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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-03-18 · Heft 12 (18.3.1892) · p. Seite 136

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 12 (18.3.1892)
Date
1892-03-18
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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- 136 des zerstörten »nd Mlmiimkit, ansichtig tuirb, der )prid)t: „Unser i heiliges und herrliches Haus ist vom Feuer verbräunt, und alle! unserc Kostbarkeiten sind verwüstet" (ibid. 10.) und zerreißt feine I Kleider (Moed Katan 26 a). — „Und folgende Risse (an de» j Kleidern) sagt die Boreitha (ibid.) dürfen nie mehr wieder »»kennt-! lich geinacht werden, sonder» müssen für immer „Risse" bleiben.! Wer da seine Kleider zerreißt beim Tode seines Raters, seiner Mutter, j seines Lehrers, wer da seine Kleider zerreißt wegen der Städte i Jehudas, wegen des zerstörten Jerusalems, wegen des eingeüscherten > Tempels n. s. w.! Hier wird also der Tod von Rater lind Mutter mit der! Zerstörung Jerusalems in einem Athein genannt, und werden! in Bezug ans die Tiefe und Schwere der Trauer bei beiden vollständig die gleichen Anordnungen getroffen. In allen Lagen und Verhältnissen des Lebens mußte sich Israel dieser „Trauer" bewußt sein, und selbst der Bräutigam an seinem Hochzeitstage musste sich Asche ans's Haupt streuen, damit er auch in der Stunde höchster Glückseligkeit nicht vergesse der Trauer um Zion und Jerusalem, denn es heißt (Jesaja 61, 3): „Anzulegen den Trauernden Zions, 1 ihnen zu geben Schmuck statt der Asche, Oel der Wonne statt der Trauer, Prachtgewand statt betrübten GemütheS." (Baba-Bathra 60 b). i Am nennten Tage des Monats Ab aber, am Tage der Zerstörung Jerusalems, da kamen fast alle jene (besetze und Rorschristen zur Geltung, die sonst der Leidtragende in tiefer Trauer zu beobachten hat, und das Gebet „cri3" „Tröste, o Herr, die Trauernden um Zion und Jerusaleni" an dieseiu Tage ist nichts Anderes als die übliche „Tröstung", die bei keinem Leidtragenden fehlen soll und darf. Dem Leidtragenden, dein der Tod Theures »nd Liebes entrissen, wird heute noch zngerufen: „Gott tröste dich unter den anderen Trauerndeu um Zion und Jeriischalajiin!" Und für dieses trauernde i und leidtragende Israel wurde unmittelbar nach der Zerstörung Jerusalems das Kaddisch-Gebet kreirt. Der erste Theil des Gebetes: „Verherrlicht und geheiligt sei der große Name Gottes in der Welt, die er »ach seinem Wohlgefallen geschaffen" n. s. w., enthält die „Segiiluigeu der Leidtragenden, „C^IIX 711313", der zweite Theil, wo von „Trost", „von des Friedens und des Lebens Fülle" die Rede ist, enthält die Tröstungen der Trauernden „O'^IX ‘BlTttn''- Während die einzelnen Leidtrageiiden und Kondolirenden aber ihre „Segnungen und Tröstungen" sich selber, und immer den Rerhültuissen und Kenutiiissen der Betreffenden angeliiesseii, gebildet, hat der große Leidtragende, das Volk Israel, im Kaodisch-Gebet für seine „Segnungen und Tröstungen" eine stehende Formel, und zwar den damaligen Sprachkenntnissen der großen—des Hebräischen unkundigen —Menge angemessen in chaldäischer Sprache erhalten. (Vidi- Tosafoth Berachoth 6 a) Da aber von jener Zeit an die allgeincine Trauer die iiidividiielle verdrängte, da die Fa »ii lien tra ner vor der Nationaltrauer zlirücktreten musste, da derjenige, der be» Tod des Raters und der Mutter beweinte, nur als einer "TV33 '1'3X 1X3* “pTiE C^EllI,, unter den übrigen Leidtragenden lim Zion und Jerusalem betrachtet wurde, eignete sieh auch die Ei nzeltrauer die „Seguungeii! lind Tröstungen" der Natioualtrauer an, und so wurde das Kaddijch- \ (stebet, das ursprünglich der Zerstörung Jerusaleiiis gegolten, j zum "BW np» zum Trostgebet für jeden einzelnen Todesfall in! der »Familie!!! Und nun wollen wir zur Erklärung dieses »lerkwürdigen l täglich millionenfach gesprochenen Gebetes übergehen. Der erste j Theil desselben bietet gar keine Schwierigkeiten. Er enthält! bloß eine Paraphrase der Verheißung EzeehielS (.'ich 26). „Und ich erweise mich groß und heilig und lhue mich kund vor den Augen vieler Völker »nd sie erkeinien, daß ich der Ewige bin . er drückt den Wunsch und