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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-26 · Heft 9 (26.2.1892) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 9 (26.2.1892)
Date
1892-02-26
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 und bic ganze Bevölkerung der Stabt. Wir fanden in Dubbah ein reges Leben unb eine ziemliche Aufregung, bie bereits seit einiger Zeit dort dauerte. Tie Gegend gehört unzweifelhaft seit Sultan Selims Zeiten «!5t6) zn Aegypten, welches denn auch daselbst kleine Garnisonen unterhält. Eigentümlicherweise waren am 25. Dezember vorigen Jahres eine größere Abtheilnng tiirkischer Soldaten, unter Muhamed Bey, nach Dubbah gekommen, welche trotz des Widerspruchs des ägyptischen Gouverneurs Saadi Bey Rifaat's und der gesannuten Bevölkerung, neben dem ägyptischen Fort ihre Zelte aufschlagen und das Land für die Türken in 'Anspruch nehmen wollten. Daraufhin wurden von der Serdarra das Schiff 'Aida mit Major Frith tmd 30 Mann nach Dubbah entsendet, um die 'Angelegenheit in Drdnung zu bringen: die Türken nahmen ihre Zuflucht zu alten möglichen Ausreden, um die Sache in die Länge zu ziehen, während die Aegypter zögern, die Entscheidung durch Gewalt herbeizuführen, ganz Dubbah sicht daher mit großer Spannung den 'Ausgang der Dinge entgegen. Dubbah ist eine Stadt, die nicht nur durch die Zahl ihrer Einwohner, sondern auch durch ihren Handel eine der bedeutendsten Drte der nordwestlichen Küste Arabiens ist, auch sahen wir in den Hafen, der jedoch für größere Schisse nicht günstig ist, mehrere mit Frachten beladene Segelschiffe und hatten wir Gelegenheit, das Einladen von Kameelen zn beobachten, auch ist der Export von Holzkohle und Gummi ein bedeutender: eingeführt wird Korn, Reis und Kleider. Das Klima ist ein sehr gutes amb ist die Temperatur auch im Sommer erträglich: was die Wasserverhältnisse von Dubbah betrifft, so sind dieselben günstig zu nennen und liefern mehrere ergiebige Quellelt genügend Wasser für die ganze Umgegend. — Unser Empfang in Dubbah war ein äußerst herzlicher zu nennen, die Städter wie die Beduinen, an der Spitze der einflußreiche Schech, Allejann, des mächtigen Stcunmes der Howetals, begrüßten uns tut Kreise der Behörden in ausgezeichneter Weise und wurden ttns die lebhaftesten Sympathien kund gegeben. — Unsere jüdische Kolonisten sandelt überall als Im-h A Mnsx die freund lichsre 'Aufnahme. Uns wttrde auch die Gelegenheit geboten, einer interessanten Versammlultg beizuwohtten, anläßlich des Thronwechsels in 'Aegypten. Major Frith ließ die Truppen in Parade alltreten und ließ denselben delt Eid der Treue für den neuen Khedive schwören. Zu dieser Feierlichkeit waren die hervorragendsten Behörden der Stadt, sowie die Schechs der umliegenden Beduinenftämlne «ungeladen; in demonstrativer Weise hielten sich die Türkelt von dieser Feier fern. Herr Friedmann stand int freundschaftlichsten Berkehr mit Major Frith und gab ihm cmt nächsten Morgen das Geleit auf die Pacht 'Aida, welche itach Suez in See ging, während die ägyptische Truppe in Dubbah zurückblieb. Kurz ltach 'Abfahrt der 'Aida fuhren wir nach Murila, das wir bereits attf der Hinfahrt in Sicht hatten. Bei unserm dortigelt Aufenthalt hattett wir Gelegenheit, die Palmenhaine, sowie die Tabaksplantagen in 'Augenschein zu nehmen. Die dicht bei bellt Fort befindlichen Bruttnett sind schön ausgebaut itttd sehr ergiebig: auch hier wurdett wir von den Behörden attf das Zuvorkommendste empfangen. Mittlerweile wurde unsere Pacht ltach dem Hafett von Scherm Jahar zurück geschickt, um dort unsere Ankunft zu erwarten. Zufälliger Weise waren die nöthigen Reitkameele nicht vorhanden ltnd mußtett wir daher den Weg bis ltach Scherm Jahar, ein Marsch von 1\.2 Stunden, durch die Wüste, zttrücklegen, um an Bord der Pacht zu gelangen. 'Aut nächsten Morgen wurde danlt die Rückreise nach Schmu H Mnye angekreten mit der 'Absicht, in *s—-Jo Tagen nach Madiar zurückzttkehren ttnd das Land weiter in Augenschein zu nehmen, um au einem günstigen Qrt Land zu erwerben und eine Kolonie für vertriebene russische Inden zu gründen. K.!'. Znd'-Xmerilui.;i; Mexiko^ tut Februar. Laut den übereinstimmenden 'Rachrichtelt hiesiger Blätter hat Barolt Hirsch die 'Absicht, die rttssischen Juden, nicht rnehr ltach Argentinien, wo sich antiselnitische Teudenzelt gezeigt haben sollen, sondern ltach Meriko zn dirigireu. (F) Das Projekt wird itt allen hiesigen Blättern uttd Kreisen sehr sympathisch besprochen, tmd es wird darauf hiugewiesett, daß es in Meriko weder legislativ ltoch <!