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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-03-11 · Heft 11 (11.3.1892) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 11 (11.3.1892)
Date
1892-03-11
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 Nun aber wird dieser Religionsunterricht obligatorisch in der Preußischen Volksschule. Das gilt uns als einziger Lichtpunkt in dem ganzen Schulgesetzentwurf, mtb wir wollten trotz aller Gebeuten einen Fortschritt in dieser Entwickelung sehen, wenn nur diese Bestimmung zur (Grundlage des gesummten Unterrichtswesens, auch des höheren gemacht würde. Erst battu würde der theoretische Erfolg von wirklichem Nutzen auch für uns begleitet sein. * „Philosemitische Eulenspiegeleien" oder antisemitische Mahrheitsliede3') Von Sauitätsrath Dr. S. dien mann. Ist in dem Verhalten der Juden und Christen als Soldaten im Heere eilt Unterschied vorhanden? Lediglich die Antwort auf diese Frage entscheidet, ob in der mächtigsten Institution des Staates die Judenfrage eitle Stelle Zu haben berechtigt ist oder nicht. Die Antwort, welche von der Geschichte des preußischen Heeres selbst gegeben wird, lautet bestimmt und ttnzweideutig. Seit dem Eintritt der Jubelt in das Preußische Heer sind volle 80 Jahre verflossen. Während dieser Zeit, vom Beginn bis heute, haben die Juden im Frieden ganz gleich wie die Christen ihre Schuldigkeit gethan, habett im Kriege die jüdisehen Soldaten in gleicher Weise mit ihren christlichen Waffengefährtett sich bewährt. Alleitt mittelst amtlicher Zeugnisse und sonst bestens legitimirter Daten hat der „Antisemitenspiegel" in dem Bericht „über die Juden im Heere" dieses Urtheil der Geschichte begründet. Was bisher absolut nicht gelingen wollte und auch nicht gelingen tottute, dieses Urtheil zu beseitigen und datnit eilte reale Basis für die Judenfrage im Heere zu schaffen, das sollte ein in der „Kreuz- Zeitung" erschienener Artikel: „ Ph i lo s e m i t i sch e E u l e ttspiegel eien"') vollbringen. Danach soll der „Antisemitenspiegel" die Thatsachen gröblich gefälscht haben; „die militärischen Thaten der Juden, ihre, durch die Feuerprobe bewährte Staatstrene und Vaterlandsliebe" in den Freiheitskriegen — das Alles ist eben nichts als Eulenspiegelei. Für diese Behauptung ist die „Kreuz-Zeitung" in der Lage, Thatsachen, „wahre Thatsachen" anzuführen. Sie liegen zwar 8o Jahre zurück, aber das thnt nichts. Sehen wir uns die Thatsachen an und die Kampfesweise der „Kreuz-Zeitung" dazu, die ja durch jene Mittheilungen der Wahrheit zur Ehre verhelfen will; das wird um so zeitgemäßer sein, als ja die „Kreuz-Zeitung" unter denen, welche dem Volke die Moral retten wollen, in vorderster Reihe steht. Voranszuschickeu ist, daß das gesammte Material, sowohl das von der „.Kreuz-Zeitung" wie das im vorliegenden Artikel benutzte, entnommen ist der „Geschichte der Organisation der Landwehr."'^) Im Jahre 1813 also ist in fünf westpreußischen Kreisen den dortigen Juden und zwar auf deren Antrag die Befreiung vom Eintritt in die Landwehr gegen Geldbeiträge (Loskaufgelder) bewilligt worden. Damit ist die eigentliche Substanz des Vorkommnisses, welches die „wahren Thatsachen" der „Kreuz-Zeitung" von den Juden *) Wir machen unsere Leser auf diesen interessanten 'Artikel, den wir der „Nation" <Nr. 2:!) entnehmen, ganz besonders aufmert'fctriT. Die Red. -i „.Kreuz-Zeitung" Nr. 585. Morgenausgabe. Beihefte zum Militär-Wochenblatt. Redigirt von der historischen Abtheitung des Generalstabes. E. S. Mittler u. Sohn, 1857/58. meldet, vollkommen erschöpft. Im klebrigen enthalten die wortgetreue!, Mittheilungen nur unwesentliche Aeußerlichkeiten, als wie: daß de-! Antrag der Juden ans Deutsch-Krone zuerst abgelehnt — daß d,Z aus Kammin nach