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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-26 · Heft 9 (26.2.1892) · p. Seite 101

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 9 (26.2.1892)
Date
1892-02-26
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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101 Gemüt!,, rz als bu ttesdieim. s Geinück, en Kop!" miens gekommen, rengimflnt uf bis in Lebens z>, Und d k Schönhei Einzige ge (Matt:: nnd t)t - gINg, lli; absprach. gingst cii Item itbn r) dahii ich diesen tzne, we! ivahrhan i bekam'i 'ssionelle i aen, dai nnd G> achstehei. e Gefahr keligione die Ge Ni. Ab: de ist in einwirkeu rvortrar. ist nichi tage di. Werk is:. ne Liebe. Glembe» wir, bi re Mit sie ivird gemach!. „Wen,! Ind »I! iterland' Pforten »i Juden ittigend verlier' i, wenn nen dee Ilich-kon e heranter nnd s Pateriaiidcs, als Soldat, als Stadtverordneter, als Geschworener, als chmst gemeinnützig Wirkender nnd von seinen Mitbürgern gern Ausgesuchter erfüllt hat — nun mit dem Hephepgeschrei der Antiseiniten gehaßt, verspottet und beschimpft wird, von Mitschülern, ja von Lehrern! Das christliche Kind hat ferner ein erziehliches Geinüthsleben in -einem religiösen Hochfest: Weihnachten. Wo wäre das jüdische Haus, ras dem Weihncichtsbmnii und seinem Angebinde, nnd wenn er auch >nrch Geschlechter bereits importirt luärc, eine wirkliche Gemüths-;cite abgewinnen könnte? Was ist Weihnachten ohne Christus? dasselbe, was Christenthum ist ohne Christus. Das jüdische Kind braucht demgegenüber gerade heutzutage eine Stärkung seiiies Gcmüthslebens. Möglich, das; sie noch vorhanden, , 10 Freitagabend und Sederabend mit dem alten gläubigen Sinne lefeiert werden, möglich — aber wie selten! Wie schwindet das mehr und mehr, unwiederbringlich. Darum gilt es, neue Formen :i finden, die überlebten frisch zu gestalten. Man hat dies glücklich in den Chanukafestfciern gefunden, die nichts verlieren würde», euch wenn die Familie sie der Zeit nach auf den Weihnachtsabend vergte; am Ende aller Enden hat man cs ja mit einem und dem- ■ Iben Lichtfeste zu thun. Ich schließe mit dem Wunsche: möchten Alle, die, seien es Eltern, den es Lehrer, seien es Rabbiner, mit die Jugend zu wirken haben, : inner und immer darauf Bedacht nehmen, daß unser Judenthnin :»r dann und nur j so lange uiiser Heiligthum bleibt, als wir es '.überhaupt lieben mit ganzeinZHerzen. O Römer und Juden. Bon Dr. Marcus Landau. IV. Die Leichtigkeit, mit welcher die Römer neue und fremde Götter afnahmen und verehrten, ließ die Meinung anfkounnen, daß sie sehr : lerante Leute waren, und die modernen Feinde des Christenthums r:ib Judenthums haben sie auch als solche dargestellt, tvährend man be Inden als Erfinder der Intoleranz ausschrie. Nun giebt es aber zwei Arten der Intoleranz: Aufzwinguug des :genen Gottes fremden Völkern, welche ihn nicht anerkennen wollen, rnd Verfolgung der Verehrer eines fremden Gottes. In letzterer 'Beziehung waren die Juden bekanntlich so intolerant, daß sie die Anbetung der Götter Calignla und Jupiter in ihrem Tempel nicht > Hatten, wollten und von den Christen erzählt man, daß sie so eigen- 'imig waren, den Göttern das Bischen Weihrauch nicht zu gönnen, iiid sogar ihre Statuen umwarfen nnd zerbrachen. Für diesen > ontrast hatte man auch gleich eine Plausible Erklärung bei der band: Die Juden und Christen, die nur an Einen Gott glaubten, > unten die Anbetung eines zweiten nicht dulden; die Römer aber, > ie deren einige Dutzend hatten, die fremden Göttern so bereitwillig i empel bauten, konnten ohne Jnkonsegnenz und Gewissensangst deren u viele aubeten, als in der Welt zu finden waren.C lind die Götter öibst zogen gern nach dem gastlichen Rom. Dignus Roma, locus,, quo Deus omuis eat, ' at die Göttermutter bei Ovid. Aber in diesem Verse liegt auch schon zum Theil die Erklärung r sogenannten römischen Toleranz unb jüdischen Intoleranz. Die l mische National-Religion war politisches Instrument, die jüdische