Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1892)
- Date
- 1892-02-26
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227941--48637-3269283- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
100 Frage: „ob die Eltern den Unterricht ihrer Kinder in einer einklassigen Schule ihres Bekenntnisses demjenigen in einer mehrklassigcn Schule anderer Konfession vorziehen." Der in derselben Nummer der Zeitung des Judenthums mitgetheiltc Fall aus Hörde in Westfalen zeigt recht deutlich, wohin es kommen kann und vielfach kommen wird, wenn § 15 in der jetzigen Fassung geltendes Recht wird; er giebt auch einen Fingerzeig, wie mau ohne Mehrkosten, durch Verminderung der Stundenzahl k. den Aufwand für eine besondere jüdische Schule bestreiten kan». Gegen die in dem Goßler'schen Entwürfe ausgesprochene fakultative Errichtung von Schulen für die Miuderheitskonfessionen ohne Zustimmung ihrer gesetzlichen Vertreter hat der Ausschuß des Rabbincrverbandes sich im vorigen Jahre einstimmig ausgesprochen, und viele jüdische Gemeinden haben sich der von demselben entworfenen Petition angcschlossen. Und nun sollen wir die obligatorische Einrichtung solcher Schulen widerspruchslos hiunehmen? Was hat sich denn inzwischen ereignet, daß wir so Vertrauensselig geworden sind? Lind Ivir es nicht uns selbst schuldig, die Amendirung dieses Paragraphen anznregcn? Das wird uns der Herr Unterrichtsminister, der wiederholt seine Bereitwilligkeit zur Entgegennahme und wohlwollenden Prüfung von Amendements ausgesprochen hat, sicherlich nicht verübeln. Ucbrigens irrt R R. in der Annahme, daß bei einer 60 übersteigenden Zahl von Schulkindern einer Minderheitskonfession Stadtgemeiude und Bezirksausschuß um ihre Zustimmung zur Errichtung einer besonderen Schule angegangen werden müssen; denn nach dem klaren Wortlaut des 8 15 hat diese Anordnung zu erfolgen, das will sagen: der Regierungspräsident ist verpflichtet, ohne Weiteres eine besondere Konfessionsschule ins Leben zu rufen. Ich ivünsche sehnlichst, daß die jüdischen Geiueindeu in Preußen vor der Gefahr bewahrt bleiben, gegen den Willeir des Vorstandes und der Repräsentanten ihre Schulkinder ans der christlichen Volksschule ausgeschlossen zu sehen, und habe inich für verpflichtet erachtet, aus diese Gefahr und die Mittel, ihr zu begegnen, aufmerksam zu machen. d Mahnungen. Bon Rechtsanwalt Emil Lehmann. II. Gesetzt, der Vorsitzende des Schwurgerichts hätte die moderne Klytünuiestra, oder der Vorsitzende der Strafkaminer hätte de» Hochstapler — wozu sie berechtigt sind — nach ihrem Schulunterricht, und besonders nach ihrem Religionsunterricht genau befragt, und gesetzt, sie Hütten wahrheitsgetreue Antworten gegeben, wie würden sie etwa gelautet haben? Die schöne Sünderin würde erzählt haben: Ich habe sehr guten Schulunterricht genossen. Ich war immer unter den. besten Schülerinnen unserer Stadtschule. Religionsunterricht hatte ich gar keinen. Ober: den genoß ich ab lind zu bei einem jungen Studenten oder bei einem alten Polen, „lind worin bestand Per?" Antwort: „In langweiligem Hersagcn und Uebersetzen.hebräischer Gebete." Der Hochstapler -. das^ bewies sei» ganzes Auftreten und Verhalten würde gleichfalls vorzüglichen Schulunterricht, wahrscheinlich beste Censurcn ins den Lehrfächern mit Grund für sich haben anführen tonnen. Tie Verbrecher bilden nicht die Regel, sind nicht die Vertreter des JudenthuinS. Aber an diesen seinen Auswüchsen kann inan die Grundschädcn in ihrer ganze» Deutlichkeit erkennen, an denen ivir leiden. Es ist, »in dies immer und immer wieder zu betonen, das Ueberwiegen des Verstandes über das Gemütli. Umsonst wird in den Sprüchen der Väter das gute Herz als du höchste Tugend und Menschenzierde gepriesen. Unser Gottesdienn, unser Religionsunterricht ist verstandesniüßig, läßt aber das Geiniül, mehr oder weniger kalt. Bekanntlich preist fast jeder jüdische Vater den „guten