Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Unter diesen Umständen glaubt der Vorstand, einen neuen Vertrag mit der „Brauerei Friedrichshain" auf weitere fünf Jahre empfehlen zu dürfen, obwohl die Direktion statt der bisher gezahlten 1500 Wlt nunmehr 1800 Mk. Miethe verlangte. Nachdem u. A. noch festgestellt worden, daß die Einnahmen für die letzten Gottesdienste an jener Stätte 5001» Mk. ergeben hatten, wurde der Vorstand zum Abschluß eines neuen Miethsvertrages mit der genannten Aktiengesellschaft ermächtigt. Außerdem wurden -100 Mart Jahresmiethe für die Benutzung eines großen Orgelwerks bewilligt, das in dem für den Gottesdienst bestimmten Saale Aust fteflimg finden wird. Für weiteren Ausschmückung der neuen Synagoge Lindenstraße wurden 875 Alk. bewilligt, zwecks 'Anschaffung zweier silberner Leuchter, die auf dem Pult des Vorbeters ihren Platz erhalten sott In das Grundstück in der Lindenstraße wird nunmehr auch die Lehran stal t fü r d i e „W i s sens ch aft des Iud en t h nm s" einzieheu, indem die Versammlung beschloß, die daselbst verfügbaren Räume zu einem jährlichen Miethszins von 1500 Mk. der Lehranstalt zu überlassen. Beitrag wurden derselben pro 1893-94 300t) Mk. bewilligt. Die Versammlung erklärt sich des Weiteren damit einverstanden, daß die Büreauräume der Lteuen Synagoge elektrisches Licht erhalten sotten und will die Betriebskosten für fünfzig Flammen bereit stellen. Es wird alsdann den Repräsentanten die Frage vorgelegt, ob der Vorstand der jüdischen (Gemeinde durch einen Vertreter an dem sechsten Gemeindetage am 27. d. M. sich offiziell betheiligen solle. Die Frage wird bejaht mtb vereinigten sich alle Stimmen auf den Repräsentantenvorsteher Herrn Fustizrath Makower, als Abgeordneten für diesen Tag. Rach der Erledigung noch einiger anderer Punkte geringerer Bedeutung wurde die Oeffentlichkeit der Sitzung aufgehoben und es schloß sich an dieselbe noch eine längere geheime Sitzung. * Berlin, .19. März. Der sechste Gemeindetag, welcher, wie schon mitgetheilt, in Easfels Hotel, Burgstr. Ui, am Sonntag den 27. März, Vormittags 101 .> Uhr statlfindet, wird die folgende Tages- Ordnung zu erledigen haben: 1. Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes. 2. Konstiluiruug des Gemeindetages durch Wahl der Vorsitzenden und des Bureaus. 3. Berichterstattung des Ausschusses über die Angelegenheiten des Bundes, insbesondere über die Kassenverwaltung. 4. Bericht der bisherigen Kassenrevisoren und Decharge. 5. Wahl dreier Kassenrevisoren für die Zeit bis zum nächsten Gemeiudetage. 0. Antrag des Ausschusses auf Festsetzung eines Minimalbeitrages für die ordentlichen Mitglieder. 7. Antrag des Ausschusses auf Begründung eines Fonds für Religionsunterricht. 8. Antrag des Ausschusses betreffend Errichtung und Besuch von Knabenhandarbeitsschulen, 9. ‘iHutvag der israelitischen Gemeinde Alsheim betreffend Unterstützung armer Gemeinden. Io. Antrag der Synagogengemeinde Brandenburg betreffend den jüdischen Religionsunterricht an höheren Lehranstalten. 11. 'Antrag der Synagogenräthe in Eichstetten und Freiburg i. B. betreffend Unterstützung von Vereinen zur Pflege des Handwerks unter den Juden. 12. 'Antrag der Synagogengemeinde Magdeburg betreffend Zeitdauer der Beitragsyflicht von 'iViit gliedern jüdischer Gemeinden. 13. 'Antrag des Herrn Rabbiner Dr. Silberstein in Wiesbaden betreffend Bildung von Gemeindeverbänden. 14. Neuwahl des Ausschusses. — 'Abends 71 Uhr findet ein gemeinschaftliches Festessen im Saale von Cassels Hotel Oi Couvert 4,5« > NU. > statt. Anmeldungen sind bis zum 25. März, Nachmittags 2 Uhr, au das Bureau des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes, Sigisnnmdstr 5; zu richten. Berlin, 23. Mürz. Irl der dem Gemeindetage vorausgeheuden; Delegirtenüonferenz, welche am Sonnabend den 20. d. M. 