die Hoffnung aus, daß diese Verheißum, sich „bald und in kürzester Zeit" erfülle. Schwierig ist der zweite Theil mit jenem "X713713?,, von dem Zuuz sagt, daß inan sick 700 Jahre mit der Erklüriiug desselben umsoust gequält" (Gottesdienstl Vorträge S. 672 s.); ivir fügen gleich offen hinzu, daß uns die Erklärung Zunz', so blendend sic auch im ersten Augenblick scheinen »löge, ebenso wenig befriedigt wie die der Alten. Wir wollen uns beide Erklärungen näher ansehen. „Gelobt und gepriesen, gcrühnn und erhoben u. s. w. sei der Name des Heiligsten, hoch über jede- Lied,jedeHiildigung, jedes Lob und jedenTrost, dieinderWeb ausgesprochen werden u. s. u>." Was soll das heißen und bedeuten, fragt alle Welt, wenn ivir sage», „gelobt und gepriesen sei Gob über jeden Trost?!" Die Alten (Tue. Orach. (ihajim 7,6, Manhi» ». s. tu.) beute» das Wort in ihrer Weise. Gott, sagen sie, der j> Israel, seinen erstgeborenen Sohn, auch in feinem Unglücke liebt empfindet de» Schmerz Israels ob der Zerstörung Jerusalems gleich sain mit, wie ein liebevoller zärtlicher Rater im Unglück des Kindes sein eigenes Unglück erblickt, und deshalb bedarf Gott auch gleichsam des Trostes, und das sei die Bedeutung des Wortes "X7137131,,' Sie basiren ihre Erklärung ans eine unvergleichlich schöne Stelle in: Talmud (Bcracbolli 3a). „Wenn Gott — nach der Zerstöruuo Jerusalems — bas Kaddisch-Gebet in den Lehr- und Gotteshäusern vcrnininit, dann schüttelt Er voll Schmerz und Wehmuth das Haup: und spricht: „Wie ist dem Rater zu Muthe, der seine Kinder ver stoßen muß! Wehe aber den Kindern, die vom Tische des Raterentfernt ivorden sind!" So legte inan sich 7on Jahre lang »w darüber das "87137131,, zurecht. Zunz und Rappoport aber erküren die Sache anders. "8713713* ,1313» sagen sie, ist der technisch Ausdruck für jene volksthümlichen agadischen Vorträge, die in jenen Tagen vor der großen Menge gehalten wurden, sie enthielten, dies Vorträge, das Lob Gottes und den Trost Israels und hießen deshalb "71137131 711313,, und in Bezug auf diese Vorträge sagen wir „Gott sei gepriesen hoch über das Lob, das in jenen Vorträgen vod Lob und Trost" verkündet wird. Wir habe» bereits gesagt, daß uns auch diese Erklärung wenig befriedigt, Abgesehen davon, daß in der ganzen hebräischen Litteratur der Ausdruck "71137131 711313,, nur ein einziges Mm (Midrasch. En nt. 15a) vorkommt, und auch an dieser Stelle — c heißt dort "71137131 711313 M31„ und nicht wie Zunz (Gottesd. Bortr. S. 665) zitirt "71137131 711313,, — >vv von dem um erträglichen Drucke des „kranken" Israel die Rede ist, bei "'13" 711,37131 711313,, eher an „Segnungen" und „Tröstungen Trauernder als ail technische Ausdrücke für homiletische Vorträge zu denken is: abgesehen von allem Anderen, fragen wir, wie klänge es dem wenn wir zu deutsch etwa sagen würden: „Gelobt und gepriesen sei Gott über jede Predigt, über jede Exhorte, über jede Schrisi erklürnng, über jeden homiletischen Vortrag u. s. tu. Und wo: i» deutscher Sprache nnmöglich, sollte in aramäischer Sprackc möglich sein?! Nicht minder schwierig als das "87137131,, ist dos "XBPTE p’BXl,,, der Trost II. s. w., der in der Welt gesprochen wird." Wo anders soll denn Lob und Trost verkündet werden, ws in der Welt? Und ivurde den» i» jene» Tagen das Lob Gottes, oder gar jene homiletischen Vortrüge, wirklich in der Welt verkünd,i und gehalten, beschränkte sich diese Thätigkeit nicht auf das kleine damals so sehr zusanimcngeschinolzene Häuflein Israeliten? Wir versuchen daher, diesem Satze eine neue von allem Hem gebrachten abweichende Erklärung zu geben, und gestatten uns, dieselbe den Lesern dieses geschätzten Blattes in aller Kürze zu nuterbreiten.. .• Im fünften Buch Moses (26. 17—IG heißt es: „'.11 71*13X15! TS BIM -p'3X7!" Du hast heute den Ewigen erwählt (erhoben) tmt* Der En 711XL' Cntefoi Diese C »tm R lind w richtete ..Gott Ehaldä heißt, Wir ül ,,X3' der Tr: hat... 8711'D rönnen des gai über je' daß Er Das sii des Fr des R. - „ui die uns Vr Persoin u.raph! Vibliotl :>erühn>! a »I) e Notar >rr star des Ers mich ni mehr, ichützba -ich hal Voi lagen, uian in Um». -) 1 ($46. 6 eev Str

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