Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1892)
- Date
- 1892-03-04
- Page
- Seite 119 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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119 : Kinda re stehen, Alles, i’c ttest ein: schtanth er inaii men cun, entfern l. Eins: sagt, nno sichern in lit allen Keligion habe air ich Hab i eümK- , was in crzeichnc: die Tn >ennöchi ^trafred aranf zu denthmn urch dakönnte oit Euc! wenn e nn man weigniss' vohl di - können bhl detichts is: 10 hl di- bis zun: Zeitung e wirth ihre und mir dadasselbe ht, was Zeitung )abe idi fenntnir. einmal „Nicht ein Mal, sondern mehrere Male ist es non mir geschehen, in! das Interesse für das Judenthum in Dir rege zu machen. Ich Hilie Dir diese Zeitung wohl gebracht, aber ich zweifle, ob Du eine jnsige Numiiier danon gelesen." „Oho!" „Dein „Oho" will nichts besagen. Als ich Dir das Blatt das a.ae Mal brachte, traf ich die Vorsicht, mir ein Merkmal zu machen, >l- Du es wenigstens in die Hand genommen hast. Du weißt, ich n!^te es Dir auf Deinem Komptoir auf die rechte Ecke des Schreiben t es niederzulegen. Auch diesmal trug ich die Zeitung dorthin i! o legte eine Stecknadel auf dieselbe, die unbedingt herabfallen inißte, wenn man das Blatt von der Stelle nahm. Als ich drei Dge darauf dasselbe wiederholte, lag beides noch so, wie ich es vigelegt hatte. Was sagst Dil dazu, Eugen?" „Wie schlau Du doch bist, Onkel! Aber höre, ich will mich u-iern, ich will wenigstens in dieser Beziehung ferner nicht sündigen. v,l) betheure Dir, daß ich die Zeitung lesen werde, sobald Dii sie üir das nächste Mal bringst, iiiid zum Beweis hierfür, werde ich i:r Einiges daraus mittheilen." „Gut, ich will es nod) einmal versuchen." Grasmann sah aus e Uhr, woraus Markus Himmelsstern erkamite, daß er den vielnhäftigten KailfmaiNi iiicht läiiger aufhalten dürfe, und er ent- nte sich. Obiges Gesprack zwischen Onkel und Neffe hatte in den Bor- : ttagsstiliideii stattgefunden. Aiii Nachniittage daraus finben wir äanmelsftern in seiner Wohnung vor einem kleinen Schrank stehen,; nin er seine Bücher und Zeitungen aufzubewahren Pflegte. Ta vir Alles sauber geordnet, nebeneinander gestellt und gelegt. Dort vöten gar viele Jahrgänge der verschiedenen Zeitschriften, dort lag v cl) die „Allgemeine Zeitung des Jiideiithums" in Jahrgänge zuvnmengelegt und mit Bindfaden befestigt. Jetzt griff Miser Onkel iiach einem dieser Paekete ltnb löste deii! rband. „Was willst Dil beim heute mit den alten Zeitungen," fragte nie Gattin. „Jawohl, alte Zeitungen dies, sie mögen wohl fünfzehn Jahre auf v: haben — richtig, es ist der Jahrgang von 1875." — „Aber was suchst Du heute darin?" „Eine Nummer davon soll mir dazii dienen, uiisern Eugen auf n Leim zu fuhren, und gieb Acht, er fällt darauf herein." — „Ich verstehe Dich nicht." „Ich habe ihm heute vorgehalten, daß er die Zeitimg des ckudenthums, so oft ich sie ihm and) gebracht, nicht gelesen. Er hat ir solches zugestandeu, aber in einem Anflug von Reue mir ver- | : rochen, wenn ich es in dieser Beziehung noch einmal mit ihm > agen wolle, er sicherlich das Blatt durchlesen werde." „Und Du willst ihnl eine 9hunmer von 1875 hintragen?" fragte kan Himmelsstern in hellem Auflachen. „Ich will es, uiid zweierlei kann dabei geschehen: eutiveder er merkt das Alter der Zeitung, und ich gestehe ihm ein, daß ich ihm vselbe gebracht, um seine Aufmcrksamkeit zu prüfen, oder er beachtet ve an der Spitze stehende Zeitangabe gar nicht, unb nimmt Ern,.wisse, die vor fünfzehn Jahren geschehen, als heutige