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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-26 · Heft 9 (26.2.1892) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 9 (26.2.1892)
Date
1892-02-26
Page
Seite 2 (sequence 15)
Language
German
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2 Typhus ehrend Erwähnung. 18U zu Wiiidisch - Marchnntz in Nieder- Schlesien geboren, erhielt Altmann seine Schulbildung in Breslau in der Wilhelmsschule unt» im Friedrichs-Gymnasiu;;;. Seine medizinischen , Stildien begann er als Zögling der damals in Breslau bestehenden wundärztlichen Schule «die Schulen dieser 'Art, eine Schöpfung von Rust, bewährten sich nicht und gingen ein); von 18:64an setzte er sie in Berlin weiter fort. Nachdem er 1869 die Prüfung als Wundarzt abgelegt halte, lehrte Altmann nach seiner schlesischen Heimath zurück unb betrieb j hier zwei Jahre lang die ärztliche Praxis. 1841 aber suchte er wieder Berlin auf lind wurde nunmehr ordnungsmäßig eingeschriebener Stildellt. Im November des nämlichen Jahres erwarb er mit einer 'Abhandlung über Leichenbestartung den Tvktortitel, womit er aus dem niederen Range der Wundärzte, in denjenigen der höher stehenden promovirten Aerzte hinübertrat. Seine ärztliche Praxis verlegte 'Altmann wiederum nad) Schlesien, Ch* erhielt hier das Physikat im kreise Polnisch-Wartenberg. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Altniann privatistrend in Berlin. Tie Beerdigung fand gestern aus dem jüdischen Friedhof in Weißensee statt. Eine zahlreiche Trauerversammlung umgab die Bahre des verdienten stRanues. Tie Stadl Polnisch-Wartenberg, wo der Verstorbene 4«) Jahre lang als 'Arzt gewirkt und die ihn anläßlich seines »jährigen Toktorjubiläums zum Ehrenbürger ernannt hatte, hatte Vertreter der Stadt und der jüdischen Gemeinde hierher entsandt. Rabbiner Tr. Rtaybauu; hielt die Gedächtnißred?. — Unter Begleitung einer zahlreichen Trauerversammlung fand am Sonntag die Beisetzung des Fabrikaltten I. Grünivatd auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee statt. Von dem „Verein Berliner Sclstedsmänner", dein der Verstorbene seit Js Jahren angehörte, folgte der Vorsitzende Gerstmaun nebst einigen deputirten Mitgliedern. * Berlin, 20. Februar. Tie „Vossische Zeitung" schreibt heute: "Am vorigen Sonntag bewegte sich von einem Hause der Kloster strafte aus ein sehr ansehnlicher Leichenzug durch 'Alt-Berlin. Der Äliann, der zur letzten Ruhe bestattet wurde, hatte sich nicht in hervorragender Lebensstellung befunden, er narr ein schlichter jüdischer Handwerker, der alte Pitsch, seines Zeichens Klempuermeister. Gleichwohl sah man da ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses 'Arbeiter, Handwerker, .Kaufj lenke, Beamte, Gelehrte dem Verstorbenen von den bescheidenen! Räumen ans, die er 27 Jahre lang bewohnt hatte, die letzte Ehre > erweisen. Seit .77 Jahren gehörte er der Klempnerinnung als! '.Illeister an, deren erstes jüdisches Mitglied er gewesen ist. Seit! Hand-! werk betrieb er mit nur wenigen Gehilfen, die jedoch viele Jahrzehnte ' in seiner Werkstatt ansharrten, in welche das Gezänk sozialistischer Parteien niemals Eingang fand. Seine Gehilfen waren und blieben seine Lebensgenüssen, und als er von seiner 'Arbeit endgiltig 'Abschied nehmen mußte, bestellte er feinen ältesten Arbeitsgenoffen als Nachfolger und - Eigenthümer seiner Werkstatt. 