Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-03-25 · Heft 13 (25.3.1892) · p. Seite 153

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 13 (25.3.1892)
Date
1892-03-25
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3227931-3227945--48710-3269360
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

TTTTT > dunklc ien, das gesehenr arktplal; , wenn Kaisers , welch en, die > König rdoktvr, -chützenus dein »d nach lährend fromme , schöne telalterfü lugen atiirlich „Mach ht aber ihl und Dichter Iben in ebendig tten, so >er drei i»n ein eröffnet die den ,on am ritschen nschen, mossen, ise, die rhaben, lapperes, der un der c Zllg, engasse n, das; Autors ter der m zu eftalten Mi zu Rindslicht in sindlich milder scharfe stischen ennoch diesem ne der er nur er uns letzten Grunde doch nur ein Jude gewesen, der sich zwar gern in glücklichen stunden znm sonnigen Hellenen aufschwang, der aber auch selbst, als ihn die Wogen des Judenhasses nicht mehr umbrandeten, das Leid seiner unglücklichen Stammesgenossen nimmer vergessen konnte. „Verwelke meine Rechte, wenn ich deiner vergesse, Jeruscholajim! und ungefähr die Worte des Psalmisten, unb es sind auch noch immer die weinigen", schrieb er an seinen Freund Moser, da er sich mit den Vorarbeiten zu seinem „Rabbi von Bacharach" beschäftigte und indem er zu diesem Zwecke liistorm judaica. trieb, offenbarte üch ihm immer mehr und mehr der Geist der jüdischen Geschichte. „Ganz eigene Gefühle bewegen mich", schreibt er, „wenn ich jene traurigen Annalen dnrchblüttere, eine Fülle des Jammers und des Schmerzes. Ueber die Frankfurter Juden war mir Schudt sehr nützlich I) ich habe beide Quartbände ganz durchgelesen und weis; nicht, ob ick mich mehr geärgert über das Rischus (Judenhaß), das über jedes Blatt ausgegossen, oder ob ich mich mehr amüsirt habe über die Rindviehhaftigkeit, womit das Rischus vorgebracht wird!" Etwas von diesen Gefühlen ist aber auch in die Stimmung ubergegangen, welche Heine fortan gegen Frankfurt hegte. Den eigenthümlichsten Ausdruck erhält diese in seinem Buch über Börne, welches ja;;;;;; größten Theil gleichfalls auf Frankfurter Vorgänge sich bezieht. Es ist bereits gesagt worden, daß es damals (1839) Heines Hauptzweck war, jenen uralter; Gegensatz zwischen Hellas und Judäa auf sein Verhältnis; zu Böru e anzuwenden. Es paßte ihm, Börne zu einem spindeldürren Nazarener und sich zu einem vollblütiger; Hellenen zu stempelr;. Aber wer;;; ihr; jene Stimmung der Wahrheit überkarr;, die im Leben keines Poeten fehler; kann, so gestand er es sich selbst ein, daß auch er irr; Grunde nur ein spiritualistischer Jude sei ur;d bann entströmte ihm das offene Geständnis;: „Werm ich am Tage wohlbeleibt und lachend dahin wandle durch die funkelnder; Gassen Babylons, glaubt mir's, sobald der Aberrd herabsinkt, ertlingen die wehmüthigen Harfen in meinem Herzen und gerade des Nachts erschmettern alle Pauken und Eymbeln des Schmerzes, der ganzen Jarütscharerurrusik verhaltener Quell, und es steigt empor der entsetzlich gellende Mummerrschanz..." Es ist charakteristisch, zu beobachten, daß, so oft Heine zu vollem Linnengenuß, zr; unbefangener Lebensfreudigkeit, zur Anbetung des hellenischer; Schönheits-Ideals sich anfschwingen möchte, ihn jedesmal Die spiritualistische Empfindung, der tiefe Schrnerz um das Leid des Daseins, die Klage über das Elend des Menschenlebens ur;d über oen Riß zwischen Ideal und Leben, den die jüdische Idee r;ach seiner Ileberzeugung in die Welt gebracht, in die traurige Wirklichkeit hinabzieherr. Er ist der Dichter der Traumbilder. Mit Traumbildern beginnen seine Dichturrgen, mit einem wunderbaren Traumbild schließe!; ne, und erst durch dieses Traumbild zieht sich die Versöhnur;g jenes uralten Kampfes: „Die Gegensätze sind hier grell gepaart. Des Griechen Lustsinn und der Gottgedanke Judäas! Und in Arabeskenart Um beide schlingt der Epheu seine Rauken. d Mendel Manager. Von Maria Konopnicka. (Schluß.) „In