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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-03-11 · Heft 11 (11.3.1892) · p. Seite 132

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 11 (11.3.1892)
Date
1892-03-11
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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- 1 Noch zwei Nachrichten für „Von Nah und Fern". 1. Das seltene Fest der silbernen Hochzeit feierten am Rosch - Ehodesch Adar die Galniel Brummthalschen Eheleute. Von der großen Beliebtheit des Jubelpaares legt wohl der Umstand deutliches Zeugnis; ab, daß einer der Söhne die weite Reise von Frankfurt cm der Oder hierher nicht gescheut hat, um nur an dein Feste theilznnehmen. 2. Am Abend des Purimfestes fand hier in Schermeisel ein seierlicher Festgottesdienst statt. Fast die ganze Gemeinde hatte sich eingefnnden, um andächtig der schönen Rezitation der Megilla durch den Oberkantor Herrn Peßachsohn zu lauschen. Zum Schluß noch eins. Können Sie mir nicht durch Ihren Einstllß ein Mandat zrun Gememdetage des Gemeindebundes, der am 27. März dort in Berlin stattfindet, verschaffen? Unsere Gemeinde ist leider nicht Mitglied des Bundes, aber vielleicht wissen Sie eine andere Gemeinde, die mich depntirt —- selbstverständlich gegen Erstattung der Reisekosten. Ich Hütte große Lust, einmal den Herren vom Ausschuß des Gemeindebundes meine Meinung zu sagen. Ick habe ohnedies noch ein Hühnchen mit ihnen zu pflücken. Ja, für die „Historische Kommission" hat man Geld, aber wenn ein armer Kultusbeamter eine Badereise machen will — natürlich bezieht sich das nicht auf mich. Ihr ergebenster Peßachsohn. Schermeisel, zu Purim .">652. „Ma uora nuikom seli!“ Wie gewaltig ist dieser Ort! So möchte ich mit dein Patriarchen ausrufen, indem ich die Feder ansetze, um Ihnen über die Vorgänge in unserer Gemeinde zu berichten. Ja, in Wahrheit bedeutend sind sie, nicht nur für die Schermeiseier, sondern für die ganze religiöse Judenheit. Gegründet ist das stolze Wert, unser „Schermeiseler Verein für jüdische Geschichte und Litteratur". Der Löwenantheil an dem Zustandekommen dieses Vereins gebührt unserem trefflichen Brrerabbiner Herrn D. K aßriel Peßachsohn, und es ist betrübend, daß dieser würdige Mann bei der Wahl des Vorstandes in der schmählichsten Weise übergangen worden ist. Die Versammlung war eine imposante. Es mochten gegen zwanzig Personen anwesend sein. Wir bemerkten außer dem schon genannten Herrn Peßachsohn noch den Küster Tulpenhanpt, den Lehrer Löwenfreund, den Stadtverordneten Herrn Nathaniel Müller, sowie die erste Klasse der hiesigen Religionsschule, welche das eiuberufende Komitee in weiser Symbolik als die Vertreter der Zukunft eingeladen hatte, und andere Honoratioren unserer Gemeinde. Die Mitglieder des Vorstandes unD der Repräsentanten, sowie Se. Ehrwürden Herr Tr Schreier hatten bedauerlicherweise abgesagt. Nachdem in einigen einleitenden Worten Herr Löwenfreund auf die Nothwendigkeit hingewiesen hatte, den Geist der jüdischen Wissenschaft in die Herzen unserer Jugend zu pflanzen, ergriff Herr I). Peßachsohn das Wort zu einer längeren Rede, deren Inhalt ungefähr folgender war: (Leider gestattet der Raum unseres Blattes die ausführliche Wiedergabe der Rede unseres geschützten Mitarbeiters nicht. Red.) Rauschender Beifall folgte diesen trefflichen Worten, uiib man schritt, nachdem noch mehrere Redner sich in ähnlichem Sinne geäußert, Konstituirung des Vereins". Bei der Wahl des Vorstandes wurde merkwürdiger Weise nicht Herr I). Peßachsohn, sondern Herr Nathaniel Müller zum Vorsitzenden ernannt, ebenso vereinigten sich bei den nachfolgenden Wahlen eines Schriftführers uub eines Schatzmeisters die Stimmen auf die Herren Löwenfrelmd und Tulpenhaupt. Wir bedauern dies im Interesse des Vereins, zumal im Laufe des Abends noch der für das gesummte Deutschland wichtige Beschluß gefaßt wurde, daß