'Aus eigenster Kraft und von einein; nilgewöhnlich entwickelteil Idealismus getrieben, errang er sich eine durchaus originelle Lebensunb Weltanschaung, an der er mit unerschütterlicher Tapferkeit bis an sein Lebensende festhielt. Ein echter Charakterj köpf, bescheiden im Leben, freundlich in seiner Gesittung, wohlwollend! ilild hilfreich, ein Freilnd unb Berather allen Hilfesuchenden. So wird er in dem Gedächtnis; derer fortleben, die ihn kannten wld ihm nahe! getreten waren. 2^2 .Königsberg R. M, 16. Februar. Von 11 Mitgliedern unserer Svnagogen-Gemeinde ist heute eine Petition all das Abgeordnetenhaus abgesandt worden, welche nach einer ausführlichen Begründung, folgende Petita enthält:!. In den £ 17 der Vorlage folgende! Einschaltungen anfzunehmen: a) „'Auf den besonderen Religionsunterricht,! welcher außerhalb des öffentlichen Schulunterrichts ertheilt wird (wie j bei Bindern jedes Bekenntnisses nad) £ 62 des Gesetzes über die Ver-; hältnisse der Juden vom 26. Juli 47) finden die Vorschriften des gegen-! wartigen Gesetzes «Abschnitt!V> bezüglich der Schulpflicht, Aufsicht und! Bestrafullg der Schulversäumnisse entsprecheude Anwendung." I») „Unter! den vom Staate anert'annten Religionsgej ell schaften finb zu verstehen:! cetr. bis „und die Juden". iJ. Jln erstell Satze des $ 18 die Worte.... I „in der Volksschllle" zll streichen, so daß dieser Satz lauten soll: „Teil! Religionsunterricht leiten die betr. Religiousgesellschaften." 111. Dern 15 folgende Fassilllg zll geben: „Wo die Zahl der Schulkinder einer vom Staate anerfannten Religionsgesellschaft in einer Schule anderer Konfession über 6«) steigt, kanll vorbehaltlich der Bestimmung des 8 11 der Regierungspräsident aitf A ntrag der zuständigen Organe der betr. Religionsgesellschaft bei Znstimullulg der Gemeinde «Gutsbezw. Schulverband) die Errichtung einer befmiberen Volksschule fiü dieselben all ordnen. Die gleiche 'Anordnung hat antragsgemäß zll erfolgen, wenn die Zahl über sechzig steigt." (Wie unsere Leser bereits wissen, sind die betreffenden 'Allträge and) ohne diese Petition bereits von einigen 'Abgeordneten eingebracht worden. Red.) * Breslau, 21. Februar. Ter plötzliche Tod des Großindustriellen Robert Kauffmanu in Talvlhansell, von dem wir llnsere Leser bereits unterrichtet, hat in weiten Kreisen, namelltlich auch unter der 'Arbeiterbevölkerung des Waldenburger Gebirges schmerzliches Bedailern erregt. Man schreibt uns aus Wüstegicrsdorf: IXnfev Jndustriebezirk ist von einem schwererl Verlust getroffen worden. Dem vor über Jahres frist dahingeschiedenen unvergeßlichen Kommerzienrath Julius Kauffmann ist der jüngere Bruder und Mitbesitzer der Textilfirma Meyer Kauffmanu gallz llnerwartet gefolgt, ein Herzschlag hatte ihn lnitten in seiner Thätigkeit auf dem Terrain der Fabrik dahingerafft. Einer stattlichen Trauer Versammlung im Hause des durch rastlosen Fleiß, Thatkraft und Herzens güte gleich ausgezeichneten Mannes folgte die Ueberführung nad) dem Bahnhof, zu welcher eine nach Tausenden zählende Menge das Geleit gab. In Breslau erfolgte die Bestattung. Robert Kauffmann hatte das Handwerk der Färberei voll Grund auf erlernt, war als jllnger Mallll gewandert