'Abends 8 Uhr in Cassels Hotel stattsindet, wird u. A. auch die Frage, wie der Wanderbettelei zu steuern sei, eine eingehende Behandlung finden. Der israelitische Armeupflegeverein zu Frankfurt a. M. hat eines seiner Vorstandsmitglieder, Herrn S. Uhlfelder, eigens für diesen Zweck hierher depntirt. Für den Gemeindetag selbst steht eine äußerst rege Bethei-! ligung in 'Aussicht. Die Zahl der angemeldeten Gemeinden hat heute, wie wir auf Erkundigung im Bureau des Gemeindebuudes erfahren, die Ziffer von 100 bereits überschritten, und über dreißig auswärtige Deputirte werden erwartet. , H Berlin, 22. Mürz. Tie Gesellschaft jüdischer Hand-! werter und Künstler (gestiftet 1845 von Ni. Halle» beging am Mon- . tag den 21. März ihr 47jähriges Stiftungsfest durch Generatversamm-! lung und Festessen in den Räumen des Hotel Portugal. Das Fest legte! wiederum ein beredtes Zeugnis; ihrer Wirksamkeit und vorzüglichen Leitung! ab. Der Niitgliederbestand ist trotz mehrfacher Todesfälle derselbe geblieben! und balanciren Einnahmen und 'Allsgaben mit 12,540 Mk. gegell 900! ' pro 1891 Das Vermögen beträgt 34,900 Mark. Ebenso erfreute sich die j Wittwenkasse der Gesellschaft sehr reger Vetheiligung mit über 50«) Miti gliedern llnd einem Vermögen von 00,850 Mark. Das Resultat der! Wahlhandlung war Wiederwahl des Vorstands. Berlin, 20. März. Das schöne Purim-Fest gab in der jüdischen Volksküche Veranlassung zu einer erhebenden Feier. 'Alle! jüdischen Besucher erhielten voll den Ehrendameu Liqueur lind Pfefferkuchen: alsdann das National-Gericht des Tages Kreppchell imd Bouillon als 7^1^ Mehrere Hundert arme Besucher, viele Frau eil und Kinder, erhielten umsonst ein gutes Mittagessen. Es war eine Freude, die glücklichen Gesichter der 'Annen zu sehen und ihr andächtiges Tischgebet anzuhören. Zum Schluß brachte einer der Besucher auf den Begründer der 'Anstalt und seine Gemahlin, die Leiterin derselben, ein begeistertes Hoch aus, in das alle Anwesendell freudig einstimmten. (D Berlin, 20. März. Die 'Armenkommission der jüdischen Gemeinde veröffentlicht soeben ein Verzeichniß der von ihr verwalteten Stiftungen und Fonds. Die Zahl dieser Spezial-Stiftungen beträgt zur Zeit nicht weniger als 42. 'Außerdem verfügt die Kommission über die Zinsen der Eisernen Fonds von 02,180 Mk., sowie von 40 Jahrzeitstistungen. Unter letzteren heben wir als besonders erwähuenswerth die , „König Friedrich Wilhelm I!!. - Stiftung hervor. Die Zinsen des 1500 Mk. betragenden Stiftnngskapitals werden dazu verwandt, am 7. Juni, dem Sterbetage des hochseligen Monarchen, in der alten Synagoge ditrch zwei würdige Männer das Kaddisch-Gebet verrichten ' zu lassen. * Berlin, 20. März. Von einer Reihe wohlthätiger und gemeinnütziger Institute liegen uns Jahresberichte vor. Die „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im Preußischen Staate" erstattet Bericht über ihre Thätigkeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1891. Die Zahl der von ihr in diesem Jahre, dem 79. ihres Wirkens, unterstützten Lehrlinge erreichte die Höhe von 92. Die „Inspektoren" sind mit aufopfernder Thätigkeit bemüht gewesen, die ihnen unterstettteu Lehrlinge zu beaufsichtigen. Insbesondere haben sie unter Bescitignng alter Schwierigkeiten, welche ihnen von vielen Lehrmeistern entgegengestellt wurden, mit Strenge daraus gehalten, daß die Lehrlinge Fach- und Fortbildungsschulen regelmäßig besuchen. Zu Pankow ist von der Gesellschaft ein Lehrlingsheim errichtet worden, in welchent bis jetzt o Lehrlinge Ausnahme gefunden haben, lieber die Nützlichkeit dieser Einrichtung sind die 'Ansichten getheilt. Tie