Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1892)
- Date
- 1892-03-18
- Page
- Seite 138 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ihkrtc heransgegeben. Damals Icuttc ich mul) bcn i){ p jcn 11) o 1') kenne», den Vornamen habe ich vergessen. Derselbe war ein l>on torali, und ohne ein reicher Mann zn sein, hatte er eine gute hebräische Bibliothek. Ich hörte viele Jahre nachher, daß der Sohn des Rosenthal nach dem Tode seines Paters die Bibliothek der königlichen Bibliothek geschenkt hat. Ich machte auch einen Abstecher nach Güttingen, lvo ich acht Tage blieb. Ich lernte dort den Dr. Benfey kennen und einige andere christliche Gelehrte. Dr. Wilsten selb, ein fleißiger, verdienstlicher Orientalist, hat mir verschiedene Werke, nicht hebräische, gezeigt, die mir nützlich waren. Bon Hannover ging ich »ach Frankfurt am Main. Ich fand dort alte Bekannte. Damals lernte ich Dr. Jost kennen und Kirchheiin, ein verdienstvoller Mann. Er war ein fleißiger Littcrat, obwohl er ein Kaufmann war. Ich tvar damals ein Jahr in Frankfurt. Ich habe dort „Zur Kenntnis; der nenhebräischen, religiösen Poesie" herausgegeben. Damals haben Jost und Kreuzen ach den „Zijon" herausgegeben. Im zweiten Theil des „Zijon" habe ich auch verschiedene littcrarische Mittheilnngen gemacht über verschiedene seltene Sachen. Der „Zijon" hat sich sehr selten gemacht, ich habe denselben wohl dreißig Jahre nicht gesehen. Dr. Jost-) und Dr. Kreuze nach») waren Beide am Philanthropinum in Frankfurt. Dr. Kreuzenach war ein lumdai!, hat in seinen jungen Jahren studirt, nnißte französisch. Denn als er ein Junge war, war Mainz eine französische Stadt. Er hat auch einige Werke geschrieben, die aber ohne irgend einen Einfluß auf die Litteratur geblieben sind. Er hatte kein Berständniß für Litteraturgeschichte, wie sein Freund und Stadtgeuosse I s a a k Bern a y s in H am b urg, welchen man dort nach portugiesischer Art den cliaeham nannte. Dr. Kreuzenach hat den „Jesod Mora" von Jbn Esra mit einer lateinischen Uebersctzung heransgegeben. Es ist dieses das einzige Werk, welches zur Litteraturgeschichte gehört. Litteratnrgeschichte war unter den Juden überhaupt unbekannt. Ich habe damals einen Abstecher nbch verschiedenen Städten des Rheins gemacht, wo nicht viel zu holen war. Im Jahre 1842 bin ich nach Holland gegangen. Ich war in Rotterdam, wo der R. Halb erst am mich gut anfnahm. Er gehörte zu einer gelehrten Familie. In Amsterdam, wo ich (> bis 7 Wochen blieb, war auch nicht viel. Weder bei den Aschkenazim, noch bei dem Szefardim war damals ein Rabbiner. Bei de» Aschkenazim war der Sohn des alten Rabbiners als Stellvertreter. Er war ein ganz netter Mann, ohne Prätensionen ans Gelehrsamkeit. Bei den Szefardim war ein alter Man», er hieß der Cluieham Ferares, der eine gute Bibliothek hatte. Damals war R. Hirsch Lehren in Bliithe. Er war der Geueralkassicr für Palästina. Er war ein reicher Mann und lebte nach den Regeln des Cliaeham Asulai. Er hatte eine sehr schöne hebräische Bibliothek, ebenso sein Bruder R. Meir.K Ich habe ihre Bibliotheken gekannt und benützt. Au der Spitze derMuschlamim stand Gabriel Polak,») welcher > e Rosenttzal, gestorben in Hannover, Ven 7. August 1868. Den Kalolog der Hebraiea und Judaiea Vieser Zainniliing, die jetzt das Eigcnthuni der Amsterdamer «teidttnblivlhek bildet, schrieb 1865 M. Roest in Amsterdam. i Tr. Marcus Jost, gestorben in Frankfurt a. M., den 22. November 1860. (5s. H. Zirndorf, M. Jost und seine Freunde. MichaelCreizenach, gestorben in Frankfurt a. Ai., de»5.Aiigiistl842. 