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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-26 · Heft 9 (26.2.1892) · p. Seite 102

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 9 (26.2.1892)
Date
1892-02-26
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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102 Toleranz bcr Römer, denen man die Gewissensfreiheit zu verdanken hat. „Was den Inden widerstrebte," sagte er, „war das gleiche, liberale, weltliche Recht, Aus dem römischen Rechte mußte mit der Zeit die Gewissensfreiheit herbvrgehen, während das Jndenthnm mir die Synagoge, die Kirche, die Sittencensnr und die erzwungene Moral Hervorbringen konnte." 's Die dnmmen, eigensinnige» Inden hatten aber kein Verständnis; für dieses schöne römische Recht, das mir den römischen Bürger vor der Prügelstrafe schützte, und waren znr Zeit, da sie gegen die Römer kämpften, zu ungeduldig. Sonst hätten sie ruhig anderthalb Jahrhunderte gewartet, verschiedene römische Kaiser und Kaiserinnen nebst dem schönen Liebling Hadrians angebetet, um dann von Caraealla gleich allen Unterthanen zn römischen Bürgern erklärt zn iverden. Und die christlichen Märtyrer, die Jnngfrane» und Greise, von deren Tode im Amphitheater, auf dem Kreuze und im Feuer Renan erzählt, welche Ansicht hatten sie wohl von dem „droik lalqne liberal, qui ne s’inquiet pas de In croyauee des individusV“ Zwischen den Juden des Alterthums und den Römern bestand auch der wesentliche ltnterschied, daß die Juden vorzugsweise ein Landvolk, die Römer ein Stadtvolk waren. Ans den Städten Rom und Karthago entwickelten sich die gleichnamigen Staaten; das „Land Israels" bestand, bevor es eine Hauptstadt hatte, und als endlich der Sitz des Königthums in Jerusalem firirt wurde, behielt das Land seinen eigenen Namen, es hieß Judäa, Palästina, aber nie Jerusalem. Und als die Juden aus der babylonischen Gefangenschaft zurückkehrten, bedurfte cs seitens der Führer großer Mühe, um das Volk zur Ansiedlung in der Hauptstadt zn bewegen. Es mußte durch das Loos der zehnte Theil des Volkes bestimmt werden, der das Opfer bringen sollte, in Jerusalem zu wohne». „Und das Volk segnete alle Männer, die freiwillig waren, zu Jerusalem zu wohnen."") Das Ideal der Juden war ein Land, wo Milch und Honig fließt, wie es an beinahe zwanzig Stellen der Bibel gesagt wird; als die glücklichsten Zeiten galten jene, da „Jedermann sicher unter seinem Weinstockc und Feigenbäume saß." Und dies gilt nicht blos von den Zeiten der Patriarchen und Könige. Gin Bauernvolk waren die Juden arlch unter der römischen Herrschaft, rmd landwirthschaftlichen Verhältnissen ist ein großer Theil des Talmud gewidmet. Bon dessen Gr Theilen behandeln 4* rituelle und theologische, sechs landwirthschaftliche Angelegenheiten, eben so viele sind dem Ehercchtc und nur drei dem sonstigen Privatrechte gewidmet. Rom aber verdankt seine Größe neben der rückchsichtslosen Eroberungspolitik vor Allein seiner für den Handel günstigen Lage. „Den kommerziellen und strategischen Verhältnissen verdankt es, wenn nicht seine Entstehung, doch seine Bedeutung" ... und „wer die Römer und ihre Geschichte kennt, der weiß es, daß das Eigenthümliche ihrer öffentlichen und Privatthütigkeit auf „ihrem städtischen und kaufmännischen Wesen ruht" sagt Mommse». Demgeinätz entwickelte sich das römische Staatswesen zum vollkommensten System der Ausbeutung und Bewucherung aller andern Völker." „In den römischen Kolonien Korinth und Patrae mtb in. Athen konzentrirte sich das größere Banqniergeschäft der Provinz (Griechenland), ivelches in der Kaiserzeit wie in der republikanischen zum großen Theil in den Händen dort ansässiger Italiker lag."3) Tie Provinzen wimmelten von Liktoren, Steuereintreibern und ') L’Anteehrist S. 533. 3) Nehemia XI, 1—2. :I) Monnnsen, Römische Geschichte l. 4. 48, V. 2. 