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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-01 · Heft 14 (1.4.1892) · p. Seite 164

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 14 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
Seite 164 (sequence 8)
Language
German
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164 daß sie es beabsichtigte, durch die nicht ganz geschlossene Thür erlauscht hatte, brach fast zusammen mit dem Ausruf: „Nun ist es gewiß! Meine Ahnung hat mich nicht betrogen! Josef, Joses, Du bist unglücklich und ich kenne jetzt den Grund Deines Kummers; Du Kannst es mir nicht länger mehr verbergen, und wer Dich ins Unglück gestürzt hat, das bin ich!" Der Mann, erschrocken über den wilden Ausruf seines sanften Weibes, stürzte rasch ins Nebenzimmer, versuchte die zu Boden Gesunkene aufzurichten, stammelte einige unzusannnenhängende Worte von Hoffnung auf die Zukunft, von unabänderlichem Beschluß des Himmels und zitterte dabei noch mehr, als das zitternde Weib, das er in seinen Armen hielt. Plötzlich aber richtete sich das Weib, wie mit Riesenkraft empor, die Gestalt schien größer geworden und in den Himmel zu wachsen, und mit einer Festigkeit der Stimme, der man nichts mehr von dem vorausgegangenen Schmerzensrufe armierten konnte, rief sie dem Manne zu: „Es ist gut, Josef! es ist gut! es ist vorbei! Du hast mir ein Opfer gebracht, Josef! Das Opfer war zu groß für Dich! Du sollst erfahren, wem Du es gebracht hast, Du sollst mich kennen lernen, Josef!" „Um Gottes Willen!" rief der Mann, „was hast Du vor?" „Sei ruhig, Josef," erwiedcrte das Weib, „Du wirst es erfahren; nur heute nicht, nur jetzt nicht. Jetzt thue mir den Gefallen und störe heut Abend nicht das Weihnachtsfest. Du weißt, ich habe meinen Bater zum Christabend eingeladen. Stör ihm nicht die Freude, die er hier zu finden erwartet. Richte Dich auf, Joses! sei stark uud zeig ein freundliches, heiteres Gesicht." Mit diesen Worten umarmte sie den geliebten Man» und drückte einen langen Kuß auf seine Lippen. „Versprichst Du mir also?" fragte sie daun, indem sie ihm zärtlich mit der Hand über die Wange fuhr. „Marie!" sagte Josef, „ich verdiene nicht, Dich zu besitzen." „Sei kein Narr," sagte Marie freundlich lächelnd, „wenn Du mich nicht verdient hättest, so hält' ich Dich ja nicht genommen. Jetzt aber mach ein heiteres Gesicht. Das bitt' ich mir ans für heut Abend, hörst Du?" „Ich will thun, was ich kann, Marie!" erwiederte Josef, und nochmals umarmten und küßten sich innig die beiden Gatten. Hannerl, so hieß das Töchterchen, hatte der ganzen ihr unverständlichen Szene beigewohnt; aber so viel Berständniß für den Vorgang hatte das Kind doch, das; die Thrünen, die cs bei der vorausgegangenen Aufregung der Mutter vergossen hatte, sich rasch trockneten und das betrübte Gesichtchen sich in das fröhlichste Kinderantlitz verwandelte, so wie die versöhnenden Worte von den Lippen der guten Mutter mild und erquickend niederflossen. Nicht den Sinn dieser Worte verstand das kleine Mädchen, aber den ganz veränderten Ton der Stimme vermochte es zu unterscheiden; freudig traf dieser das kleine Kinderherzchen. Und nun drängte die Mutter das Kind wieder aus der Stube, um die Lichtlein an deni Christbaum aufzustecken und die verschiedenen Bcscheernngen des Christkindleins an den Zweigen des grünen Tannenbaumes in so glänzender Weise, als es ihr Ordnungssinn ihr eingab, anzubringen. Während die Mutter sich drinnen in der zweiten Stnbe mit den Zurüstungen für den Christabend beschäftigte, saß draußen in der ersten Stube in dämmernder Abendstunde der Vater, nahm das Kind liebreich in seinen Schooß, streichelte ihm sanft das kleine herzige Blondköpfchen und hatte dabei gar eigene Gedanken. Er versetzte sich in eine frühere Zeit zurück, in eine Zeit, da ihn der heranrückende Christabend nicht so fremdartig angemuthet. als es heute der Fall war, in eine Zeit, da er