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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-01 · Heft 14 (1.4.1892) · p. Seite 159

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 14 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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159 welches Herr Tr. H. Hildesheimer, Dozent am orthodoxen Rabbinersiminar, gesteril unter dem Beifall der BersannlltlNlg allssprach: „Zahlreich sind die Punkte, die uns in'i,biubcit, gering diejenigen, welche uns trennen," um* in dieser Beziehung sehr wichtig. Die oersöhnende nnb einigende Idee des Gemeindebnndes zeigte sich gestern in ihrem hellen Lichte. Borsteher und Rabbiner, Norddeutsche und Süddeutsche, Strenggläubige und Reformer, Alle schaarten sich und friedlich um das Banner des Bundes, und nur bei einein einzigen der dielen wichtigen Beralhungsgeaenstände platzten die Geister etwas schärfer auf einander; doch auch hier war es mehr ein interner Streit der Berliner, welcher im klebrigen der versöhnlicheil Stiiinnlmg keinen Eintrag that. Ebenso erfreulich wie die Art der Berhaiidluilgeii waren die Resultate derselbeii. Rückhaltlose Anerkennung der bisherigeil Thätigkeit der Leiter uild hoffnullgsfreudige EröffllUilg neuer Arbeitsgebiete war die Losling. Diese freundliche Stimmung lagerte -schon auf der Borversammlnng, welche am Abend des 26. März stattfand. Bon 8 Uhr all begann der Saal sich mit Thellnehmern zu füllen. Namentlich waren die diesmal in besonders reicher Zahl erschienenen auswärtigen Deplltirtell früh zur Stelle. Ta tmivben WiedererkenilNilgsszeilell gefeiert, alte freunde schüttelteil sich die Hände, neue Bekanntschaftell ivurdeil geschlossen, unb Mäilner, bie durch Schrift nnb Wirkeil einander seit Jabreil kannten, fanoen hier Gelegenheit, persönlich ihre Meinungen nnb Erfahrungen anszutanschen. Da waren die Mitbegründer des Kemeiildebundes, 'Justizrath Josephthal (Rürllberg) nnb Emil Lehnlainl (Dresden), aus Leipzig Alexander Werthauer llild Alfons Jacobson, ferner der Senior der Bundesdelegirten, Rothschild (Stadtoldendorf), der trotz seiner 85 Jahre die Mühe der Reise llicht gescheut hatte, die Rechtsanwälte Benfey (Hanilover), Friedmann (Glogan) llild der Alle ilm Haupteslänge überragende Justizrath Sntro (Bochum), die Vorsteher I. de Jonge aus Köill, KonlUlissionsrath Eillil Meyer alls Köthen, Sachs aus Halle, Rosenheinl alls Vkagdeburg. Ans Bronlberg war Anltsgerichtsrath Peltasohn, aus Breslau DH. Oschinsky erschiellen. Der israelitische Hilfsverein in Frankfurt hatte sein Borstalldsmitglied Samuel Uhlfelder entsandt. Bon Geistlichen bemerkten wir außer bem hiesigell Rabbiner Tr. Ungerleider lloch Dr. Rülf (Memel) nnb Eoblenz tBielefeld). Dazu traten von Berliner Persönlichkeiteil iloch die Ausschußmitglieder des Blindes, die Geheimräthe^Kristeller nnb Boas, die Professoren Lazarus und Steinthal, Syndikus Tr. Minden, die Rechtsanwälte Stern und Landau, Maurermeister Adler, Bankier Markus, und eine weitere Anzahl von Freunden und Mitgliedern des Bulldes, unter denen wir mir noch die Herren Rechtsanwalt Tr. Meyer Cohll nnb Julius Jsaae hervorheben. —- Die Vorfragen betreffend die Büreallwahl für doll morgigen Geineilldetag nnb ähnliche Formalitäten waren schnell erledigt, lind mail schritt zur Berathllllg derjenigen Fragepunkte, welche aus statutenmäßigen nnb anderen Gründen nicht auf die Tagesordnung des Gemeindetages gesetzt waren, deren Besprechiulg aber trotzdem wunscheuswerth erschien. Den erstell dieser Punkte libergehen wir llach den Intentionen bei Versammlung auch hier mit Stillschweigen. Der zweite Berathungsgegenstand, die Frage des Wanderbettels, wurde für dringlicherachtet nnb demgemäß dem Gellleindetage llachträglich für die Tagesordnung empfohlen. Dell leisten Gegenstand bildete ein Projekt, welches llicht verfehlen wird, in weiten Kreisen lebhafte Sympathien hervorzurufen. Es handelt sich darum, neben der Erwerbullg voll Korporationsrechten für