Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-26 · Heft 9 (26.2.1892) · p. Seite 105

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 9 (26.2.1892)
Date
1892-02-26
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227931-3227941--48642-3269288
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

105 vürdigeu m, über cht aus- Judeudamals ffentlicht itte mir it erzählt 3rief mit Ibeit mit zen das em Titel esammt- Verdeek Litte, seih der vor ube und mch mit e ich nie (leleflcn, icrafl in issen, in lzwände die ihre örod zn denn er ni, nach ift. Das ig. aber le, seine e, schöne id, eine > genug - ihnen, er» sein l Wald wie ein in der t einge- > Leben n Kaneigentoar sich ssentlich Fanaß Gikel ifiihrte,;an im, äflichen oiebranch machte, und ebenso, das; dort Bücher gelesen würden, die nicht hebräisch und nicht Folio gedruckt waren. Eines Tages erwartete Gikel eine Kiste. Und als sie durchaus nicht kommen wollte, befragte er den Eisenbahnträger Krulik, welcher hm ziemlich verlegen die Auskunft ertheilte, er habe dieselbe irrtümlich bei Simche Ehrlich abgeliefert. „Daun holen Sie sie," sagte Gikel. „Das ist doch Ihre Kiste," erwiederte Krulik, „verlange» Sie >e von Ehrlich, er muß sie Ihnen ausfvlgen." Gikel, der ein guter, gefälliger Mensch war, lies; den Träger gehen und sendete Moses zu Ehrlich hinüber. Als aber Ehrlich de» Moses wieder mit einer grobe» Antwort heimschickte, kam Gikel znm it'nbbiner Elias Eljakim und bat diesen, ihm die Kiste zu schaffen. Der Rabbiner, einer jener Fanatiker, wie sie nur noch im Osten rnropas und auch da nicht mehr allzu häufig Vorkommen, strich seinen Zart, blinzelte mit den Augen und nickte dann mit dem Kopfe. „Es ist gut," sagte er endlich. „Was ist gut?" rief Gikel, „so lange ich nicht meine Kiste Habe, st nichts gut." „Sie sollen die Kiste bekommen," sprach Rabbi Elias. Damit wurde Gikel entlassen und ging beruhigt nach Hause. Aber ein Tag verging um den ander», und die Kiste kam nicht. Da lief; Gikel endlich verlauten, es werde ihm nichts übrig bleiben, ils zu Gericht zu gehen und Simche Ehrlich zu verklagen. Das wirkte. Schon am nächsten Tage kam der Schames und lud Gikel vor de» Bes-din, vor das Gericht der Rabbiner. „Gehe nicht hi», Bater," warnte die hübsche, schwarzäugige \nitcl, die gebildetste in der Familie, und die aufgeklärteste, „das st doch selbstredend, das; die Rabbiner gegen Dich sind, da Du giltst ils ein Freier." „Als ein Freier?" rief Gikel, „wie heißt als ein Freier? Weil ch habe am Schabbes ein Taschentuch getragen, soll ich haben beleidigt das Gesetz? Ich meine, ich hätte Gott mehr beleidigt, wen» ch am Schabbes nmhergegaugen wäre mit ungeputzter Rase." Und so ging er denn muthig hin zu Rabbi Elias und traf : ort Ehrlich, seinen Feind, und zwei Schriftgelehrte, Loeb Pitzger .mb Josias Liebeskind. Kaum war Gikel eingetreten, setzten sich die Drei an den Gerichtstisch und die Verhandlung nahm ihren Anfang. Gikel sah bald ein, das; Alles gegen ihn gewendet wurde, und das; r vergebens hoffte, hier zu seinem Rechte zu kommen. Er nahm lötzlich seinen Hut, setzte ihu energisch auf seinen von der sammteuni Jarmurka bedeckten Scheitel und sprach, die beiden Daumen n den Gürtel gesteckt: „Ich sehe, daß hier nichts ist zu holen für auch, so will ich lieber gehen zu Gericht, wo ein Jeder findet sei» Hecht." Und damit verlies; er die Stube, in der die Rabbiner im ersten lugenblick verblüfft und stumm sitzen blieben und daun ein lautes felergeschrei erhoben. Loeb Pitzger lief ihm nach auf die Straße, ahm ihn beim Arm und wollte ihu mit Gewalt zurückflihreu in uis Haus des Rabbiners. Aber Gikel riß sich loß, und da kreischte Mob mit heiserer Stimme: „Geh' nur, geh', dann bist Du verloren amt trifft Dich der Ban», dam; wird Dich die Erde verschlingen!" Gegen Abend kam noch einmal Josias Liebeskind, der schlauer nd weniger hefig als Pitzger war, zu Gikel in das Haus und a'llte