); aber das kommt Mirle nur zu gut, und wer sie nimmt, wird dabei nicht zu kurz kommen! Was soll ich Euch da noch viel sagen, Ihr kennt sie und wißt das Alles eben so gut wie ich," sagte Reb Choneh, setzte aber demungeachtet seine Rede über die vorzüglichen Eigenschaften von Mirl Asrieles weiter fort und würde gewiß im Flusse seiner Rede nicht ermüdet sein, noch länger fort zu loben und zu preisen, wenn der Synagogendiener nicht eben mit dem Rufe: „In die Schul!" durch die Gasse gegangen wäre. Jittesch hatte den einladenden Ruf kaum vernommen, so klappte sie den dicken „Menorath-hamaor", der noch immer auf ihrem Schooße gelegen, zu, küßte das heilige Buch, legte e? in den Schrank, nahm I aus demselben den „Siddur", der an Dicke und Wohlbeleibtheit auch nichts zu wünschen übrig ließ, und sagte: „Reb Choneh! man ruft : zum Abendgebet. Wir reden von der Sache ein andermal! Verzeiht und kommt, wenn mein Wolf daheim ist und mein Jossef, und dann , werden wir Erich Antwort sagen." Mit diesen Worten entfernte sich die fromme Jittesch, nnd Reb Choneh sagte seinen guten Sabbath i nnd ging ebenfalls zur Synagoge. Finkele aber, die daheim blieb, i sagte zu sich selber ganz verwundert: „Das heißt ein Maul gehabt, - das heißt rede» gekonnt; ich möchte nur wissen, ob er von mir auch > so daher reden könnt, wenn er memetmegeu zu Jakob Löd konunen möcht, ihm eine Partie anzutragen! Jetzt bin ich nur begierig, was unser Jossef - Leben sagen wird! Ich weiß nicht, ob er und Mirl i Asrieles für einander passen!" Die Mutter kam bald wieder aus der Synagoge zurück, Finkele i stellte das Bänkchen vor die Thür hinaus, und Beide setzten sich auf! dasselbe nieder. Es kamen einige andere Weiber herbei, »nd bald : war das Gespräch in vollem Gange.; „Nu Jittesch!" Hub eine derselbe an. „heut Nachmittag ist doch j Reb Choneh bei Ihnen gewesen, geht das Finkele an oder Jossef!" „Mich nicht!" rief Finkele schnell nnd wurde über und über roth. „Du brauchst nicht so roth zu werden, Finkele," sagte die zweite, ' „und was ist da mehr, wenn man Dir eine Partie antragt, eine i Schmach und Schande ist es nicht, also Jossef!"! „Und was hast Du von Choneh's Narreschkeiten!" sagte Jittesch. i Sie sagte dies nur, weil sie über den Gegenstand noch nicht sprechen wollte; innerlich dachte sie über die Sache ganz anders und hielt ■ den Antrag, de» ihr Choneh gemacht hatte, durchaus für keine Narri heit. So nahm das Gespräch durch ihre abivehrende Antwort eine andere Wendung und schlang sich in der kurzen Zeit bis zum Ans- > gange des Sabbaths in einer rasch geflochtenen Kette um alle An- : gclegcnheiten, die es in der „Gasse" zu besprechen gab. i Als die Nacht hereingebrochen war, machte Jittesch in Abwesenheit! ihres Mannes selber die „Habdalah", nnd Finkele ging in die Küche, i um den Kaffee zu bereiten. - „Nu, was meinst Du, Finkei?" fragte die Mutter, da sie Beide : beim Kaffee saßen, „was meinst Du zu der Partie?" i „Mutter-Leben," sagte das Mädchen, „ich weiß nicht, ob Joffes! und Mirl mit einander zusammen passen!"