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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-26 · Heft 9 (26.2.1892) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 9 (26.2.1892)
Date
1892-02-26
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 unb jetzt, ul» Rachmiel die Arme um sie legte und ihren Kopf an an sich zog, gab sie sich ihm und seinen Küssen mit heißer Innigkeit hin. Nachdem zwischen den Eltern dns Nöthige abgemacht war, fand! die feierliche Verlobung und nicht lange darauf die Hochzeit der j jungen Leute statt.! Trotzdenl Herz Gikel verbannt war, fand sich doch in eine j nahen Stadt ein freisinniger Rabbiner, der Rachmiel und Jente! vereinte und segnete. j Nun schien die Welt, nun schien das Leben noch einmal so schön! und sie Alle, die Verbannten, wurden hier in der Natur bei der! Feldarbeit gesund und stark, und ihre gelbgrünen Gesichter bekamen die frischesten Farben. Auch Hund und Katze wurden täglich runder, und dabei trug das Geld, das im Grund und Boden steckte, reichliche Zinsen, unb Hab und Gut des Verschlungenen mehrte sich von Jahr! zu Jahr. z Die Juden von Mogilna wollten erst nicht daran glallben, alur! endlich mußten sie doch für wahr halten, was sie mit Händen greifen konnten. Sie staunten, daß Herz Gikel, — statt daß ihn die Erde verschlungen hätte - von Gott so reichlich gesegnet worden war, und es gab ein Flüstern, und ans dein Flüstern wurde ein Gerede, daß Rabbi Elias und den beiden Schriftgelehrten nicht eben schmeichelnd in die Ohren klang. Um ihre Niederlage zu bemänteln, erklärten sie eines Tages, sie Hütten den Bann über Herz Gikel nur ausgesprochen, um ihn zu schrecken, denn da ihrer nur drei gewesen seien unb nicht zehn gelehrte Männer, wie das Gesetz es vorschreibt, so habe der Bann auch nur die Wirkung haben können, daß Gikel die Stadt und sein Hans habe verlassen müssen. Das sei der Strafe genug gewesen, und da er sich derselben ruhig gefügt, so habe ihm der Allmächtige seine Sünden verziehen. Eines Tages wurde der Bann in aller Stille znrückgenommen, die Schrift im Betzimmer ansgelöscht und denn Verbannten mitgetheilt, daß er in die rechtgläubige Gemeinde der heiligen Stadt Mogilna wieder ausgenommen sei. Doch Herz Gikel dankte für die Ehre und blieb ruhig und zufrieden auf dem Lande, wo er gesund geworden war an Leib und Seele, und freute sich Jahr für Jahr der duftenden Blüthen, des Gesangs der Vögel, der reifenden Aehren; denn die Natur bleibt ewig jung unb schön, ja sie erscheint uns wie ein geliebtes Weib, täglich neu und täglich schöner. Frtterarrsche Mittheilungen. * (Mbemauu: Quellenschriften zur Geschichte des Unter richts und der Erziehung bei den deutschen Juden. Von den j ältesten Zeiten bis auf Mendelssohn. Von Dr. M. Güd emann, Rab-! biner der israelitischen Gemeinde in Wien. Berlin, A. Hosinann u. Co.! Das höchste Geschick eines jüdischen mit dem Fleiß eines deutschen For- | schers und dazu durchdringende Kenntnis; selbst des geringsten, auf ben I Gegenstand bezüglichen Details, haben hier ein stattliches Werk geschaffen,! das für alle Interessenten unschätzbar ist. Rach einer übersichtlichen,! theilweife auf des Verfassers früheres Werk (Die Geschichte des Er-! ziehungswesens und der Kultur der abenblänbifeben Juden, Wien, Holder! 188<0 zurückgreifendeu vortrefflichen Einleitung folgen in der ersten Abtheij lung 51, vom Jahre 1050 bis 1700 reichende Mitlheilungen aus hebräischen! unb jüdisch-deutschen Werken und Testamenten <in deutscheit Texten oder! Uebersetzungen» nebst einem 'Anhang von Urtheilen fremdländischer Juden! über Bildung unb Unterricht bei den deutschen und deutsch-polnischen z Juden. Die zweite Abtheilung bringt nenn Mitteilungen aus städtischen 1 und jüdischen Gemeindeakten (von 1400 bis 1741) in hebräischen Texten nebst deutschen Uebersetzungen. Ein Kapitel „Lehr- und Schulbücher", einige „Nachträge" und ein genaues Sach- und Wortregister beschließen das Buch, welches von der bekannten Vertagshandlung sehr würdig ausgestattet wurde. 11. 