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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-26 · Heft 9 (26.2.1892) · p. Seite 103

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 9 (26.2.1892)
Date
1892-02-26
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 eigene mußte», , zu de» : betrugen 3er echte» durch b»' n Woche» ämer bu t Politil, Klienten, Provinzen, brauchten, en. Wer lnd diese» :timm[ic» die sech» zu ruhen, das uicl» , wie ei» saus in ’ilemeni' loient I. I’allrili! I >ße Mas» Schweis,c en sie e» die »euere römische» rr Römer uteu aber Religivii >en wurde während eu war. i rüler du itzteu und wer Mit!,' als eine niederer» r in der errungen, erth körn riechische» ispruden; n Ansg,- erthöolle? i<les yoai is 11F 242 om. (coll 105) Wie Diel davon ist aber wirklich echt römisches Original? Als es sich zuerst um Abfassung eines Gesetzbuches handelte, schickte man von Rom Gesandte nad) Athen, um die dortigen Gesetze femteit zu lernen. Und wer waren denn in spätem Zeiten die römischen ^triften? Ga jus stammte vermuthlich aus Kleinasien, Papinian aus, Lyrieri, Illpiau war ein Tyrier, Salvius Julianus ein Afrikaner') u. s. w., fast alle Semiten oder Griechen! Spezifisch römisch waren nur die Spitzfindigkeiten und Wortklaubereien, wie sich deren auch un Talmud finden. Original umreit die Römer, und Großes leisteten sie nur in der Architektur, in der Kriegskunst und in den Thier- und Menschenhetzeu. Und letztere trugen am meisten dazu bei, deu Gegensatz zwischen Juden und Römern zu verschärfen. An den kolossalen Bamverken der Römer, an den prachtvollen Tempeln und luxuriösen Bädern ging wohl der Jude nicht ohne Ltaunen vorüber, wenn er auch die irregeführten Menschen bedauerte, welche diese Pracht und diesen Reichthum in den Dienst der Abgötterei und der Unzucht stellten. Und der Grieche, der sie ohne religiöse oder moralische Bedenken betrachtete, mag doch wohl manch-! mal über geschmacklose Ueberladung den Kopf geschüttelt haben. Aber! von den grausamen Spielen des Amphitheaters wendete sich Jude i wie Grieche mit gleichem Ekel ab. Dem Juden verbot auch seine! Religion die Anwesenheit bei solchen Schaustellungen. Doch statuirt j der Talmud eine Ausnahme: „Man darf das Amphitheater be-! suchen, wenn man hoffen kann, durch lautes Schreien einen zum lode Verurtheilteu zu retten." Die Akten der Märtyrer wissen von vielen Christen zu erzählen, die unter den Zahnen und Tatzen wilder Thiere für ihren Glauben verbluteten, in ergreffeuden Bersen schildert Byron den Tod des nordischen Gefangenen in der Arena, der hingemordet wird, um den Römern eine Feiertags-Belustigung zu verschaffen, und während rings um ihn das wilde Jubeln des römischen Volkes erschallt, sein Leben verhaucht, denkend an seine kleine Hülte fern am Donau-Strande, z ivo seine „kleinen Barbaren" spielen. .lie is gone Ere ceased the inhuman shout which Iiail’d the wretcli \vh<> \v<m He hearcl it., but he heedet not — his eyes Were with bis heart, and that was far a way. He reck’d not ot the life he lost nor prize. Bat wliere bis rüde hut by the Danulie lay, There were bis young barbarians all at plav. Dem Talmud stehen keine so prächtigen Verse zu Gebote, aber wie ergreifend sind seine einfachen Worte: „Vielleicht könnte man (vinen retten". An dem Bau des Colosseums hatten viele jüdische Gefangene gearbeitet. Seine Einweihung wurde durch hundert Tage dauernde Festspiele gefeiert. Neuntausend Thiere wurden dabei getödtet, und vielleicht eben so viele Menschen — mussten doch ihrer 3000 an einem läge kämpfen. Dem Volke wurden alle möglichen Genüsse geboten, den Hauptgeuuß hatte ihm