diesem Abend vielmehr mit freudigem Herzklopfen entgegen harrte, und da er sich auf die Bescheerung des Christkindleins freute, mehr freute, als jetzt sein kleines Töchterlein: denn was ihm damals bescheert wurde, das war ja kein Gescheut gewöhnlicher Art, kein Bretzelmann, keine vergoldete Nuß, kein Bilderbuch, überhaupt kein Geschenk, wie man es in den am Markt- Platze aufgestellten Buden zn kaufen bekommt; was ihm bescheert wurde, das war ja ein wahrhaft himmlisches, ein wahrhaft göttliches Geschenk, das war ja einzig auf dieser Welt und nur allein da für ihn, für den geliebten Bräutigam — es war ja sein theures Weib, seine Marie, mit der er vor fünf Jahren an diesem Abend verlobt worden war. Ach, es war eine schöne Zeit, es war damals ein ganz anderer Christabend als der, dem er heute entgegen ging. Was gab es damals nicht für Lust und Scherz und Fröhlichkeit, und wie kam's, daß sich das Alles so sehr, so gar sehr verändert! beim 6 Ochsen ich glei fragte „Du tt denken y vor mi was si. Im Hanse Reb Wolfs ist es heute ziemlich stille. Nicht detz Sabbaths halber, denn der Sabbath ist wohl der Tag der Ruhe, doch nicht der Lautlosigkeit; aber Vater und Sohn waren nicht daheim, sie waren auf den Gödinger Ochsenmarkt gegangen und blieben über Sabbath aus. Daheim waren blos die Mutter und die Tochter. Das Mädchen Pflegte zwar manchmal mit ihrer Hellen Kehle ein hübsches Liedchen zu singen, wenn aber Jittesch am Sabbath-Nachmittag ein kurzes Schläfchen machte, oder wenn sie, nachdem sie dies gethan, sich die große Brille auf die Nase setzte und sich ihren „Menorath- Hamaor" — dieses Buch voll wunderbarer Sagen und Legenden — am den Schoß legte, um darin zu lesen, dann setzte sich Finkele ruhig in einen Winkel der Stube und schaute die fromme Mutter mit Ehrfurcht an und hielt den Ton in der Kehle zurück, und sang nicht, um die Mutter nicht zn stören, nicht im Schlaf und nicht im Menorath Hamaor. So saßen sie denn Beide ruhig und still in der sabbathlichen Stube, die Mutter las und erquickte ihr Gemüth, und die Lochte, machte sich allerlei Gedanken über die schönen, weißen, reinlichen Fenstervorhänge, über den Gödinger Ochsenmarkt, über den Bruder Joffes und über Jakob Löb, der nicht ihr Bruder war, und über noch vieles, woran so ein junges Geschöpf wie Finkele eben zn denken hat. Als die Beiden in so ungestörter Sabbathruhe da saßen, öffnete sich geräuschlos die Thür, und eine lange hagere Figur steckte leis, und vorsichtig den Kopf herein. Es war Reb Choneh mit dem langen blauen Sabbath-Rock, dessen Schöße ihm um die dürren Beine Herrn» baumelten, und mit dem schwarzen Sammtkäppchen auf dem Kopf, Wenn Reb Choneh irgendwo eintrat, so konnte mau so ziemlich genau wissen, was er will, und war sein Besuch von einem günstigen Er folge, so sprach man kurze Zeit darauf in der „Gasse" von einein neuen Brautpaar. „Ist Reb Wolf daheim?" fragte Choneh. Jittesch blickte von ihrem dicken Buche auf, sah nach dem Ein tretenden und sagte: „Des Gotts Willkomm, Reb Choneh." „Guten Sabbath," sagte dieser und trat völlig in die Stube: „Reb Wolf ist nicht daheim?" „Nein," sagte Jittesch. „Und Joffes auch nicht?" fragte er weiter. „Joffes ist mit dem Vater auf dem Ochsenmarkt," sagte Finket,. „Ah so! auf dem Ochsenmarkt sind sie," sagte Choneh sich besinnend, als ob er es nicht gewußt hätte, und setzte fort: „Nun, damuß man ihm lassen, ein „Barje" (Sachverständiger) ist er!" „Wer, mein Joffes?" fragte die Mutter und fügte hinzu: „Daglaub' ich; wenn man wissen will, wie ein guter Ochs aussieln. muß man nur zu ihm gehen." „Die Mutter-Leben meint," setzte Finkele hinzu, um den Ausdrnt der Mutter zu verbessern, „Unser Joffes versteht sich auf Ochsen." „ich sei Du zie alsdem Feines g wacher abwehi „wenn ichs er s Ges uni dann s um nv zerbreck einer l mir G Schön Herz, ' blaue Spaß, Markt Prinze neueste mit l> stopfen eine F ist. 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