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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-03-18 · Heft 12 (18.3.1892) · p. Seite 135

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 12 (18.3.1892)
Date
1892-03-18
Page
Seite 135 (sequence 3)
Language
German
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13.’) ihm non I). Herr ■inen, er ngelischer ben; biKleugneter stör und jlutoritat chbedcut- Schwalb stantische t beengt hat, de» nche sind; bei uns nif einer >e dafür nur fei» iS er im auch in rhrungSdeuttich )cit und iffeut licht as; auch it Jahrum sich astet und isseu der werde» u haben, ropheten ihalt der unserer ch damit wird, in; die ■it heute ichsender n, de»» rd durch zleichsani >ie Lehre in einen sich unchiedenen Ile eine» jüdische :r seine» >as Veriichstabe» i Ramm iiedauke» leu. niktione» al gar zu >rhr den Buchstaben, um Widersprüche zwischen der. Moral Jesu und unserer Moral direkt zu schaffen. Schwalb unlerscheidet sich sehr zum Bortheil von dielen protestantischen Theologen dadurch, daß er die Zusammenhänge des Ohristenthuins mit dem Judenthum klar erkennt und ausspricht. Biele christliche Theologen gerade der freien Richtung folgen der Vnrole Schleiermachers, der, um dom Jndenthui» loszukommen, emphatisch ausruft: „Ich hasse in der Religion diese Art von; Historischen Beziehungen; jegliche hat für sich ihre eigene und ewig; Rothwendigkeit und jedes Anfängen einer Religion ist ursprünglich." ..pich hasse", wenn nur mit diesem Hasse historische Thatsacheu aus der Welt zu schaffen wären; cs ist das jener sublime wissenschaftliche Aiitistinikismus, der dem Judenthum die Ehre rauben will, die lOrundpfeiler des sittlichen und religiösen Lebens aufgerichtet z» haben; alle Forschung über die Ursprünge dcS Christenthums ist ein 'lammender Protest gegen das Bestreben, die Tochter von der Mutter losznreißen; cs giebt freilich christliche Theologen, deren ganze Religion dieser Haß, diese Abweisung des Judenthums ist, wie es j indererseits Juden giebt, deren ganzes religiöses Leben sich in der j Regatiou jedes andern Glaubens erschöpft. j Schwalb ist für solche Kunststücke der Dialektik viel zu ehrlich;! r betrachtet sich auf seiner christlichen Kanzel als einen Erben und! Rachsolger von Israels Propheten; seine religiöse Grundüberzeiigung! st offenbar der sehr ähnlich, welche Lessing mit folgenden Worten! .insdrückt: „Die beste geoffeubarte oder positive Religion ist die, i welche die wenigsten konventionelleu Zusätze zur natürlichen Religion! nthält, die guten Wirkungen der natürlichen Religion am wenigsten i nischrüukt." ' Lessing fügt diesem Satze, mit welchem er seine; Betrachtung „über die Entstehung der gcosfenbarteu Religion" schließt,; . ine lauge Reihe von Gedankenstrichen an, und diese Gedankenstriche,! ue allerdings vieldeutig sind, deuten vielleicht die Entwicklung an, die Tchwalb seinem religiösen Bekenntnisse giebt. Auch wenn wir von dem Inhalt der Rede» absehe», sind! Tchwalbs Kanzelrede» einfach schon durch ihre Form höchst beachtensj werth. Die Gegenstände seiner Betrachtung liegen oft weit ab von! 'er Heerstraße, oft wieder steigt er mitten in den Lärm des Tages! mein, so daß die Gefahr, trivial zu werden und der Würde der! Kanzel etwas z» vergeben, sehr nahe liegt. Aber Schwalb spricht; weder zu hoch noch zu gewöhnlich, sonder» eine edle Bolksthümlichkeit! ermöglicht hier weiten Schichten der Bevölkerung das Verständnis;; "edenteuder Gedanken und hebt andererseits das Einfache und j Gewöhnliche in das Bereich allgemeiner n»d fesselnder Erwägung.; Dabei zeigt sich überall ein unerbittliches, heißes Bemühen, wahr! Ui sein, und dies Streben verklärt die Rede auch da, wo wir dem! Redner nicht folgen können. j Schwalb ist kühn genug, auch de» Autisemitisiuns auf die! Kanzel zu bringen; er widmet diesem häßticheu Thema eine ganze j Höne Predigt. Er sagt gerade heraus: „ES giebt sehr wenige! Christen, vielleicht sehr wenig gebildete Mensche», die im Grunde ihres Herzens von antisemitischen Gedanken, Gefühlen