aber der Kaiser für den Schluß aufgespart: der milde, menscheufreundliche Titus, amor ac deliciae ,irenens lumiani, weinte am letzten Tage im Angesichte des ganzen Volkes.') Ob wohl die jüdischen Gefangenen, die unten im Sande der Arena von den Elephanten zertreten, von Löwen zerrissen wurden, die Thräne im Auge des Jinperators bemerkten? Und weinte er, weil er nicht mehr Gefangene zu opfern hatte oder lveil ihn die römische Politik zu solcher Grausamkeit zwang? Sagt doch Polybins, die 0 Friedländer 1, 316. -) Tio Cassins LXVI 25, 26. Römer wütheten nur deshalb so grausam in ihren Kriegen, um den Feinden Schrecken eiuzujagen.') Nur drei Todsünden kannte die jüdische Religion: Götzendienst, Unzucht und Mord -- der Besuch des Amphitheaters ist aber dem Morde gleich — lehrte der Talmud, lind waren c* nicht gerade diese drei Sünden, welche im Rom der Kaiserzeit am häufigsten begangen wurden? So stand der Römer dem Juden, der Sieger dem Besiegten gegenüber. Die beiden Völker waren einander in so Vielem ähnlich und doch wieder so verschieden lvie ihre Schicksale. Aehnlich sind auch die Erzählungen von Kain, dem ersten Städtebauer nach der Bibel, und Abel, und von Romulus und Remus. Aber Romulus ward vergöttert und Kain von (statt verflucht. So verschieden wurde die uralte Mythe von beiden Völkern aufgefasst. Der Römer sah nur die staatsbildende Kraft, das Verdienst der Gründung Roms, der Jude nur die Sünde des Brudermordes. Mit dieser Anschauung gründeten die Römer den mächtigsten und geordnetsten Staat der alten Welt, der auch den kleinen Staat der Juden verschlang. Aber die 'Juden haben das römische Reich überlebt, das römische Heidenthum ist von der Religion besiegt worden, die von Judäa ausging. Auf Mark Aurels Säule steht die Statue des armen Juden ans Tarsus, auf der Trajaussäule die des galiläischen Fischers, in der Kirche, welche die Ketten ausbeivahrt, die dieser getragen haben soll, bewundern wir die majestätische Gestalt des Gesetzgebers der Juden, von Michel Angelos Meisterhand gemeißelt. Der Obelisk aus dem Lande der Pharaonen, der uralte Zeuge jüdischen Leidens, der vor dreihundert Jahren auf Befehl Papst Sirius V. aus dem Petersplatz aufgestellt wurde, trägt die Inschrift: „Fu<»i(<‘ partes advorsao! Vicit Leo de h*il>u Juda. * FEUILLETON -- - Meine erste Begegnung mit Berthold Auerbach. i'Zum 28. Februar». Von Tr. A. Kisch, Rabbiner in Prag. „Auf den Bergen wohnt die Freiheit", sagt das alte Wort; aber nicht minder wohnen die Gedanken und Gefühle dort. Das Herz ist beim Anblick der Alpenriesen so voll, so gehoben! So oft ich in die Alpenwelt kam, die Pracht und Herrlichkeit derselben stets in anderer Beleuchtung neu und anders gestimmt bewunderte, musste ich unwillkürlich an jene Stelle in dem meisterhaften Roman Auerbachs denken, Ivo ein Mann, dem der Arzt den Verlust der Sehlrast vorhergesagt hatte, die letzten Tage, die seinem Auge vergönnt sind, dazu benutzt, um noch einmal die Alpen zu sehen und aus diesem Anblick Trost und liebe Erinnerung in die ewige Nacht der Blind heit mitzunehmen. Wie oft, wenn ich ans den herrlichen Schweizerseen den Wind mit den silbernen Locken eines Greises spielen sah, dachte ich au jenen Auerbach'schen Alpenbesucher! An einem freien Tage des Sommers 1878 setzte ich mich wieder ein Mal in Zürich in den dichtbesetzten Zng, der eine Unzahl Fremdei aus allen Ländern der Welt von Limat-Athen dem wildromantische!. Vierwaldstättersee zuführte. In allen Sprachen summte die Unterhaltung in dem naä Schweizer Art bequem eingerichteten Salon-Wagen. Ich nahm das ') Polybins X 15.

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