208. andern Blutsaugern, die außer der Staatskasse auch ihren eigene» Säckel zu füllen bestrebt waren. Die armen Provinzialen mußten, um die Steuern und Kontributionen zahlen zn können, zu de» römischen Wucherern ihre Zuflucht nehmen, und die Zinsen betrüge» bald so viel wie die ganze Steuer. ') Nichts erregte mehr das Staunen und den Spott der echte» konservativen Römer als die Heilighaltnng des Sabbath durch d» Juden. Und dies ist leicht begreiflich. Wer nicht die sauren Woche» hat, kennt auch nicht die frohen Feste. Die vornehmen Römer d« Hauptstadt, die Senatoren und Ritter, die sich nur mit Politil. Krieg und Wucher beschäftigten, die Bürger und armen Klienten, die auf Kosten des Staats, das heißt der geplünderten Provinzen, gefuttert, mit Brod und Zirkusspielen versorgt wurden, brauchte» keine Sabbathruhe, da sie die ganze Woche müßig gingen. Wu wirklich in Rom arbeitete, das waren die arnien Sklaven, und diese» gönnte man im ganzen Jahre nur die paar Tage der Saturnalie > zum Ausruhen. Und nun kamen auf einmal Leute ans dem Osten, die sech» Tage so hart arbeiteten wie die Sklaven, »m am siebenten zu rnhei gut zu essen und ihre Wohnungen zu beleuchte». Mußte das nick» Staunen und Gelächter erregen in einer Gesellschaft, welche, wie eia französischer Schriftsteller sagt, war saus commerce ei saus Industrie, denk la guerre el le pillage etaient les seuls elemenH de production et dont les classes inoyennes regardoient ktravail eonime une oeuvre servile et l’oisivete eomnie l'altiiln I du citoyen. -) Von den Juden sagt dagegen Mommseiu „Die große Maßt der Bevölkerung Judäas waren kleine Bauern, die im Schweife ihres Angesichts ihre Felder pflügten und ihr Oel preßten."3) Wenn sic dann ein Kaufmaunsvolk wurden, so haben sie to neben der mittelalterlichen, in vielen Ländern noch bis in die neuen Zeit wirksamen Gesetzgebung, zum Theil wohl auch dem römische»! Beispiele zu verdanken. l In den bildenden Künsten waren die Leistungen der Römer i und der Juden von gleich geringem Werthe. Letztere konnten aber! wenigstens zu ihrer Entschuldigung anführen, daß ihre Religio» ihnen die Nachbildung lebender Wesen nicht gestatte. Dagegen wurde bei ihnen die Musik eifrig und in origineller Weise gepflegt, während die römische Musik nur eine rohe Verballhornung der griechischen war.» In der Medizin waren Juden und Römer die Schüler drr Griechen; aber während die Juden die Wissenschaft hochschätzten une in späterer Zeit viele berühmte und geschickte Aerzte aus ihrer Mit»' hervorgingen, „betrachteten die Römer die ärztliche Praxis als eine Beschäftigung, die sich nur für Fremde oder für Leute von niederen» Herkommcu, für Diener und Sklaven schicke. Sie haben in de» Medizin eigentlich niemals eine geistige Selbstständigkeit errungen, und ihre besten medizinischen Werke besitzen nur den Werth ion; dilatorischer Zusammenstellung, denen die Schöpfungen des griechische» Geistes als Vorlage dienten."5) Aber, wird man vielleicht einwenden, „in der Jurisprudenz waren die Römer einzig groß, die römischen Juristen haben Ausgezeichnetes geleistet, sie haben uns im römischen Recht ein werthvolle? Erbe hinterlassen." ') Cäsar, Bellum riv. III. 32. 2) Christophe Moreau, citirt in Hevuo des deux ein indes vv» 1. Februar 1852, S. 463. 3) Rom. Geschichte V, 2. 528. 4) Friedländer, Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms III24». 5i Dr. Th. Puschmann, Der ärztliche Stand im alten Rom. ,J» * Monatsblätter des Wissenschaftlichen Klub in Wien 1890, S. 105) Wi es sich l von Ro lernen, smriste» Syrien, ». s. w. nur die »n Tal Oi Architek hetzen, zwischen Au Tempel Staune welche I götterei religiöse mal üb von bei wie Gr Religioi der Ta suchen, Tode ü Di die mit verblute nordisch Rönieri um ihn verhaue ivo sein l l i I 1 Di wie er, Einen i Ai gcarbeil Festspie vielleich Tage b den ,H gespart ireneri: ganzen O Arena Thriine er nicht Politik y ’J)

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