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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-19 · Heft 8 (19.2.1892) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 8 (19.2.1892)
Date
1892-02-19
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 derartig ins Gewicht fallen, das; die Erhebung der öffentlichen Anklage als in; öffentlicher; Interesse liegend erachtet werden rnüstte." Auf die hiergegen bei der Oberstaatsanwalt am .Königl. Kammergericht eingelegte Beschwerde wurde der "Antragsteller mit der Begründung abgewiesen: „das; ein öffentliches Interesse, welches die Erhebung der öffentlichen Klage fordert, als vorliegend nicht erachtet werde;; kar;;;." beider hat sich Herr Goldstein bei diesem Bescheid beruhigt. Hatte er sich an den Justizminister gewendet, so würde;; die staatsanwaltlichen Instanzen eines Besseren darüber belehrt worden sein, was das öffentliche Interesse erheischt. * Berlin, 15. Februar. Tie antisemitische Partei nimmt in ihrer Presse und auch sonst — wie nicht anders zu erwarten — für das B o l k s s ch u l g e se tz P arte i. Herr B ö ck e l giebt in seinen; „Reichs her old" folgende Parole aus: „Die antisemitische Volkspartei verlangt nationale und christliche Erziehung der Jugend". Zugleich zieht der Antisemitenlührer gegen die „Juden und ihre Freunde, die Liberalen" los. „Volk, las; dich nicht verbliissen. Geh nicht auf den blinden Lärm der demokratisch-jüdisch-liberaleu Volksverführer ein. Ilrtheile ruhig und sachlich und ohne Uebereilung, dann wirst du das Richtige finden. Bor allen Dingen aber arbeite praktisch und bessere deinen Wohlstand, dann ist dir geholfen. — Phrasen und Schlagwörter niachen deinen Magen nicht satt und deine Lage nicht besser". Mit ihm verbindet sich im Stampfe für die Unfreiheit der Schule ein Herr Sch wenn ha gen. Dieser seit einiger Feit häufig auftretende antisemitische Redner war noch vor wenigen Jahren, wie die Gräbuer'schen „Mitth." berichten, enragirter Sozialdemokrat und Redakteur eines freireligiösen Blattes. Heute ist er Mitarbeiter der „Kreuzzeitnng"!! — Bermuthlich ist heute seine Ueberzeugung ebenso aufrichtig wie damals. * Berlin, 14. Februar, lieber das Disziplinarverfahren gegen den Landrichter Dr. Liebmann in Frankfurt a. M. liegt jetzt ein ausführlicher Bericht vor, den; wir nachstehende Begründung des Urtheils entnehmen: Der Gerichtshof hat in eingehender Weife erwogen, ob etwa der Angeklagte einen fahrlässigen Meineid geleistet habe. Der Gerichtshof ist zu der Ueberzeugung gelangt, das; davon absolut keine Rede sein kann. Ebensowenig ist der Vorwurf begründet, das; der "Angeklagte es an der erforderlichen Vorsicht in der Sache selbst habe fehlen lassen. Dagegen trifft den Angeklagten der Vorwurf, daß er, durch die Lebhaftigkeit seines De;npera;neutes und durch die gegen ihn gerichteten Angriffe gereizt, .es in der Form an der nöthigen Vorsicht habe fehlen lassen. Der Gerichtshof hat sich deshalb genöthigt gesehen, eine Strafe gegen den Angeklagten festzusetzen. "Allein mit Rücksicht auf die umsterhafte dienstliche und außerdienstliche Führung des Angeklagten hat der Gerichtshof es für angelnesseu gehalten, auf die niedrigste Strafe, d. h. auf eine Warnung zu erkennen. S- Berlitt, 16. Februar. Ueber „di e ä l t e st e n s ch r i f 1 st elle ru - den Propheten" hielt Herr Professor Steinthal gestern "Abend zu Gunsten