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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-26 · Heft 9 (26.2.1892) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 9 (26.2.1892)
Date
1892-02-26
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 letzte freie Plätzchen ein zwischen einem jungen Franzosen, der in seinen „Figaro" vertieft, kaum einen Blick für das herrliche Panorama hatte, welches nun in Lieblicher Abwechslung an unseren Augen voriiberzog, und einem freundlich dareinblickenden älteren Herrn, der mir bekannt schien, ohne daß ich mich erinnern konnte, mit ihm je znsalrnnengekonnnen zu sein. Doch haben all' diese alten Herren, wenn ihr Auge so frisch leuchtet wie das meines Nachbars, etwas heimisch Wohlthuendes in ihrem Wesen, das uns bekannt scheint, vielleicht weil es uns an den liebevollen Blick des Baters erinnert. Das beredte Schweigen, mit welchem der ältere Herr die Gegend betrachtete; die genalle Kenntnis; der Gegend, die sich dadurch zeigte, daß er stets auf die richtige Seite des Wagens zu sehen.verstand, zog nlich an ihn heran; mit) so wenig ich sonst Waggonbekanntschaften oder selbst Waggonnnterhaltungen suche, wünschte ich, den freundlichen Herrn, der mit dem breitkrempigen Schlapphut auf dem Haupte, den altdeutschen Rock bis unters Kinn zugeknöpft, das schöne von grauem Kopf- und Barthaar eingefaßte Haupt, aus dem zwei große blaue Augen blitzten, über den gefalteten Händen auf den Stock gestützt, neben mir saß, sprechen zu hören. Daß es ein Deutscher sei, war mir kein Zweifel. Alte Herren sind viel leichter nach ihrer Nationalität zu erkennen als junge Leute. Eine verlöschte Cigarre und meinerseits angebotenes Feuer gab einen Anknüpfungspunkt, und bald freute ich mich der geistreichen Belnerknngen, die mein Nachbar über Land und Leute machte. Fiir die Schweiz und deren Bewohner war er sehr eingenommen und wie eine genaue Kenntniß der Berge, so hörte ich eine große Vertrautheit mit den Schweizer Sitten aus seinen Worten. Unter heiterem Gespräch verflossen schnell die zwei Stunden der Fahrt bis Luzern, und mit Dank für die genossene Unterhaltung wenn auch nicht ans der Zunge, so doch im Herzell, trennte ich lnich vom Reisegefährten. Wie freudig war ich aber überrascht, als ich llach einer halben Stunde den Dalllpfer zll einer Rundfahrt über beit See bestieg und meinen lieben Deutschen schon auf dent Verdeck fand, die Berge mit innigem Blick messend, wie mail ein geliebtes Weib anstaunt, das man nie atls dem Andenken verloren hat, das man jedoch beim Wiedersehen llach langer Trennung glaubt, nie prächtiger gescheit zu haben. Die Fahrt begann, und ich machte meinen Reisegefährten, der sich gleich' wieder mir angeschlossen hat, darauf aufmerksam, daß eine kleine wenig bekannte Arbeit Berthold Auerbachs „Das Kreuz der Ehrenlegion" in jenem Thale links spiele und das treue Kolorit des Landes und der Leute hier au sich trage. Da stellte der fremde Alte zum ersten Mule eine persönliche Frage all mich. Nach meiner Aussprache hielt er mich für einen Norddetltschen. Als ich dies verneillte, ergab es sich von sich selbst, daß er mich nach meinem Wohnort fragte und hinzufügte, ich sei wohl ein akademischer Lehrer. „Nein, ich bin Rabbiner." „In Zürich? — Ist denn dort jetzt eine jüdische Gemeinde?" Das lebhafte Interesse, mit welchem die letzte Frage gestellt war sagte mir, daß ich einen Glaubensgenossen vor mir habe. Ans mein diesbezügliche Frage antwortete er mit einer dem Rabbiner besonders wohlthuenden Wärme: „Ja wohl, ich bin ein ganzer Deutscher, dabei auch ein ganzer Jude, und zwar mit ganzem Herzen und ganzer Seele." „Mein Name," fuhr er fort, „ist Ihnen ja nicht unbekailnt, ich heiße Berthold Anerbach." Natürlich nahm die Unterhaltung jetzt eine andere Wendung, und mit der gespanntesten