und Regungen "öllig frei sind. Ich selbst, der ich mit Recht für eine» Feind des Antisemitismus gelte, ich selbst finde in mir gar Manches, das ntschiedeu antisemitisch ist. Ich bin nicht so judenfreundlich, als! man meint."; Er weist darauf hin, daß Rabbi Jehoschua, als Jude von Geburt, j ■in entschiedener, leidenschaftlicher Philosemit gewesen sei; weil so! viele in der Christenheit Jesum nicht kenne», gebe es so viele Anti- 'emitcn; die Unwissenheit ist eine Quelle des AntisemitiSmns. Schwalb spricht sodann von den Untugenden der Juden; aber er zu Christen redet, so sind auch diese Fehler der Jude» ihm j ein Anlaß, den Christen ins Gewissen zu reden. „Anslatt die Juden für ihre Berbrecher verantwortlich zu machen, sollte die Christenheit sich sagen, daß sic selbst dieses Volk in Versuchung, in Schuld »ad Schande gebracht hat; sie sollte sich bemühen, die Schuld der Judenhasser früherer Zeiten, die Schuld der eigenen Väter zu tilgen." Eine andere Ursache findet er in den kleinen Unarten der Juden; „in den Ghetto'» ist er so verkommen und verkrüppelt." „Kein Wunder, wenn manche vor ihm etwas wie eine körperliche Antipathie empfinden." Schwalb hat offenbar in Bremen nur wenig Verkehr mit Jude»; sonst würde er wisse», daß seine Schilderung für die deutschen Jude» gar nicht, jedenfalls nicht mehr paßl. Schwalb redet hierauf von der religiösen Schuld der Juden, „sie haben Jesinn gekreuzigt, eine wunderliche Rede! Riemand hat jemals von den Griechen gesagt: sie haben Sokrates vergiftet, oder von den Engländern: sie haben Karl I. ans das Schassot gebrachte Jedermann weiß, daß diese geschichtlichen Thateu, diese ungeheuren Verbrechen, wenn mau sie so nennen will, vollbracht worden sind durch den Willen einer kleinen Partei. Und so haben auch nicht die Jude» Jesus aus Kreuz gebracht; das bat Kaiphas und mit ihm eine kleine Cligue gethan. Eigentlich haben eS gar keine Inden gethan, sondern Römer und Römersrennde. ES ist eine häßliche Verlämndung und Ungerechtigkeit, wenn man den Tod Jes» ans Rechnung des jüdischen Voltes setzt." Die Fastenpredigten könnten viel zur Entwurzelung des Vorurtheils thuu, wenn sie das Volt über diesen Punkt »ach dem Vorbild Schwalbs aufklärte». Schwalb spricht ferner von der starten Konkurrenz der Juden auf dem Gebiete des Handels und der praktischen Wissenschaften, aber, meint er, „schlimmere Waffen haben nie und nirgends die ärgsten Juden gegen ihre christlichen Konkurrenten gebraucht, ein solches Armuthszengniß sich selbst anszustellen, hätten sie sich geschämt." Endlich, so glaubt Schwalb, ,,laste man sieh gegen die Juden aushetzen durch ererbte Triebe und Leidenschaften, man werde in unserer Zeit als Antisemit geboren." Das ist nicht ganz so schlimm. Aber nicht aste Kollegen Schwalbs reden so jndenfreundlich, so menschenfreundlich von ihren Kanzeln; wie viele Fastenprediger machen uns verantwortlich für den Tod Jesu; sodann kommt das böse Beispiel, das mächtige Männer dem Volke gegeben haben. Der Antisemitismus ist erst in den letzten Jahre» so üppig in die Höhe geschossen. Es ist ein schönes Zeichen des religiösen Geistes, wenn innerhalb der protestantischen Kirche so frei und gerade heraus über den Judenhaß, gegen den Judenhaß, geredet wird. Wir möchten allen Amtsgcnosseu Schwalbs zurnfen: „Gehet hin und thnet desgleichen." «p> Das Kaddrfth-Geüet. Bon Rabbiner Tr. I. Ko hu in Jnowrazlaw. Ml. Daß sich das jüdische Volk nach der Zerstörung Jerusalems gewissermaßen als„SlK" Leidtragender betrachtete, und auch von der jüdischen Gesetzgebung als solcher angesehen und behandelt wurde, beweisen die verschiedenen Vorschriften, die sich a» jene Zerstörung knüpfe». Wer die Städte Jehudas in ihrer Zerstörung erblickt, spricht, „deine heilige Städte sind eine Wüste geworden" (Jesaja 04 9), und zerreißt seine Kleider, wer das zerstörte Jerusalem sieht, spricht: „Zijon ist eine Wüste geworden, Jeruscholajim eine Oede" (ilml.) und zerreißt feine Kleider; wer aber des Tempels,

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