Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Besser nicht geboren. iCDJ tfbtP DTtfS ID)DerHownnciilus in Goethe's Faust II. ichien dieses nicht gewusst zu haben. Das Leben war verloren. Sage ich znw Schicksal: „Du hast wich stiefmütterlich behandelt," so antwortet es wir: „Du hast nie einen Boden gehabt, darauf zu stehen." Wir hätten demnach beide Recht. Fragt aber Jemand, wie beide Stecht haben können, so antworte ich ihm wie jener Rabbiner: Zie haben auch Recht." ♦ FEUILLETON fnnrifjj Heine in Frankfurt am Main. Von Gustav Karpeles. II. Ein gut Theil, vielleicht das größte, von all seinen Illusionen, Traumen, Hoffnungen und Idealen hatte Heinrich Heine schon eingebüßt oder hinopfern müssen, als er nach vier Jahren zum dritten Male nach Frankfurt a. M. kam. Bereits waren vier Bande der „Reisebilder" erschienen und sein Name war noch bekannter als zuvor ui Deutschland, aber seine Popularität und sein Ruhm standen nicht mehr auf gleicher Höhe. Er hatte jetzt mehr Feinde, eine Unzahl von Neidern und prinzipielle Gegner seines Schaffens. Er war diesmal auf m Flucht vor der herrschenden Reaktion und mußte das Vaterland verlassen, aus dessen Boden er, wie jener Riese der griechischen Sage, Die Wurzeln seiner Geisteskraft, seiner dichterischen Bedeutung alle Zeit gesogen hatte. In dieser Geinüthsstimmung that es ihm wohl, in Frankfurt a. M. eine große Gemeinde von Verehrern und Anhängern;u finden. Acht Tage verweilte er diesmal in der alten Reichsstadt Obwohl sein Freund Ludwig Börne längst bereits seinen Wohnsitz in Paris aufgeschlagen hatte, wurde Heine doch auch von dessen Freunden und den Stimmführern der liberalen Partei mit großer Achtung mifgenornmen und viel gefeiert. Am frühen Morgen ging er aus, und wem: er Mittags nach Hause kam, fand er stets seinen Tisch mit Visitenkarten der besten Namen über und über bedeckt. Insbesondere verkehrte er mit der Familie des Komponisten Ferdinand Hitler, mit vem Verleger Dr. Karl Löwenthal (später Dr. Lüning), mit dem Arzt Börue's, Dr. Stiebet, und mit allen jungen Schriftstellern und Journalisten des damaligen Frankfurt. Unter demselben Dache lebte während dieser Tage mit Heine uoch ein anderer hervorragender Vertreter des Witzes, freilich jenes Vorwitzes, welchen Heine selbst nie pflegte und auch nur wenig gouliren konnte, der seinerseits auch in Heine einen gefürchteten Konkurrenten sah, und der demselben gern hie und da einen Nadelstich versetzte. Es war dies kein anderer, als M. G. Saphir. An der Wirthstafeldes Hotels „Zum Schwan" traf Heine fasttäglich mit Saphir Zusammen. Es ist begreiflich, daß die witzige Unterhaltung der beiden geistreichen Männer zahlreiche Gäste anlockte. Einst erzählte ein Reifender bei Tische, daß der Kurfürst von Hessen in Folge der Unruhen m Kassel, um den Bewohnern der Residenz seinen Unwillen zu erkennen zu geben, alle Ruhebänke auf der Wilhelmshöhe habe entfernen lassen. Sogleich bemerkte Saphir: „Ta werden seine lieben Kasselaner sich in einem permanenten Aufstande befinden.". .. „Saphir, Saphir!" ries Heine aus, „wer wird Witze ohne Honorar machen?" „Besser als Honorar ohne Witze", gab der boshafte Saphir schlagfertig zurück. Eine innere geistige Beziehung zwischen diesen beiden so verschiedenen Männern, zwischen dem Humoristen Heine