Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1892)
- Date
- 1892-02-26
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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Wie .m weiter vernehmen, werden auch der oder die Urheber der in Rede "ehenden gehässigen Berichte zur Rechenschaft gezogen werden, wie nicht! linder diejenigen Zeitungen, welche verletzende unwahre Artikel ans aderen Blättern übernommen haben, obgleich es für sie ein Leichtes gewesen wäre, über die Richtigkeit jener "Artikel zuvor Erkundigungen einuziehen." — Das kanten er Antisemiten blatt (Bote für Stadt und und) hatte in seiner! Berichtelt stets den Oberstabsarzt Dr. Steiner ls Hauptzeugen dafür angeführt, dast der arrne Knabe durch einen Schächtschnitt" getödtet worden sei. Das Blättchen erhält nun Agende Berichtigung: „In einern Artikel in Nr. 14 Ihres Blattes, bettelt „Nochmals der Fall Buschoff im Abgeordnetenhause", führen Sie siich an als solchen, der kein Hehl daraus gemacht hat, daß ihm „der Nordschnitt ain .Kinde dem Schächtschnitt durchaus ähnlich erschienen ü". Wenn ich auch kein Hehl daraus gemacht habe, daß nach meiner Ansicht der Schnitt mit einem langen, haarscharfen Messer vollführt sin must, und daß der Thäter es verstanden haben muß, mit einem eichen Messer umzugehen, so habe ich doch den "Ausdruck „Schächtchnitt" nicht gebraucht, und zwar schon aus dem Grunde nicht, »eil mir ein Schächtschnitt überhaupt unbekannt ist. Hochchtungsvoll Dr. Steiner." Bielefeld, 5. Februar. Der Borsland der Unterstützungskasse des Vereins israelitischer Etemeutarlehrer für Westfalen und h einprov inz versendet seinen Jahresbericht für 1891. "Nach demelben zählt der Verein 10 Ehrenmitglieder und 71 ordentliche Mitglieder. 7ie Einnahnren au Beiträgen beliefen sich auf 4883.40 Mark, wozu 1H)5.91 ÄAark Zinsen kommen. Die Unterstützungssumme für 1892 wird 8990.80 Mark betragen, woran 17 Familien mit 85 Antheileu earticipiren. Das Vermögen der.Kasse besteht zur Zeit aus 71,752 Mark '.1 Pfennig, wovon ungefähr 70,000 Mark sich im Depot der königlichen Aeichsbank in Berlin befinden. Tie diesjährige Generalversammlung oll am 5. und o. Juni zu München-Gladbach stattsiuden. Dein Bericht u das Protokoll der Al. Jahresversammlung des Vereins zu Münster > ei gegeben, über dessen Inhalt unsere Leser seiner Zeit genügend unterrichtet worden sind. * Darmstadt, 18. Februar. DasKomitee israelitischer Gemeinde- Oorstände in der Provinz Starkenburg hat an die israelitischen Gemeinden eer Provinz das folgende Cirkular verschickt: Geehrter Herr! Vielfache Bestrebungen der Gegenwart scheinen darauf gerichtet, unsere Glaubenszenossen vornehmlich auf den Landorten geschäftlich zu isoliren und ihnen Be "Nahrung zu erschweren. In wie weit solche Maßnahmen dauernd Erfolge erzielen werden, läßt sich schwer voraussehen; um aber einer Emftigen Erwerbslosigkeit vorzubeugen, haben wir gemeinsam mit den Aesigen Rabbiueu diese Frage eingehend erörtert und sind zu dem Resultate gelaugt, zunächst eine Nteiuuugsäußerung von Ihnen darüber inzttholen. Wir bitten demgemäß uns gefl. mittheilen zu wollen: 1. Ist in Bedürfnis; vorhanden, die Heranwachsende Jugend anderen als den wither geübten ländlichen Bernsszweigen zuzuführen7 2. Besteht dieses Bedürfnis; auch in Ihrer Gemeinde? 8. Sind die interessirten Eltern mf eine materielle Unterstützung angewiesen, oder genügt es 4. unsererteits, die Vermittelung zu übernehmen, einen passenden Platz für irgend vinen Beruf ausfindig zu machen? 5. Wie viele solcher Personen würden ut Ihrer Gemeinde demnächst in Betracht kommen7 0. Für welche Berufszweige bestehen Fähigkeitelt und Neigung? Wir heben noch scrvor, daß wir allen Wünschen in Bezug auf religiöses Leben in jeder Beziehung mit vollen; Ernst gerecht zu werden bestrebt sein werden. '80t Hochachtung W. Langenbach, I. Hachenburger jr., H. Bodenheim, Ad. Trier, L. Trier, Earl Wolfs. Oesterreich-Ungarn. * (5arolinei«thal, 20. Jyt'bviiar. 3lm i:>. d. M. fand im ifmcilisichen Tempel die augekündigte Gast-, resp. Probepredigt des Herrn Ph.