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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-02-19 · Heft 8 (19.2.1892) · p. Seite 94

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 8 (19.2.1892)
Date
1892-02-19
Page
Seite 94 (sequence 10)
Language
German
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94 Romanowna's umgab. Damals tvohnte der rassische Kaiser Alexander l. zu Frankfurt a. Ai. Eva fuhr hinüber nach Offenbach und besuchte den Kaiser. Am folgenden Tage sah man den edlen Fürsten vor dein Hanse Eva's halten, aussteigen unb lange in demselben verweilen. Was zwischen Beiden vorgegangen, darüber hat die Welt nie etwas erfahren; Augenzeugen wollen aber gesehen haben, wie der Kaiser, als ihn Eva bis zum Wagen geleitet, tief ergriffen von der Unglücklichen Abschied nahm. Bon da an war sie den Augen der Oeffentlichkeit völlig entrückt. Man wußte, daß sie vorn russischen Hofe Subsidien empfing, von welchen sie still und eingezogen lebte. Nie gelang es aber Jemand, den Schleier zu lüften, der ihre Herkunft umgab. Als im Jahre 1816 Menburg in Folge des Wiener Kongresses an Oesterreich abgetreten wurde, welches das Fürstenthum alsbald wieder an Hessen-Darmstadt abtrat, veranlaßte der damalige Gouverneur von Mainz, Erzherzog Karl, durch ein Machtwort die Gerichte zmn Einschreiten gegen Eva von Frank. Es sollte eine Untersuchung stattfinden, welche die Abkunft des Fräulein von Frank klar stellen sollte. Der Erzherzog hatte selbst seine Ankunft in Offenbach angekündigt, um Eva persönlich zu verhören. An dein festgesetzten Tage fand man Eva, über welche Hausarrest verhängt war, tobt in ihrem Schlafzimmer. Niemand erfuhr um ihr Geheimnis;. So endete die Prinzessin aus dem Morgenlande. Die Gläubigen Franks zerstreuten sich nach seinem Tode nach urtb nach. Allein der Zauber, der den Betrüger umgab, dauerte noch lange nach seinem Ende fort. Noch bis zmn heutigen Tage bestehen Anhänger seiner Sekte, Frankisten, Judenchristen, welche namentlich in Polen und Rußland zu Hause sind, fort, und wie uns der gutmüthige, wohmeinende Pfarrer Heber in seiner „Geschichte von Offenbach" (1838) berichtet, wohnten an dem Orte, wo Franks Leiche ruht, zu seiner Zeit noch einige seiner Anhänger. „Es scheinen Wächter des für heilig gehaltenen Grabes zu sein," sagt er, „übrigens ist ihr Benehmen so verständig, anspruchslos und friedfertig, daß sie allenthalben ein gutes Lob haben und niemals Veranlassung zu Beschwerden geben." Erst der neuester! Zeit ist es gelungen, dem Baron Frank, um den sich mit der Zeit ein förmlicher Heiligenschein bildete, die Maske abzureißen. Namentlich geschah dieses durch eine große Serie bisher unbekannter Aktenstücke, welche der berühmte päpstliche Bibliothekar P. Augustinus Theiner in seiner „Vetem nionimienta Poloniae et LiUmaniae“ veröffentlichte. Auf diesen Urkunden basirt die treffliche Abhandlung von Professor Dr. H. Graetz in Breslau: „Frank und die Frankisten", auf welche wir noch alle diejenigen, welche sich für diese merkwürdige Geschichte näher interessiren, besonders Hinweisen. ♦ Eine Neichstagswahl im Jahre 2017. Ein Freund des Herrn Bellamy, Mr. Julian West, der den Auftrag erhalten, in Deutschland die sozialen Verhältnisse zu stndiren, tritt diese Reise im Anfang des Jahres 2017 an. Er gelangt während der Reichstagswahlen in die politische Versammlung einer mitteldeutschen Stadt und schildert nun die Vertreter der Parteien und ihre Programme. Wir heben aus der interessanten Schilderung natürlich nur das hervor, was für unsere Leser von speziellem Interesse ist. Nachdem der Kandidat der Handwerkerpartei, Herr Drechslermeister Levy Cohn, ziemlich konfus gesprochen, ertheilt der Präsident das Wort dem Vertreter der Antisemitenpartei. Ter Kandidat der Antisemitenpartei Baron von Rosenzweig: Meine Herren! Mit nicht geringer