ihm vor, daß es Unrecht voi; ihm sei, einen Juden vor Gericht m verklagen, er möge sich's überlegen und die Sache mit Ehrlich vor em Bes-din z»m Austrag bringen. „Gieb nicht nach, Bater," rief Jeutel, welche kliiger war als ' ie Andern, „bleib fest, sie wollen Dich nur zum Narren machen." „Du hast Recht," sagte Gikel, „was brauch ich den Bes-din, was brauche ich einen Prozeß, ich brauche meine Kiste. Soll mir der Ehrlich schicken meine Kiste und die Sache ist in Ordnung." Drei Tage lies; man Gikel Zeit, sich zu besinnen und vor den; Bes-din zu erscheinen. Als er auch an dem dritte» Tage nicht kam, fand mau am nächsten Morgen sowohl an der Synagoge von Mo gilna, wie an allen Hänsern, in denen Juden wohulen, Zettel angeklebt, welche den Baun gegen Herz Gikel aussprachen. „Er will öffentlich lästern und gottessürchtigen Schiilern Krieg erklären, er will seine Hand an gelehrte Männer legen, zwischen welchen die Gottheit ruht. Bersammelt Euch deshalb, ihr Kinder Jakobs, den» es ist Pflicht eines Jeden, im Namen Israels diesen Bösewicht zu verschlingen und ihn durch Verbannung zu verdammen. Im Namen des Allerheiligsten und ans Geheiß unserer heiligen Versammlung verdammen und verbannen wir ihn. Jeder hüte sich vor ihm und seinem Hans, damit er nicht in die Falle des BanneS geräth. Sein Weib und seine Kinder sollen ihn verlassen, und die Erde soll sich anfthuu und soll ihn verschlingen." Im Betzimmer der Synagoge auf der östlichen Wand neben dem Altar war eine Kundmachung in Form einer Grabschrift angebracht: „Hier ist begraben der Bösewicht Herz Gikel. Er ist verbannt und verpönt. Man darf mit ihm kein Handelsgeschäft machen, Niemand darf in seine Nähe komme», nur die Ehewra Kadischa" lder Verein zur Beerdigung der Tobten). Bald zeigten sich die Folgen des Bannes, welcher über Gikel und die Seinen ausgesprochen war. Der SchameS klopfte nicht mehr an ihre Thür, sie wurden von Jedermann gemieden, Niemand kaufte bei ihnen, und wenn sie sich auf der Straße blicken ließen, wurden sie beschimpft, so das; sie sich endlich gar nicht mehr ans dem Hause wagten. Sie saßen da in ihrer engen dunstigen Stube wie Gefangene und wurden täglich noch magerer, gelber und grüner. Das währte zwei Wochen oder drei. Tann kam wieder eines Tages der Schames und sagte Rächte — denn mit Herz Gikel zu sprechen war ihnen durch den Bann untersagt — sie möge doch ihrem Man» znreden, der Bann könne anfgehoben werden, sobald er sich dem Bes-din unterwerfe. Und während der Schames noch der Fra» zusprach, erschien auch der Schwiegervater Gikels, Mendel Bergmann. „Weißt Du nicht," sprach er zu seiner Tochter, „das; Teim Mann verflucht ist und verbannt? Weib und Kinder sollen ihn verlassen. Tn sollst nicht bleiben in seinem Hause, Du sollst mit mir gehen und Deine Kinder sollen Dir folgen." „Ich denke nicht daran," erwiederte Rächte entrüstet, „Gikel ist im Rechte, man hat ihn übervortheilen wollen, man hat ihn um sein Hab und Gut bringen wollen, und weit er sich zur Wehre gesetzt hat, so hat mau den Bann über ihn ausgesprochen. Ich kehre mich nicht daran, ich bleibe bei ihm, und wie ich, so denken meine Kinder." „Was wollt Ihr denn mit Eurem Bann?" rief Jeutel, welche die Arme in die Hüften eiugestemmt, mit funkelnden Augen vor den Schames hintraK „mein Vater hat nicht Unrecht gethan, sondern Ihr, Ihr maßt Euch eine Gewalt an, die Euch nicht gehört. Der Bannfluch, den die Rabbiner ausgesprochen haben, hat keine Giltigkeit, es ist überhaupt kein Bann! Der Rabbiner müßte es doch ebensogut wissen wie ich, daß ein Bannfluch nur in einer Versammlung von zehn gesetzkundigeu Männern, ausgesprochen werden kann, es sind ihrer aber nur drei gewesen, und somit ist Euer Bann kein Bann, sondern ein Wisch, der nichts zu bedeuten hat." Der Schames starrte das kecke Mädchen verblüfft an. Tann nickte er mit dem Kopf, als wollte er sagen, sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.