-Dr. M. Grünwald, Rabbiners in Jnngbunzlan, in "Anwesenheit eines sehr zahlreichen, distingnirten Publikums statt. Herr Dr. Grün- ^oatd, der sich durch seine schriftstellerische Thätigkeit und durch sein beionderes Rednertalent längst einen guten "Namen gemacht hat, lieferte abermals den Beweis, daß er den an einen solchen Bewerber gestellten Anforderungen im vollen Maße entspricht. Schmriz * Bern, 22. Februar. Die schweizerischen Thierschutzvereine habeil beschlossen, 50,000 Unterschriften zu sammeln für den "Antrag, laß das bei den Israeliten übliche Schächten durch die schlveizerische Bundes- Verfassung verboten werde. Bekanntlich hatte die Bundesversammlung letzthin das von den Kantonen Bern itnb 'Aargau ausgesprochene Verbot des Schächtens als verfassungswidrig erklärt. Durch eine Verfassung^ Novelle soll nun das Schächten förmlich verboten werden. Gegen diesen Beschluß nimmt der Berner „Bund" aus opportunistischen (^vüntien Stellung. Der „Bund" befürchtet, anläßlich der 'Agitation im Volte werde man alle Leidenschaften gegen die Israeliten entfeffefn. Auch für die Schweiz würde auf diese "Weise eine 'Antisemiteufrage eil tue Heu, von der sie bis jetzt verschont wurde. Orolllintinnükn. * London, 18. Februar. Unbeschreibliche Roth unt> Elend herrschen nach den Berichten des Vertreters des snrischen Kolonisationsfonds R. Scott Moncriff unter der armen jüdischeil Bevölkerung in Jerusalem unt> der Nachbarschaft dieser Stadt. "Am traurigsten ist jedoch die aus Marokko gekommene jüdische Gemeinde daran, von deren Lage Moncrifs ein erschütterndes Bild entwirft. „Mehr als einrnal", berichtet er, „glallbte ich bei meinen Besuchen unter den Hiesigelt "Armen die (Grenze des Elends wahrgenommen zu Habelt, in welchem der Mensch zu eristiren vermag. "Aber "Alles, was ich in der Vergangenheit ivahrgellonlinett habe, untre, wenn zusanlmelt auf einen Platz gedacht, nicht im Stande, and) nur eine annähernd getreue Borstelluttg so gänzlich hoffmlngs- und hilfloser, verzweifelter Roth zu geben, wie ich sie heute erblickt habe. Ich habe in Indien vielleicht die gleiche körperliche "Noch, bei "Attssätzigen z. B. bemerkt, doch kam dies nur in einzellten unt> seltenen Fältelt vor. "Was ich aber hellte gesehen habe, war die äußerste Roth Vieler, meist Frauen tmd Kinder, auf eitlem und demselben Platz". Moncrieff beschreibt fobaun die Höhlen, in welchen diese tlnglücklichelt Geschöpfe Raufen. Um einen etwa 20 Fuß breiten und 80 Fuß lattgen Hof leben 8no lllenschtiche Wesen, darunter blinde alte Männer lind Frattell, in fillsiereu <^e lassen, in welche nie das Tageslicht dringt unb in denen selbst bei Kerzellscheilt die Insassen kaum sichtbar sind. Ekelerregendes "Wasser tropft atts einem überfließendett Abzngskanat in diese voll Schmtttz starreltdelt Verließe herab, in welchelt pestilenzialischer Gestank eilten tältgerelt 'Aufeitthalt sau ttltmöglich macht, und doch wohltelt Bl er l schell, allerdings die a vmften lind elendestert, in biefen Höhlert, Weitige erl)alte!t "Arbeit unb Viele vetchtnigerlt: Moncrieff hat Schritte gethan, durch Bertheilung voll "Nahrultgsnlittetlt, Kleidungsstücken, Bettelt und Heizmaterial der driltgettdsten "Noth zu steuern, sieht sich jedoch auch fernerhin in seinein wohlthätigelt "Wert auf die Unterstützung aller Menschenfrettltde altgewiesen. Der Sekretär des Kolonisatiousfonds, E. "A. Finn, 41 Parliameut Street, nimmt in London Beiträge entgegen. Türkei. * Ans Midjan. Bon einem Theitnehmer an der F ried llt a n lt - schert Expedition nach Midjan geht ults der ltachfolgeitde Bericht zu: Bon unsrer ersten Station in SHin-m <4 einent Haselt an der Südspitze der sinaitischen Halbinsel, utachten wir am 2. Febrriar dieses Jahres eine Rekognoszirungsfahrt nach der?Nordwest-Küste von Arabiert. "Nach einer Ueberfahrt von circa 8 Stundelt gelangtert wir auf die Höhe von Moplah und sahen vottl Schiffe atts am Strande Monlah liegeri, in der Mitte das Fort, ringsum ausgedehnte Palmenhaine, im Hintergrund das imponirende Gebirge. — Ta der Haselt von Moylah kein günstiger ist, landeten wir etwas südlich in den; Hafen von Scherm Jahar und erfuhren hier vom großen Scheck) Said Abderahint, der zil unsrer Begrüßung aufs Schiff gekommen war, daß die Vertreter der ägyptischen Regierung und der große Scheck) der Beduinen, 'Allejattn, sich in Dnbbah befänben. Da Herr Friedlnann mit diesen Persönlich leiten in Unterhandlung treten wollte, verbrachten wir nur eine "Nacht ilt Scherilt Jahar, um am itächften Morgen zeitig itacb Dnbbah abzufahren. Nach einer Fahrt von 8 3tnnben langten wir in Dnbbah alt unb wurden bei unsrer Laltdung attfs freundschaftlichste begrüßt und ausgenommen durch den Gouverneur Saadi Ben Risaat, den angloägvptischen Major Firth, die Schechs verschiedener Bedttiltenställtlne der Umgebung