Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1892)
- Date
- 1892-03-11
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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123 itflctveiu'ü : ba|; bu - das; bi.; :1c juniK ür etcli- Kanniii i dmangel; l anderen le Beden and zwar nnatischen r Antlaa angemen: itetcu uii ' jüdische, vfl (es ir :r Stadt lebende! ter seine, otiüirt : >en, wen, innen ga . erklärt weil e n Dienst weisen ß sie thnn ere Reih Quelle di )at ans t erklärt, usiasmulsser nid) eiche inn! bedingte', )ichke ti'ci .^orurthe! dlvehr" cu Thal c b eit | fl. Jen chistarite ^citiuny mr dura ichen Be »er Land ls; L o s ne solck. (eschritte: zllden. iifl gegen Polizeidirektor Flesche berichtet über seine Erfahrungen unter dem 19. April an den Kreisausschnß das folgende: „Es rvürde der auf heute anberaumt gewesene Termin das Geschäft ver Aushebung beschlossen haben, wenn nicht der Widerwillen, den diese Einrichtung überall erzeugt, sich heute deutlicher als je ausgesprochen hätte. Nicht allein, daß ein großer Theil der zur Eidesleistung zusanunenderufenen Laudwehrmänner ausblieb, nicht allein, daß das Betragen der Erschienenen von der Beschaffenheit war, daß die Zusammenstellung zur Ungebühr verzögert werden mußte und nicht beendet werden konnte, daß man sich während der Verlesung der Kriegsartikel einen Mißvergnügen verkündenden Lärm erlaubte und zu befürchten stand, daß die Zusammengekonnnenen wieder auseinandergehen oder die Eidesleistung verweigern ivärdeu, so haben sieh einige der Erschienenen sogar in der Kirche ein, der Heiligkeit des Ortes und der feierlichen Handlung unpassendes Betragen zu Schulden kommen lassen, den Eid selbst nicht abgeleistet lind ihre Umgebungen während des Schwures zu einer ähnlichen Handlungsweise ermuntert." Der Bericht fügt hinzu: „Schmerzlich ist es mir, dies von den Einwohnern einer Stadt sagen zu müssen, die sich der Gnade Sr. Majestät von jeher in ganz vorzüglich hohem Grade zu erfreuen £>attc/y 1) In Brandenburg ist der schlechte Geist zwar nicht öffentlich und anstößig wie in Potsdam hervorgetreten, und thatsachlich hat die Stadt schließlich ein starkes Kontingent gestellt, „doch zeigten die im Uebermaß eingehenden Reklamationen, daß ein patriotischer Aufschwung und große Lust zum Eintritt in die Landwehr auch hier nicht vorhanden um*."2) Von 298 Einberufenen hatten 80 reklamirt. Aus Dem min — aus dem Münsterschen — aus der Grafschaft Tecklenburg wird über die große Zahl Deserteure lind Refraklaire geklagt. lieber das vierte westfalische Landwehr-Jnfanterie-Regiment aus dem Münsterschen, das eine Starke von 74 Offizieren, 239 Unteroffizieren, 52 Spielleuten und 2809 Gemeinen hatte, heißt es in dem Generalstabsbericht: „In der zweiten Hälfte des Juni wurde das Regiment nach Wesel verlegt, woselbst es bis zum Ausbruch des Krieges von 1815 verblieb. Während des Marsches nach Wesel deserlirteu: 17 Unteroffiziere, 6 Spielteute, 631 Gemeine. 'Aus diesem Beispiel kann man auf die sonst stattgefundenen Desertionen schließen."^ Die „durch Gewohnheit unkriegerischen" OstfriesenH petitioniren um Verringerung der Mannschaften, wegen Stellvertretung und Befreiung vom Dienste gegen Geldbeiträge — gellau wie einzelne Judengemeinden. Im Paderboruschen kommen wider die Renitenten Zwangsmaßregeln im vollsten Maße zur Anwendung.^) lieber Reustettin (in Pommern) wird berichtet: „Die Aushebung, welche sofort beginnen sollte, stieß in diesem .Kreise auf so ernste Hindernisse, wie wir solche in keinem anderen Orte der Monarchie bisher kennen gelernt haben, in t i Dorfschafteu stieß das Losungsgeschäft sogar auf offenen, gewaltsamen Widerstand."6) Erst die Androhung strengster Maßregeln und eine geschickte Aufklärung der Bevölkerling beseitigte die Auflehnung. In Westprellßen — gleichzeitig dem Thatorte des jüdischen Verbrechens — waren (hauptsächlich durch das Verhalten der polnischen Bevölkerung) bei Errichtung der Landwehr ganz besondere >1 I. c. 1.2. C. 57. |>. 