und dem Witzling Saphir, konnte natürlich nicht stattfinden und kam auch später nicht zu Stande, als Saphir Heine in Paris aufsuchte und von dessen Krankenbette einen tiefempfundenen Bericht in die Heimath sandte. Auch der berühmte Maler Professor Moritz Oppenheim, ein Freund Börnes, der vier Jahre zuvor auch dessen Bild gemalt hatte, suchte Heine auf und bat den Dichter, sich von ihm malen zu lassen. Das wohlgelnngene Oelgemätde, welches gegenwärtig im Besitze des Verlegers von Heine, Julius Campe, sich befindet, und von dem Oppenheim später selbst eine Kopie für Professor Theodor Benfev in Göttingen gemalt hat, stellt Heine in sitzender Stellung dar. Ein ausgezeichneter Kupferstich hat dieses Bild populär gemacht. Den ersten im Besitz des Herrn Professors Oppenheim befindlichen Abzug dieses Stiches, sowie desjenigen von dem Bilde Börnes hat die liebenswürdige Schwiegertochter des großen Malers, Frau Fanny Oppenheim, vor einigen Jahren mir zum Geschenk gemacht. Nach übereinstimmenden Aussagen seiner damaligen Freunde ist dasselbe eines der besten Bilder von Heine. Frankfurt a. M. hat er nie wiedergesehen. Sein Weg führte ihn nur noch zwei Mal nach Deutschland und dann jedesmal nach Hamburg zu seiner alten Mutter zurück. Sein Name blieb aber in Frankfurt gefeiert, bis ihn der Kampf mit Börne einigermaßen in den Hintergrund drängte. Als die Schwester des Dichters, Charlotte Embden, kurz darauf nach Frankfurt kam, mit einem Empfehlungsbrief an den Finanzminister K. versehen, fand sie in allen Kreisen der Stadt die glänzendste Aufnahme. K. stellte sie überall als „Madame, Heine's Schwester" vor, um ihr dadurch desto mehr Ansehen zu verschaffen. Auch bei Baron Rothschild wurde sie eingeführt, und als sie eintrat, riß der Diener die Thür auf und rief mit Stentorstinune in den Saal hinein: „Blada me, die Schwester Hei ne's!" Mau ehrte in ihr den deutschen Dichter, dessen Namen in Aller Munde war. Schon in den ersten Monaten seiner Anwesenheit in Paris besuchte Heine seinen alten Freund Börne im Gasthof „Hotel de Castille", und wenn man ihm glauben darf, so wunderte er sich schon damals nicht wenig über die Veränderung, die sich in dem ganzen Wesen Börnes vollzogen hatte. Börne begrüßte den neuen Bundesgenossen mit aufrichtiger Freude und führte ihn in jene Kreise deutscher Flüchtlinge ein, die damals von Paris aus das deutsche Vaterland mit Krieg überziehen wollten. Heine durchsah mit seinem scharfen Verstände bald jenen politischen Jrrthum und wollte sich zur Theilnahme au diesen Verschwörungen nicht bereit finden lassen. Das war das erste Mißverständnis;. Weitere folgten. Heine zog sich immer mehr von den Kreisen der Deutschen zurück, Börne nahm ihm das übel; an heimlichen Zwischenträgern fehlte es nicht, und als der dritte und vierte Band von Börnes „Briefen aus Paris" erschienen waren, in denen er ein strenges Urtheil über Heines politische Richtung fällte, war der Bruch fertig. Zwar begegneten sie sich noch manchmal auf den Soireen der Mutter des Komponisten Ferdinand Hitler, aber die freundschaftlichen Beziehungen waren längst gelöst und es fehlte nur noch der letzte Schritt, mit eine offene Feindschaft zu provoziren. Auch dieser Schrick erfolgte schon nach zwei Jahren, als einer der deutschen Flüchtlinge. Richard Otto