4) Zunz, Zur Geschichte 243. '’> Gestorben 14. Mai 1869. i mehrere Bücher heransgegeben hatte. Es waren auch einige andere da ohne Bedeutung. Bon Amsterdam ging ich nach Lehden. Ich habe die Handschriften gut angesehen und habe den vimasob ben Labrat dort! kopiert. Ich habe die Abschrift meinem alten Freunde, Dr. Lippj »ui»»,') zur Verfügung gestellt. Er hat damalsden „Sefath Jether" j von Jbn Esra heransgegeben und er hat ans dieser Kopie manche j Stellen mitgetheilt.'ch lSchluß folgt.) FEUILLETON -*s*~ Heinrich Heine in Frankfurt am Main. Von Gustav Karpelcs. I. Es ist leicht und billig, über die Kleinarbeit nnserer Litteratnrgeschichte, lvenn sie den persönlichen Beziehungen der Dichter nachgeht und ihre verschiedenen Aufenthaltsorte auskundschaftet, sich in wohlfeilem Gespött zu ergehen. Und dennoch haben solche Forschungen chon manches werthvolle Resultat ergeben; freilich ist auf der anderen Seite gerade mit Bezug auf Goethe des Guten zu viel geschehen, wohingegen bei anderen Dichtern — nach Goethe — in den ineisten i Fällen nicht genug geschehen ist. Wer sich mit Heinrich Heine's Leben und Schaffen eingehender beschäftigt hat, der wird es nicht in Abrede stellen können, daß seine Beziehungen zu der alten deutschen; Reichsstadt Frankfurt am Main nicht ohne wichtigen Einfluß aus eine Entlvickelnng geblieben sind. Heine war drei Mal in Frankfurt, und jede dieser drei Reisen bezeichnet einen wichtigen Markstein in seiner Entwicklungsgeschichte. Diese Beziehungen im Zusammenhänge darzustellen, soll die Aufgabe der folgenden Skizze sein. Es ist bekannt, daß Heine's Vater ein Kaufmann war, der auch seinen Sohn für den kaufmännische» Beruf erziehen wollte. In seinen „Memoiren" hat der Dichter manches Interessante darüber mitgetheilt. Als man den Knaben einst bei seinem Vater wegen Gottesleuguung verklagte, hielt ihm Samson Heine eine Stundrede, die längste, die er wohl je gehalten, und die folgendermaßen lautete: „Lieber Sohn, Deine Mutter läßt Dich beim Rektor Schallmeher Philosophie studiren. Das ist ihre Sache. Ich meinestheils liebe nicht die Philosophie, denn sie ist lauter Aberglauben und ich bi» Kaufmann und habe meinen Kops nöthig für mein Geschäft. Du kannst Philosoph sein, so viel Du willst, aber ich bitte, sage nicht össentlich, was Du denkst; denn Du würdest mir im Geschäft schaden, wenn meine Kunden erführen, daß ich einen Sohn habe, der nicht an Gott glaubt! Besonders die Inden würden keine Velveten mehr bei mir kaufen und sind ehrliche Leute, zahlen prompt und habe» auch Recht, an der Religion zu halten. Ich bin Dein Vater und also älter als Du, und daher auch erfahrener, und Du darfst mir also auf's Wort glauben, wenn ich mir erlaube, Dir zu sagen, daß der Atheismus eine große Sünde ist." Von solchen Grundsätzen wurde die früheste Jugend Heine's geleitet. Ja, selbst seine Mutter, die für ihren Sohn hvchfliegende Pläne im Sinn hatte und die die Hauptrolle in seiner Entwicklungsgeschichte spielte, hatte ihren Sohn für den Kaufmanusstand bestimmt und träumte eine glänzende Zukunft für denselben. „Das Rothschild'sche Haus, mit dessen Chef meiu Pater vertraut war, hatte zu jener Zeit seinen fabelhaften Flor bereits begonnen; auch andere Fürsten der Bank und der Industrie E Dr. G. H. Lippman, gestorben 21. Mai 1864. -) ITT riStT Frankfurt a. M. 1643.