dem Herzogthum Warschau emigrirte junge P 10. Al Mannschaft nicht zurückkehren will und die Aeltesten dafür Stell Vertreter stellen wollen, daß die Geldbeiträge der Juden ans Kammu in Dirschau von den Kreisausschüssen wegen fühlbaren Geldmangel) angenommen und wie viel daselbst und sonst in einigen anderen Orten gezahlt worden. Obgleich sachlich gleichfalls ohne alle Bedeu tung, seien dennoch zwei Momente speziell hervorgehoben und zwar lediglich, weil sie dem Kreuzzeitungshistoriker wegen ihres dramatischen Effekts besonders am Herzen liegen und dem Berständniß der Anklag zu Gute kommen möchten. Also erstlich: das besagte Arrangemeiu ist vermittelt worden durch den in seinen Kreisen wohlgeachteten tum als guten Patrioten allgemein anerkannten Vorsteher der jüdische, Gemeinde in Märkisch-Friedland, den Kaufmann Friedberg (es in der Vater des vor wenigen Monaten verstorbenen Berliner Stadt raths Eduard Friedberg und des noch unter uns lebende, Ministers Friedberg gemeint), und dieser würdige Vertreter seine. Glaubensgenossen hat sein Gesuch mit folgenden Worten motivirt: „Ich würde mich diesem Gesuche gar nicht unterzogen haben, wen, ich nicht völlig überzeugt wäre, daß bei jetzigen Zeiten feige Memmen ga nichts, dagegen 10,000 Thaler baar sehr viel helfen können!" Und zweitens: - König Friedrich Wilhelm Ul. erklärt sich mit einem solchen Arrangement ganz einverstanden, weil e derartige Leistungen von Seiten der Juden dem persönlichen Dienst vorzöge. Z Diese angeführten Thatsachen sind richtig und doch beweisen s, nicht das, was die „Kreuz-Zeitung" beweisen will, sondern sie thuu nur dar, daß das konservative Antisemitenblatt eine wettere Reih von Thatsachen unterdrücken mußte, um aus der amtlichen Quelle di gewünschten Folgerungen ziehen zu können. Tie historische Abtheilung des großen Generalstabes hat aus drücklich die „historische Treue" als eine oberste Pflicht erklärt, die Furcht, „es möchte dadurch auf den patriotischen Enthusiasmuder gesammten Nation ein Schatten fallen", hat den Verfasser nid) abgehalten, auch die „Schwierigkeiten und Hindernisse", ivelche iuh! ben eigeuthümlichen, durch innere und äußere Zustände bedingte,; Verhältnissen, dem großen Werke entgegen traten, der Geschichte tre, und ehrlich zu überliefern, ohne Haß und Liebe, ohne Vorurthe, gegen Konfession, Bevölkerungsklasse oder Landesgebiete. In der „Geschichte der Organisation der Landwehr" der Quelle für die „Kreuz-Zeitung", stehen nun jene „toahren Thal fachen" über die Juden mitten unter anderen ganz ebeus wahren Thatsachen über die übrige christliche Bevölkerung. Jeu. wie diese, sie alle werden von dem wahrhaftigen Militärhistorite gleich ehrlich erzählt; natürlich nicht so von der „Krenz-Zeitttng" und doch wird ein gerechtes Urtheil über die Juden sich nur bimu einen Vergleich mit den damaligen Verhältnissen der christlichen Be völkerung erreichen lassen. Greifen wir aus der Geschichte der Land wehr die folgenden Thatsachen heraus. Im Kreise Nieder b a r tt i m hatte das Gerücht, daß L o s kaufen von der Landwehr zulässig sei, eine solcl. Menge ähnlicher Petitionen hervorgerufen, daß dagegen eingeschrittc;■ werden mußte.') Die Niederbarnimer dachte also wie die Inden. In Potsdam war der Widerwillen der Bevölkerung gegcu die Einrichtung der Landlvehr überaus stark. iKT Al diese E hätte. berufen Erschie Nngebi man si vertun, gekomr ivürdet der He tragen ihre U weise t jagen Vorzug I und a die S tut Ile schwur nicht i 9 ichaft iatre c ii dem 2 Offizier okneri verlegt Währe Dpielb s o u st 3 ltiren t r c t tt genau I maßr II d i es et leinet li To sauten G Aufklc Verbr, ni]'d) 1) 1 e. 3.4. Quartal 1858. S. 118. --) 1. c, 1. 2. Q. 57. p. 34. ■) ■h 5)

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