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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-03-18 · Heft 12 (18.3.1892) · p. Seite 139

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 12 (18.3.1892)
Date
1892-03-18
Page
Seite 139 (sequence 7)
Language
German
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' aubcrc e Hand- >rat dort . LiPP- > Jether"; manche ß folgt., 8^— Tain. tteraturter nach- 3 sich in schungen anderen jeschehe», meisten Heine's nicht in deutschen fluß ans canlfuvt, .kstein in lenhange der auch lte. In darüber :r wegen andrede, lautete: allnieyer :ils liebe i ich bin ist. Du ige nicht schaden, Der nicht en mehr d haben rter und irfst mir daß der n wurde üter, die i die die n Sohn Zukunft hef mein :en Flor Industrie - l hatten in unserer Nähe sich erhoben und meine Mutter behauptete, cs habe jetzt die Stunde geschlagen, wo ein bedeutender Kopf im nierkantilischen Fache das Ungeheuerlichste erreichen und sich zum höchsten Gipfel der weltlichen Macht emporschwingen könne. Sie beschloß daher jetzt, daß ich eine Geldmacht werden sollte, und jetzt mnßte ich fremde Sprachen, besonders Englisch, Geographie, Buchhalten, kurz alle auf den Land- und Seehandel und Gewerbskunde bezüglichen Wissenschaften studiren." Zu diesem Zwecke bezog der Knabe im Herbst des Jahres 1814 die Handelsschule eines Herrn Vahrenkamp auf der Bolkerstraße in Tüsseldorf. Allzuviel von den Handelswissenschaften mag er aber sicher nicht gelernt haben; dagegen werden verschiedene Scherze erzählt, die der junge Harry dort getrieben und die schon auf eine gewisse poetische Veranlagung schließen ließen. So Pflegte er seinen Mitschülern die alten Klassiker in „Judäas lieblichen Dialekt" zu übersetzen. Der jüdisch-deutsche Homer oder Ovid rief oft in den Zwischenstunden ein schabendes Gelächter hervor. Einen anderen Scherz erzählt ein etwas älterer Kamerad Heine's, der nachmalige Kreisbamneister Werner zu Bonn, der den Platz zur rechten Seite Heine's in jener Handelsschule inne hatte, während zur linken ein gewisser Faßbender, der Sohn des Besitzers einer Brauerei „Zum Specht", saß. Eines Tages erhebt sich ein plötzlicher Lärm in der Schnlstube — Harry Heine fliegt von der Bank unter den Tisch. „Was geht hier vor?" fragt der eintretende Lehrer. „Oh", antwortet der junge Faßbender zorngerötheten Gesichts im breitesten rheinländischen Dialekt, „de verdammte Jüdde sühd: „Ein Specht, ein Specht, do ist de Mähd beim Knecht." Do Han ich ein ene Watsch gegewe und do is hü von de Bank gefalle." Unter allgemeiner Heiterkeit ertheilte der Lehrer den beiden Knaben eine derbe Rüge. Hierauf begann der Unterricht. — Rur ein halbes Jahr besuchte Heine diese Handelsschule. Im Frühjahr des Jahres 1813 nahm ihn sein Vater zum ersten Male zur großen Messe nach Frankfurt a. M. mit. Es war dies wohl die erste größere Reise Heine's, und man kann sich denken, welchen Eindruck die alte Patrizierstadt ans den phantastischen Sinn des Knaben hervorbrachte. Damals hatte Frankfurt noch seine Wallgräben und Thürine, seine Thore und Wachen und die schärfste Kontrole über jeden eintretenden Fremdling. Dreierlei Herren regierten die Stadt: die Schöffen, die Senatoren und die Männer des Raths. Mau kann sich heute das alte Frankfurt vor sechzig oder siebzig Jahren kaum noch vorstellen. Aber dasselbe ist ja so oft und anschaulich geschildert worden, daß ich es mir hier wohl versagen darf, ein Weiteres darüber mitzntheilen. Hat doch auch Heine in einer seiner bedeutendsten Schöpfungen, in dem „Rabbi von Bacharach", selbst viel von dem Eindruck verwerthet, den das Frankfurt jener Tage in der Jugendzeit auf ihn hervorgebracht, und wir werden noch Gelegenheit haben, hierauf zurückzukommen. Die erste Sorge des Vaters war mm wohl, seinen Sohn in einem Bankkonitoir unterzubringen. Sein alter Genosse und «Geschäftsfreund, der Bankier Rindskopf, der damals die Frankfurter Wechslerbank leitete, erbot sich, den jungen Heine als Volontär in seinem großen Geschäft anfzunehmen. Zunächst allerdings zeigte Damson Heine seinem Sohne die Sehenswürdigkeiten Frankfurts; hatte er ihn doch hauptsächlich mitgenommen, „damit er sich in der Welt einmal umsehe, das sei bildend". So