Borkommnissean, i ud ich habe Gelegenheit, mich über ihn lustig zu madjen; vielleicht äliig' ich ihii dadurch zum regelmäßigen Lesen einer jüdischen Zeitmig." „Aber die Allgemeine Zeitung des Judenthums erscheint ja tKiite in ganz anderem Formate, mid was früher nicht der Fall war, -u grünlicher Umhüllung?" „Pah — denkst Du, daß er das kennt? Ob das Format groß oder kleiii, ob die Umhüllung grünlich oder röthlich — er hat keine Idee davon. Diese Sorte von Juden hat so wenig Keiintiiiß Mid Wissen von jüdischen Journalen, daß Dii ihnen Alles vorzulegen im Stande bist; ihnen ist die äußere Form wie der innere Gehalt gleich unbekannt." „Was Dii aber für Einfälle hast." „Laß mich gewähren, ich erreiche hierdurch vielleicht meinen Zweck." Bei Grasmanns war man nach dem Abendbrod. Alles in der Familie war zusammen. Da erwähnte einer der Knaben, oon benen drei im Hause waren, des Onkels, den er „Unter den Linden" in Begleitung eines fremden Herrii gesehen habe. „Halt Junge! Tu erinnerst mich eben daran, daß ich die Zeitung des Jiidenthums, die der Onkel mir gebracht, noch nicht gelesen," rief der Hausvater fast erschrockeii ails — „was haben wir heute?" fuhr er fort — „Donnerstag — und Montag brachte er mir sie. Ich habe das Blatt noch iiicht in der Hand gehabt. Aber wer famt an Alles denken! Jndeß, ich habe beut alten Mann versprochen, dies- | mal in jedem Falle die Zeitung zu lesen. — Hugo!" „Was soll ich, Papa?" „Geh doch einmal auf's Komptoir, dort wirst Dil auf der rechteii Ecke des Schreibtisches eine Zeitung vorfinden — „Allgemeine Zeitung des Judenthums" steht oben — diese bringst Du mir her." Hugo ging und kam bald darauf mit einem Zeitungsblatt zurück. „Hier oben steht, Papa, „Allgemeine Zeitung des Judenthums!" „Schön, mein Sohn, gieb her; ich niiiß doch wenigstens Eiiiiges darin lesen, damit ich mit bem Onkel darüber reden tann, doch sehe ich eben, daß ich niein Piiieenez nicht bei der Hand habe, ohne dieses geht's nicht. Hugo, lies mir vor." Hugo breitet das Blatt vor sieh aus und beginnt: Leitende Artikel. „Die Juden und die Kultur." „Ueberschlag dies, mein Jiuige. Die leiteudeii Artikel pflegen gewöhnlich weitgedehnt Mid langathmig zu sein, wofür ich, da ich in den Klub will, keine Zeit habe." Hugo sieht nach, wo der leitende Artikel endet und liest dann: „Die Statistik der jüdischen Bevölkerung im außerpreusnschen Deutschland und in der Schweiz." „Dabei komrut nichts heraus", meinte der Pater des Lesenden. „Laß auch das stehen, wo es steht. Zum Kuckuk and)! Giebts denn in diesem Blatte feine Wochen- und Tagesberichte?" i Hugo ruft: „Hier steht etwas von Berlin!" „So, das ist schön. Lies einmal, mein Sohn." | „Aber wird Dir beim das, was darüber zu lesen ist, nicht zu j viel werden, Papa? Siehe nur, zwei ganze Seiten voll ist es," | dabei öffnete der kleine Borleser seinen Mund und gähnte - gähnte j recht laut und. gedehnt — „Papa, ich bin schon recht müde!"! „Sieh zu, ob Du etwas Kürzeres findest, so werden wir bald! zu Ende kommen." j Hugo rieb sich ben Schlaf aus den Augen und suchte nach einem! kurz gehaltenen Bericht. - „Berlin," fing er wieder an. - „Laß hören, was geschehen ist."? „Die hiesige israelitische Gemeinde hatte bis jetzt für ihre Armen i Spezialärzte zu unterhalten. Diese Einrichtung fällt mit dem j 1. Januar künftigen Jahres fort. Auch die jüdischen Armen haben sich von da ab in Krankheitsfällen an die städtischen Armenärzte zu wenden." „Das ist recht, das ist recht," ruft Grasmann mit Emphase. „Hätte schon längst geschehen sollen. Wofür zahlen wir auch