und zwischen ihm und seinen 'Arbeitern bestand Zeit seines Lebens ein gewisses kameradschaftliches Verhältnis;, welches Reibullgen und Strikes niemals zum Ansbruch kommen ließ. Seilleinfaches, schlichtes Wesen, seine siete Sorge um das Wohl der Arbeiter und ihrer Familie, welche er in der Gründung und beni 'Allsball humanitärer Einrichtungen vielfach bethätigte, die 'Anlage eilles aller Welt zugänglichen herrlichell Parkes haben ihm in denl Herzen des Volkes ein ullvergängliches Denkmal bereitet. -a- Breslau, 14. Februar. Zugleich mit der Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers am 27. Januar fand in der hiesig eil Universität die Verkündigung der Resnllate der eingelanfenen Preisarbeiten statt. 'Auch zwei unferer Glaubensgenosse;; waren unter den wenigen Präluiirtell. In der philosophischen Fakultät hat Herr Ernst Steinitz, z. Z. in Berlin für die beste mathematische 'Arbeit den Preis erlangt. Die Schrift wurde zugleich ohne Weiteres als Promotionsschrift anerkannt. 'Auch für die beste sla v i sch - p h i l o l o g isch e Arbeit erhielt Herr st u<l. \>11iI. Ezechiel Zivier, gegenwärtig Hörer des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars, aus Ezenstochau (Rufs.—Polen», den Preis. 'Auch dem Verfasser dieser Arbeit wurde, jedoch in der Vorallssetzllng, daß er einige bebezeichnete Mängel beseitigen werde, eine freie Promotion an der hiesigen Universität in 'Allssicht gestellt. * (^leiwiir, 16. Februar. Der israelitische Beerdigungsverein beging gestern sein Stiftungsfest, das insofern ein höheres Interesse beanspruchte, als hierbei der erste Vorsitzende des Vereins Herr Rentier Jacob Plonsker das fünfundzwanzigste Jubiläum als erster Vorsitzender beging. Zu dieser seltenen Feier waren unter Anderem unsere früheren Mitbürger, der Königl. Geh. Sanitätsrath Herr Tr. Wottuer und Herr Rentier Löwy, beide aus Breslau, sowie Deputationen aus den Nachbalstädten Beuthen, Kattowitz und Myslowitz erschienen. Der zweite Vorsitzende des Vereins, Herr Jacob Huldschiner, feierte in längerer Rede den Jubilar. Tiefgerührt dankte dieser und gab bei dieser Gelegenheit einen interessanten Rückblick auf die Thätigkeit des Vereins. In glänzenden Reden ließen sich hierauf and) noch viele 'Anwesende vernehlnen, u. A. die Herren Rabbiner Dr. Münz, Geheilnrath Dr. Wollner, Bankvorsteher Winkler, Tr. Mattersdorf, welche über die ethischen Ziele und Bestrebungen des Vereins und seiner Thätigkeit in hiesiger Stadt sprachen- * iSiCUe, 26. Febrnar. Zum Xantener ,Knabenmord schreibt das E!ever Kreisblatt: „Der Jnstizminister hat, wir sind in der Lage, dies als aus zuverlässigster Quelle stammend mittheilen zu können, bereits Strafantrag gegen die „Neue Deutsche Zeitung" in Leipzig «ein antisenntisches Winkelblatt niedrigster Ordnung) gestellt, weil dieselbe fortgesetzt Berichte bringt — diese scheinen aus ein und derselben trüben Quelle geschöpft zu werden, — deren Bestreben dahin gerichtet ist, die sännntlichen Personen des hiesigen Landgerichts, insoweit sie dienstlich gehalten sind, sich mit der Untersuchung des Knabenmordes zu befassen, zu diskreditiren, und jene Berichte außerdem darauf hinauslaufen, das Ansehen und die 'Autorität, welche die preußischen Gerichte

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