<- I<i<'Il> Religtottsttnlerschiede giebt. Der Präsident und der Mi-; ltister für öffentliche 'Arbeiten sollen Baratt Hirsch die Versicherung haben zugehett lassen., daß cklleriko bereit ist, für die netten Einwanderer alle gewünschten Privilegiert ztt gewähren, evetttttell auch jeder Emigrantenfattlilie das für die Selbsterhaltung nöthige Land gratis zttztttheilett. Non Nah und Fern. — Ztt Gunsten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschat l des Jttdenthums hielt Herr Rechtsanwalt Brest au er am 22. Februac einett sehr interessanten Bortrag über „'Namensänderungen". - In tiefe Betrübnis; ist die Familie des Geheimen S anitätsrath > Dr. Bä r versetzt worden. Der 16 Jahre alte Sohn Georg Bär, welche, bis vor anderthalb Jahren das Louisengymnasium besuchte und bmt, anderweitigen Unterricht erhielt, hat sich ant Sonnabend Abend atts det.t elterlichen Hause entfernt uttd ist bis jetzt noch nicht dorthin zurück gekehrt. — Die Religionsschule des Synagogenvereins Ahawa - Sch olaum hielt am jüngsten Sonnabend Nachmittag den ersten Jugendgottesdieust in der Vereinssynagoge Rosenthalerstr. 11 12 unter zahlreiche Theilnahme ab. Solche Jugendgottesdienste sollen fortan alle 14 Tag stattsindeu. — Tie „Kölnische Bolkszeitung", das Hauptorgan de- Eentrulnspartei in der Rheinprovinz, desavottirt den Abg. Reichen spe rger, allerdings ohne ihn zu nennen, indem sie sich mit Entschiedenheit gegen jede Schmälerung der bürgerlichen Rechte der Judett ausspricht. - Der jüdischen Gemeinde zu Rawitsch sind in letzter Zeit von bei Rentnern Isaak und Philipp Todlmann daselbst zwei Grundstück und ein Kapital von 0000 Mk. zur ALrrichtung eines Asyl Hausezugewettdet worden. Die landesherrliche Genehmigung der Znwendum ist bereits erfolgt. — Ter Köuigl. Kreisphysikus, Sanitätsrat! Dr. Färber in Kattowitz hat den Rothett 'Adlerorden 4. Klaff erhalten. — Die Hamburger Meldung, die Regierung der Bereinigtet Staaten habe die Einwanderung russischer Juden verboten, ist nach der „Wes.-Ztg." ttuzutrefsettd. Die ttordamerikanische Regürttn, hat nur den Tampfergesellschaften bei der Annahme russisch-jüdische- Passagiere hiltsichtlich deo Gesundheitszustandes der letzteren di Beobachtung der größten Vorsicht zur Pflicht getuacht. — Die Herrei 'Abraham und Gustav Eahn, sowie deren Schwester, Frau Betty Gum perl in Frankfurt a. M., haben bellt Vorstattde der i s r a e l i t i sch e n G e m e i n d in Worms 7000 Mk überreicht, mit der Bestimmung, das; die Zinse, am Jahrzeitstage ihrer Eltern vertheilt werden sollen an solche, welch-, ein Handwerk erlernen oder eine technische Schulej besuchen. Trifft it einem Jahre beides nicht ein, so können die Zinsen an ein oder an zwe würdige Arme vertheilt werdett. — Das Großherzoglich hessisch Regierungsblatt enthält die landesherrliche Gettehmigung einer Stiftung der Barbara Schwarz schi ld zu Mainz an die israelitische Religions gemeinde zn Mainz im Betrage von Mk. 50,000. — Ans Wien wird berichtet, daß Minister Baequehem den antisemitischen Abgeordneten Lueger wegen dessen letzter Parlamentsrede fordern ließ; Lueger habe jedoch eine umfassende Ehrelterklärung abgegeben. — Ein originelle; Verein ist in Wien entstanden. Vor einigen Wochen trat daselbst ein Reihe von Mädchen zu einent Vereine zusatnmen, welcher Pflege de jüdischen Geschichte und Litteratur sowie Pflege der Geselligkeit zu Tendenz hat und den Namen führt: Li tterarische r Geselligkeits verein jüdischer Mädchen „Moria". — Unter den zwölf Handels richterlt Serbiens befinden sich zwei Israeliten. Im höheren Staatsdienstsind gegenwärtig drei Israeliten: Herr Tavidsohn, Staatssekretär iw Ministerium des 'Aeußern, Herr Baruchitsch, Beamter im Ministeriuu: des Innern, Herr Coen, Abtheilurtgschef in der Verwaltung der Residenz. - Die Polenblätter melden atts Lublin, es werde neuerdings mit Massen ausweisungen von Juden aus den Gemeinden der dortigen Gouvernements begonnen. — Zwischen dem ehemaligen Unterpüfetten Isaak und den' Schriftsteller Drum out fand heute wegen einer in dein jüngsten Werke Dru monts über ben Streik von Fourmies enthaltenen Beleidigung Isaaks ein Duell statt, bei welchem beide Duellanten verwundet wurden, und zwar Trumont schwer. — Der jüdische Gelehrte Dr. Elie Rosst Bey, Mitglied des ägyptischen Instituts und anderer Akademien, ist gestorbet,. Derselbe war in Ferrara «Italien) geboren uttd kam 1344 im Alter vou 2.^ Jahren nach Aegypten. Er war der erste Jude, welcher den Tick Bey «Statthalter) und die Erlaubnis; erhielt, die heiligen Städte Mekt-t unb Medina betreten ztt dürfen. Bei Mehemed 'Ali und den ihm fo!- gendett Vizekönigen von 'Aegypten stand Dr. Rosst Bey in hohem Au sehen und wttrde von denselben mit wichtigen wissenschaftlichen Misst onen betraut. Druck unb Verlag voll Rudolf Masse in Berlin Verantwortlich für die Redaktion - Mar Bauchwit; in Berlin.

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