die Essenz des Staates. Für den Inden hatte der Staat nur so lmige Werth, als er ihm gestattete, nach den Vorschriften seiner l) Bergt. Voltaire: Dll clirotieu am Ire six juils. Religion zu leben; dem Römer war die Religion nur Dienerin des Staates. Sie wurde geschützt und geachtet, weil sie der Größe und Macht des Staates diente. Ter Jude erlitt eher den Märtyrertod, als daß er sich zur Anbetung eines fremden Gottes herbeiließ, der ja in seinen Augen nur ein böser Dämon oder ein fühlloses Bild von Holz und Stein war. Die Römer aber wie auch andere Heiden glaubten auch an die Macht der fremden Götter und suchten sie daher für sich zu gewinnen, ihren Zwecken dienstbar zu inachen. Sie waren tolerant gegen die Götter, aber nicht gegen deren Anbeter. Sie verfolgten diejenigen, welche ihren römischen Göttern nicht genug Verehrung erwiesen, so gut wie die, welche ihren eigenen heimischen Göttern anhingen, den monotheistischen Juden oder Christen so gut wie den polytheistischen Gallier. Die Religion der Gallier wurde wiederholt in Rom verbotein Unter Claudius wurde gleichzeitig mit einer Judenanstreibung auch eine Druiden-Verfolgung veranstaltet. Während Augustns nur römischen Biirgern diese Religion verboten, Tiberius den Druidenorden aufgehoben hatte, wurde von Claudius die ganze gallische Religion abgeschafft, ihre Bekenner bis nach Britannien verfolgt. Unter Nero wurde die Insel Mona erobert, die Priester wurden getödtet, die heiligen Bäume umgehauen.') „Ueberall, wo die Legionen eindrangen, wurden die Tempel entweiht, die Altäre umgestürzt, die Priesterinnen geschändet, die alten heiligen Haine der gallischen Götter umgehauen."^) Mit heuchlerischem Augenverdrehen entschuldigen die römischen Historiker diese Verfolgungen mit bent greulichen Gottesdienste, den Menschenopfern der Druiden, als ob die Römer nie Menschenopfer gebracht Hütten. Aber nicht blos die gallische, auch jede andere Religion wurde in Rom verfolgt, das Anbeten anderer als der römischen Götter uitb der Gottesdienst in anderer als römischer Weise wiederholt strenge verboten. Dabei geriethen aber die gestrengen römischen Staatsmänner, denen die Religion nur ein Regierungswerkzeug lvar, gar oft in Konflikt mit dem abergläubischen Volke, das in großen Nöthen, wo sich die heimischen Staatsgötter als machtlos erwiesen, gar zu gern sich an ausländische Götter wendete und fremde Heilsmittel anwendete. So wurden fremde Kulte und Götter eingefiihrt und wieder verboten und dann endlich gestattet; im Geheilnen eingeschlichene Killte und abergläubische Ceremonien gelangten mit der Zeit, trotz aller Verbote und Verfolgungen zur Anerkennuilg. So existirte schon zu Sulla's Zeiten ein Kollegium von Serapis-Priestern zu Rom, in den letzten Zeiten der Republik wurde gegen diesen Kultus eine Reihe strenger Verbote erlassen, aber schon iiach welligen Jahren errichteten die Triumvirn selbst einen Serapis-Tempel. Augnstus erließ wieder strellge Verordniillgen gegell den Serapis- Dienst, Tiber ließ den Tempel zerstören, aber unter späteren Kaisern fant der ägyptische Gott wieder zu Ehren, und Cararalla ließ ihln nnd der Isis mehrere Tenipel in Rom erbauen.ch Wellll etwas das berbammenbe Urtheil über Religionsverfolgungen mildern könnte, so wäre es der Glaube, den manche dieser Verfolger hatten, daß sie den Verfolgten eine große Wohlthat erweisen. Sie wollten, wie sie meinten, die Ungläubigen zll ihrem Besten zwingen, die Seele auf Kosten des Körpers retten; aber die Römer verfolgten Andersgläubige aus politischell Motiven, alls Furcht oder Nationalhaß. Renan sieht freilich nur die Unduldsamkeit der Juden uitb die 1) Suetonius, Claudius 25; Plinius H X. XXX 1: Tacihis, Ann. XI V -w. 2) Am. Thierry. Histoire des Uaulois IV I IN. a) Cicero De legibus II 8. Lwius IV d(), XXV 1, XXXIX H». Vrn lerius Mayimus!, aig. N, d. Dia Cassius XL 4/7, XLVI1 15. Tertulliau A|»ulo-'. VI. Preller, vom. Myth. Isis und Terapis.

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