Kop« seines Kindes; vom „guten Herzen" wird nicht so viel Rühmens gemacht. Der „gute Kopf" muß lernen, studiren, vorwärts kommen,, die besten Censuren erringen. Die ehrenwerthesten Anstrengunge,, lind Opfer werden gebracht, um den „guten Kopf" hinauf bis in die höchsten Höhen des wissenschaftlichen, des geschäftlichen Lebens leiten. Oft mit großem Mißerfolg. So die Söhne! Und du Töchter? Neben dem guten Kopf die gute Stimme, die Schönste,t — ja das ist alles so anerkeiinenswerth! Aber ist es das Einzige? Wo bleibt das Gemüth, wo die Seele, woher sost dic künftige Gattin und Mutter ihr Haus, ihre Kinder mit Liebe beseelen und b« seeligen? Gott bewahre mich vor der boshaften Verdächtigung, al ■ ob ich den jüdischen Frauen und Mädchen Herz und Liebe abspräch Nein, wenn ich auch nicht den Chauvinismus thcile, den jüngst ein im Uebrigen sehr anerkcimensiverther Aufsatz in diescir Blättern üb« eine Berliner Wohlthütigkeitsveranstaltuiig (Channka-Feier) dahin aussprach, daß nur jüdische Frauen wohlthätig sind, wenn ich dies«, Ausdruck auch als recht verfehlt, voreilig und unrichtig bezeichne, weil mir und gewiß jedem im Leben Erfahrenen viele Fitste von wahrhau edler, hochherziger Menschenliebe aus christlichen Frauenkreisen bekann sind, weil überhaupt die Liebe Gottseidank noch keinen konfessioneste i Stempel trügt: — so stehe ich doch nicht an, anzuerkennen, dan unsere jüdischen Frauen und Mädchen in Sitteureiuheit und G, müthsinnigkeit ihren hochverehrten Ahnfrauen nicht nachstehei, Aber — trotzdem liegt, wie traurige Beispiele mahnen, die Gefahr nahe, daß es anders werde — ivemi Erziehung, wenn Religionunterricht, wenn Gottesdienst nicht entschiedeneren Ton auf die G« müthscrweckung, mif die Innigkeit und Innerlichkeit legen. iHiu Recht legt mau den Hauptwerth auf die Predigt. Der Jude ist in der Synagoge meist gewohnt, die Predigt nicht auf sich einwirkei, zu lassen wie ein Kunstwerk, tote einen wissenschaftlichen Lehrvortrag, sondern sie kritisch anzuhören, skeptisch zu zergliedern. Das ist nichi der rechte Standpunkt. Es ist von Haus aus zuzugeben, daß grade heutzutage di, jüdische Kindererziehung in Deutschland ein sehr schweres Werk iß. Was ist der Grund und Boden für die Erziehung? Tie Lieb« Liebe zum Elternhaus, Liebe zum Vaterland, Liebe zum Glaube», Liebe zur Menschheit. Die Liebe zum Vaterland — sagen wir, di, wir ein langes Leben hindurch sie in Thateu für unsere Mil bürger bekundet und bewährt haben, es osten heraus, — sie wird heutzutage dein herainvachsenden Geschlecht sehr schwer gemach« uns wie itnii vergällt und verbittert. Und — dennoch! „Wenn ich Dich liebe, was geht's Dich an," mochte man oft zweifelnd und verzweifelnd mit Goethe, aber in anderem Sinne, dem Vaterland zurnfen, das uns so widerwillig, so bornrtheilsvoll seine Pforten erschließt, das so selten volle Gleichheit walten läßt, so oft dem Juden strengere Pflichten auferlcgt, als dem Christen. Jii so lcher Zeit wird die Erziehung sehr erschwert. Das sittigend Element des Patriotismus, der vaterländischen Geschichte, es verlier: für die Heranwachsenden Juden einen Theil seines Eindrucks, wenn es — wie vollends in der Zukunft bei denr Zustandekonnnen depreußischen Schulgesetz-Entivurfs zu befürchten — christlich-kon fessionell gefärbt den Kindesseelen eingeprägt lvird, wenn die Heranwachsende Jugend, die daheim sieht und hört, wie der Vater und der Großvater, ja der Ahn seine Pflicht als treuer Sohn des Vater- ..indes, n'iist gei gesuchter gehaßt, v Dahinein r das dem Nirch Gl -eite akn dasselbe, Da- Ztärkmn l,'o Freit -efeiert mehr un u fintier den mich wer gte; ai «Iben Li Ich s -eien es inimer u nur daiu «berhanß Die nnahim : lerante mb Jud «e Jude Nun «genen ( «nd Vers «eziehnu «nbetunc «Hatten, ' inig w mb sog, ' ontrast v\mb: T l unten \ i c bereit :• cinpel I '- viele ai ' AH zog Gst die : Aber «r sogen «mische die Essen, >mge W -) Br