sittlicher Entrüstung werden Sie von dem Programm der Handwerkerpartei, wie es uns soeben Herr- Lev!) Cohn vorgetragen hat, Kenntnis; genommen haben. Man kann nicht mehr moralische Verworfenheit in wenigen Worten zum Ausdruck bringen, als wie dies der geehrte Vorredner soeben gethan hat. Welche Untiefen öffnen sich da vor unseren Augen! Aber freilich, der Talmud und der Schulchan Aruch predigen solche Lehren. Handwerkerpartei nennt sich diese Partei — Jndenpartei müßte sie genannt werden. Denn, meine Herren, befindet sich nicht unser ganzes Handwerkerthum in den Händen der Juden? Haben diese nicht Alles an sich gezogen, was irgend zu bearbeiten ist, Holz, Stein, Eisen, Felle? Wie viele christliche Handwerker giebt es noch, meine Herren? Sie sind gezählt! (Unruhe.) Und wer hat unsere schöne herrliche Großindustrie ruinirt? Die Handwerker, d. h. die Juden! Von 2495 der ältesten Leute, die ich persönlich befragt habe, haben nur drei Neunzigjährige, gleich 0,12 Proz., die Erinnerung, in ihrer Jugend einen Fabrikschornstein gesehen zu haben. Das läßt tief blicken! Deshalb weg mit den Juden nach Afrika, wo der Kaiser- Isaak sie gern aufnehmen wird, wenn er nicht vorzieht, sie auf seinen Kolonien in Irland anzusiedeln2) Weg mit den Handwerker-Juden, sage ich, damit endlich auch der germanische Mann Platz finde int ehrlichen Handwerk. Und damit es so komme, meine Herren, wählet! Sie mich, den Kandidaten der antisemitischen Partei, welche als die einzige staatserhaltend im eminentesten Sinne des Wortes ist! (Andauernde Heiterkeit.) Hierauf folgt der Kandidat der Keglerpartei: Meine Herren! Der geehrte Vorredner will, daß die Juden kein Handwerk mehr betreiben. Ja, was sollen die Juden denn? (Zuruf: Kaufmann, Bankier werden!) Das waren sie ja früher. (Gelächter.) Ja, meine Herren, wenn Sie das nicht wissen, so muß ich Sie darüber belehren. Die Juden waren thatsächlich bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts Kaufleute und Bankiers (Zuruf: Na, na!) Haben Sie denn in der Schule gar nichts gelernt? Nor hundert Jahren hat man die Juden gezwungen, Handwerker zu werden, und jetzt sollen sie Bankiers werden, jetzt, wo dieser ganze Stand, wie wir vorn ersten geehrten Vorredner gehört haben, darniederliegt? Schlagen Sie die Juden doch lieber gleich todt! Nein, meine Herren, meine Partei wird jederzeit aufs Nachdrücklichste für den Handwerkerstand eintreten, erblickt außerdem das erstrebenswerthe Heil der Zukunft in der ausschließlichen Verwendung von Pockholz für Kegel und wird sich nun und nimmermehr damit einverstanden erklären, daß Buchsbaum oder gar Tannenholz zur Verwendung kommt, wie eine Vater-. landslose Partei vorzuschlagen die Stirn hat. Unter unserer Flagge hoffen wir alle reichstreuen Elemente versammeln zu können. Wählen Sie mich, meine Herren, den Kandidaten der Kegelpartei, welche im eminentesten Sinne des Wortes die staatserhaltende Partei ist. Es ergreift nun das Wort der Redner der Antiarierpartei Professor des Naturrechts Dr. Buschiri: Meine Herren! Versinkenden Rassen gehören die Germanen an wie die Juden, wenn sie nicht neue Kraft schöpfen aus uns, den Afrikanern. Unser ist die Welt, zum alten Eisen mit den Ariern! Ist es erhört, Ihr Stammesgenossen, daß Germanen über uns zu Gericht sitzen? Daß noch Germanen in unseren Armeen Offiziere sind und es sogar zum Regimentskommam 19 Hier macht Herr West in seinem Bericht eine längere Bemerkung in welcher er ausführt, daß im Jahre 1910 den Juden Deutschlands die Wahl gelassen wurde, entweder Handwerker zu werden oder auszu wandern. 63,7 Proz. der Juden wanderte nach Afrika aus, wo sie nach vielen heftigen .Kämpfen — der so genau ten Batracchomyomachie — unter Baruch I. ein mächtiges Kaisereich gründeten, 36,3 Proz. blieben als Handwerker im Lande.

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