Allsmerksamkeit latlschte ich beit liebenswürdigen Belnerknngen Auerbachs über Nationalitüt und Konfession, über Delltschthllm und Judenthum, die sich seiner Meinung nach nicht ausschließen, sondern ergänzen, wie Detltschthum tmd das dem Judenthum entstammte Christenthum. Der Brief Auerbachs „lieber kanibalische Ostern", der damals erschienen und von der gesammten europäischen Presse veröffentlicht worden war, wltrde von uns besprochen, und Allerbach theilte mir mit, daß seine Schülerin — eine russische Großfürstin — ihm erzählt habe, der russische Kaiser — Alexander II. — babe diesen Brief mit großem Interesse gelesen und gebilligt. Er beabsichtige, denselben mit seinen anderen aus Anlaß uilgerechtfertigter Angriffe gegen das Judenthum veröffentlichten offenen Briefen nächstens unter dem Titel „Jüdisches" zu veröffentlichen und seiner Zeit in die Gesamnttansgabe seiner Schriften aufzunehmen. Ein italienischer Bettelmönch, der hinter uns auf dem Verdeck der „Helvetia" stand und unser Gespräch kaum verstanden hatte, sah mich verwundert an, als er beim Abschiede von Allerbach, der vor mir das Schiff verließ, in meinen Augen Thronen der Freude und des Stolzes sah. Ich war ja nicht nur mit dem Schriftsteller, ich war auch mit dem Juden Allerbach einige Stunden ztlsammen gewesen, die ich nie vergessen werde. Ber Verschlungene. Von Leopold v. Sacher-Mas och. Mogilna ist ein Städtchen in Ostgalizien an der Bahn ^elecjen, doll von Inden wie ein Bienenkorb doll Bienen. Wie überall in Galizien leben sic auch hier zusammcngedrängt in engen Gassen, i» kleinen Häusern und Stuben, die häufig noch durch Holzwände weiter abgetheilt sind. Unter diesen armen, fleißigen, geschäftigen Mensche», die ihre liebe Roth hatten, fiir sich und die Ihrigen das tägliche Brod zu berdienen, galt Herz Gikel als ein wohlhabender Mann, denn er besaß ein kleines Hans zu eigen und betrieb in demselben, nach Mogilnaer Begriffen, den Biktnalicnhandel äußerst schwunghaft. Das Hans hatte zwar nur vier Fenster Front und war ebenerdig, aber sie hatten Alle Platz darin, Herz Gikel, seine Frau Rachle, seine beiden Söhne Josef und Moses, und seine Töchter, Die große, schöne Jentcl und die kleine Blume, und außer ihnen »och ein Hund, eine Katze »nd ein Heer von Mäusen. Sie sahen zwar Alle elend genug aus, mager, und grün und gelb, aber es gehörte doch Alles ihnen, »nd sie kamen gar nicht auf den Gedanken, daß es anders sein konnte. Obwohl es draußen Obstbäumc gab und einen hübschen Wald in der Nähe, wußten sie doch Alle zusammen nicht recht, wie ein grüner Baum aussah. Sie verbrachten ihr ganzes Leben in der engen, schmutzigen Straße, in der niederen, dunstigen Stube eingckerkert, so wie ihre Elter» und Großeltern und Ahne». Eigentlich hatte Herz Gikel nur einen Dorn in seinem Leben der ihn immerfort stach, und das war sein Gegenüber, sein Konkurrent und somit sein Feind, Simche Ehrlich. Gikel wußte cigentich nicht recht, weshalb Ehrlich ihn so sehr haßte, denn er war sich bewußt, ein guter, frommer Jude zu sein und niemals wissentlich das Gesetz übertreten zu haben. Aber Ehrlich, der zu den Fanatikern in der Gemeinde gehörte, behauptete aller Orten, daß Gikel ein gefährlicher Freigeist sei. Die Gründe, die er dafür nnführte, waren allerdings schlagend. Erstens >var es sicher, daß man im, Hanse Gikels am Snbbnth von dem Taschentnche inen sträflichen ule brau nicht he Ei nicht ko hm zie chümlic ne von Gi gehen r Moses tkabbi» Der R rnropa tzart, t „<S „T st nicht „Z Damit Ak Da lies >ls zu wirkte, nor dei „E Kntel, st doch üs ein ,,Ä ch hak neleidig ich am Ul' ort El md Je Drei ai Gikel si r oerg >lötzlich len I, » den »ich, s> Üecht." Un 'lügend leierge -ahm i aas Ha Gob m ann t> Gc nd w letzte il nl verkl ein Bl ,,E '■ic Aul

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