der Stipendienfonds der Hochschule eine ebenso lehrreiche, wie interessante Vorlesung. Der Redner wies nach, daß als älteste Denkmäler der prophetischen Litteratur das in die Terte von Jesaja und Jeremia aufgenonnnene „Klagelied über den Fall Moabs", ferner die unter dem Titel der Prophezeiungen Joels zusannnengestellten Reden, endlich Amos und Hosea zu betrachten seien. Die genannter; Bibeltheile behandelte Steinthal eingehend und gab eine lebendige Darstellung ihres Inhalts, sonne ihres litterarischen Eharakters. Dem Redner wurde reicher Beifall zu Theil. Berlin, 8. Februar. Gegeu den Abgeordneten Stöcker polemisirt Felir Dahn in einer Broschüre über den neuen Volksschnlgesetzenlwurf mit folgenden Worten: „Herr Stöcker hat in; Abgeordnetenhause gesagt: bei den; .Karnpfe gegen diesen Entwurf stehe „hiuter Herrn E. Richter das internationale Judenthum". Llein, Herr Hofprediger, das ist wieder einmal eine — llngenauigkeit. Diese Gruppe mag ja hierbei auch hinter jenem Herrn stehen. "Aber — das ist das Wesentliche: durchaus nicht nur diese Gruppe: und darauf kommt es an Ich stehe in fast allen Dingen sehr scharf gegen Herrn E. Richter i nicht in dessen vortrefflicher Beleuchtung der Sozialdemokratie!): aber in diesen; Kampfe stehe ich zwar nicht hinter ihm idenn das gefällt nur nicht!», doch neben ihn;, und ich, Herr Stöcker, bin kein internationaler Jude, sondern ein sehr nationaler Gerlnane. Es geht wirklich nicht an, auch hier den „"Antisemitismus" hereinzuziehen! War Dr. Falk ein Jude? Oder Dr. v. Goßler? Oder Fürst Bismarck? Würden sie für diesen Entwurf stimmen? — O wie häßlich!" Berlin, 12. Februar. Das Komitee für Chanukah-Bes che er;;;; g veröffentlicht seinen diesjährigen Bericht, den; wir Folgendes entnehmen: Von 1425 wohlwollenden Gebern sind uns, außer einer großen Menge werthvoller Bekleidungsstosfe, fertiger Sachen, Bücher und Spielzeug baar zugeslossen: Mark 17,127.47. Freilich ist auch die Fahl der Bittsteller gegen das Vorjahr wieder gestiegen und hat die Höhe von 1002 erreicht, von denen 960 Kinder berücksichtigt wurden, während 36 als nicht bedürftig oder nicht würdig abgewiesen werden mußten. Die Herren I. E. Jsaac und Moritz Manheimer waren wiederum so gütig, die Prüfung der Abrechnung und Beläge vorzunehmen und festzustellen, das; die Gesammt-Einnahme einschließlich des Restbestandes von; Jahr 1890 Mk. 17,898.04 beträgt, die "Ausgaben sich dagegen aus Mk. 15,172.33 belaufen, so daß ein Restbetrag von Mk. 2,725.71 verbleibt, von dem pro lausendes Jahr zur Beschaffung von Lehrmitteln re. zurückgestellt ist Mk. 725.71 und Mk. 200<> zum Reservefonds genommen wurde. 5Z Hamburg, 9. Februar. „In Hamburg wird die Gründung einer höheren jüdischen Töchterschale geplant." Diese kurze Rotiz in der vorletzten Nummer dieses Blattes weist auf eine Thatsache hin, die, so nothwendig sie auch sein mag, doch noch eine weite Strecke bis zu'ihrer Verwirklichung zurückzulegeu hat. Es ist eine Merkwürdigkeit, daß die „freie" Stadl Hamburg mit dem der „Freisinnigkeit" huldigenden Senat nur „Konfessionsschule;;" aufzuweisen hat. Eine Ausnahme, die die Regel leider sehr bestätigt, bildet die „Stiftungsschule von 1815", die sogenannte Röe'sche Schule, welche in dem genannten Jahre gegründet wurde,;;;;; jüdische Knaben in einem „freieren" Sinne zu erziehen. Diese Schule hat jetzt, nach dem Tode des Direktor Dr. Röe