dell Gemeindebund auch noch dadurch bem nationalen Gedanken, welcher in dem Gemeindebuud verkörpert ist, einen sichtarm Ausdruck durch Erwerbullg eines Grundstückes uild Errichtung eines eigenen Gebäudes für den Bund zu gebell. Manche Pläne, deren Berwirklichnng bisher all bem Mangel eines solchen Heims scheiterten, nnirben hiermit zugleich in Allgriff genommen und zur Ausführung gebracht werden können; so die Errichtilng eines Asyls für eineritirte Lehrer, eines Museums für jüdische Alterthumer, einer Eentralstätte für jüdische Krankenpflegernlileil, eilles Religionslehrersenlillars u. a. m. Es ist erfreulich zu melden, daß unmittelbar llach der Begründung dieses Vorschlages einige edle Spender ans eigenen Stücken dem Bundesvorständen namhafte Beiträge Zll diesem würdigen Zwecke anboteil. Am Morgen des gestrigell Tages begann der eigentliche Gellleindetag. Reben ben obellgenanllten Persolleil hatten sich noch weitere auswärtige Deputirte eingefnnben, so die Rabbiner Dr. Bogelsteill (Stettin), Horowitz (Krefeld), Hanlburger (Strelitz) und Rosenberg (Brandenburg), die Vorsteher Heilbrunn (Erfurt), Gotthelft (Kassel), Samson (Hanlburg), Eohn (Liegnitz), Blnth (Schmalkalden), Tr. Friedländer nnb Lehlllallll (Potsdanl), Dr. Mann (Stettin) nno Allltsrichter Kalischer tSchwiebns). Tie Berliner Gemeinde war durch Justizrath Makower vertreten. Von sonstigen Persölltichkeitell nennen lvir noch die Professoreil Dr. Martin Philippsoll nnb Dr. Ludwig Stein laus Bern), die Dozenten Dr. David Eassel, Tr. Joel Müller nnb Dr. H. Hitdesheinler, Rabbiner Tr. Maybamn. aus Lehrerkreisen die Direktoren Tr. Hotzlllall, Tr. Adler, Dr. Jutrosinski nnb zahlreiche alldere Rotabilitäteil der Berliner Judenschast. Tie Zahl der dlirch Maildate oertretenen Gemeinden betrug etwa 15a Peinlich bemerkt wurde, daß manebe der Großgemeinden, namentlich Frankfurt a. Main, Breslall, Königsberg, Posell nnb Rtüllchen. bei bencit inan bisher großes Interesse für die geuleinsarnen Angelegenheiten der israelitischen Gemeinden zu finben gewohnt war, jeder Vertretullg entbehrten. Um so erfreulicher war die rege Betheiligling seitens der Mittelgelneindeu. voll benen nicht wellige eigene Mitglieder eiltsandt hatten. Es machte einen weihevollen Eilldruck, als gegen 11 Uhr Geheimrath Tr. Kristeller all den Vorstandstisch trat, um die Versammlung zu eröffnen, nnb in demselben Moment all den mächtigen Kandelabern, mit denen dieser Tisch geschnlückt war, farbige elektrische Glühlichter ausflamlnten. Rach kurzer Begrüßuilgsrede schreitet die Versaulniluilg zur Wahl der Vorsitzenden und ernennt zlllll Leiter der Versalllmtullg Justizrath Josephthal (Nürnberg). Wir wotlell gleich hier bemerken, daß diese Wahl die denkbar glücklichste war. Selten haben lvir eine so glückliche Mischung voll Ruhe, Freundlichkeit, Sachlichkeit llild Energie gefnnben, wie bei diesem Manne, nnb gern ha bell alle Theilllehmer eingestanden, daß der vorzüglichen Leitung ein wesentlicher Theil der Erfolge des Tages zuzuschreiben ist. Zn [tcdlHTtuetcnben Vorsitzelldeil nnirben die Rechtsanwälte Lehmann (Dresden) und Benfey (Hannover), zu Schriftführern Anltsgerichtsrath Peltasohn (Vromberg). Rechtsailwalt Friedlällder (Potsdam) nnb Referendar Dr. Metz (Berlin) erwählt. Justizrath Josephthal bantte mit turzeil Worten. Seille Wahl gelte vermuthlich weuiger seiner Person, als dein Mitbegründer des Bundes, sodann fühle er aber auch, daß man in ihm den Süddeutschen habe ehren wotlell. Die nächsten Punkte der Tagesordlinng fanden schnelle Erledigung. Der Bericht des BlUldesvorsitzellden, alls welchen wir llächsteils ausführlicher znrückkommeu wollen, lag gedruckt vor. Geheilllrath Kristeller fügte demselben lloch kurz die Bitte hinzu, für Vermehrung der Einilahmen des Bundes durch Gewinllnng neuer außerordentlicher Aiitglieder zu sorgen. (Sin Wüderspruch gegell den Bericht wurde nicht lallt. Alsdanil berichtete Herr Leszyilsty namenö

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