unser Verein sich zum Mittelpunkt aller gleichartigen Bestrebungen im Deutschen Reiche zu machen beabsichtigt und sehr bald den Namen „Centralverein f. j. <2 .. G. u. L." anzunehmen gedenkt. — Doch noch von einem anderen Vorkommniß habe ich zu melde!;, welches gleichfalls nicht verfehlen wird, ungeheures Aufsehen und — so hoffe ich - Nachahmung zu erregen. Es ist der von unseren Gemeindebehörden einstimmig gefaßte Beschluß der Uniform irnng sä m m tl ich er Kultusbeamten. Es ist erfreulich, daß in dieser Hinsicht unsere Repräsentantenversanunlung über den Antrag des Vorstandes weit hinausgegangen ist. 1U* sprünglich sollte eine Amtstracht nur für den Synagogendiener eingeführt werden; man wollte, und wohl nicht mit Unrecht, auf diese Weise dem bezüglich seiner Persönlichkeit nicht hervorragend ausgestatteten Bearnten ein größeres Ansehen verschaffen, zumal bei der Ausübung seiner Funktionen als Steuereinnehmer der Gemeinde. Mit vollem Recht aber wies in schneidiger Rede der Führer der Reformpartei in der Repräsentantenversanunlung, Herr Cohn II., darauf hin, daß die Würde der übrigen Beamten aufs Empfindlichste geschädigt werde, wollte man in solcher Weise den Synagogendiener den anderen Beamten vorziehen. Nicht nur zum Einziehen der Gelder, auch zum Lehren, znm Vorbeten, zum Predigen und nicht zum Mindesten zum Schächten gehöre Autorität und daher Uniform. So ward es Beschluß, und eine Snbkommission ist zur Festsetzung der Einzelheiten ernannt worden. Von den Beschlüssen derselben ist leider noch nicht viel in die Oefsentlichkeit gedrungen, doch verlautet, daß ein Antrag, dem Rabbiner das Tragen eines Degens zu gestatten, aus rituellen Gründen abgelehnt worden ist. Das nächste Mal hoffe ich Genaueres über diesen wichtigen Gegenstand mittheilen zu können. Vielleicht geben diese Zeilen die Anregung, daß auch andere Genieinden in so fürsorglicher Weise sieb ihrer Beamten annehmen. Die hiesige Gemeinde wird mit ihren Erfahrungen gern jeden; Fragenden hilfreich zur Seite stehen.!). 1\ «§> Krirfkastcn der Redaktion. Lehrer I. F. in H. Xe bis in idem. M. L., Nakel. Sie thun gut, wenn Sie solchen Leuten trotz der Zeugnisse mit großem Mißtrauen begegnen. Selbst wenn es keine Schwindler sind, ist unter den von Ihnen geschilderten Verhältnissen an eine Rechnungslegung und .Kontrole gar nicht zu denken. Vielleicht erfahren Sie Näheres durch das Bureau des Gemeindebundes, wo über solche Fälle Aktenmaterial gesammelt wird. Jedenfalls aber werden Sie gut thun, Ihre Erfahrungen in der Sache dorthin zur Warnung für Andere zu melden. L. Das Buch ist vom Verfasser, Herrn Dr. E. Hofmann, Berlin W., Potsdamerstr. IN, zu beziehen. I. ft. in R. Der Titel des betr. Buches lautet: „Lehrpläne und Lehraufgaben für die höheren Schulen nebst Erläuterungen und Ausführungsbestinnnungen". Verlag von Wilhelm Hertz in Berlin. Preis 75 Pfennig. B. S. — Die Aufnahme des Berichtes ist nicht angängig gewesen^ da der Verstorbene nur einem sehr geringen Theile unserer Leser bekannt war und seine Bedeutung bei aller persönlichen Trefflichkeit doch nur eine lokale war. Es fehlt uns leider der Raum, um solchen speziellen Wünschen, die fast in jeder Woche an uns herantreten, gerecht zu werden. Herrn H. M. in (5öln. Sie werden das Gewünschte zweifellos erhalten, wenn Sie sich an das Büreall der jildischen Geineinde in Berlin X., Oranienburgerstr. 30, wenden. Die Nr. 0 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Ab wehr des Antisemitismus" lExpedition: Magdeburgerstr. Ich Postzeitungsliste 4173) enthält folgende Artikel: Rektor Ahlwardt. — Juden als Landwirthe. — Grober Unfug. — Liebermann v. Sonnenberg — Ter Handwerkertag. — Die Antisemiten unter sich. — Kleine Mit theilungeu. Truck und Verlag von Rudolf Moffe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin. 56. Ii K; Milglie Hr. 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