8. * Zu einer Zeit, wo sich nur allzu oft die Gelegenheit bietet, die Schmähungen antisemitischer Redner und Zeitungen gegen die jüdischer; Morallehren zu wiederlegen, gestatte ich mir, auf ein Buch hinzuweisen, das den Vertheidigern von Wahrheit und Recht von größtem Nutzen sein dürfte. Es ist dies der Kssn i sur l;i morale de Talmud von dem leider jüngst verstorbenen graduirten Großrabbiner Mare. Levp in Antwerpen (erschienen in Brüssel bei Lebegue 1801). Es bietet dieses treffliche, von Ueberzeugung und Begeisterung getragene Buch ein unerschöpfliches 'Arsenal von Waffen gegen die schändlichen Verlüumdungen, die gegen Talmud und Judenthum verbreitet werden. Systematisch zusammengestellt und mit Erläuterungen begleitet, finden sich in ihm die Thora- und Talmudstellen, welche die wirklichen Morallehren des Judenthums enthalten. Der Gelehrte nüvb hier freilich nicht viel Neuem begegnen, wohl aber der Gebildete ein Handbuch haben, das ihm gestattet, für sich und für 'Andere eine schlagende Widerlegung der Antisemiten zu liefern. 'Auch gegen das im Grunde unwissenschaftliche Treiben einer durchaus subjektiven Hyperkriti^ der biblischen Schriften kämpft der Verfasser mit Recht an. Eine Uebersetzung des Werkchens ins Deutsche wäre meiner Ansicht nach sehr zu empfehlen. -u.-n Ein j ü d i sch es Regiment. Es liegt uns das neueste Heft der seiner Trefflichkeit anerkannten .Tladtortenelen Közlemenyek“ < „Kriegs - geschichtliche Mittheilungen") vor. Dort wird die Entstehung in eines jüdischen Regiments in interessantester Weise geschildert. 'Aus demselben wollen wir folgende Stelle hervorheben: „Kaiser Josef II. ordnete im Jahre 1788 an, daß auch die Juden zu Kriegsdiensten verwendet werden. Bezüglich ihrer Wehrpflicht Haber; sie sich den allgemeinen 'Normer! zu fügen. Sie können Unteroffiziere, ja sogar Offiziere werden. 'Am 12. Mai 1780 wurden die erstell jiidischen Rekruten zur kaiserlichen 'Armee in Prag eingereiht und den Trailltrllppen zugetheilt. Gegen Ende des Jahres bienten scholl 2500 jüdische Soldaten in der 'Armee. Kaiser Josef bildete ein lwr ans Juden bestehelldes Regiment, zu welchem die Jlldell aus allen T heilen des Landes, besonders aus Galizien herbeiströmtell. Das jüd. Regiment wilrde in Prag gebildet itnb vom berühmten Oberrabbiner gesegnet: der ehrwürdige Greis hielt vor dcnn bei der Kaserlle aufmarschirten Regimente folgende ergreifende Ansprache: „Brüder! Ihr, die Ihr meine Brüder seid lind immer bleiben werdet, so lange Ihr ehrlich und gotlessürchtig fein werdet! Gott und der allgnädigste Kaiser ivüllschell es, daß Ihr zll Kriegsdielisten verwendet werdet! Ergebet Euch Eureill Schicksale, gehet ohne Klage, gehorchet Euer;; Vorgesetztell: seid treu aus Pflicht und geduldig aus Gehorsam. 'Aber vergesset nie Eure Religion, schämet Euch nie unter so viel Ehristen, Juden zu sein. Betet gleich beim Aufstehen zu Gott, beim Gottesfurcht geht vor Alleln. Selbst der Kaiser muß zu Gott beten unb alle seine Diener lobpreise;; täglich den Schöpfer. Seid in Eilreiu Herzen treu gegen Gott, kehre der Religioil Eurer Väter nie den Rücken und dienet unserm allergnädigsten Kaiser mit Wohlwollen und Opferfähigkeit. Verschaffet Euch und Eurer Station Anerkennung und Ruhm, daß Jeder sehe, daß unsere bisher unterdrückte Nation den Landesherrn liebt und im Rothfalle auch das Leber; opfert. Ich hoffe, daß wir durch Euch, wenn Ihr Euch tapfer haltet, wie es alle Unterthanen sein sollten, and) noch das halbe Sklavenjoch, das uns drückt, abschütteln werden. Wie groß wird Euer Ruhm fein, welche Anerkennung werden Euch Glaubensgenossen und alle Unterthanen zollen! 'Nun will ich Euch noch meinen Segen geben: Der Herr behüte und beschütze Euch." Diese 'Neuerung scheint mtr eine Organisationsprobe gewesen zu sein, welche auch als solche interessant ist, nachdem selbe ein allein dastehendes Kuriosmn. Wo dieses Regiment dem Feinde gegenüber stand, wann und warum es sich auflöste, ob cs dem Wunsche des Oberrabbiuers Landau entsprach, darüber bringen die ..tsadlorleue'eii Közlemenyek“ keine Daten. Budapest. E. Blumgrund. «fest Druck und Verlag von Rudolf Mo Ke in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwik in Berlin.

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