einen christlichen Leiter und nimmt seit 1852 christliche Schüler auf, so das; sie zu einer Simultanschule geworden ist, die ihren jüdischen Schülern an; Sonntag, ihren christlichen an; Sonnabend Religionsunterricht ertheilt. Die Frequenz der Schule hat sich in; Laufe der Zeit so gestaltet, daß jetzt die Zahl der christlichen Knaben doppelt so groß ist als die der! jüdischen. Um ihren ursprünglichen Eharakter als „israelitische" j Stiftungsschule zu wahren, werden Freistellen aus den Zinsen des! Stiftungskapitals nur jüdischen .Knaben gewährt. Um aber auch hier - die „Parität" zu schaffen, ist im Jahre 1872 der „Meta-Röe-Fouds" j begründet worden, aus dem nur „nichtisraelischen" .Knaben Frei-! stellen gewährt werden dürfen, und zwar so lange, bis die Verwaltung! der Anstalt darauf verzichtet, die Gewährung von Freistellen an kon- ' sessiouelle Bedingungen zu knüpfen. Diese von ca. 800 Kindern besuchte! Schule ist eine höhere Bürgerschule ohne Latein mit neun Jahreskursen! und berechtigt die Abgangsprüfung zum einjährig-freiwilligen Militär-! dienst. Dieselbe Berechtigung unter denselben Bedingung hat die Talmud-! Thora, die gleichsan; ein Gegengewicht bildet. Sie wird von einen; aus; 7 Personen bestehender; Vorstande, unter denen sich auch der Ober; rabbiner befindet, verwaltet. Diese "Anstalt besteht aus einer 3klassige;i z Vor- und <> klassigen Hauptschule mit zusammen ca. 500 .Knaben, die von i 22 Lehrern unterrichtet werden. Diese Schule ist von Mitgliedern de;! deutsch-israelitischen Gemeinde 1805 als konfessionelle Lehranstalt für! jüdische .Knaben gegründet worden und bezweckt, ihren Schülern „eine » möglichst uinfassende Kenntnis; auf dem Gebiete des regiliöseu Wissens" > zu gewähren. Es werden jetzt wöchentlich 73 Stunden Hebräisch > Mischna und Talinud in allen.Klassen zusauunen ertheilt, d. h. 28° 0 aller | Stunden entfallen auf die hebräischen Disziplinen. Die vorher erwähnte; Berechtigung ist ihr 1870 ertheilt worden. An fremden Sprachen wird > Französisch und Englisch gelehrt und steht diese Schule jetzt unter Leitune i des Direktors Dr. S. Goldschmidt, eines durch seltene Energie, päda l gogisches und allge;uei;;es Wissen sich gleich auszeichnenden Mannes, de;! seit seinem Amtsan ritte unausgesetzt bemüht ist, die Schule zu heben z für seine unterstellten Lehrer durch Wort und Thal zu wirken. "Al< I Zeichen von Toleranz ist zu erwähnen, daß an dieser der strenge; Orthodoxie zugehörigen Schule auch 4 christliche Lehrer wirken, während an den hiesigen Staatsschulen kein Lehrer jüdischer .Konfession zu finden ja nicht einmal für den Religionsunterricht der jüdischen Schüler diese; Schulen anltlich irgendwie gesorgt ist. Die jüdischen „Privatschulen" fristen ein kümmerliches Dasein, weil hier (ebenso wie anderswo» dü seinen jüdischen Kreise eine Ehre darin setzen, ihre Töchter in christliche Schulen zu schicken. "Aus diesen Mißständen hat sich die Gründung einer T biesigen von der nur we; christlich oopie ui Ausüb u werden, Gemüth nnbeach 'sitbe;; i genossen Aedakti X. gier de; mit 14 Israelit welche 'rhalten sorgers Israe eutnehn nie "Ans und 24 iolgend ll gege schuß, aufgen; Wochen wurde; Jeden; liehe B ge word lief sich einem >eit zu; wurde in Sta Einzug 24 Mä Lp mph, nicht, 2 3 an 9 letztere; Körper Anen? icheuma chhren; gegang »raktur »affen. 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