2125. - i I. <*. 1. 2. C. 57. j>. 25. :t) 1. 3. Q. 1857. 101. J) I. <’. 8. O. 1857. ]). 97. ») 1 o. 3. Q. 57. p. 101. «) I. c. 3., 4. Q. 1858. p. 45. Maßregeln (Eintheilung in treue und untreue Distrikte, Absuchuug des Waldes, Ueberwachung der Ausgehobenen) nothwendig. Aber — abgesehen von den patriotisch gesinnten besseren Ständen — war auch der deutsche Theil der Bevölkerung in seinen unteren Schichten bezüglich der Begeisterung und Opferfreudigkeit nicht hoch anzuschlagen ') und an den Desertionen sind auch Deutsche betheiligt. Bon den Mennoniten heißt es, daß sie eine besondere Schwierigkeit bieten, selbst nicht erscheinen und auch andere daran verhindern. Gegen ein Loskausgeld von 6033 Thalern (Pro Mann 33 Thaler 30 Groschen) wird ihnen schließlich die Befreillng vom Eintritt in die Landwehr (mit königlicher Genehmigung bewilligt; 9 und damit in dem Bilde kein Landestheil übergangen werde, sei erwähnt, daß auch aus einer Anzahl schlesischer Kreise ebensolche THatsachen berichtet werden. Das Vorkommnis; bei den westpreußischen Juden - beiläufig das einzige wohl dieser Art aus dem Jahre 1813, durch welches die Juden überhaupt berührt werden — bedeutet -- genau wie alle übrigen Vorkommnisse — eben auch nichts weiter als ein dem großen Werke entgegenstehendes Hindernis;. Mit diesem Vorkommnisse wird daher nur das Urtheil der Geschichte bestätigt, daß im Militär zwischen Christen und Juden eben ein Unterschied nicht besteht — weder im Guten, noch im Bösen. Es erübrigt jetzt noch den zweiten, wenn möglich schlimmeren Theil der durch die „Kreuz-Zeitung" verübten Entstellung historischer Wahrheit aufzudecken. Ter Kreuzzeitungshistoriker hat sich nämlich nicht damit begnügt, die bei der übrigen Bevölkerung vermeldeten Vorkommnisse zu eskamotiren; er hat vielmehr auch direkt die „wahren Thatsachcn" zurechtgestutzt, mit welchen er die Juden in den fünf westpreußischeu Kreisen als feig und unpatriotisch verklagt. Freilich ohne dies hätte auch das andere Manöver nicht den gewünschten Zweck erfüllt. Wortgetreu, ja mit diplomatischer Genauigkeit führt die „Kreuz-Zeitung" ihre Quelle an. Ausgelassen sind von dem Historiker des Blattes nur zwei Sätze, nämlich die beiden, welche gerade über den wirthschaftlichen, sozialen und physischen Zustand der westpreußischen Juden im Jahre 1813, ja in einem gewissen Grade auch über ihren politischen und militärischen Geist ein bedeutsames Zeugnis; enthalten. lind doch stehen diese beiden Sätze in den Generalstabswerken mitten unter jenen von der „Kreuzzeitung" mitg et heilten „wahren Thatsachen"' Erster ausgelassener Satz: Im Kreise Deutschkrone waren jene Reklamationen überaus zahlreich, deren ärztliche Begründung nicht anerkannt werden konnte. Im that sächlichen (Gegensätze hierzu äußert sich der Landweh rausschuß wörtlich wie folgt: „Merkwürdig ist es, daß die meisten Juden mit Br Lichen behaftet sind; wahrscheinlich ist das Tragen großer Pallete von Jugend auf, womit sie im Lande umherziehen, daran Schuld." Und daran schließt sich unmittelbar der zweite ausgelassene Satz an. Er lautet wörtlich: „An Freiwilligen stellten sich in diesem Kreise, meist zur Kavallerie, 163 Mann, darunter 11 Juden."') In dieser einfachen, gewissermaßen naiven, Aussage des Laudwehrausschusses wird die physische Verkümmerung und die soziale Degradation der westpreußischen Juden im Jahre 1813 eben nur in eine m Symptom und nur in der landläufigsten Erscheinungsform bekundet; um so zwingender bezeugt diese Aussage, daß die 0 Das Geireralstabswerk führt Beispiele genug an; I. 3.4. O. 58. p, 106. V 1. c. p. 119. 3) 1. e. 3 4 Q. 58. p. 107.