der Theorie," sagte der Uhrrrmcher, „haben Sie vielleicht Recht. In der Praxis aber erscheint die Sache anders. Ihr Huden breitet Euch wie die Heuschrecken aus und immerhin seid v) Jüdische Merkwürdigkeiten, 4 Thcilc. Franksurr 1717- 18. Ihr ein fremdes Element." Der alte Buchbinder zuckte einigemal r;ervös und verdeckte wiederum zur Hälfte seine grauer; Augen mit der; Augenbrauen. Er streichelte seiner; weißen Bart mir» eine Weile nachsinnend, sagte er: „Sie wissen, wie ich heißet Nu, ich heiße Mendel Darrziger. Daß ich Mendel heiße, rührt davor; her, weil wir vierzehr; Kinder warer; nr;d ich als fünfzehntes hier ir; der Altstadt, ir; diesem schnullen Güßchen, gleich hinter den; gelben Hanse, wo die Apotheke ist, zur Welt karr;. Wisse;; Sie? Nun, als ich geboren wurde, waren wir fünfzehn Kinder, also eine ganze Mandel.') Deshalb heiße ich Mendel. Sollte ur;s der selige Vater ertränken? Nein, er hat uns nicht ertränken sollen! Erstens weil er den Herrgott fürchtete, nnb zweitens weil er seine fünfzehn Kinder so lieb hatte, daß, wenr; die Mutter einer; Hering heimbrachte, er für sich nur der; Kopf nahrr; und den Kindern den ganzen Herir;g gab, damit sie essen und nicht hungrig sein sollen. So liebte er sie." Er ward roth unb vor; der; einströrnenden Erinnerungen füllten sich ihn; die Anger;. Er beherrschte sich aber gleich und sprach mit einen; jovialen Lächeln, durch welches aber eine bittere Ironie hindurchblickte, weiter: „Und da ich, Mendel, sah, daß einer ganzer; Mandel auf der Welt so viel Schlechtes widerfährt, so habe ich nur ein halbes Dutzend Kinder gehabt, und meine Tochter Leah (Lilie) hatte nur einen einzigen Sohn, und vor; der; großen Schmerzen starb sie. Würde sie leben und hätte sie sechs Söhne und schaute auch das, was ich sehe. an. dann müßte sie vor Schmerz sechsmal sterben." Er sprach hastig, immer hastiger, mit einer leidenschaftlich gedämpften Stimme, sich zürn Uhrmacher wendend und ihn rrrit seinem flarnruenden Blicke durchdringend. Nach einer Weile richtete er sich ernpor, holte tief und schwer Athen; und trübe lächelnd sprach er: „Ur;d wir Haber; ihr; nicht mehr Mer;del, sondern Jakob genannt." „Jakobchen, komm her!" rief er, als erinnere er sich erst jetzt der Anwesenheit des Kauen. Und als der Kleine, sich vom Sessel erhebend, geräuschvoll vor den; Uhrmacher vorbeipassirte nnb sich an bei; Großvater schmiegte, liebkoste ihn der Alte und sagte: „Jakobchen ist eine Name, den auch Sie gegebenen Falls Ihren; würdiger; Söhr;cher; geben können. Das ist ein Naine, wie bei jenen; Urkheil des Königs Salomon: Es sei weder mein noch beim Das ist ein guter Name! Ueber dieser; Namen werden die Lenke wie über einen Steg von diesen schlechten Zeiten in jene guten Hinübergleiten, wo Einer den; Andern nicht mehr nachzühlen wird, wie viel Wiegen er zu Hanse hat. Tein; in diesen vielen Wiegen sind viel Arbeit, viel Hunger und auch viele Grabhügel, llttb nicht darin besteht die Weisheit, daß wenig Menschen sein sollen, sondern darin besteht sie, daß sie viel Gutes stiften, viel Boden urbar wacher; und bebauen sollen, daß sie viel Gewerbe treiben, viel Nützliches lernen und in; Herzen Einer für den Andern viel Güte hegen. Und so brauche;; Sie sich dessentwillen keine Sorge zu manchen. Es muß doch auch über den Menscher; eine Macht eristiren, welche die Mäuler zählt und die Körner ir; der; Aehren." Cr schüttelte sein graues Haupt, den Kleinen immer fester an seine Seite schmiegend. „Nu, ich heiße nicht blos Mendel, sondern auch Danziger. Nu, was ist das, Tanziger ( Das ist ein Mensch oder eine Sache, die aus Danzig stammt. Wissen Sie? Es existiren Tanziger Branntwein, Danziger Koffer und ein Danziger Schrank... Die können so gut aus Danzig sein, wie ich es bin. Ich bin weder ein Pariser oder Wiener, noch ein Berliner, sondern ein Tanziger. v) Der Name Mendel stammt vor; Mandel fünfzehn. Anm. des Ueb.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.