nahm er ihn auch einmal in die jüdische Freimaurerloge „Zur Morgenröthe" mit, wo er „oft sonpirte, Kaffee trank, Karten spielte und sonstige Freimaurerarbeit verrichtete". Nach der Abreise des Vaters mußte rum Heine in das «Geschäft des Bankier Rindskopf eintreten und dort sich den Koinploirarbciten unterziehen. Das gelang ihm aber nur sehr schlecht. Statt Geschäftsbriefe dichtete er Traumbilder und anstatt Rechnungen machte er Sonette. Sein Frankfurter Prinzipal schrieb an seinen Vater nach Düsseldorf wahre Jeremiadeu, aber alle seine Ermahnungen waren fruchtlos; ans dem Poetenjüngliug war eben kein Kaufnian» herauszuschlagen. Er selbst sagt in seinen Memoiren: „Ein berühmter Kaufmaim, bei welchem ich ein apprenli inilkioimire werden sollte, meinte, ich hätte kein Talent zum Erwerb, und lachend gestand ich ihm, daß er wohl Recht haben möchte." Ein andermal sagt er, einige Jahre vor seinem Tode, zu seinem Bruder Gustav: „Mein seliger Vater ließ mich im Jahre 1813 auf längere Zeit in Frankfurt zurück. Ich sollte aus besonderen Rücksichten im Büreau des Bankiers meines Vaters als Volontär arbeiten, blieb aber nur vierzehn Tage dort und benutzte seitdem meine junge, uneingeschränkte Freiheit, um ganz andere Dinge zu studiren. Zwei Monate verlebte ich damals in Frankfurt und in dem Büreau des Bankiers brachte ich, wie gesagt, nur vierzehn Tage zu. Daraus mag wohl der absichtliche Jrrthnm entstanden sei», den ich einmal in einem deutschen Blatte las: ich sei nämlich zwei Jahre lang in Frankfurt bei einem Bankier im Dienste gestanden. Gott weiß, ich wäre gern Bankier geworden, es war zuweilen mein Lieblingswunsch, ich konnte es aber nie dazu bringen. Ich habe es früh eingesehen, daß den Bankiers einmal die Weltherrschaft nilheimfallen muß." In seine» Memoiren erzählt der Dichter allerdings widersprechend, daß er auf dem Kvmptoir des Bankiers Rindskopf „höchstens drei Wochen" zugebracht habe. Rach dem Mißerfolg dieses Unternehmens wurde Heine in dem Geschäft eines großen Spezereiwaarcnhändlers als Volontär untergebracht; die „Besuche", ivie er sich euphemistisch ansdrückt, in diesem Geschäft dauerten nach seiner eigenen Angabe nur vier Wochen. Biel mag er auch dort nicht profitirt haben, doch lernte er in beiden Geschäften immerhin, „wie man einen Wechsel ansstellt und ivie Muskatnüsse aussehen". Als bald darauf eine große Handelskrisis entstand und Samson Heine ebenso wie viele seiner Geschäftsfreunde sein Vermögen verlor, da platzte die merkantilische Seifenblase schnell und kläglich, und seine Mutter fing an, von einer neuen Laufbahn für ihren hoffnungsvollen Sohn zu träumen. Der Oheim Salvmon ■ Heine iii Hamburg wurde als Familicuralh herangezoge», da der „dumuie Junge" durchaus studiren wollte. Damit schließt die erste kaufmännische Lebeusperiode Heines, zugleich sein erster Aufenthalt in Frankfurt a. M. ab. Allzu freundliche Erinnerungen mochte er aus Frankfurt damals nicht mit nach Düsseldorf genommen haben. Das Geschäftsleben, welches ihm zur Zeit der Messe ein großes Schauspiel darbot und mächtig iinpvnirte, war ihm bei dem ersten Einblick in die Details des ihm aufgedrungenen Berufs bald verhaßt geworden. Sodann aber trat ihm auf Tritt und Schritt gerade in Frankfurt die gedrückte und verachtete Stellung seiner Glaubensgenossen entgegen. Die Frankfurter Juden waren damals noch in ihr Ghetto, in die un» auch der neuen Zeit zum Opfer gefallene „Judengasse", eingesperrt. Nirgends, wo ein grüner Raum war, durfte sich ein Jude betreffen lassen; auf ihren Spaziergängen um den Wall dursten sie nur den Fahr-, nicht den Fußweg betreten, der jüdische Knabe galt in der kecken Sprache der Stadt als ein „Juddebnb". Von einem Eintritt in die patrizische Gesellschaft war natürlich nicht die Rede. Sogar die Freimaurerlogen schlossen sich von einander ab und mauerten jede nach ihrem eigenen religiösen Bekeuutniß. Das „Mach MoreS, Jnd!", welches Börne sehr witzig später auf den Frankfurter Senat angewendet hat, da er auch vor den freinden Garnisonen Mores machen mußte, hat auf Heine einen tiefen Eindruck gemacht. Oft und oft hat er der Erinnerung an die Leide» und Versolgnugeii,

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